mangelhaft dokumentierter Fundamenterder

  • In einem erst seit Fertigstellung wesentlicher Teile des Rohbaus von mir als Architekt betreuten Objekts hat der Elektriker bei Aufnahme der Indstallationsarbeiten die Vorlage von Fotos, Meßprotokollen un.a. zum Fundamenterder gefordert. Der Bauherr verfügt durch Insolvenz des früheren Bauträgers nicht üer diese Unterlagen und wird sie vermutlich auch nicht vom Insolvenzverwalter erhalten (können). Es gibt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, da es keine (Fach-) Planung für dieses Bauteil gab.


    Es gibt einen Fachplaner für TGA, der sich um dieses Thema kümmert, Ich misstraue ihm aus schlechter Erfahrung. Der Elektriker arbeitet nach erster Beobachtung sehr genau und buchstabengetreu nach den a.R.d.T. und den Vorgaben des VNB. Meine neugierige Frage zur Einschätzung des weiteren Handelns der beiden:

    1. Lässt sich die Funktionsfähigkeit des Fundamenterders Jahre nach Herstellung der WU-Konstruktion des Kellers noch verifizieren?
    2. Lässt sich die Funktionsfähigkeit des Fundamenterders ggf. praktisch noch nachträglich herstellen? Wenn ja, wie?
    3. Was kann formal in diesem Fall zusätzlich erforderlich sein und wie aufwändig ist dies?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Lässt sich die Funktionsfähigkeit des Fundamenterders ggf. praktisch noch nachträglich herstellen? Wenn ja, wie?

    Ja. Nachträglich Ringerder verlegen und, wenn erforderlich, Tiefenerder setzen. (Staberder ein"schlagen") Anzahl und Länge derTiefenerder muss ein Eltfach-Ing o.ä. berechnen. Funzt aber nur, wenn das Gebäude nicht größer als 18,0 * 18,0 m ist; bei Blitzschutz 8,0 * 8,0 m. (Raster 20*20 bzw 10*10 incl Gebäudeabstand)


    Hatte ich einmal bei einer BQÜ , der Fundamenterder war nicht mit der Bewehrung verbunden, BoPla auf Dämmung, (also keine Erdfühligkeit des Erders sichergestellt) Hat "etwas" gedauert, den BT davo zu überzeugen. Kosten hat der BT getragen, daher ????

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  • Sehr schönes Thema! Ich hab ja das gleiche Problem, obwohl eine DIN 18014 explizit vertraglich vereinbart war.


    In der Praxis kommt das häufig vor und in der Praxis messen die konzessionierten EFK dann die Widerstand und lassen es ansonsten gut sein (Leider?!)


    Die Nachrüstung und komplette Dokumentation eines zusätzlichen RIngerders mag teuer, aber möglich sein.


    Was aber ist mit dem ebenso geforderten Potentialausgleich in der Bodenplatte? Dessen fotografische und messtechnische Dokumentation dürfte nachträglich nicht beizubringen sein. Ob der Funktionspotentialausgleich in der Bodenplatte gem. 18014 zu dokumentieren ist, weiß ich nicht. Ggf. weiß das Dipol ?


    Zu guter letzt - du sprichst von einem Fundamenterder und einer WU-Konstruktion. Das schließt sich regelmäßig aus, bei WU-Konstruktionen ist ein separater Ringerder - außerhalb der WU-Konstruktion und Perimeterdämmung - gefordert.

  • Ein Ringerder im eigentlichen Sinn kann aus geometrischen Gründen nicht ergänzt werden, weil das Gebäude an zwei gegenüberliegenden Seiten dicht angebaut ist. Die Bodenplatte ist nach vorliegenden Unterlagen nicht unterseitig gedämmt. Es gibt nur eine seitliche Perimeterdämmung der Kellerwände.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Und wie ist diese ausgeführt?


    SK-Schicht direkt auf Erdreich und darauf die Bopla?

    Laut Schalplan genau so. (Andere Pläne gibt es nicht, da lt. Bauträger "schlank" geplant wurde, also eher "billig".)

