Backsteinromantik? Eher nicht, oder?

  • Moin allerseits,


    eben in SPON entdeckt:


    Häuser des Jahres: Haus Buddenturm in Münster - SPIEGEL ONLINE


    Viel mehr Bilder hier:


    hehnpohl architektur bda - Haus am Buddenturm


    Meinungen dazu?


    Hier erst einmal meine ;) , da wage ich mich schnell mal aus der Deckung.


    Das Einfügen ins Umfeld finde ich bei betont neuen Neubauten immer etwas schwierig. Es reduziert sich zumeist auf die Silhouette, die Kubatur, Dachneigung.

    Schaut man sich die Fassadengliederung an, so findet sich ähnliches oder zumindest "um drei Ecken damit Verwandtes" nicht in dieser Straße.


    Als Solitär aber schon mal ein Hingucker. Gefällt mir irgendwie. Einfügen geht sicherlich anders....aber will man immer anders sein?


    Innen. Tja....weiß nicht.


    Insgesamt sieht das natürlich schick aus. Stylisch. Durchdacht. Sauber detailliert. Aber mal abgesehen vom lichten Essplatz mit schöner Aussicht, laden die Räumlichkeiten nicht so recht zum Verweilen ein. Hat etwas museales. Zum Angucken. Und dann geht man wieder.


    Teilweise gigantisch hohe Räume. Detail, welches mir spontan ins Auge sprang: Parkett auf Abstand zur Wand verlegt, mit einer offenen Fuge. Das sieht jetzt gut aus. Aber es entspricht m.E. nicht der tatsächlichen , ganz profanen Lebenswirklichkeit. Putzen, Dreckansammlungen, keine Sockelleisten (schön, aber funktional?).


    Meinungen von Euch?


    Her damit!

  • Ehrlich? Eher nicht, sogar ziemlich gar nicht.


    Das ist für mich das klassische: "So bauen Architekten"-Haus. Aussen markig und innen museal. Mit dem musealen Charakter stimme ich Dir absolut zu. Nur dass es mir wirklich gar nicht gefällt. Ich finde es einen ziemlichen Klotz an der Stelle. Man muss ja nicht romantisierend nachbauen.


    Ich möchte aber in einem Wohnhaus auch tatsächlich leben und das sieht für mich nicht so aus.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Gefällt mir auch nicht, außerdem ist doch durch das zurückgesetzte Fenster immer eine Beschattung, d.h. nicht so viel Licht im Inneren.

    Grüßle

    Dachser




    Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt (Gandhi)

  • Eine Kreuzung aus Luftschutzbunker und Backsteinromantik in der brutalisierten Variante - GsD fügt es sich wenigstens von der Giebelgeometrie in die benachbarten Gebäude ein.


    Sehr schön auch die Affenschaukeln über dem Esstisch. Elektroplanung vs. Realität.


    Ich würde da nicht wohnen wollen. Hauptsache, den Bewohnern gefällt es.

    Zum Angucken.

    Wie ein Verkehrsunfall - nicht schön, man sieht aber trotzdem hin.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Ich finde diese geometrische Strenge spannend. Ebenso die Reduzierung auf zwei Materialien im Innenraum. Mir gefällt es im Prinzip. Allerdings bin ich keine Freundin von Sichtbeton in diesem Ausmaß. Ich hätte die Wände verputzt, angemalt. Sichtbeton nur da und dort zum akzentuieren. Aber ansonsten gefällt es mir. So ein Haus muss auch durch und durch geplant werden. Mal eine Steckdose versetzen ist bei Sichtbeton nicht mehr.

    Außen ist das Gebäude auch spannend. Mir gefallen die Details. Allerdings fügt es sich nicht so in seine Umgebung ein. Aber muss es? Als Hingucker ist es auch OK und wenn es als einziger Hingucker in der Straße bleibt, ist es wohl auch OK. Dumm, wenn dann andere anfangen ihre "Hingucker" ums Verrecken zu platzieren. Dann wird so eine Straße schnell unansehlich, wenn Leute ans Werk gehen, die es nicht wirklich können.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Sehr schön auch die Affenschaukeln über dem Esstisch. Elektroplanung vs. Realität.

