Nachträgliche Öffnung in zweischaliges Mauerwerk

  • Hallo liebes Forum,


    ich habe mal eine Frage zur Herstellung einer Fensteröffnung in einer zweischaligen Außenwand. Der Wandaufbau sieht wie folgt aus:


    Innen 24 cm KS

    4 cm Styropordämmung

    2 cm Luftschicht

    11,5 cm Klinker, Steingröße DF, wenn ich das richtig deute als wilder Verband gemauert


    Wir haben vor, ein neues Fenster (festverglast) in diese Wand einzubauen. Die Größe des Fenster beträgt 2,50 x 0,60 m (b x h). Anschlüsse Mauerwerk/Fenster (5 cm Anschlag) sind soweit geklärt. Statik liegt vor - Abfangung durch 2x Stahlträger HEA 100. Oberhalb des Fensters sollen ca. 60-70 cm Klinker erhalten bleiben. Hierfür soll ein Winkel als Auflager eingebaut werden, der diese Steinreihen trägt. So hatte es der Statiker empfohlen (ohne das näher zu beschreiben, ist ja nicht statisch relevant) und der Rohbauer auch angeboten.


    Jetzt ist unser Rohbauer eher so der Mann fürs Grobe und ich selber habe leider an einer entscheidenden Stelle gepennt: die Spitzen der Giebelwände - oberhalb des geplanten Fensters - wurden bereits neu mit Holzfassade versehen und unten zum Klinker mit Lüftungswinkeln angeschlossen. Dabei werden die zwei obersten Lager des Klinkermauerwerks von den Lüftungswinkeln verdeckt. Um diese Winkel abzunehmen, müssten die Holzbretter (Boden-Deckel-Schalung) auf der gesamten Fensterbreite noch mal runter. Mea culpa, da war die Planung an dieser Stelle lückenhaft. :wall:


    Ihr ahnt, worauf das hinausläuft, oder? ;( Normalerweise würde ich dem Rohbauer sagen, er soll die Klinker halt bis Oberkante abreißen und dann ab Brüstungshöhe zusammen mit Herstellung der Anschläge neu aufmauern. Aufgrund der o.g. bereits weitgehend fertiggestellten Holzfassade das nur leider nicht mehr ohne weiteres möglich. Schön wäre es, wenn man die Klinker an der Fensteröffnung einfach rausnehmen könnte und das Mauerwerk oberhalb bleibt da wo es ist. Leider erscheint das sowohl dem Rohbauer als auch mir eher unwahrscheinlich. Leider muss natürlich noch der Winkel und der zweite Stahlträger von außen eingebaut werden. Deshalb kann man zumindest auch nicht so ohne weiteres abstützen...


    Habt ihr einen Rat, wie man das bewerkstelligen könnte?


    Anbei ein paar Fotos - sind leider nicht ganz aktuell, innen hat er nach dem Einschlitzen und Einbau des "vorderen" Trägers inzwischen die Öffnung in KS bereits ausgebrochen. Man guckt dort jetzt auf den Klinker.

  • Anbei ein paar Fotos - sind leider nicht ganz aktuell, innen hat er nach dem Einschlitzen und Einbau des "vorderen" Trägers inzwischen die Öffnung in KS bereits ausgebrochen. Man guckt dort jetzt auf den Klinker.

    Geht es um dieses Fenster?



    Die Abfangung von Stürzen in hinterlüfteten Vorsatzschalen ist nicht ganz trivial. Dafür werden Bauteile wie bspw. diese eingesetzt. Die wiederum müssen an der tragenden Wand verdübelt werden. Das mach man im Neubau bevor an das Verblendmauerwerk aufmauert. Bei Dir ist das schwerlich möglich. Ich halte es für den einfachsten Weg, den guten Quadratmeter einfach abzureissen und dann neu aufzumauern.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Genau, um dieses geht es.


    Der Abriss und das neue Aufmauern wird vermutlich nicht zu vermeiden sein. Wäre ja auch nicht so schlimm - ich suche nur noch nach einem Weg, wie zumindest die beiden obersten Steinreihen stehen bleiben können. Sonst muss die Holzfassade noch mal abgenommen werden.