    Oder ist dazwischen noch irgendwo eine PE-Folie, die die Erdfühligkeit auch hemmen dürfte?

    Es ist keine bekannt. Es wurde aber auch alles sehr "schlank" ausgeführt.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Einseitig? Du meinst Vorder- und Rückseite? Din-gerecht sicher nicht, da kenn ich nur (geschlossene) Ringe. Praktisch (im Sinne der Dorfkirche) mag sein, aber dafür müssten (sollten) alle Beteiligten schriftlich Nicken. Eli, Eigentümer(gemeinschaft), EVU, Anwälte

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  • Ein Ringerder im eigentlichen Sinn kann aus geometrischen Gründen nicht ergänzt werden, weil das Gebäude an zwei gegenüberliegenden Seiten dicht angebaut ist.

    Dann vorne und hinten im Erdreich verlegen und durch das Haus auf beiden Seiten verbinden. Wenn der Estrich im Keller noch nicht eingebaut ist, dann ist der Aufwand dafür vielleicht nicht ganz so hoch, die Verbindungsleitungen auf dem Rohboden zu führen.
    Nicht optimal, aber besser als nichts. Gibt zumindest für vorne und hinten eine Potentialsteuerung.

  • Vorabfrage: Gebäude mit äusseren Blitzschutz oder ohne?


    Lässt sich die Funktionsfähigkeit des Fundamenterders Jahre nach Herstellung der WU-Konstruktion des Kellers noch verifizieren?

    Eingeschränkt, ja. Messung Erdungswiderstand an den Anschlussfahnen, Messung Durchgängigkeit zwischen den Anschlussfahnen des Fundamenterders sollten auch möglich sein. Evtl. existieren ja mehrere Auslässe/Anschlussfahnen (Elt-Anschlussraum, Fahrstuhl...).


    Die Frage, ob eine erdfühlige Konstruktion/Aufbau BoPla vorliegt oder eine eingeschränkt erdfühlige Konstruktion der BoPla zugrunde zu legen ist, muss eigentlich der Architekt vorab klären.

    Ein Fundamenterder, der gem. DIN 18014 und TAB des EVU gefordert ist, dient ja als Anlagenerder für die Elektrotechnischen Versorgung im Objekt. Hierzu benötigt man aus technischer Sicht nur den Nachweis, das der Fundamenterder einen hinreichend geringen Widerstand zur Bezugserde aufweist.

    Lässt sich die Funktionsfähigkeit des Fundamenterders ggf. praktisch noch nachträglich herstellen? Wenn ja, wie?


    Funktionsfähigkeit im Sinne eines Funktionspotentialausgleiches in der BoPla lässt sich nachtraeglich kaum sinnvoll herstellen.


    Die Funktion eines Anlagenerders lässt sich technisch ohne weiteres herstellen, weicht aber dann von der Forderung der DIN18014 und der TAB für Neubauten ab.


    Was kann formal in diesem Fall zusätzlich erforderlich sein und wie aufwändig ist dies?


    Die Antwort darauf lautet alles und nichts. Im günstigsten Fall (kein äusserer Blitzschutz, entspanntes EVU...) genügt ein Anlagenerder, Anschluss an HES und die Aufteilung des Netzes (TN-C-S) im HAR. Es wird wohl eine Abweichung von der (damals geltenden) DIN18014 bleiben, technisch aber keine Auswirkungen haben. Bei weitergehenden Anforderungen (äusserer Blitzschutz z.B.) wird man um Sonderlösungen nicht umhin kommen und mit gewissen Einschränkungen in Hinblick auf die Erdungsanlage (EMV, Blitzschutz...) sich arrangieren müssen.

  • Lässt sich die Funktionsfähigkeit des Fundamenterders Jahre nach Herstellung der WU-Konstruktion des Kellers noch verifizieren?

