Brettschichtholz mit stehenden Lamellen zulässig?

  • Ich gerade gerade einen Anruf einer qualitätssichernden Bauüberwacherin zu einem BV von ihr.


    Es wurden bei einem Mansarddach Mittelpfetten aus BSH 24*24 cm geplant und eingebaut. Eine Pfette wurde 90° gedreht eingebaut, d.h. abweichend von der üblichen Einbauweise stehen die Lamellen.


    Jetzt kam die Frage, ob das zulässig ist. Ich bin mir nicht sicher, weil ich das Problem oder die Frage noch nie hatte.


    Die zulässigen Spannungen sind bei homogenisiertem BSH ("h", die Regel) sogar etwas höher bei min. 4 hochkant stehenden Lamellen als bei liegenden, bei kombiniertem BSH gleich.


    Also müsste es doch bei quadratischem Querschnitt wurscht sein, ob die Dinger liegend oder stehend eingebaut werden, vorausgesetzt, die horizontale Belastung ist nicht höher als die vertikale, was bei Pfetten eher nicht vorkommt.


    Kann da jemand weiterhelfen?

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Mein Haus- und Hofstatiker hat mich in einem Projekt vor längerer Zeit 'mal sehr vehement darauf aufmerksam gemacht, dass die statischen Kennwerte von BSH ausschließlich für die angegebene Last- bzw. Einbaurichtung gelten.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Das ist ja grundsätzlich richtig, da ein rechteckiger Träger bei um 90° gedrehter Einbaulage i.d.R. nicht ausreichend tragfähig ist. Hier haben wir den Sonderfall quadratischer Querschnitt, so dass es rein von den Beanspruchungen her bei gleichen Querschnittswerten wurscht wäre.


    Gemäß Fußnote 5) aus der Tabelle gelten für stehende Lamellen höhere Werte für Biegung.


    Üblich ist zweifellos der Einbau mit liegenden Lamellen. In meinem Statikprogramm kann ich die Lamellenrichtung nicht ändern, sonst hätte ich schon mal eine Vergleichsrechnung gemacht.


    Ich habe für den konkreten Fall nach ein paar Anrufen bei Kollegen, die auch nicht eindeutig weiterhelfen konnten, die SV auf den Statiker verwiesen, damit der sich dazu äußern möge. Interessieren tut es mich trotzdem weiter.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Das ist ja grundsätzlich richtig, da ein rechteckiger Träger bei um 90° gedrehter Einbaulage i.d.R. nicht ausreichend tragfähig ist. Hier haben wir den Sonderfall quadratischer Querschnitt, so dass es rein von den Beanspruchungen her bei gleichen Querschnittswerten wurscht wäre.

    Den quadratischen Querschnitt hatte ich im Blick. Mein Lieblingsstatiker sagte eben auf Nachfrage dazu, das E-Modul sei zu berücksichtigen und sei richtungsbezogen. Ich bin mir weder sicher, ihn richtig verstanden zu haben, noch konnte ich ihm inhaltlich folgen. Ich kann Dir gerne seine Telefonnummer geben!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Mein Lieblingsstatiker sagte eben auf Nachfrage dazu, das E-Modul sei zu berücksichtigen und sei richtungsbezogen. Ich bin mir weder sicher, ihn richtig verstanden zu haben, noch konnte ich ihm inhaltlich folgen. Ich kann Dir gerne seine Telefonnummer geben!

    Die nette Rücksprache mit Deinem Lieblingsstatiker hat ergeben, dass er wohl etwas falsch verstanden hatte. Das E-Modul ist gleich, weil es beide Male das parallel zur Faser ist. Er wüsste auch nicht, warum man in diesem speziellen Fall (quadratischer Querschnitt) die Lamellen nicht hochkant stellen dürfen sollte. Ist ihm auch noch nie untergekommen.


    Falls es bei meinen Baustellen mal passieren sollte, würde ich mich zur Sicherheit noch beim Hersteller der Binder rückversichern.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • im Studium, ist auch schon mehr als zwei Jahrzehnte her, haben wir im Baustofflabor BSH auf Schub bis zum Versagen belastet.

    Versagt hat nicht die Leimfuge, sondern das Holz.

    Genau so, wie es uns vorher theoretisch erklärt wurde...


    Hier würde ich also sagen: ist egal. Aber vielleicht sagt die Zulassung ja mehr?

  • Für BSH aus Nadelholz gibt es keine Zulassung, das ist in der DIN geregelt. Zulassungen hat meines Wissens nur BSH aus Laubholz (Buche, Eiche).


    Evtl. gibt es Regeln in der Leimgenehmigung des Herstellers, was ich aber nicht glaube. Rückversichern würde ich mich trotzdem.

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    Thomas

  • Interessieren tut es mich trotzdem weiter

    bin nicht immer da - muss auch mal stehende lamellen verplanen :D


    (1) abstract: it´s korinthenkackerei.


    (2) review: es gibt so viele parameter, an denen man schrauben könnte, ohne das zu nutzen - also, warum sollte man hier?


    (3) intro: durch verwendung stehender lamellen kann man sogar vergütungseffekte nutzen. ob der der aufwand in zeiten seeligmachender trottelsoftware lohnt? ich nehm solche effekte mit - aber nicht immer.


    /ot1: am e-mod ändert sich nix.

    /ot2: gilt alles nicht für composite-querschnitte, sondern nur für homogene

  • So habe ich das auch Ver standen

    na, dann bist du doch super dabei, weil vorher selbst fachleute unsicher waren :thumbsup:


    (1) bezieht sich darauf, dass normalwissende diese effekte nicht brauchen oder nicht nutzen,


    (2) das gleiche gilt bspw. für den einfluss von geometriefaktoren (h/b)


    (3) vergütungseffekte führen zu leistungssteigerungen zwischen 15 und 50% (sah 2009, schickhofer und gehri)


    (2) und (3) ist bei efh-üblichen querschnitten ohne grossen einfluss


    alle verleimten holzlamellen haben unterschiedliche festigkeiten, die rechenwerte der festigkeiten werden um "streubeiwerte" reduziert - manchmal zu unrecht, aber im statistischen mittel passt das.

    die vergütungseffekte kommen durch die parallelschaltung der stehenden lamellen bei einer last, die sich auf alle lamellen entsprechend deren steifigkeit verteilt. wenn eine lamelle schwächer ist, übernehmen die stärkeren lamellen mehr lastanteile.


    im gegensatz dazu kann bei "normal" eingebauten bsh-querschnitten die meistbelastete obere/untere lamelle nicht durch innenliegende lamellen signifikant entlastet werden, da gibt´s keine steigerung der zulässigen spannungen.