Meisterpflicht wieder da

  • Moin die Damen und Herren,


    lang wurde über ein Verlust von Qualität diskutiert, der damals mit der Auflösung der Meisterpflicht einher ging. Nun kommt er für einige Berufe wieder - vermutlich bis zur ersten konjunkturellen Schieflage. Heiliger Gral oder doch nur das Nachgeben von politischem Druck?

    Ich bin ja skeptisch das der erwartete Wurf am Ende doch ausbleibt. Mir fehlt irgendwie das Prädikat Meisterhaft = Qualität


    Was mein Ihr?

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Bin ich dafür!

    Allerdings mit vorbehalt, denn das was ich gehört habe was mit den Firmen passiert die dann nun dazwischen stecken ist das wieder so ein mischmasch.

    Den murks den ich oft seh kommt zum teil auch von der Altgesellenregelung-Firmen.


    Meistertitel zwigend ja. (nur was sagt die EU dann wieder wegen benachteiligung in der EU)

    Firmen die in der zwischenzeit ihre Firma darauf gründen haben eine karrenzzeit von 3-5 Jahren sich den Meister zu beschaffen, ebenso die Altgesellen.

    Diskutabel wäre eine Schulungsnachweispflicht bei der HWK für die laufende Aufrechterhaltung des Wissensstands durch die HWK oder Innung.

    Was ja bereits bei Gas und Heizöl zwingend erforderlich ist, in unserem gewerke zumindest.


    Und warum? Auch wenn die nächste Immobilienblase und der Wirtschaftsabschung schon erfühlbar ist, wird das bauen nicht einfacher, sondern bleibt so komplex wie es ist.

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • Dass der Meister vor allem bei kleineren Betrieben nur einen begrenzten Wert, vor allem aber eine recht kurze Halbwertszeit des Wissens hat, ist ja inzwischen Allgemeinwissen. Insofern begrüße ich jeden Ansatz, kontinuierliche Weiterbildung nachweisen zu müssen. Ja, das gilt auch für Architekten, Ingenieure, Juristen und Mediziner.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wenn ich den Murks an meiner Heizung betrachte, kann ich da nur zustimmen... obwohl... war ja ein Meisterbetrieb... ;( :pfusch:

    Ja das ist leider kein Garant dafür, aber die wahrscheinlichkeit das es dich erwischt, liegt damit vielleicht bei 1:50 und wäre ohne die allgemeine Meisterpflicht bei 1:5 (geschätzt)


    Off-Topic:

    Wobei ich das Problem sehr in den GU Geschichte sehe. Erkennbar darin, das eine GU-Haus(EFH-ZWH) Beschreibung so lang ist, wie mein Angebot nur für mein Gewerk.

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • Ich bin da irgend wie zwiegespalten. Eigentlich bin ich der Meinung, dass in einem Land mit Berufsfreiheit auch für die Ausübung des Berufes keinerlei Hürden geben sollte. Unser Leben ist eh schon überreguliert. Und wie soll es mit EU weiten Dienstleistungen laufen? Dann brauch ich im Grenzgebiet nur meinen Firma über der Grenze anmelden und kann in Deutschland dann alles machen, oder wie soll das laufen?

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Ja das ist leider kein Garant dafür, aber die wahrscheinlichkeit das es dich erwischt, liegt damit vielleicht bei 1:50 und wäre ohne die allgemeine Meisterpflicht bei 1:5 (geschätzt)


    Off-Topic:

    Wobei ich das Problem sehr in den GU Geschichte sehe. Erkennbar darin, das eine GU-Haus(EFH-ZWH) Beschreibung so lang ist, wie mein Angebot nur für mein Gewerk.

    Naja - bei uns war es immerhin ein Vater/Sohn-Gespann, beide mit Meistertitel. Und nur die Beauftragung durch einen GÜ berechtigt m.E. nicht zu derartigem Murks.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • So ist es. Ein Meisterbrief macht aus einem Gesellen noch lange keinen guten Handwerker. Die "guten" Handwerksmeister sind die, die auch schon als Gesellen gute Arbeit abgeliefert haben. Das hat weniger mit einem Meisterkurs zu tun, als vielmeher mit der Einstellung zu seinem Beruf.

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  • So ist es. Ein Meisterbrief macht aus einem Gesellen noch lange keinen guten Handwerker. Die "guten" Handwerksmeister sind die, die auch schon als Gesellen gute Arbeit abgeliefert haben. Das hat weniger mit einem Meisterkurs zu tun, als vielmeher mit der Einstellung zu seinem Beruf.