    Leider nur für einen Teil, nämlich momentane(!) die Erdfühligkeit für den Schutzpotentialausgleich, da dürfte es reichen, den Erdungswiderstand zu messen.
    Leider gibt das keine Aussage über die Potentialsteuerung über die Bodenplatte und auch leider nicht über die Dauerhaftigkeit der Ausführung:
    * sind z.B. alle Verbindungen korrosionsgeschützt oder gammeln die über die Zeit weg

    * sind Leiter im Erdreich mit V4A ausgeführt
    Schlimmstenfalls gibt es nach Jahren keine Erdverbindung und damit keinen Schutzpotentialausgleich mehr (wenn gleichzeitig der PEN-Leiter unterbrochen ist - jaja unwahrscheinlich).

  • Dieser Punkt wird bei uns auch noch geprüft.


    Momentan würde der Punkt vom Gericht zurückgestellt.


    Sonst hätte ich den Sanierungsvorschlag hier einstellen können.


    Mir wurde aber gesagt, allein die Messung bringt nichts. Ob der Fundamenterder auch richtig verlegt wurde, weiss keiner.


    Die Messung kann für den Moment OK sein,. Ist er es aber in Jahre immer noch wenn er noch fachgerecht verlegt wurde.

  • Darf ich hier mal eingrätschen?


    Fraglich ist :

    Position & Länge

    Meines WIssens nach muss er in Richtiger Länge im Richtigen Abstand so nah wie möglich in der Bodenplatte oder direkt drum herum sein. (Liegt er zu weit weg, kann er Überspannung einleiten in das Haus durch Blitzschlag.

    Kann man ausschließen das er neber dem Haus liegt?

    Kann man die Länge elektrisch nachmessen? (Signalmessung wird hier nicht möglich sein da ggf die Bewehrung abschirmt oder das Signal streut?)

    Kann man störende Faktoren durch Bilder ausschließen?


    Material:

    Sollte man erkennen können an den Anschlussfahnen die ins Haus stehen.


    Unterliegt nicht jeder Erder einer regelmäßigen Prüfpflicht?

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Meines WIssens nach muss er in Richtiger Länge im Richtigen Abstand so nah wie möglich in der Bodenplatte oder direkt drum herum sein. (Liegt er zu weit weg, kann er Überspannung einleiten in das Haus durch Blitzschlag.

    Sprichst du vom Fundamenterder (oder Funktionspotentialausgleichsleiter)? Der gehoert in die Bodenplatte/Fundamente. Sprichst du vom Ringerder? Der kann unter der BoPla in der Sauberkeitsschicht oder aussen um das Gebaeude herum verlegt sein.

    Kann man die Länge elektrisch nachmessen? (Signalmessung wird hier nicht möglich sein da ggf die Bewehrung abschirmt oder das Signal streut?)

    Beim Fundamenterder (oder Funktionspotentialausgleichsleiter)? Nein, Stichwort Vermaschung. Beim Ringerder theoretisch ja, Praktisch ist das aber sinnfrei. Die Laenge des Ringerders ist unerheblich, Maschenweite und Abstand der Ausleitungen sind interessant.


    Sollte man erkennen können an den Anschlussfahnen die ins Haus stehen.

    Die Anschlussfahnen muessen nicht zwingend aus dem gleichen Material sein, wie der Erder. Fundamenterder aus StZn und Anschlussfahnen aus Edelstahl sind auch moeglich, ueblich und zulaessig. Selbst Ringerder duerfen unter bestimmten Vorraussetzungen aus StZn eingesetzt werden, da die Normen fuer Fundamenterder und Blitzschutzerder unterschiedliche Materialien fuer Erdungsanlagen zulassen.


    Unterliegt nicht jeder Erder einer regelmäßigen Prüfpflicht?

    Jein...hier in Sachsen waren bis 2014 z.b. Blitzschutzanlagen im Rahmen der SaechsTechPruefVO wiederkehrend durch Sachkundige zu pruefen. Wurde abgeschafft. Vermutlich, weil ja ein korrekt verlegter Erder aus dauerhaft korrosionsbestaendigen Edelstahl und (vor)-bildlich dokumentiert gar nicht mehr ausfallen kann und darf...


    Off-Topic:

    Irgendeine Begruendung fuer das tonnenweise Vergraben von hochveredelten Edelstaehlen muss man ja auch erstmal finden...

