Was meint ihr dazu?

  • Es gibt da einen Abschnitt im Sachverständigengutachten, mit dem ich nicht ganz klar komme, vielleicht weiß der ein oder andere mir dazu zu helfen, wofür ich dankbar bin:

    Das Sachverständigengutachten betrifft ein Haus des Baujahres 1964 und hat folgenden Satz mit 4 Punkten, wo ich nichts mit anzufangen weiß.


    die technischen Vorraussetzungen zum Zeitpunkt der Erstellung sowie deren Umsetzung entsprechen der Vorgehensweise an vergleichbaren Objekten dieser Baujahre:

    - kein Bodengutachten vor Baubeginn als Ausführungsgrundlage erstellt

    -Bodenplatte nicht in WU-Beton ausgeführt(hochbewehrt, wasserundurchlässig)

    -keine horizontale Feuchtigkeitssperre am Wandsockel der Kelleraußenwände

    -keine wirksame äußere Abdichtung der Kelleraußenwände


    Das ist doch so zu verstehen, dass damals 1964 so gebaut wurde, oder ist es so zu verstehen, dass diese Möglichkeiten gegeben waren, aber nicht genutzt wurden?

    Grüßle

    Dachser




    Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt (Gandhi)

  • Ich verstehe es so, dass diese Punkte damals technisch möglich gewesen wären, aber nicht üblich waren. Das Haus entspricht in diesen Punkten also dem was damals üblich (Standard?) war.


    So war es beispielsweise auch 1964 schon möglich, Kellerwände von außen abzudichten. Das hat man aber nicht gemacht, so lange es nicht zwingend notwendig war.

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  • Ich verstehe den Satz so, dass das Haus 1964 entsprechend der damals üblichen Vorgehensweise und den damals üblichen Bauarten errichtet wurde. Heute würde man anspruchsvollere Vorgehensweisen (wie aufgezählt) wählen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Es mag sein, dass damals die Grundwasserverhältnisse anders waren als heute, weswegen man auf umfangreiche Abdichtungsmaßnahmen verzichtet hat. Man hat auch damals mit Bitumen Keller abgedichtet, wenn es notwendig war, hat es aber unterlassen, wenn es nicht notwendig war. Keller wurden damals nicht so oft für Hobby oder für Wohnzwecke verwendet, darum hat etwas Feuchtigkeit kaum jemanden gestört. Ja, so ändern sich die Zeiten...


    Es kann sein, dass sich seit damals, durch irgend welche größere Bautätigkeiten in der Nähe, der Grundwasserhaushalt verändert hat und Du heute mehr Feuchtigkeit hast, als man damals noch so akzeptiert hat.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Es mag sein, dass damals die Grundwasserverhältnisse anders waren als heute ...

    Vor allem waren die Anforderungen anders! Für einen Kartoffelkeller war etwas Feuchtigkeit nicht abträglich; und die Mittel waren begrenzt. Wohl so gut wie nie wurden die Keller eines EFH damals beheizt oder zu Wohnzwecken genutzt.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • - kein Bodengutachten vor Baubeginn als Ausführungsgrundlage erstellt

    KANN bedeuten, dass es möglicherweise für das gesamte Baugebiet ein Baugrundgutachten gab, aber nicht für dieses einzelne Grundstück.

    KANN bedeuten, dass es möglicherweise für das anschließende Nachbargrundstück (und ggf. ein weiteres Grundstück) ein Baugrundgutachten gab, aber nicht für dieses einzelne Grundstück.


    Je nach Ergebnis der Baugrunduntersuchungen KANN ein solches auch auf Bauflächen im näheren Umkreis interpretiert werden.


    die technischen Vorraussetzungen zum Zeitpunkt der Erstellung sowie deren Umsetzung entsprechen der Vorgehensweise an vergleichbaren Objekten dieser Baujahre:

    verstehe ich so, dass:

    - es damals keine technischen Voraussetzungen (DIN, EN, ISO, WU-Richtlinie, etc. ) gab, die eine bessere als die vorgefundene Bauweise gerechtfertigt hätten. Sprich: es war halt damals Stand der Technik so wie gebaut wurde.