    Das sehe ich ganz genau so. Ich kenne genug "Meister" die von ihren Gesellen in Grund und Boden gearbeitet werden.

    Das sich was ändern musste war schon klar. Wenn ich so manche Bäder oder Fliesen arbeiten sehe da wird mir ganz anders. Allerdings ob die Meisterpflicht der richtige Weg ist, das stelle ich mal in Frage. Bin wirklich gespannt wie sich das ganze entwickelt und die tatsächliche Lösung für bestehende "Altbetriebe" sein wird.

  • So ist es. Ein Meisterbrief macht aus einem Gesellen noch lange keinen guten Handwerker. Die "guten" Handwerksmeister sind die, die auch schon als Gesellen gute Arbeit abgeliefert haben. Das hat weniger mit einem Meisterkurs zu tun, als vielmeher mit der Einstellung zu seinem Beruf.

    Ich glaube der Meister setzt wo ganz anders an. Nicht bei der Ausführung sonder bei dem Organisatorischen und da behaupte ich mal dass er in seiner Ausbildungsform massive Mängel aufweist. Ich mache jetzt seit einigen Monaten neben der Arbeit noch den Betriebswirt HwK der ja dem Meister „übergestellt“ ist. Hier fällt mir auf dass diese Ganzen Modelle recht wenig „greifbar“ sind. Betriebswirt noch weit weniger zugeschnitten als der Meister direkt auf das Handwerk. Mit seinen Anforderungen und Bedingungen.


    Ich gehe sogar soweit, dass ich behaupten würde - anstelle die Rolle A der HwK weiter zu propagieren - den Meister komplett umzubauen. Weg von der Verknüpfung der Rolle A hin zu einer qualifizierenden Weiterbildung. Aufgebaut nach Stufen oder Modulen die dafür nicht den Anspruch haben schnell oberflächliches Wissen zu vermitteln auf sehr breitem Feld. Sondern hin zu fachspezifischen Wissen das vertiefend auf einem Grundlagenmodul aufbaut. Längere Studienzeit, neben dem Beruf und auf diesen abgestimmt.


    Diese Rolle A ist antiquiert und nicht Zeitgemäß. Erhaltungstrieb der „Alten“ und für eine moderne Welt nicht zeitgemäß. Deshalb halte ich das erneute Anerkenntnis auch für einen unnötigen desorientierten Schritt. Der nur dazu dient Besänftigung zu hinterlassen. Man kann sich auf die Schulter klopfen. Für den Verbraucher wird sich nichts ändern und für kommende „Meisterlinge“ wird es dennoch die Ernüchterung geben. Irgendwo hatte ich mal eine Zahl zwischen Absolventen/ Neugründungen und Insolvenzen - die war meiner Erinnerung nach absolut nicht positiv. Muss ich mal auf die Suche gehen.

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  • Ich bin da irgend wie zwiegespalten. Eigentlich bin ich der Meinung, dass in einem Land mit Berufsfreiheit auch für die Ausübung des Berufes keinerlei Hürden geben sollte. Unser Leben ist eh schon überreguliert.

    Grundsätzlich bin ich da ähnlich freiheitlich eingestellt. Nur leider funktioniert das Prinzip der Auslese, Marktentscheidung nicht, wenn dem Kunden das Know-How zu einer Bewertung fehlt..

    Achja, und völlige Freiheit.. morgen werd ich Neurochirug? Weiß nicht...

  • Achja, und völlige Freiheit..

    Völlige Freiheit würde bedeuten, dass jeder alles darf. Hier geht es aber doch nur um die Meisterpflicht.


    Ein Denkfehler dabei ist, dass man vermutet, das der Meister über besondere fachliche Qualifikationen verfügt. Das mag früher der Fall gewesen sein, als er zuerst einige Gesellenjahre vorweisen musste. Dadurch hatte er zumindest ein wenig praktische Erfahrung.


    Betrachtet man aber die Meisterkurse, Stundenzahl/Unterrichtseinheiten und Lehrinhalt, dann wird man feststellen, dass man in dieser kurzen Zeit aus einem Gesellen keinen "Experten" machen kann. Die paar Stunden können auch x Jahre Praxis nicht ersetzen. Der Meisterkurs ist also keine Ausbildung im klassischen Sinne sondern mehr eine Fortbildung.