  • Wirklich? Mein Stand ist das V4A zum Beispiel V4A, Werkstoff-Nr. 1.4571/1.4404 und Kupfer eingesetz werden dürfen, aber kein feuerverzinkter Stahl...

    Wirklich. Die Forderung nach Ringerder aus V4A steht nur in der nationalen DIN 18014 fuer Fundamenterder. Die DIN EN 62305 als massgebliche Norm fuer Blitzschutz und Erdung enthaelt aber eine Materialtabelle, die auch Erder aus StZn als zulaessigen Werkstoff benennt. Nun koennte man voellig normgerecht beim Bestandsgebaeude mit Fundamenterder aus anno dunnemals den Ringerder samt Ausleitungen fuer den Blitzschutz in StZn errichten. Das funktioniert, die viel beschworene Korrosion von solchen Ringerdern ist mehr ein theoretisches Problem. Zum Korrodieren benoetigt es ja Sauerstoff, der ist z.B. im hiesigen schweren Lehmboden in 0,6 oder 0,8m Tiefe ganz rar.


    Warum, wieso die DIN 18014 und ihre Verfechter so verbissen auf Edelstahl als Ringerder bestehen, ist mir auch nicht ganz klar. Lobbyarbeit? Kurioserweise werden fuer die Erder Typ A (Banderder z.B.) keine Ausfuehrung in Edelstahl gefordert. Dabei kann man sich leicht ausmalen, das ein Banderder, so er an einer Stelle korrodiert, quasi funktionslos ist. Ein an einer Stelle unterbrochener Ringerder scheint mir da das deutlich geringe Uebel zu sein. Die bisherige Verfahrensweise (geringere Anforderungen an das Material des Erders, dafuer aber regelmaessige Kontrolle) hat sicherlich nicht ausschliesslich Nachteile.

  • Wirklich. Die Forderung nach Ringerder aus V4A steht nur in der nationalen DIN 18014 fuer Fundamenterder.

    Das könnte von einer der beiden nicht ganz deckungsgleichen b.v.s-Stellungnahmen abgeschrieben sein, wird aber dadurch nicht zutreffender.


    St/tZn ist im Erdreich nicht nur nach DIN 18014 seit der Ausgabe von 2007-09 zweite Wahl, sondern auch nach ÖVE und SEV. Die Sinnhaftigkeit von korrosionsbeständigem Material im Erdreich kann man schon im veralteten aber noch immer gültigen Oldie DIN VDE 0151:1986-06 und bei Anschlussfahnen auch in DIN VDE 0100 nachlesen. Nicht zuletzt auch in der IEC 62305 sind Einschränkungen bei Kombination mit Fundamenterdern nachzulesen.

    Zitat von karo1170

    Die DIN EN 62305 als massgebliche Norm fuer Blitzschutz und Erdung enthaelt aber eine Materialtabelle, die auch Erder aus StZn als zulaessigen Werkstoff benennt. Nun koennte man voellig normgerecht beim Bestandsgebaeude mit Fundamenterder aus anno dunnemals den Ringerder samt Ausleitungen fuer den Blitzschutz in StZn errichten. Das funktioniert, die viel beschworene Korrosion von solchen Ringerdern ist mehr ein theoretisches Problem. Zum Korrodieren benoetigt es ja Sauerstoff, der ist z.B. im hiesigen schweren Lehmboden in 0,6 oder 0,8m Tiefe ganz rar.

    Bei Materialtabellen gibt es eine viel zu große Auswahl in diversen Normen deren Vereinheitlichung/Beseitigung wegen Diskrepanzen überfällig ist. Ich gehe davon aus, dass die Materialtabellen der DIN EN 62305 verschwinden und nur noch in der Reihe IEC 62561 bleiben werden, siehe die fast noch druckfrische DIN EN IEC 62651-2 (VDE 0185-561-2):2019-12, die anders gegliedert und in einem Punkt geändert ist.

