Wer darf Bewehrung berechnen?

  • In unserer WEG wurde ein Mauerer- u. Betonbaumeister mit der Betonsanierung der Balkone beauftragt (Abplatzungen, Risse);geschätzte Kosten € 100.000. Als das LV fertig war und der Auftrag beschlossen werden sollte, ist ihm (ein Freund des Verwalters) plötzlich eingefallen, daß die Standfestigkeit der Brüstungen nicht mehr gewährleistet sei und alle Brüstungen abgerissen, die Balkonplatten abgesägt und alles neu aufgebaut werden muß (auf Kragbalken); Kosten ca. € 500.000. Auf Druck des Verwalters (Lebensgefahr!!) wurde dies auch so beschlossen. (Da keine Honorarkosten beschlossen wurden, habe ich diesen Beschluss angefochten). Meine Frage: Darf ein Betonbaumeister die erforderlichen Bewehrungen selbst berechnen oder ist hier zwingend ein Statiker einzuschalten? Wenn ja, wer ist mit welchen Leistungsphasen "im Geschäft"? Und wo finde ich etwas Schriftliches, das ich ggf. bei Gericht vorlegen kann? Im Voraus schon vielen Dank für Ihre Antwort(en)!

  • Berechnen darf so etwas mWn jeder, es ist nur die Frage nach der Haftpflichtversicherung nicht geklärt und die Frage, ob eine Prüfung der Berechnung durch Dritte dadaurch Pflicht wird. (hängt u. a. an der Gebäudeklasse)

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Berechnen darf in den meisten Bundesländern jeder, der es kann. Manche Ländern machen Einschränkungen. Die gesetzlichen Festlegungen über die Erfordernis einer Prüfung sind in den dt. Bundesländern unterschiedlich geregelt. Sie hängen ab von der Gebäudeklasse nach Bauordnung und / oder der Komplexität der zu betrachtenden Tragwerke (Klassifizierung abweichend von den Gebäudeklassen nach Bauordnung!). Die Festlegungen stehen in der BauO und / oder der „Prüfverordnung“ o.ä. des jeweiligen Bundeslandes.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Informationen für Bayern unter anderem hier:


    bayika_bauen_in_bayern_bauherren.pdf


    und Kriterien hier:


    bauvoriv_anl_1a_erl_kriterienkatalog.pdf


    Ob im konkreten Fall eine Prüfpflicht besteht, sollte man anhand der Infos schon einmal abschätzen können.

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  • [...] Als das LV fertig war und der Auftrag beschlossen werden sollte, ist ihm (ein Freund des Verwalters) plötzlich eingefallen, daß die Standfestigkeit der Brüstungen nicht mehr gewährleistet sei und alle Brüstungen abgerissen, die Balkonplatten abgesägt und alles neu aufgebaut werden muß (auf Kragbalken); Kosten ca. € 500.000.

    Auf Basis welcher bautechnischer Untersuchung kommt er zu dieser Erkenntnis?


    Nutzung eines Bewehrungssuchgerätes?

    Messung der Karbonatisierungstiefe?

    Labortechnische Untersuchungen von Bohrmehlproben und Bohrkernen?

    Auswertung alter Bewehrungspläne?

    ...

    ...

    ...

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Da solltet ihr dem Verwalter aber mal genauere Beschreibungen, Analysen und Berechnungen abverlangen. Einfach sagen, dass die Standfestigkeit der Brüstung nicht mehr gegeben ist kann jeder einfach mal so.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...