    Das ist doch bei Akademikern nicht anders. Ein junger Ing. von der Hochschule ist in den seltensten Fällen schon ein Experte für irgendeinen Fachbereich. Es mag zwar Fälle geben, aber die sind die Ausnahme.


    Und zur Neurochirurgie, die an das Medizinstudium anschließende Facharzausbildung dauert m.W. um die 5 Jahre, unter Umständen auch länger. Damit ist er dann Facharzt, aber ob er wirklich zu einem Spezialisten in einem Fachgebiet wird, das zeigt sich auch erst mit weiterer praktischer Erfahrung.


    Es bleibt somit das Problem, wie finde ich den richtigen Ingenieur, den richtigen Anwalt, den richtigen Arzt oder halt den richtigen Handwerker. Ich kann augrund der Ausbildung erwarten, dass der Kandidat die zur Ausübung seines Berufes erforderlichen Fähigkeiten besitzt, alles weitere steht in den Sternen. Da helfen auch Meistertitel oder "Qualitätsaufkleber" von der Innung nichts.

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  • Ich denke, dass ein Meister-Titel als Aussage über Qualität zumindest an folgende Voraussetzungen geknüpft werden sollte:

    1. Praktische Erfahrung von 3-5 Jahren

    2. Kontinuierliche Weiterbildung von mindestens 40h pro Jahr


    Und dann sollte man sich mal hinsetzen und ganz genau prüfen, wem und wozu der Meistertitel eigentlich dienen soll. Wen es interessiert, findet hier eine Liste der Stellungnahmen zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in der auch die 12, für die es tatsächlich dazu kam, enthalten sind.

    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -

  • Und dann sollte man sich mal hinsetzen und ganz genau prüfen, wem und wozu der Meistertitel eigentlich dienen soll. Wen es interessiert, findet hier eine Liste der Stellungnahmen zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in der auch die 12, für die es tatsächlich dazu kam, enthalten sind.

    Sehr interessant finde ich:

    (Unterstreichungen und Fettsatz von mir, Skeptiker)


    Nein, die zweifelsohne ganz besondere Situation gerade dieses Handwerks will ich nicht auf das Bauwesen übertragen. Mir scheint diese Stellungnahme aber von besonderer Vernunft und pragmatischem Realismus getragen, die mich sehr beeindrucken. Nur deshalb zitiere ich daraus.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Naja, theoretisch kann man ja sagen, man muss für den Meister, den Techniker haben. Dann wäre technisch mehr Knowhow drin als bisher. Je nach Gewerk natürlich.

    Der TüV macht ja auch bei der regelmäßigen NAchschulung einen Test, der (zumindest bei meinem, mindestens 75% punkte bringen muss, sonst war die Nachschulung umsonst, aber nicht kostenlos.


    MAn muss sich aber im klaren sein, das jede Erhöhung an Mindeststandarts die Kosten erhöht. Erkennbar an den Firmen die zwingend immer HKW Beiträge zahlen und natürlich der Option der Innunge, die sich auch am Gewinn (so wie die HWK) der Firmen vergreifen.(ein passenderer Begriff fällt mir dazu gerade nicht ein).


    Meine diesjährigen Forbildungsseminarkosten (ohne Zeitaufwand) belaufen sich auf ca 3500€ netto. unabhägig davon ob Innungsbetrieb oder nicht.

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  • ok Weiterbildung, Titel usw. sind wichtig


    Ich frage mich aber, ob viele (die meisten?) Mängel (die am "Otto-Normalbau" so entstehen), nicht eher auf Gleichgültigkeit bezüglich der abzuliefernder Qualität beruhen ... weniger auf Unkenntnis, wie man etwas planen oder ausführen soll ...

  • Nicht umsonst werden nach § 2 Abs. 3 SPrüfV fünf Jahre Berufserfahrung verlangt...

    Das ist nicht korrekt. Diese Hürde gibt es lange schon nicht mehr.

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  • ok Weiterbildung, Titel usw. sind wichtig

    meiner Meinung nach nur 1. Prüfung und dann regelmäßiger Nachweis der Auffrischung / des Erhalts des Wissens.

    Ich frage mich aber, ob viele (die meisten?) Mängel (die am "Otto-Normalbau" so entstehen), nicht eher auf Gleichgültigkeit bezüglich der abzuliefernder Qualität beruhen ... weniger auf Unkenntnis, wie man etwas planen oder ausführen soll ...