    Zitat von karo1170

    Warum, wieso die DIN 18014 und ihre Verfechter so verbissen auf Edelstahl als Ringerder bestehen, ist mir auch nicht ganz klar. Lobbyarbeit? Kurioserweise werden fuer die Erder Typ A (Banderder z.B.) keine Ausfuehrung in Edelstahl gefordert. Dabei kann man sich leicht ausmalen, das ein Banderder, so er an einer Stelle korrodiert, quasi funktionslos ist. Ein an einer Stelle unterbrochener Ringerder scheint mir da das deutlich geringe Uebel zu sein. Die bisherige Verfahrensweise (geringere Anforderungen an das Material des Erders, dafuer aber regelmaessige Kontrolle) hat sicherlich nicht ausschliesslich Nachteile.

    Da klingt für mich stark nach AFDD- und SIEMENS-geschädigt. Messungen von Erdausbreitungswiderständen besagen NICHTS über die Güte und Blitzstromtragfähigkeit oder den Korrosionszustand. Der ist nur durch Sichtung festzustellen und außer einer Versuchsreihe von DEHN, bei welcher Tiefenerder nach langjährigen Einbauzeiten wieder gezogen wurden, kenne ich niemand der sich den Aufwand auch nur nach 10 Jahren macht. Einmal vergraben oder versenkt = für alle Zeit vergessen.


    Ich habe Erder aus St/tZn gesehen, die nach Jahrzehnten noch gut in Schuss waren, aber auch solche welche unerwartet schnell vergammelt sind. Im grünen BEF hat Jonny mal einen Staberder eingestellt, von dem nur noch ein Torso übrig war.

    Um NIRO oder Kupfer zu wollen muss man weder verbissen noch gar Lobbyist sein. Alte DIN 18014 ab 1994 und die noch älteren VDEW Bestimmungen für das Einbetten von Fundamenterdern in Gebäudefundamente haben eines gemeinsam: Sie waren den ausführenden Baubeteiligten überwiegend ebenso unbekannt wie die Neuerungen seit DIN 18014:2007-09. Ob Erdungsanlagen in der des Lobbyismus unverdächtigen Ex-DDR und aufgrund des Gesetzescharakter der TGL-Bestimmungen weniger inkompetent verlegt wurden, müsstest du besser wissen als ein Wessi wie ich.


    Auf den Anblick einer Anschlussfahne aus St/tZn, die nach einer der Normvorgaben in 0,3 m Höhe zum Korrosionsschutz aus der Wand austritt, warte ich bislang vergebens, feuerverzinkte Anschlussfahnen welche mit 0,3 m Wandabstand aus dem Boden ohne jeglichen Korrosionsschutz aus dem Beton austreten und oft schon im Rohbau rosten, habe ich zu viele gesehen. Auch dieser Thread gibt nicht einen normwidrigen Ausnahmefall sondern die normwidrige Normalität wieder.


    Mein von Jonny im BEF gepinnter Fundarmenterderthread jährt sich demnächst zum 6. Mal ohne dass sich an der Baustellenrealität etwas signifikant verbessert hätte.

  • NACHTRAG zum Textauszug in Beitrag #11 von SirSydom der DIN 18014:2014-03


    Absatz 5.7 Fundamente mit erhöhtem Erdübergangswiderstand muss im Zusammenhang mit den Beispielbilder gesehen werden.


    Text hat in Normen Vorrang vor Beispielbildern, aber sachlich und aus Bild 13 - Beispiel für die Anordnung eines Ringerders bei beidseitiger Anordnung der Wärmedämmung (Perimeterdämmung) in bewehrtem Fundament ist eindeutig abzuleiten, dass jedenfalls an Gebäuden mit Frostschürzen noch immer Erdfühligkeit vorliegen kann.



    Ob ausnahmsweise diese Erdungsanlage von einer konzessionierte EFK normkonform dokumentiert wurde, lässt sich evtl. noch über beim Insolvenzverwalter angemeldete Forderungen klären. Ohne Doku führt - mit oder ohne Frostschürze - an einem Erder vom Typ A kein Weg vorbei.

  • Ob ausnahmsweise diese Erdungsanlage von einer konzessionierte EFK normkonform dokumentiert wurde, lässt sich evtl. noch über beim Insolvenzverwalter angemeldete Forderungen klären. Ohne Doku führt - mit oder ohne Frostschürze - an einem Erder vom Typ A kein Weg vorbei.