    - WU-Beton war damals keine übliche Bauweise, schon gar nicht mit den heutigen Anforderungen an einen Wassereindringwiderstand und an den Bewehrungsgrad.

    - keine "Wirksame" (nach heutigem Verständnis) Feuchtigkeitssperre, heißt möglicherweise, es ist eine vorhanden (z.B. Ölpapier, Teeranstrich o.ä.), aber sie entspricht nicht den Standards aus dem Jahr 2019.

    - keine "Wirksame" (nach heutigem Verständnis) äußere Abdichtung, heißt möglicherweise, es ist eine vorhanden (z.B. Teeranstrich o.ä.), aber sie entspricht nicht den Standards aus dem Jahr 2019. Oder es war gemäß Baugrundgutachten eben keine erforderlich oder man hat die Bauweise z.B. aus Hartbranntklinkern und Zementmörtel als ausreichend dicht betrachtet.


    Umfangreiche Baumaßnahmen oder Eingriffe in den Wasserhaushalt in der Umgebung eines vorhandenen Baugebietes können dazu führen, dass ehemals trockene Flächen über die Jahre "feucht werden". Das kann ein Versiegeln von Flächen sein, das kann eine Umnutzung von Flächen sein, dass kann eine Verringerung von jahrelanger Grundwasserentnahme sein, dass kann die Einstellung von Entwässerungsmaßnahmen von Feldern sein, das können Renaturierungsmaßnahmen sein, das kann auch durch anstauen von Gewässern in der weiteren Umgebung hervorgerufen werden.


    Ergo:

    - die technischen Voraussetzungen (Normen, Materialien, Stand der Technik) waren 1964 nicht besser

    - es wurde "wie üblich" gebaut (heute würde man sagen nach A.a.R.d.T. / bzw. nach mittlerer Art und Güte [keine Sonderkonstruktion]), also für die damalige Zeit 'gut' und nicht schlechter als alle anderen.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Heute baut man für 50 Jahre. Damals für 25 Jahre. Aber BJ 1964 wäre selbst nach heutigen Standarts über die heutigen 50 Jahre hinaus.


    25 bzw 50 Jahre bedeutet nicht, dass es dann abgerissen werden muss. Aber ab dann können umfangreiche Sanierungsarbeiten zur Instandsetzung nötig werden.

    Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. 8o

  • Es mag sein, dass damals die Grundwasserverhältnisse anders waren als heute



    Schön zu beobachten in ehemaligen und aktuellen Braunkohlerevieren, wenn die gewaltigen Grundwasserpumpen ganz oder teilweise abgestellt werden und plötzlich der Grundwasserspiegel dramatisch steigt.

    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -

  • Kann man auch an dem Beispiel hier im Forum lesen, als nach einer Sanierung eines Wasserkanals (also ein offener) Wasser in den Keller eindrang. War das nicht letztes Jahr? Und solche Beispiele gibt es genug. Reichen nur große Tiefgaragen in der Nähe, großes Bürogebäude in der Nähe, Eisenbahntunnel, der unterirdische Wasserwege abschneidet und es so zu Verlagerungen kommt (Wasser sucht sich immer einen Weg), Versiegelungen größerer Flächen für Straßen, Parkplätze, Flughafen, Industrie usw und dafür dringt wo anders mehr Wasser ein bzw es sucht sich neue Wege. Das kann man endlos so weiter führen. Selbst die geänderten Wetterverhältnisse können in Gegenden mehr Wasser bringen als 50 Jahre zuvor.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Heute baut man für 50 Jahre. Damals für 25 Jahre. Aber BJ 1964 wäre selbst nach heutigen Standarts über die heutigen 50 Jahre hinaus.


    25 bzw 50 Jahre bedeutet nicht, dass es dann abgerissen werden muss. Aber ab dann können umfangreiche Sanierungsarbeiten zur Instandsetzung nötig werden.


    Mit der Kennzahl 25 u ich mich echt schwer. Ich hab schon so viele Exponate von alten Häusern gesehen die jedesmal mit einer Lebenserwartung von 80 Jahren angesetzt wurden (Von entsprechenden Gutachtern).