    Machst das für den Auftraggeber einen Unterschied?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Das ist nicht korrekt. Diese Hürde gibt es lange schon nicht mehr.

    Oh doch:


    (3) 1Abweichend von Absatz 1 können die wiederkehrenden Prüfungen im Sinn von Absatz 2 von sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen nach Absatz 1 Nummern 5 bis 7 auch von sachkundigen Personen durchgeführt werden, die hierüber eine Bestätigung auszustellen haben. 2Sachkundige Personen sind

    1. Ingenieure der entsprechenden Fachrichtungen mit mindestens fünfjähriger Berufserfahrung,


    2. Personen mit abgeschlossener handwerklicher Ausbildung oder mit gleichwertiger Ausbildung und mindestens fünfjähriger Berufserfahrung in der

    Fachrichtung, in der sie tätig werden.

    sh. § 2 SPrüfV

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Machst das für den Auftraggeber einen Unterschied?


    Nein, aber es wird der Eindruck erweckt, als wenn die (meisten?) Mängel auf unzureichenden fachlichen Kenntnissen der Handwerker beruhen würden ...


    Wenn die Handwerker aber wissen, wie man es richtig macht, es aber aus anderen Gründen "falsch machen", dann hilft der Ruf nach "mehr Schulung" nicht, da muss man dann an anderen Stelle "justieren" ...

  • Oh doch

    Dann verstehen wir uns falsch. Ich ging davon aus du meintest die Voraussetzung für den Meister.


    Was soll die Praxis bewirken? Was kann man nach 5 Jahren besser? Vor allem im Tätigkeitsbereich eines Meisters? Geselle und Meister sind zwei völlig verschiedene Aufgabengebiete.

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  • ... fünf Jahre mehr an Erfahrung.

    Okay, mir scheint es ist nicht so richtig klar wo die Differenzierung Meister/Geselle liegt. Ich spreche jetzt nicht von den 3 Mann Betrieben wo der Chef noch selber mitarbeitet, mitarbeiten muss weil es sich sonst nicht rentiert.


    Ich stelle mir also die Frage was ich nach 5 Jahren mehr Erfahrung als Geselle besser kann.


    1. Kann ich dann besser Dachrinne anbauen? Jo.
    2. Kann ich Bitumen besser verlegen? Jo
    3. Kann ich ein Dach besser decken? Jo.


    Die Frage ist nur hilft mir das überhaupt? Nein tut es absolut nicht. Das Einzige wo Erfahrung hilft ist den Sauhaufen von Mitarbeitern in totalen Klischee-Denken zu zeigen dass der „Meister“ was kann. Es erleichtert dir also den Stand bei dem Personal. Das war es, denn du kommst gar nicht mehr dazu handwerklich zu arbeiten. Sonntag vielleicht, im eigenen Heim :D


    Deshalb ist die Forderung nach Praxis auch an der Realität vorbei. Auch das „Meisterstück“ ist völlig an der Realität vorbei. Es ist nett und eine schöne Tradition beruflich bringt dich das aber nicht nach vorne. Wenn du bis dahin nicht eigenständig arbeiten kannst, dann lernst es damit auch nicht mehr. Was passiert also?


    Der Geselle, von mir aus Gott begnadeter Handwerker, rutscht in ein für ihn absolut fremdes Tätigkeitsfeld. Nämlich Betriebswirtschaft. Meister sein ist Personalunion zu sein. Du bist alles in einer Person. Vom Controller, zum Personaler, zur Büroangestellten, Verkäufer, Einkäufer. Wo Firmen ganze Abteilungen mit X Mitarbeietern beschäftigen - bist fortan alles selber. Der Tag hat 24 Std. Setzen wir mal einen „normalen“ Arbeitstag mit 14 Std an. Wie viel schafft man da von dem Aufgabengebieten? Bitte nicht vergessen, die Arbeit auf der Baustelle will auch noch überwacht werden.


    Kann man das schaffen? Nö. Wird man durch den Meister darauf vorbereitet? Nein. In meinem Meister ging man die Fachregel durch, machte Arbeitsproben handwerklich und Ausbilder und Betriebswirtschaft war stumpfes Bulimie lernen. Auswendig und nach der Prüfung wieder raus aus dem Kopf. Das ist ein sehr verkürzte aber realistische Zusammenfassung. DAS ist der hochgelobte Meister. Das Prädikat für Qualität. Bullshit...