    So hatte ich das für mich auch zusammengefasst. (Danke allen, die bisher in diesem Forum zu meiner Aufklärung beigetragen haben!) Gestern habe ich nun freundlich beim TGA-Bauleiter nachgefragt, was denn der Stand der Dinge sei, bin ja nicht zuständig, wollte aber mit dem Bauherrn auf Stand bleiben. (Wir haben übrigens keine Perimeterdämmung unter der Bodenplatte, aber das hilft ja bei der fehlenden Dokumentation auch nicht weiter). Objektüberwachung TGA ("OÜ-TGA") schwieg. Heute kam quasi als Antwort des OÜ-TGA ein Angebot des bereits tätigen Elektrikers, welcher anbot, für 1.400 € brutto die Anlage zu untersuchen und den Ist-Zustand zu dokumentieren. Ausdrücklich wies er dabei sogar darauf hin, dass nach der Überprüfung weitere Leistungen notwendig werden könnten, um die Normgerechtigkeit der Erdungsanlage herzustellen. Dieses Angebot hat die OÜ-TGA nun kommentarlos an den Bauherrn weitergeleitet. Diese Weiterleitung konnte als eine Beauftragungsempfehlung verstanden werden.


    Ich habe darauf hin die Bauherrenvertretung mündlich darüber informiert, dass der Befund der Untersuchung meines Wissens mangels Vorliegen einer normgerechten Dokumentation nur negativ sein könne. Kurz darauf erhielt ich diese Kopie einer Aktennotiz der Bauherrenvertretung zu ihrer Nachfrage bei der OÜ-TGA hierzu:

    Zitat von Bauherrnvertretung

    ... habe gerade auf den Tipp von Herrn Skeptiker hin mit Herrn X als OÜ-TGA zu angehängtem Angebot telefoniert und nachgefragt, ob wir den Schritt der Dokumentation der Erdungsanlage nicht übergehen können (Kosten ca. 1.400 €), da eigentlich klar ist, dass die bestehende Anlage nicht normgerecht ist und daher auch nicht verwendet werden kann. Stattdessen könnten wir direkt zum nächsten Schritt übergehen und von Fa. Elektro eine normgerechte Anlage nachträglich errichten lassen. Herr Herrn X als OÜ-TGA hatte diesen Aspekt so noch nicht betrachtet, fand aber, das macht Sinn. Es ist seiner Meinung nach davon auszugehen, dass die vorhandene Erdungsanlage nicht normgerecht ist und nicht verwendet werden kann. Er wird direkt dazu ein Angebot machen lassen.


    Wie teuer die nachträgliche Errichtung wird, konnte Herr X noch nicht sagen, aber Fakt ist, dass wir nicht darum herumkommen.

    :wall: ;(


    Ich frage mich natürlich jetzt, wofür dieser TGA-Planer, der er ja auch ist, eigentlich bezahlt wird. Offensichtlich zählt er ja weder die Planung noch die kritische Prüfung von Nachtragsangeboten zu seinen Aufgaben.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • (Wir haben übrigens keine Perimeterdämmung unter der Bodenplatte, aber das hilft ja bei der fehlenden Dokumentation auch nicht weiter).

    Ohne Dokumentation ist der erste Schritt beim VNB nachzufragen mit welcher Notlösung er einverstanden ist. Wo ein geschlossener Ringerder nicht mehr ausführbar ist, bleibt nur ein Tiefen- oder Oberflächenerder vom Typ A.

    Zitat von Skeptiker

    Objektüberwachung TGA ("OÜ-TGA") schwieg. Heute kam quasi als Antwort des OÜ-TGA ein Angebot des bereits tätigen Elektrikers, welcher anbot, für 1.400 € brutto die Anlage zu untersuchen und den Ist-Zustand zu dokumentieren. Ausdrücklich wies er dabei sogar darauf hin, dass nach der Überprüfung weitere Leistungen notwendig werden könnten, um die Normgerechtigkeit der Erdungsanlage herzustellen. Dieses Angebot hat die OÜ-TGA nun kommentarlos an den Bauherrn weitergeleitet.