    Der Tisch sollte wohl ursprünglich mal quer zum Fenster stehen...Bis der Einrichtungsplaner oder der FengShui-Berater hinzukamen.


    Warum man dann die deplatzierten Auslässe nicht gnädig unter einer T-förmigen Stromschiene hat verschwinden lassen und die unsaeglichen 30 Euro Amazon Leuchten da rein gehängt hat, weiss auch nur der Gestalter.


    Sehr gelungen auch der einsame Strahler, der eine schwarze Wand anstrahlt...da bekommt der Begriff Dunkelstrahler gleich eine ganz neue Bedeutung. Vielleicht findet sich dort aber auch irgendwann mal der Platz für eine Diätkochtabelle oder den Familienstammbaum.


    Warum man den Deckenauslass über den Küchenschrank nicht genutzt hat, um im Oberschrank ein paar schwenkbare Strahler zur Ausleuchtung der Arbeitsplatte unterzubringen? Ich weiss es nicht. Die einzelne Pendelleuchte (mit hoffentlich farbechten Leuchtmittel) zur Obstkorbbeleuchtung reisst das Beleuchtungskonzept jedenfalls auch nicht mehr raus.


    Man müsste es mal mit Möbeln (sofern diese erlaubt sind) und Bewohnern sehen. Wenn Teller und Tassen herumstehen, ein Kissen von der Couch gefallen ist usw.

    ...die Kinder sich den Kopf beim toben auf der Sitzecke unter der Stahlbetontreppenunterseite gestossen haben, die Fingerchen am Betontreppenlauf aufgerissen haben...dann wirkt das gleich lebendiger. Und farbiger.

  • Ich finde diese geometrische Strenge spannend.

    Das ist der Punkt. Spannend finde ich das auch.


    Nur würde ich so nicht leben wollen.


    Reduktion? Ja....schon, kein Mischmasch. Aber mir ist das irgendwie zu kühl, nicht zum Menschen hingewandt, sondern hier scheint sich die Architektur selbst zu genügen. Sie (die Gestaltung) ist der zentrale Dreh- u. Angelpunkt, nicht der Bewohner, so scheint es.

  • Menschen sind extrem unterschiedlich. Somit würde ich nicht behaupten es sei nicht zum Menschen hingewandt. Inzwischen habe ich einige kennen gelernt, die etwas zum Autismus neigen. Das sind nicht wenige Menschen. Die wenigsten wissen es nicht, dass sie es sind, sie sind dann halt "komisch". Die brauchen Klarheiten, Strenge, Richtung, Uniformität, Routine. Mal mehr mal weniger. DEN Menschen gibt es nicht, nur fügen sich all zu viele einem gemeinsamen Diktat.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Ich finde das Objekt alles in allem zum "Zeigen" ebenfalls spannend und interessant. Ob ich darüber hinaus das Wort "schön" verwenden möchte - das ist eine gute Frage.


    Die Sache mit den Kabeln über dem Esstisch und den Auslässen in der Decke: da hatte ich auch gleich die Idee mit "der Klassiker - Tisch gedreht"... Jedoch gefällt mir diese "gewollte" Lösung mit den schwarzen "stramm" verlegten Kabeln an der Decke sehr - ich find diese Stränge passt zum Objekt. Darüber hinaus finde ich die vielen klaren Detaillösungen bis hin zum "verschwindenen" Schiebetürelement sehr interessant.

    Die Masse an Sichtbeton gepaart mit den doch filigranen Treppen/Stahlbauteilen ist ebenfalls schön anzusehen - jedoch jeden Tag kann ich mir das nicht mehrere Stunden "antun". Ich hätte gerne noch zumindest ein Bad gesehen...


    Fazit: Zum anschauen/studieren/bestaunen - JA!!! Zum drin leben mit der reduzierten Anzahl an Möbeln/Bilder etc. - NEIN!!!


    Man scheint hin- und hergerissen...

