Betonglätten fehlgeschlagen (Regen), jetzt schleifen, Versiegeln notwendig?

  • Hallo allerseits,


    wir bauen gerade ein EFH mit einem Architekten.

    Obwohl wir, trotz einer unangenehmen Kostenexplosion bei bisher einem Gewerk, sehr zufrieden mit unserem Architekten sind, möchte ich, wegen des drohenden Aufwandes bei falschem Vorgehen, doch gerne die Gelegenheit nutzen und hier nochmal um Meinungen und Rat fragen.


    Die Keller-Fundamentplatte wurde die Tage erstellt und sollte eigentlich schön geglättet werden. Estrich ist keiner geplant, soll aber Option sein, falls sich in vielen Jahren evtl mal ein anderer Nutzungswunsch ergeben sollte.

    Leider hat es genau an dem Tag und wohl exakt zur falschen Zeit stark geregnet, sodaß die Oberfläche nun eher Ähnlichkeit mit Pockennarben hat als mit glattem Beton.

    Der Rohbauer trägt die Konsequenzen und hat angeboten den Boden im Januar abschleifen zu lassen. Das Soll-Bild, das er mir gezeigt hat, sieht ein wenig aus wie Terrazzo, der Beton wurde dort bis auf die dicken Steine abgeschliffen. Sieht eigentlich sehr ansprechend aus und wäre für mich in Ordnung.


    Meine Fragen wären jetzt:


    Muss man den geschliffenen Beton dann auch noch versiegeln?

    Hätte ich den geglätteten Betonboden ebenfalls versiegeln müssen?


    Da der Keller einige wirklich schwere Apparate auf Rollen (1,5t max) beherbergen soll ist eine absolut glatte und tragfähige Schicht unerlässlich.

    Es besteht auch das Risiko, dass mal ein Ölfleck auf den Boden gelangen könnte. Eine Rutschhemmung benötigen wir deswegen aber nicht.


    Wenn Versigeln notwendig ist:

    Für eine Epoxidbeschichtung wäre vermutlich ein gröberes Anschleifen notwendig? Wobei mir das eigentlich zu teuer wäre nach o.g. Mehrkosten.

    Würde eine Wasserglasversiegelung evtl auch ausreichen? Das Bild sah doch recht ansprechend aus und wäre meiner Ansicht nach als erhaltenswert einzustufen.



    Über ein paar Ratschläge würde ich mich sehr freuen und verbleibe


    mit freundlichem Gruß,


    Marc

  • Muss man den geschliffenen Beton dann auch noch versiegeln?

    Aus Sicht des Schutzes des Betons zur Erhaltung des Tragfähigkeit im Keller sicher nicht - gibt ja weder Frost-Tauwechsel noch Tausalz.

    Optik und Funktion - siehe weiter unten


    Hätte ich den geglätteten Betonboden ebenfalls versiegeln müssen?

    Auch ein (flügelgeglätteter) Betonboden staubt etwas.. je nach Anspruch im Innenbereich wäre eine "Imprägnierung" mit Wasserglas angezeigt.

    Unbedingt notwendig im Keller aus meiner Sicht - nein.


    Da der Keller einige wirklich schwere Apparate auf Rollen (1,5t max) beherbergen soll ist eine absolut glatte und tragfähige Schicht unerlässlich.

    Dafür sollte dann auch die Betongüte passen! Damit der Boden diese Lasten schadlos aufnehmen kann, muss die passen!

    Durch den Regen kann ich mir vorstellen, könnte auch bei passendem Beton evtl. das Ergebnis nicht ausreichen.


    Wurden denn die Anforderungen kommunziert?


    Es besteht auch das Risiko, dass mal ein Ölfleck auf den Boden gelangen könnte. Eine Rutschhemmung benötigen wir deswegen aber nicht.

    Wenn du diesen Ölfleck wieder wegbekommen willst, dann ist der unbehandelte Beton sicher unzureichend. Egal ob geglättet oder geschliffen - wobei der geglättete schon weniger saugt.

    Ob Wasserglas hier 100% Schutz bietet, weiß ich nicht. Epoxy aber auf jeden Fall.


    Für eine Epoxidbeschichtung wäre vermutlich ein gröberes Anschleifen notwendig?

    Ich würde sagen solange der Boden nicht poliert sondern nur fein geschliffen wird, passt es, aber dass kommt auch auf die Einschätzung des Bodenlegers an und auf das verwendete Material.

