Gebäude nachträglich unter Denkmalschutz stellen?

  • Guten Morgen,


    ich weiß leider nicht, ob ich hier bei euch richtig bin aber ich versuch es einfach mal.


    Geplant ist bei mir ein Grundstück mit einem Altbau zu erwerben. Der Altbau ist ein Bauernhaus das momentan nicht unter Denkmalschutz steht.

    Da es aber bereits so alt ist macht im Grunde nur noch ein Abriss Sinn, um ein Mehrfamilienhaus oder Einfamilienhaus (für meine Familie) zu errichten.


    Angst habe ich aber so viel Geld zu investieren und beim Bauantrag entschließt sich jemand den Altbau unter Denkmalschutz zu stellen, um einen Abriss zu verhindern.

    Das würde nicht nur einen "Lebenstraum" (ein eigenes Haus zu bauen) sondern auch meine Existenz gefährden, da ich ein Grundstück gekauft hätte mit dem ich nichts anfangen könnte, da der Altbau einen Neubau verhindert.


    Wie würdet ihr hier vorgehen? Ich vermute es kann mir ja keiner eine Garantie geben, dass der Altbau nicht nachträglich unter Denkmalschutz gestellt wird, richtig?



    Danke und Grüße

  • Hallo flashy,


    theoretisch ist es möglich, ein Gebäude nachträglich unter Denkmalschutz zu stellen. Wenn Du ganz sicher gehen willst, dann wende Dich an das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz in München und dort an den zuständigen Listenreferenten. Sende ihm nach Möglichkeit viele Fotos von außen und - falls Du hineinkommst - auch von innen. Wenn er dann sagt, dass das Gebäude nicht denkmalwürdig ist, kannst Du eigentlich sicher sein, dass Du es abbrechen darfst.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Rose24

    Bei uns benötigt man eine Abbruchgenehmigung der Gemeinde. Ist das überall so?

    Nein, in Bayern gibt es die Abbruchanzeige. Und nur ein Teil Abbrüche muss tatsächlich angezeigt werden, s. hier: Art. 57 Abs. 5 BayBO


    (5) 1Verfahrensfrei ist die Beseitigung von
    1. Anlagen nach Abs. 1 bis 3,
    2. freistehenden Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 3,
    3. sonstigen Anlagen, die keine Gebäude sind, mit einer Höhe bis zu 10 m.
    2Im Übrigen ist die beabsichtigte Beseitigung von Anlagen mindestens einen Monat zuvor der Gemeinde und der Bauaufsichtsbehörde anzuzeigen. 3Bei nicht freistehenden Gebäuden muss durch einen qualifizierten Tragwerksplaner im Sinn des Art. 62a Abs. 1 beurteilt und im erforderlichen Umfang nachgewiesen werden, dass das Gebäude oder die Gebäude, an die das zu beseitigende Gebäude angebaut ist, während und nach der Beseitigung standsicher sind; die Beseitigung ist, soweit notwendig, durch den qualifizierten Tragwerksplaner zu überwachen. 4Satz 3 gilt nicht, soweit an verfahrensfreie Gebäude angebaut ist. 5 Art. 68 Abs. 5 Nr. 3 und Abs. 7 gelten entsprechend.

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  • Ja, das wollte ich auch grad schreiben. Habe vor ein paar Jahren in Nürnberg ein Gebäude abgebrochen um Platz für was neues zu schaffen und war sehr erstaunt, dass da eine Abbruchanzeige völlig ausreichend ist.

    Überhaupt war Nürnberg, hinsichtlich der bauherrenfreundlichen und transparenten Antragsbearbeitung mein bisher positivstes Bauumfeld.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Rose24

    Bei uns benötigt man eine Abbruchgenehmigung der Gemeinde. Ist das überall so?

    Ja, meines Wissens regeln das die Musterbauordnung und alle LBOen so.

    Nein, in Bayern gibt es die Abbruchanzeige. Und nur ein Teil Abbrüche muss tatsächlich angezeigt werden, s. hier: Art. 57 Abs. 5 BayBO

    Aha, wieder etwas Neues gelernt! Mein Wissen war also mangelhaft. :thumpsdown: (Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich in der Stadt typischerweise mit den Gebäudeklassen 4 / 5 und Sonderbauten zu tun habe.)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wenn das so ist, dann braucht der/die flashy sich ja nicht mit dem Denkmalamt in Verbindung zu setzen (schlafende Hunde wecken...).

    Und das Bauernhaus dürfte ja nicht Gebäudeklassen 4 oder 5 sein, also nur eine Anzeige.

  • Wenn das so ist, dann braucht der/die flashy sich ja nicht mit dem Denkmalamt in Verbindung zu setzen (schlafende Hunde wecken...).

    Und das Bauernhaus dürfte ja nicht Gebäudeklassen 4 oder 5 sein, also nur eine Anzeige.

    Da wäre ich jetzt aber vorsichtig. Wenn das Haus im Außenbereich steht, kann der Abbruch das Baurecht Und kosten... :rulez:


    Ich würde im Übrigen sogar davon ausgehen, dass der Abbruch verfahrensfrei ist (Gkl 1 oder 3).

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  • Guten Abend zusammen,


    wow, was für ein super Forum hier. Herzlichen Dank an alle für die Informationen !!


    Das mit der Abbruchanzeige ist mir selbst neu und hilft sehr weiter. Wie Roth erwähnt hat würde ich das Denkmalschutzamt lieber nicht einschalten. Das Gebäude ist in keinem "Außenbereich". Rose24 sorry, könntest Du mir bitte ganz kurz helfen was mit einem "verfahrensfreien Abbruch" gemeint ist?


