Sichtbare Bewehrung im Außen und Innenbereich

  • Hallo liebe Forenmitglieder,


    ich habe ein Reihenmittelhaus gekauft und der Rohbau ist nun fertig. Allerdings habe ich festgestellt das hier und da Bewehrung aus dem Beton schaut. Innen sowie außen.

    Ich habe das nun bemängelt und als antwort bekommen das die Stellen zugespachtelt werden.... aus meiner sicht ist aber ein Zuspachteln nicht die Lösung des Problems. Was ist eure Einschätzung?


    Bilder mit hohendetailss gerne via PM.


    Vielen Dank schon mal


    Alex

  • Auf dem Bild 4.1 sieht es so aus, als ob der Bewehrungsstab eine Handbreit über OK Fußboden endet.

    Hier vermute ich, dass in den Fußboden gebohrt und kleine Bewehrungs-Reste in den Fußbodenbeton gesteckt wurden, um daran die Schalung auszurichten und abzustützen.


    Dies ist vermutlich auch bei den anderen Stellen im Anschlussbereich Fußboden-Wand so ausgeführt wurden.


    Die Qualität ist - den Fotos nach - nicht berauschend.


    Die Bindedrahteinschlüsse und die oberflächennahen Bewehrungsstäbe können später dazu führen, dass Rostflecken bis auf die fertige Oberfläche durchschlagen. Jeder feuchte Auftrag (Putz, Tapete, Farbe) bringt Feuchtigkeit in die Wand und führt zu einer fortschreitenden Korrosion und Verfärbung der Oberfläche. Durch die allgemeine Baufeuchte wird die Rauluftfeuchte noch eine ganze Weile recht hoch bleiben, was die Korrosion weiter fördert.


    Ob die tragende Bewehrung die erforderliche Betondeckung aufweist, kann ein Fachmann mit einem Bewehrungssuchgerät zerstörungsfrei erkunden und messen.


    Wo genau befindet sich der Riss?

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Hallo Holger,


    vielen Dank für dein Beitrag. Ich habe vor 16 Jahren mal Baukaufmann gelernt und in Werkstoffkunde wurde uns etwas über Alkalität des Beton erzählt. Ich habe halt Angst das mit mit den Jahren die Wand aufbricht da sich die Bewährung durch die Korrosion ausdehnt.


    Der Riss ist 20cm entfernt von dem großen 4m breiten Fenster. Lt. Bauleiter wurde er besichtigt aber er befindet sich noch in der Toleranz.


    Ich vermute, dass diese Schäden nicht in den nächsten 3 Jahren auftreten und der Bauträger dann keine Haftung mehr hat.


    Aber aus deiner Sicht wäre es am besten einen Sachverständigen damit zu beauftragen?


    Viele Grüße


    Alex

  • Ich habe halt Angst das mit mit den Jahren die Wand aufbricht da sich die Bewährung durch die Korrosion ausdehnt.

    Generell ist das richtig. Solange der Beton ein Innenbauteil ist und - wie im beheizten Wohnbereich üblich - trocken ist, dauert es schon eine Weile bis sich so viel Rost bildet, dass es zu Abplatzungen kommt. Kellerräume und wenig geheizte Räume sind da schon deutlich mehr gefährdet.


    Aber aus deiner Sicht wäre es am besten einen Sachverständigen damit zu beauftragen?

    Den sollte ein Bauherr - sofern er Laie ist - eigentlich immer dabei haben. Zumindest für die kritischen Bauabschnitte und für die Bauteile, die später nicht mehr korrigiert werden können (z.B. Fundamente, Kellerwände, Abdichtungen, etc.).

    Gruß
    Holger
    --
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    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Maßgebend wird in diesem Fall DIN EN 1992-1-1 in Verbindung mit DIN EN 1992-1-1/NA. Die erforderliche Betondeckung ist in Kapitel 4.4.1 geregelt; die Mindestbetondeckung ist in 4.4.1.2 geregelt. Dort heißt es:


    Im vorliegenden Fall dürfte vor allem DIN EN 1991-1-2, 4.4.1.2 (3)P von Interesse sein. Demnach darf die Betondeckung nämlich nicht kleiner sein als der Durchmesser der Bewehrungsstäbe, die Verbaut wurden. Ist dies nicht der Fall, ist kein ausreichender Verbund zw. Beton und Bewehrungsstahl gewährleistet, was bedeutet, dass die erforderliche Kraftübertragung vom Beton auf den Stahl nicht sichergestellt ist.


    Bewehrungskorrosion würde ich in Innenräumen auch nicht als Hauptproblem ansehen, sofern es sich nicht gerade um das Schwimmbad im Keller handelt, das täglich für mehrere Stunden ausgiebig genutzt wird ;)


    Die Sicherstellung des erforderlichen Feuerwiderstandes scheint mir auch nicht vordringlich zu sein, vorausgesetzt, dass es sich um ein 1-Familien-Haus handelt.


    Von daher: Gutachter kommen lassen, der die Situation beurteilt und bewertet und sich in keinem Fall auf zuspachteln einlassen, da das die Situation definitiv nicht verbessert.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Hallo zusammen,


    der Bauleiter hat es eingesehen. Die Stäbe werden entsprechend aufgestemmt und falls sie nicht Tragend sind abgeschnitten oder Behandelt und mit der Entsprechenden Spachtelmasse verspachtelt.


    Ich finde es einfach eine Frechheit das man so etwas nicht von sich aus macht sondern man es erst selbst beanstanden muss...

    Es handelt sich um ein Reihenmittelhaus und bei den Nachbarn sieht es zum teil noch schlimmer aus.


    Vielen Dank für eure Unterstützung und Kommentare.


    Alex

  • Die Stäbe werden entsprechend aufgestemmt und falls sie nicht Tragend sind abgeschnitten oder Behandelt

    Und der andere Fall, dass die Stäbe tragend sind, muss nicht weiter beachtet werden. Denn ich bin mir gaaaanz sicher, dass der Bauleiter mit seinen Facharbeitern keine sichtbare tragende Bewehrung finden wird...

  • Skeptiker

    Hat den Titel des Themas von „Sichtbahre Bewehrung im Außen und Innenbereich“ zu „Sichtbare Bewehrung im Außen und Innenbereich“ geändert.
  • abgeschnitten oder Behandelt und mit der Entsprechenden Spachtelmasse verspachtelt.

    Selbst die Löcher der abgeschnittenen Stäbe müssten mit einer fachgerechten Betoninstandsetzung verschlossen werden. Das wäre in diesem Fall PCC+Haftbrücke.

    Wenn bei tragender Bewehrung die Betondeckung zu gering ist, hilft auch keine Spachtelmasse.


    Ein weiteres Problem kann sich aus dem Brandschutz ergeben:

    Wenn zwischen den Nutzungseinheiten Brandwände/F90-Wände gefordert sind, dann müssen die Bewehrungsstäbe eine Mindestbetondeckung haben, um die geforderte Feuerwiderstandsdauer gewährleisten zu können. DIN 4102 Teil 4 Kap. 4.


    und bei den Nachbarn sieht es zum teil noch schlimmer aus.

    Wenn das schon so anfängt, dann sollte sich das mal jemand vor Ort ansehen, der Ahnung hat - und dafür natürlich auch bezahlt werden muss.

    Gruß
    Holger
    --
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    (Andreas Marti; Schweizer)