    Mit einer ordentlichen Epoxid oder Acrylatbeschichtung (~ 5-8mm) hast du auch die Festigkeit für deine Rollen, sofern der Beton dafür nicht geeignet sein sollte.


    Würde eine Wasserglasversiegelung evtl auch ausreichen?

    evtl, ja. evtl. reicht auch gar nichts. Kommt einfach auf deine Ansprüche an - bzgl. Optik, Staub und Reinigungsmöglichkeit.





    Disclaimer: Vor allem angelesenen Wissen im Rahmen der Planung und Ausführung meiner Garage ohne Praxiserfahrung.

    Ich kenne nur den geglätteten und teilweise geschliffenen Boden meiner Garage.

  • Estrich ist keiner geplant, soll aber Option sein, falls sich in vielen Jahren evtl mal ein anderer Nutzungswunsch ergeben sollte.

    Wie kann das gehen? Wenn die geglättete Bodenplatte die fertige Höhe ist, kann man doch nicht irgendwann später diverse cm hinzugeben. Dann passt doch keine Tür und keine Treppe mehr.


    Da der Keller einige wirklich schwere Apparate auf Rollen (1,5t max) beherbergen soll ist eine absolut glatte und tragfähige Schicht unerlässlich.

    Da wäre natürlich eine sogenannte Hartstoffeinstreuung beim Flügelglätten schon eine gute Idee gewesen. Wurde das gemacht?


    Hätte ich den geglätteten Betonboden ebenfalls versiegeln müssen?

    Das ist nutzungsabhängig. Rollen da Gabelstapler herum, so wäre eine Industriebeschichtung sicher richtig. Hierfür wird der geglättete Boden kugelgestrahlt (=aufgerauht) und im Nachgang beschichtet.

  • Leider hat es genau an dem Tag und wohl exakt zur falschen Zeit stark geregnet, sodaß die Oberfläche nun eher Ähnlichkeit mit Pockennarben hat als mit glattem Beton.

    Der Rohbauer trägt die Konsequenzen und hat angeboten den Boden im Januar abschleifen zu lassen. Das Soll-Bild, das er mir gezeigt hat, sieht ein wenig aus wie Terrazzo, der Beton wurde dort bis auf die dicken Steine abgeschliffen. Sieht eigentlich sehr ansprechend aus und wäre für mich in Ordnung.

    Ist die erforderliche obere Betonüberdeckung des Bewehrungsstahls dann noch gegeben? Passen die Anschlusshöhen an die Treppen noch?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Leider hat es genau an dem Tag und wohl exakt zur falschen Zeit stark geregnet, sodaß die Oberfläche nun eher Ähnlichkeit mit Pockennarben hat als mit glattem Beton.

    Der Rohbauer trägt die Konsequenzen und hat angeboten den Boden im Januar abschleifen zu lassen. Das Soll-Bild, das er mir gezeigt hat, sieht ein wenig aus wie Terrazzo, der Beton wurde dort bis auf die dicken Steine abgeschliffen. Sieht eigentlich sehr ansprechend aus und wäre für mich in Ordnung.

    Wenn der Starkregen die Betonoberfläche derart verformen konnte, dann hätte ich Bedenken wegen der Festigkeit.

    Eine große Regenmenge kann das Wasser-Zemtverhältnis negativ verändern so dass es zu einem minderfesten Beton führt und/oder der Erhärtungsprozess wird durch den mechanischen Einfluss behindert. Je nach Regenmenge kann es auch zum Ausspülen von Zement- und Feinanteilen kommen.


    Die erreichte Festigkeit kann nach dem Abbindeprozess zerstörungsfrei mit einem Rückprallhammer geprüft werden. In diesem Zuge wäre es sicher auch keine schlechte Idee, die Betondeckung messen zu lassen (zerstörungsfrei mit einem Bewehrungssuchgerät). Durch das Schleifen wird die Betondeckung reduziert. Wie viel abgeschliffen werden muss, hängt von der Qualität des Betons und von der Oberfläche ab.


    Was wurde denn zur Nachbehandlung unternommen?

    Wie kalt war es denn "die Tage" als betoniert wurde?

    Gab es schon Nachtfrost?

    Welche Maßnahmen wurden für das "Betonieren bei kalter Witterung" ausgeführt?