    Und ich kenne nisher nur zwei Bauten in meinem näheren Umkreis die nach 25-30 Jahren eingestampft wurden. Dabei handelte es sich jedesmal um Bauten von Supermärkten / Discountern.

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • Mit der Kennzahl 25 u ich mich echt schwer. Ich hab schon so viele Exponate von alten Häusern gesehen die jedesmal mit einer Lebenserwartung von 80 Jahren angesetzt wurden (Von entsprechenden Gutachtern).

    Vorsicht, diese 80 Jahre dienen ausschließlich der Ermittlung einer Alterswertminderung. Entsprechende Erhaltungsaufwendungen sind hier vorausgesetzt. Die 80 Jahre sagen auch nichts darüber aus, ob das Haus in xx Jahren noch den entsprechenden Ansprüchen entspricht oder gar noch nutzbar ist. Hier kommen dann Modernisierungs- und Sanierungsaufwand in´s Spiel.


    Natürlich kann man auch heute noch in einem Haus wohnen, das beispielsweise 50 Jahre alt ist und entsprechend instandgehalten wurde. Man darf das aber nicht mit dem Niveau eines aktuellen Neubaus vergleichen, sofern nicht viel Geld in Modernisierung investiert wurde.

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  • R.B. und Frau Maier ja das ist schon klar.

    Natürlich kann man ein HAus auch innerhalb von 5-10 Jahren runterwirtschaften.

    Aber bezogen auf die Genannten Punkte in dem SV Gutachten, ist doch etwas, was nicht nur 25 Jahre bestand hat. Da sind doch fundamentale Dinge dabei.


    Ich hab das so verstanden, das alles was 1965 gebaut wurde planmäßig nur für 25 Jahre gedacht war. ( MiLeb aber auch sagte das teilweise auch für 50 jahre gebaut wurde).

    Mein Eigenes BV ist ja selbst 1965 und da hab ich keinerlei WU -Bauteile bzw -Beton oder dergleichen. (hab das auch nicht erwartet). Auch nicht das es dazu unterlagen gibt die die Gründungsstabilität nachweisen. Statikunterlagen ja, für Decken ect. Und das alles ist ja auch noch immer in gutem Zustand. Bzw wurde jetzt durch modernere Maßnahmen auf einen aktuelleren Stand gebracht (z.b. Abdichtung).

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • Es geht hier weniger darum, was gebaut wurde.


    Damals war die PLANUNG auf eine Zeitspanne von 25 Jahren ausgerichtet. Bis eben dann mehr oder weniger viel und oft gemacht werden musste.


    Heute soll die Planung auf 50 Jahre ausgerichtet sein. Wobei dies bei einigen Punkten im Hausbau fraglich erscheint, WDVS und auch Heizung Sanitär z. B.


    Am besten zeigt sich dies an Brücken. Die Hälfte unserer Brücken stammt aus der Zeit 1964 bis 1984 und war auf 25 Jahre geplant. Die sind trotzdem meist noch in Betrieb, aber man wundert sich, dass man die auch mal sanieren muss.


    Neuste Brücken werden sogar auf 100 Jahre geplant. Erscheint auch plausibel, den Planer wird man nach der Zeit kaum noch zu fassen bekommen. :rulez:

    Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. 8o

  • Neuste Brücken werden sogar auf 100 Jahre geplant. Erscheint auch plausibel, den Planer wird man nach der Zeit kaum noch zu fassen bekommen.

    Und selbst, wenn ein sehr junges Startup die Brücke plant, brauchen die sich keine Sorgen zu machen, denn für Ingenieurbauwerke sind regelmäßige Hauptprüfungen, Einfachprüfungen und Besichtigungen nach DIN 1076 vorgesehen.


    Geplant und gebaut wird (i.d.R.) nach Richtzeichnungen und nach ZTV-ING, also nach dem Besten aus Dauerhaftigkeit und A.R.d.T.


    Und bei jeder Instandsetzung gibt es Details, bei denen man sagt: "... sowas macht man heute nicht mehr...".

    Auch Bauen entwickelt sich weiter. Genau so wie Wissenschaft, Medizin, Bildung, Digitalisierung, ....

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
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    (Andreas Marti; Schweizer)