Asbest durch Nachbarn?

  • Hallo,


    unser Nachbar saniert gerade sein Haus (Baujahr etwa 1960). Seit Tagen steht bei teils starkem Wind sein offener Container mit zerbrochenem Baumaterial aller Art herum.

    Wenn ich richtig informiert bin, ist bei Gebäuden dieses Baujahres fast immer irgendwo Asbest enthalten.

    Jetzt frage ich mich, wie die Experten unter euch die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass durch den Schutt (siehe Fotos) ein Gesundheitsrisiko für uns als direkte Nachbarn ausgehen könnte.
    Natürlich müsste man Proben entnehmen aber mir geht es mehr darum, ob ich mir generell Sorgen machen sollte. Wir haben eine einjährige Tochter. Wie würdet ihr euch verhalten?

    Viele Grüße
    Tom


  • aber mir geht es mehr darum, ob ich mir generell Sorgen machen sollte. Wir haben eine einjährige Tochter. Wie würdet ihr euch verhalten?

    Ich wuerde meine Tochter nicht auf dem Container spielen lassen. Nicht wegen möglichen Asbest, sondern wegen der scharfkantigen Bruchstücke. Ansonsten wäre ich da sehr entspannt...

  • Asbestfasern liegen mit wenigen Ausnahmen (Spritzasbest als Brandschutzverkleidung von tragenden Stahlbauteilen) im Bauwesen überwiegend gebunden vor. Dabei bestehen für die Umgebung nur geringe Gefahren - solange nicht Bauteile mit hohem Faseranteil zerspant oder in kleinste Teile zerbrochen werden.


    Kritischer sehe ich den Rückbau künstlicher Mineralfasern ("KMF") die meist ungebunden und in größerer Masse vorliegen. Aber auch diese sind mit zunehmender Entfernung zum Ausbauort bzw. im Freien und bei seltener Exposition nur wenig gesundheitsgefährdend.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wenn ich richtig informiert bin, ist bei Gebäuden dieses Baujahres fast immer irgendwo Asbest enthalten.

    Das ist so pauschal nicht richtig. Richtig ist, dass damals Asbest(fasern) eingesetzt wurde(n), aber das war nicht die Regel, eher die Ausnahme. Trotzdem ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass man in einem Haus dieses Baujahres auf Asbest trifft, höher als bei einem heutigen Neubau. Asbest wurde nicht nur in Platten eingesetzt, sondern auch als Hitzeschutz in Heizkesseln, Nachtspeicheröfen usw.


    Entscheidend ist, in welcher Form die Asbestfasern vorliegen. In den meisten Fällen sind diese in anderen Materialien gebunden (Bsp.: Wellplatten o.ä.). Dadurch geht von ihnen keine Gefahr aus, so lange sie nicht bearbeitet werden. Bohren, aber vor allen Dingen sägen und fräsen, setzen eine Menge Staub frei, in dem dann auch Bruchstücke der Asbestfasern enthalten sind. Ein einfaches Zerbrechen sorgt eher für größere Bruchstücke, in denen die Fasern gebunden bleiben, und die aufgrund ihres Gewichts auf den Boden fallen. Der Anteil freigesetzter Fasern ist dabei eher gering. Trotzdem sollte jegliche mechanische Bearbeitung solcher Platten unterbleiben.


    Damit Fasern bzw. Faserreste über längere Strecken durch den Wind bewegt werden können, müssen diese sehr leicht sein. Das ist der Fall, wenn bei der Bearbeitung solcher Materialien trockener Staub entsteht.


    Übrigens, a propos Staub, bei einer Sanierung würde ich mir mehr Gedanken um den sonstigen Staub machen (Zement, Gips usw.). Insbesondere die Arbeiter die den ganzen Tag damit zu tun haben müssen sich entsprechend schützen. Die Wahrscheinlichkeit einer Lungenerkrankung aufgrund von irgendwelchem Staub ist viel höher, als die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Bruchstück einer Asbestfaser in die Lunge verirrt. Leider wird dieses Thema insbesondere von den Arbeitern sehr locker gehandhabt, Schutzmasken eher als lästig empfunden.

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