    Es bleibt wie so oft dabei, nur wenn der Mensch Spaß an der Arbeit hat hat der Verbraucher am Ende auch ein gutes Ergebnis. Das kann aber nicht Sinn und Zweck einer Aufstiegsfortbildung sein. Das Systeme krankt also an der Wurzel. Da hilft uns die Stellschraube „Erfahrung“ auch nichts. Nicht für das Arbeiten als Geselle. Eher Berufserfahrung im Feld der am Ende auch relevant ist. Auch wenn das jetzt hart klingt aber: Geselle = stumpfes Umsetzen von Arbeitsanforderungen. Meister = alles andere. Vom Ausbau handwerklicher Fähigkeiten wirst du kein guter Kaufmann. Wer den Meister braucht um Qualität in der handwerklichen Arbeit heraus zuarbeiten, der ist da schlicht fehl am Platz.


    Wir durch die Handwerksrolle A das Fliesen gerader? Werden Zusammenhänge besser erkannt? Nö. Was will man also vom Meister erwarten? Was ist die gesellschaftliche Erwartung an diese Berufszweig? Oder ist Meister längst synonym für Unternehmertum? Falls das so sein sollte, lasst uns fair bleiben und dann auch Unternehmer miteinander vergleichen. Das geht auch über Branchengrenzen hinaus. Siehst es da viel besser aus? Gastro z. B. ?

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  • Vorsicht Kalle,


    das darfst du vielleicht auf dein Gewerk beziehen, in anderen Gewerken kann man das so nicht stehen lassen.

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  • In anderen Gewerken bist du nicht betriebswirtschaftlich verhaftet?


    Wo und welcher Bereich profitiert von Praxis? Gibt es das echt noch, wo du so viel Geld auf den Tisch legst und weiter draußen am Arbeiten bist? Lohnt sich dass dann überhaupt? Wird der Verrechnungssatz schon recht teuer...

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  • Also ich kenn viele Fliesenlegermeister, die selber Fliesen und lassen das Büro ihre Mitarbeiterin machen und haben noch angestellte. UNd da sag ich ja, der Chef hat mehr technisches im Petto als die Mitarbeiter. kann ich jetzt natürlich nicht 100%ig sagen.

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  • Okay in Kleinstbetrieben mag das ja klappen, aber wer macht die Angebote, betreut die Kunden? Kümmert sich um das Zahlenwerk?

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  • Das Bauhandwerk in Deutschland besteht doch zumeist aus kleineren Betrieben. Dort ist der Meister auch Ansprechpartner für die Gesellen, wenn die nicht weiter kommen. Der Meister ist da oft der erfahrene Handwerker, der den Gesellen in technischen Fragen immer zur Seite steht. Außerdem wie soll ein Meister die Arbeit seiner Gesellen beurteilen, wenn er selbst es nicht besser weiß? Einen Gesellen gleich nach der Gesellenprüfung in den Meisterkurs zu schicken ist IMHO der falsche Weg. So lässt sich Qualität auf dem Bau nicht verbessern. Dann kann man die Meisterpflicht auch weg lassen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Das Bauhandwerk in Deutschland besteht doch zumeist aus kleineren Betrieben. Dort ist der Meister auch Ansprechpartner für die Gesellen, wenn die nicht weiter kommen. Der Meister ist da oft der erfahrene Handwerker, der den Gesellen in technischen Fragen immer zur Seite steht.

    Das ist eine sehr antiquierte Meinung des „Meisters“. Mal angenommen:


    Kann ich von einem Gesellen erwarten im Rahmen seiner Ausbildung eigenständig a.R.d.T.Konform seine Arbeit zu erledigen? Ja kann ich, denn dafür wurde er ausgebildet und ganz entscheidend: Dafür wird er bezahlt.


    Ich gebe dir Recht dass der Meister die Hand drauf hat und die Zahnräder ineinander greifen müssen. Er ist aber nicht das Kindermädchen der Gesellen. Genau so etwas führt nämlich zu Baumängeln. Weil das Verantwortungsbewusstsein abgezüchtet wird. „Der Meister ist ja da, der Meister hat gesagt“. Was bekommen wir also? Lemminge, die das Denken verlieren. Es ist ja immer einer im Hintergrund der die Verantwortung tragen soll.


    „Warum hast du das jetzt so und so ausgeführt?“ Na, machen wir doch immer so!