    Nach dem Betonieren sind undokumentiere Fundamenterder nur noch durch unverhätnismäßigen Abbruch der Bodenplatte normkomptibel nach DIN 18014 herzustellen. Da es bei Neubauten keine Wahlfreiheit zwischen DIN 18014 und den geringeren Anforderungen der Reihe IEC 62305 gibt, fällt für Nachbesserungen sowohl St/tZn wie auch ein Ringerder flach, der zu 20 % nicht erdfühlig verlegt ist.


    Eine nachträgliche Überprüfung kann im Wesentlichen nur eine Messung des Erdausbreitungswiderstands beinhalten, welche nach DIN 18014 nicht gefordert ist und keinerlei Rückschlüsse über die korrekte Lage des FE unter den Außenwänden, min. 5 cm Betondeckung und die Art der Verbindungen zulässt. Bei nur einer Anschussfahne ist auch die Messung des nach DIN 18014 vorgeschriebenen Durchgangswiderstands gegen die HES nur möglich, wenn man am entferntesten Diagonalpunkt die Bodenplatte öffnet, was vermutlich nicht beabsichtig ist. Auch gemäß DIN 18014 7.3 Durchgangsmessung normkonforme 0,2 von der HES gegen andere Anschlussfahnen oder einen freigelegten RE-Punkt, heilen den Verstoß nicht.


    Da der Informationsgehalt einer teuren Überprüfung beschränkt ist, kann man auch gleich einen NIRO-Erdspieß mit im Blitzschutzbau üblicher Standardlänge von 9 m setzen. Mit dieser Norlösung geben sich auch die meisten VNB zufrieden. Sofern bauphysikalisch und von den Leitungsführungen möglich, sollte der Erder möglichst nahe der HES durch ein Bohrloch in der Bodenplatte gesetzt werden.

  • Heute wurde vom Bauherrn die nachträgliche Ausführung von 4 Erdspießen à 9 m beauftragt. Die zusätzlichen Kosten für den Bauherrn belaufen sich auf rd. 5.000 € brutto komplett. Das Angebot ist pauschaliert. Das erleichtert natürlich die Rechnungsprüfung immens - für den Fachplaner TGA. (Ja, ich gebe zu: Ich mag ihn nicht!)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Heute wurde vom Bauherrn die nachträgliche Ausführung von 4 Erdspießen à 9 m beauftragt.

    Mehr ist immer besser als weniger, aber für den Zweck ohne LPS wirklich 4 (in Worten: vier)?

    Zitat von Skeptiker

    Die zusätzlichen Kosten für den Bauherrn belaufen sich auf rd. 5.000 € brutto komplett. Das Angebot ist pauschaliert. Das erleichtert natürlich die Rechnungsprüfung immens - für den Fachplaner TGA. (Ja, ich gebe zu: Ich mag ihn nicht!)

    Wem oblag den die Kontrolle der wie meistens nicht dokumentierten Erdungsanlage?

    • Damit sich Tiefenerder nicht gegenseitig beeinflussen, sollten sie das Doppelte der Eintreibtiefe einhalten.
    • 18 m Oberflächenerder in min. 0,8 m Mindesttiefe nach DIN 18014:2014-03 ergeben einen vergleichbaren Erdausbreitungswiderstand wie ein Tiefenerder mit 9 m Länge.

    Abseits der Sinnhaftigkeit von 4 x 9 m langen Tiefenerdern stellt sich die Frage wo die eingetrieben und wie sie miteinander und dem Schutzpotenzialausgleich verbunden werden sollen.


    Falls es auch eine erdungspflichtige Antenne gibt für deren Erdung nach IEC 60728-11 ein auf 3 m Tiefe eingetriebener Einzelerder mit min. 2,5 m Länge oder ein 5 m langer Oberflächenerder reichen würde, müssen die Verbinder angefangen am Mast bis zu einem Erder durchgängig nach Klasse H = 100 kA zertifiziert sein. Ansonsten hat die Welt ein Placebo mehr.