  • Grauslig. Sieht für mich alles viel zu steril aus... Ich würde da auch nicht wohnen wollen. Und in der Straße wirkt es wie ein Fremdkörper.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Die Treppen und den Sichtbeton finde ich interessant. Als praktischer Typ denke ich, dass es einige schlecht zu nutzende Ecken gibt.

    Ich würde das Haus gern nach zwei, drei bewohnten Jahren sehen, wenn so einiges rumliegt, das dem gestylten Look zuwiderläuft. Dann menschelt es wie bei uns "Normalbauern" auch.

  • Erster Eindruck:

    Die Seite von Hehnpohl lädt nicht. Man muss erst Java Script aktivieren. :thumpsdown:


    Zweiter Einduck, als sich die ersten Teile der riesigen Bilder aufbauen: das sieht schief aus.X/


    Browserdarstellung auf 50 bis 60% reduziert - jetzt sieht man auch was. :)


    Dritter Eindruck: Das neue Gebäude zerstört das Ensemble. :nono:

    - alle Häuser haben einen kleinen Dachüberstand

    - alle Fenster haben einen Faschen

    - alle Häuser haben Fenster im DG / Dachboden

    nur das Neue nicht.


    In anderen Baugebieten müssen Dachziegel ein rotes Rot haben und kein rötliches Rot, sonst droht Rückbau... . Hier?

    Ja, es ist ein interessantes, spannendes Bauwerk, wirkt hier aber deplatziert.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Betonlook ist in momentan. Mir wäre es auch zu "kalt".


    Wir begleiten derzeit ein Projekt in dem es um die Herstellung von Betonmöbeln geht. Die Zeilrichtung ist kalr definiert: Die Betonoberfläche soll optisch und haptisch erhalten bleiben. Also keine glänzenden Oberflächen etc..

    It doesn´t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.

    Steve Jobs

  • Fühlt man da nicht immer kalt? Wenn ich den Beton so sehe, da fröstelts mich, mag ja im Sommer vorteilhaft sein, aber im Winter wirkts kalt und fühlt sich doch auch so an.

    Grüßle

    Dachser




    Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt (Gandhi)

  • Auf RTL-Living lief vor kurzem eine Sendung über besondere Architektur. Da war ein Haus dabei, bei dem die Betonteile vom Treppenhaus, Treppengeländer usw. durch entsprechende Be- und Entlüftung und Sonnenlicht als Wärmespeicher im Winter und als regulierendes Element im Sommer fungiert haben. So wurde jedenfalls von der Bewohnerin berichtet. Ob das stimmt kann ich natürlich nicht sagen.

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    Steve Jobs

  • Auf RTL-Living lief vor kurzem eine Sendung über besondere Architektur. Da war ein Haus dabei, bei dem die Betonteile vom Treppenhaus, Treppengeländer usw. durch entsprechende Be- und Entlüftung und Sonnenlicht als Wärmespeicher im Winter und als regulierendes Element im Sommer fungiert haben. So wurde jedenfalls von der Bewohnerin berichtet. Ob das stimmt kann ich natürlich nicht sagen.

    ist für mich schwer vorstellbar, vielleicht dreht sich oben ein Brennglas mit der Sonne mit, das den Strahl auf den Beton gerichtet hat:eek:

    Grüßle

    Dachser




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  • Auf RTL-Living lief vor kurzem eine Sendung über besondere Architektur. Da war ein Haus dabei, bei dem die Betonteile vom Treppenhaus, Treppengeländer usw. durch entsprechende Be- und Entlüftung und Sonnenlicht als Wärmespeicher im Winter und als regulierendes Element im Sommer fungiert haben. So wurde jedenfalls von der Bewohnerin berichtet. Ob das stimmt kann ich natürlich nicht sagen.

    ...und wenn die Sonne nicht scheint? Wir haben im Winter gefühlt mehr trübe Tage als sonnige - und dabei ist Bayern noch eines der sonnigeren Bundesländer!

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Wie genau das funktioniert weiß ich auch nicht. So genau hab ich nicht zugehört. Ist eine englische Serie, kommt jedes WE, Samstag oder Sonntag.

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