    Ich glaube ich muss mich hier auf jeden Fall mit den Gebäudeklassen auseinandersetzen und recherchieren was Klasse 1 und 3 ist :)


    Also theoretisch könnte man es als Laie so ausdrücken, dass man das Grundstück kauft und nach einer Abbruchanzeige einfach möglichst schnell abreißt bevor jemand auf die Idee kommen könnte es sei denkmalwürdig.



    Schönen Abend noch

  • Verfahrensfrei bedeutet, dass weder eine Genehmigung noch eine Anzeige erforderlich sind. Vermutlich ist das bei Dir so.

    Die Gebäudeklassen sind in Art. 2 BayBO beschreiben. Ich vermute Gkl. 1 oder 3.

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  • Ich hatte es so in Erinnerung, dass auch Informationen über Gebäude drin sind, die nicht unter Denkmalschutz stehen. Kann mich aber auch täuschen.

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  • OT

    Sehr guter Tipp mit dem Bayerischen Denkmal-Atlas, danke! Interessant ist dort Folgendes:


    "Beachten Sie, dass die Denkmaleigenschaft nicht von der Eintragung in die Bayerische Denkmalliste und von der Kartierung im Bayerischen Denkmal-Atlas abhängt. Auch Objekte, die nicht verzeichnet sind, können Denkmäler sein. Die Verwendung des Bayerischen Denkmal-Atlas oder der hier zur Verfügung gestellten Listenauszüge ersetzt nicht die Beteiligung der zuständigen Genehmigungs- und Denkmalfachbehörden..."

  • "Beachten Sie, dass die Denkmaleigenschaft nicht von der Eintragung in die Bayerische Denkmalliste und von der Kartierung im Bayerischen Denkmal-Atlas abhängt. Auch Objekte, die nicht verzeichnet sind, können Denkmäler sein. Die Verwendung des Bayerischen Denkmal-Atlas oder der hier zur Verfügung gestellten Listenauszüge ersetzt nicht die Beteiligung der zuständigen Genehmigungs- und Denkmalfachbehörden..."

    ...das ist schon richtig. Wenn das Gebäude aber abgerissen wird bevor es der Listenreferent anschauen konnte, ist das eher eine Binsenweisheit.

    Ich habe bisher noch nicht viele Fälle erlebt, in denen "neue" Denkmäler eingetragen worden sind. So etwas passiert meist, wenn wir entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung bekommen, kann aber auch Mal im Rahmen eines geplanten Umbaus vorkommen. Die Hürden für die Eintragung sind aber relativ hoch.

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  • Rose24

    Danke für die Aufklärung! Habe aus eigenen baulichen Gründen einen Schreck bekommen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass alte Bauernhäuser nicht mehr aufgenommen werden. Die historisch wertvollen sollten alle bekannt sein. Jetzt dürften die Betonbauten aus den 70ern dran sein (bevor sie abgerissen werden).

  • Ich könnte mir vorstellen, dass alte Bauernhäuser nicht mehr aufgenommen werden. Die historisch wertvollen sollten alle bekannt sein. Jetzt dürften die Betonbauten aus den 70ern dran sein (bevor sie abgerissen werden).

    Tatsächlich wurden in der Zeit, seit ich für den Denkmalschutz zuständig bin mehr Denkmäler aus der Liste gestrichen als neu aufgenommen. Auch gibt es immer mal wieder Listenkorrekturen - gerade bei Bauernhäusern kam es auch zu teilweisen Streichungen, d.h. nur noch ein Teil des Gebäudes bleibt unter Denkmalschutz.

    In unserem Bereich haben wir in meiner Zeit bisher einen Hof neu aufgenommen - der wurde aber wohl vorher versehentlich aus der Liste gestrichen. Die Eigentümer selbst wollten den Hof wieder in der Denkmalliste haben.

    Es gab außerdem erst vor ein paar Jahren eine Listenrevision, bei der die bekannten Denkmäler überprüft wurden. Auch da kam es zu Streichungen.

    Allmählich traut man sich an die Hinterlassenschaften des Dritten Reichs heran, diese werden z.T. neu aufgenommen und ja - auch markante Betonbauten aus den 1960ern und 1970ern können in die Liste kommen.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Verfahrensfrei bedeutet, dass weder eine Genehmigung noch eine Anzeige erforderlich sind. Vermutlich ist das bei Dir so.

    Die Gebäudeklassen sind in Art. 2 BayBO beschreiben. Ich vermute Gkl. 1 oder 3.

    Das wäre natürlich super :) vielen Dank für die Infos!


    LG

  • Sorry! Eine letzte Frage ist mir doch noch eingefallen... Rose24


    Das Gebäude nebenan steht unter Denkmalschutz. Wie sieht das dann aus mit dem Gebäude von mir? Greift hier evtl. der sogenannte Ensembleschutz?


    Danke nochmals :)

  • Sorry! Eine letzte Frage ist mir doch noch eingefallen... Rose24


    Das Gebäude nebenan steht unter Denkmalschutz. Wie sieht das dann aus mit dem Gebäude von mir? Greift hier evtl. der sogenannte Ensembleschutz?


    Danke nochmals :)

    Nein - das müsste ansonsten in der Denkmalliste stehen.

    Ich kann aber sicherheitshalber gerne für Dich nachsehen, wenn Du mir per PN die Adresse schickst.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!