    Ja der Meister kann Wissenlücken auffüllen aber welchen Hintergrund haben die? Weil wir so viel belesene Gesellen haben? Sicherlich nicht, in dem ich einem Geselle zeige wie er mit einer Handkreissäge umgehen kann. Das wird schlicht erwartet. Das was im Rahmenlehrplan der Ausbildung steht hast du zu bringen. Wenn du nicht alles kannst, kein Ding, dann bemühe dich die Defizite aufzuholen, gerne auch innerhalb der Arbeitszeit. Davon passieren aber keine Fehler. Unkenntnis hat in sehr vielen Bereichen etwas mit Wissen zu tun - das ist selten in der Ausführungspraxis zu suchen.


    Ich bin heute mit meinem Meister kein besserer praktischer Handwerker als ich es davor schon war. Wie kann mir die Praxis also helfen? Wie hilft es mir, beim Führen eines Personalgesprächs? Beim Budgetplan? Beim verhandeln mit den Kunden? Rede und Antwort stehen vor Eigentümerversammlungen?


    Wo ist der Meister, wenn ein Problem am Arbeitstag auf der Baustelle auftritt? Beamen geht noch nicht. Am Telefon kannst du einige „Dinge“ übersehen. Oder ist die Arbeitsplanung so umfassend das keine Fragen auftauchen? Hab ich bis jetzt noch nicht geschafft.


    Zitat

    Außerdem wie soll ein Meister die Arbeit seiner Gesellen beurteilen, wenn er selbst es nicht besser weiß? Einen Gesellen gleich nach der Gesellenprüfung in den Meisterkurs zu schicken ist IMHO der falsche Weg.

    Anhand der a.R.d.T? Spielt es da eine Rolle ob der Dachdecker die Schweißbahn links oder rechtshändisch geschweißt hat? Kann ich beurteilen ob der Lagenversatz passt? Ob die Bahnlänge am Anschluss richtig ist? Ja, aber das kann ich alles ohne jemals eine Rolle Schweißbahn verlegt zu haben. Theorie und Praxis. Ich bin 31, meinst du ich erzähle einem Alt-Gesellen 30 Jahre Berufserfahrung wie er den Brenner zu halten hat? Weniger Hitze an Problemstellen zu geben? Das Wissen die und ist eher unter „Kindermädchen“ zu verstehen. Jüngere Arbeiter werden die Erfahrung selber machen, und da kann man begleiten. Hier gebe ich dir Recht das nötige Know-How für die Begleitung sollte man haben. Das kann man aber schon nach der Ausbildung haben, nämlich dann wenn Sie gut war. Das hat sicherlich auch etwas mit Tricks und Kniffen zu tun aber viel mehr mit guter Mitarbeiterführung. Lernen wirst du Mitarbeiterführung im Meister hingegen nicht. Finde den Fehler....


    Zitat

    So lässt sich Qualität auf dem Bau nicht verbessern. Dann kann man die Meisterpflicht auch weg lassen.

    Jetzt mal „Budder bei de Fische“. Qualität und Meister ist eine tolle Imagekampagne des Handwerks (HwK) ist doch aber absolut nicht das ordinäre Ziel einer Meisterausbildung. Aber ja, ich stelle mir seit langem die Frage ob diese „Pflicht“ nützlich ist. Denn für mich habe ich nicht die Identität gefunden die mit einem „Meister“ einhergehen soll. Ich kenne nur viele Imagekampagnen die etwas suggerieren. Eine gesellschaftliche Grundmeinung, die ich aber nicht verifizieren kann, warum sie ist wie sie ist.


    Braucht es für eine Unternehmung ein „Meister“? Nein. Welches Ziel verfolgt der ZDH und andere Konsorten mit dem Meister? Beitragszahler also Selbstständige. Eine Unternehmung zu FÜHREN hat rein gar nichts mit dem Handwerk zu tun. Man unterschiedet vielleicht zwischen Industrie und Handwerk in der Schwerpunktausbildung. Für das erfolgreiche Führen wirst aber die selben Modelle bei beiden Arten brauchen. Eine schlecht geführte Unternehmung kann die besten Handwerker haben, die schlechte Führung wird zwangsläufig dazu führen diesen Vorteil abzuwürgen. Was ist also wichtiger für Erfolg und damit auch für wachsende Qualität auf dem Bau? Ganz viel Handwerksrolle A? Oder gute Unternehmer die Ihr Unternehmen zu einer Qualitätsstufe hin entwickeln? Und wo ist da jetzt der Meister einzusortieren?

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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