    Man könnte ja mal auf Gut Glück versuchen, den Abriss ab der 3. Reihe von oben zu beginnen und solange ein Kantholz unter den verbleibenden zwei Reihen befestigen.

  • Man könnte ja mal auf Gut Glück versuchen, den Abriss ab der 3. Reihe von oben zu beginnen und solange ein Kantholz unter den verbleibenden zwei Reihen befestigen.

    Ich stehe zwar nicht täglich auf dem Maurergerüst, halte die Wahrscheinlichkeit, dass das gut geht aber für nicht sonderlich groß. Und wenn die Steine runterkommen würde ich nicht das stehen wollen. Da leidet droht dem Arbeitsschutz zu viel Ungemach von der Schwerkraft!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • abstrakt:

    je mehr ungestörter mw-verband vorhanden ist, desto besser

    horiz. anbindung klinker an irgendwas festes sollte gesichert sein

    bauzwischenzustände sichern

    vertikale ablastung der klinker kleinteilig im pilgerschritt planen/ausführen

  • Hallo,

    ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktioniert. Die Befestigung der Abfangung muss meiner Meinung nach zwingend in der Betondecke erfolgen. Diese liegt (wenn ich die Ansicht richtig interpretiere) oberhalb der Verschalung. Somit muss man die Verschalung eh abmachen. Zwei oder drei Reihen Mauerwerk werden mit Sichehreit nicht stehen bleiben.

    Jochen

  • abstrakt...

    vertikale ablastung der klinker kleinteilig im pilgerschritt planen/ausführen

    Bei ca. 7 Lagen [brutto!] , gut 2 m Spannweite und hochgehängten Konsolen? Wirklich? Mir ist das erstmal zu abstrakt!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Sorry fürs einmischen, wollte mich eigentlich nicht dazu äusern, aber ich hab manchmal so eine vielleicht praktikable Idee. Man muss halt abschätzen was mehr Aufwand ist und ob es nebenwirkungen gibt.


    Wenn ichs richtig sehe, stört die Holzverschalung der Giebelseite beim EInbau des Sturzes für die Klinkerschale, da man zwar abbrechen kann bis zum Holz aber nicht mehr Optisch sauber eingebaut bekommt.


    Warum macht ihr das nicht so wie beim KS Mauerwerk? 50/50 hälfte raus, Sturz rein, nächste hälte raus.

    JA ich weis, bei klinker und 11,5cm geht das nicht. Die Fugen machen das aber mit. die haben doch meist 20mm. Die Fuge oberhalb des neuen Klinkersturzes zu 50% auskratzen/flexen/wieauchimmerdasheist. Ein Stahlprofil in L - Form (200x50x12mm) einschieben und gegen verdrehen /rausrutschen sichern. (Mindestens so lang wie der Fenstersturz und der Klinkersturz. (Als "L" von ausen eingesetzt , nicht als "r")

    Das L-Profil sollte die Last der oberen klinker abtragen können und bildet damit einen provisorischen Sturz der auch die möglichkeit gibt, den Originalsturz später auf 50% der Klinker aufzusetzen um später den Provisorischen zu entfernen.


    Ich hoffe es verständlich erklärt zu haben.


    PS: das ganze geht natürlich nur, wenn die Fugen Horizontal sauber durchlaufen.

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • Vielen Dank für den Tipp - fühle mich ein bisschen in meiner (eher unfachmännischen) Idee bestätigt :D, über die ich seit gestern nachdachte. Bei mir war es bisher immer ein Kantholz oder Baustützen, dank Denkanstoß einer Kollegin (Architektin) bin ich dann auch bei dem Stahlwinkel gelandet. :thumbsup:


    In die Fuge zwischen den Klinkern einen Stahlwinkel von außen als provisorischen Sturz einsetzen. Jeweils links und rechts aufgelegt. Möglicherweise auch kleinteiliger als 50/50, vielleicht auf 4 oder 5 Abschnitte verteilt. Dann für jeden Abschnitt jeweils die Winkelkonsolen einbauen, den Bereich wieder aufmauern, dann den nächsten Abschnitt. Das Mauerwerk im eigentlichen Fensterausschnitt bleibt solange als Auflager stehen und wird erst ausgestemmt, nachdem die darüberliegenden Lagen durchgehend abgefangen sind...