    B21.pdf

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Eine Imprägnierung mit Wasserglas wäre auch bei gelungenem Glätten sinnvoll gewesen.


    Ob ein Schleifen sinnvoll ist, kann nur nach Prüfung der Oberfläche gesagt werden. Falls ja, sollte auch hier eine Imprägnierung erfolgen. Aber kaum im Januar, die Temperaturen sollten da schon passen.


    Falls die Randzone des Betons zweifelhaft ist, kann man auch ein wenig abtragen und mit dünnen Industrieestrich im Verbund arbeiten. entweder mit 4 mm oder aber mit 10-15 mm je nach Notwendigkeit. Aber bitte erst, wenn alle zu ist und die Temperaturen passen. Auch dann ist eine Imprägnierung zu empfehlen.

    Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. 8o

  • werden wände auf die bopl betoniert? liegt dort ein fugenband

    umlaufendes Fugenband + Starkregen minus Schutzmaßnahmen = ???

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Wurden denn die Anforderungen kommunziert?

    Ja, das war von Anfang an klar.


    Wie kann das gehen? Wenn die geglättete Bodenplatte die fertige Höhe ist, kann man doch nicht irgendwann später diverse cm hinzugeben. Dann passt doch keine Tür und keine Treppe mehr.


    Da wäre natürlich eine sogenannte Hartstoffeinstreuung beim Flügelglätten schon eine gute Idee gewesen. Wurde das gemacht?

    Das war von Anfang an so geplant. Der Kellerboden ist tiefer als das Bodenniveau des Kellers im Treppenhaus. Die Türe sitzt höher.

    Die anderen Türen haben einen höheren Sturz, damit man später andere Türen verwenden könnte. Sind auch nur zwei Türen im Keller, sonst freie Fläche

    Hartstoffeinstreuung ist eine gute Frage. Der Boden sieht etwas anders aus als die Bodenplatte im EG, aber das muss ich im neuen Jahr gesondert anfragen.


    Ist die erforderliche obere Betonüberdeckung des Bewehrungsstahls dann noch gegeben? Passen die Anschlusshöhen an die Treppen noch?

    Also der Architekt weiß Bescheid und meinte die Lösung wäre in Ordnung. Genaueres kann ich dazu nicht sagen.

    Anschlusshöhen siehe oben, ist in dem Fall durch die gesonderte Bodenhöhe kein Problem.


    Die Prüfung des Bodens werde ich vor dem Schleifen anregen, mal sehen, was der Architekt dazu sagt.

    Nachbehandlung? Wüsste ich jetzt nichts, will aber nichts bedeuten.

    Temperatur war tagsüber um die 7-10°C, nachts um die 3°C, kein Nachtfrost. Das einzige, das ich mitbekommen habe, dass es wohl "schnellhärtender Beton" gewesen sei.


    werden wände auf die bopl betoniert? liegt dort ein fugenband, gibts anschlussbewehrung? wie wird dort der beton bearbeitet?

    firstfingsfirst ;)

    Es wurden diese Doppelwände gesetzt, Kelleraussenwände und Innenwände. Im Zentrum der Wände stehen lange Bewehrungsstäbe nach oben. Aber nur an den Aussenwänden war eine Art senkrecht stehendes "Band" zu sehen, wenn ich mich recht entsinne.

    Der Boden wird erst im Januar geschliffen, quasi nur neben den Wänden.



    Insgesamt evtl noch der Hinweis:
    Der Regen war zwar heftig, aber nur kurz. Aber wohl zu exakt dem falschen Zeitpunkt, an dem geglättet hätte werden müssen.

    Die "Pockennarben" die ich anfangs erwähnt habe haben sich bei näherer Betrachtung als Fehleinschätzung herausgestellt, das hat getäuscht, der Boden ist eigentlich nicht unebener als der Betonboden im EG jetzt.


    Einen Epoxidboden wollte ich eigentlich vermeiden, das kommt doch sehr teuer wenn man es in der eigentlich notwendigen Schichtstärke machen muss.

    Und zu dünn hat er keinen Wert, platzt dann nur bei der erstbesten Belastung ab wenn mal was runterfällt.


    Wasserglas klingt nicht schlecht bisher, da muss ich mich mal schlau machen.



    Vielen herzlichen Dank für den vielen Input, leider hat die Benachrichtigungsfunktion nicht so funktioniert wie ich wollte, daher auch jetzt erst die Antworten dazu.