Kosten Architekt

  • Moin,


    wir waren vor ein paar Wochen bei einem lokal ansässigen Architekten da wir unseren teilausgebauten Dachboden zu vollwertigen Aufenthaltsräumen (Schlafzimmer, Duschbad, Abstellkammer) ausbauen lassen wollen. Aktuell ist er Stand 80er-Jahre ausgebaut inkl. Glaswolle zwischen den Sparren, aber als Abstellraum genehmigt. In dem Zuge soll die Dacheindeckung erneuert werden, gut gedämt und ein Klimagerät für das SchlaZi eingebaut werden. Für die Genehmigung als Abstellraum muss eine der beiden vorhandenen Dachgauben baulich verändert werden um mehr Höhe für die Genehmigung als 2. Rettungsweg zu schaffen.


    Der Architekt geht aufgrund der bisher von ihm realisierten Arbeiten erstmal von 100k Baukosten netto aus. Sein Architektenhornorar berechnet auf Grundlage dieser ersten ich würde es mal "groben Schätzung" nach HOAI. Sie liegt für die Phasen 1-8 bei rund 24k EUR netto.


    Ist es normal dass das Honorar auf Basis so einer "Hausnummer-Summe" berechnet wird? Es hat ja noch überhaupt gar keine Planung stattgefunden.


    Das ist nun jedoch das Honorar welches wir für die Auftragserteilung annehmen sollen... ist das so üblich?


    Ehrlich gesagt haben mich sowohl Baukosten wie auch Honorar ein wenig überrascht.... 100k für n "Dachgeschossausbau" und dann nochmal 1/4 on top für die Planungs und Überwachungsleistungen :(


    Viele Grüße,

    Olli

  • Ist es normal dass das Honorar auf Basis so einer "Hausnummer-Summe" berechnet wird?

    Das ist ja noch keine Berechnung, nur mal eine grobe Abschätzung vorab.



    Ehrlich gesagt haben mich sowohl Baukosten wie auch Honorar ein wenig überrascht.... 100k für n "Dachgeschossausbau" und dann nochmal 1/4 on top für die Planungs und Überwachungsleistungen :(

    Was würdest Du sagen, wenn er nur 50.000,- € geschätzt hätte, und bereits nächste Woche mit 60.000,- € kommt, dann nächsten Monat mit 70.000,- € usw.


    Zum aktuellen Zeitpunkt kann man zu den Kosten noch gar nichts sagen, nicht einmal schätzen. Ich würde die bisher genannten Beträge nicht für bare Münze nehmen.


    Kostensicherheit gibt es bei so einem Umbau nicht. Den Preis kennst Du erst wenn alles fertig ist. Selbst wenn die Planungsphase schon abgeschlossen wäre, und die ersten Angebote vorliegen würden, bestünde noch ein hohes Risiko, dass es am Ende doch teurer wird. ;)


    Lösung? Wäre mir nicht bekannt. Man kann nicht jede Schraube schon im Vorfeld planen, da würde die Planung länger dauern als die Umsetzung. (Bsp.: Maschinenbau, da ist die Entwicklungsphase oftmals länger als die Produktionsphase. Deswegen muss das Produkt mehrfach produziert werden, oder es wird verdammt teuer).

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  • Nun - ich muss jetzt sein Angebot annehmen (oder nicht). Und da steht - 24k für den Architekten basierend auf 100k netto Baukosten. Thats it.


    Und wenn die Baukosten danach 200k sind habe ich einen Schnapper gemacht - nur das ich es mir dann halt in Summe nicht leisten kann.

    Wenn sie sich nur auf 50k belaufen habe ich dann wohl Pech gehabt.


    Daher wollte ich wissen - ist es normal, das der Architekt einen Schätzpreis auf Basis seiner Erfahrung ausruft und danach sich dann das Hornorar fixiert?


    Und - wie kann ich mich jetzt entscheiden wenn ich nicht die Kosten nach erfoltger Detailplanung kenne? Die muss ich doch aber kennen um zu wissen ob ich es mir leisten kann oder nicht.....


    Ich hatte ja noch nie mit Architekten zu tun.... daher ist dieses Vorgehen für mich irgendwie..... komisch. Weiss aber halt auch nicht ob das eben so üblich ist bzw. was man anders machen könnte....

  • Und wenn die Baukosten danach 200k sind habe ich einen Schnapper gemacht -

    Da wäre ich mir nicht so sicher. Wird der Betrag mit dem Architekten fix vereinbart? Eher unüblich.

    Wenn also die Baukosten steigen steigt auch sein Honorar (mit wenigen Ausnahmen).

    Also ganz genau schauen, was vereinbart wird.

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  • Zitat

    Ausgehend durch von uns in der Vergangenheit realisierter vergleichbarer Maßnahmen und Projekte haben wir in einer ersten Schätzung die Kosten dieser Baumaßnahme an Ihrem EFH ermittelt. Hierbei ergeben sich ca 100k anrechenbare Herstellungskosten netto.


    Auf der Grundlage dieser vorläufigen Honorarermittlung haben wir das Architektenhonorar für die notwendigen LP ermittelt. Wir übersenden Ihnen anbei unsere Honorarermittlung in zwei Varianten.


    Bei der Variante 1 (Vollversion) würden alle notwendiugen Leistungen bis zur Übergabe an Sie ........... In dieser Version können wir Ihnen unsere Leistungen zu einem reduzierten pauschalen Honorar in Höhe von 24000 netto zzgl. MwSt anbieten


    So stehts geschrieben...


    Ich kann wählen LP 1-5 für 14k oder 1-8 für 24k. Seine HOAI-Honorar-Ermittlungs Berechnungsbögen liegen jeweils ein paar hundert EUR drüber wenn man es jetzt genau ausrechnet.


    Das sich aufgrund der tatsächlichen Baukosten irgendwas am Honorar ändert ist mit keiner Silbe erwähnt.


    Welchen "Puffer" muss man denn für die Baukosten einplanen wenn er so 100k schätzt? Ich hätte jetzt 150k ausgerufen - aber ehrlich wird mir bei 150k für ein ausgebautes DG inkl. neuer Eindeckung mit Bad echt schwindelig.....

  • HOAI steht da übrigens auch nirgends.... kann man nur auf den Berechnungsbögen erahnen und ich wiederhole es gerne nochmal.


    In dieser Version können wir Ihnen unsere Leistungen zu einem reduzierten pauschalen Honorar in Höhe von 24000 netto zzgl. MwSt anbieten.


    Heist also - er kann mit mir ein pauschales Honorar vereinbaren was dem HOAI Honorar seiner fiktiven Bausumme entspricht und dann im Nachgang einfach doch nochmal was anpassen? Das kann ich so kaum glauben... entweder ich vereinbare ein pauschales Honorar oder eben nicht?

  • wieviel kostet denn ein von dir entwickeltes/mitentwickeltes programm (inklusive updates und betreung ) ??

    Du weisst doch wie das funktioniert! Der geschätzte Preis wird ziemlich genau getroffen - da natürlich ein ziemlicher Sicherheitsaufschlag drauf kommt.

  • Nun - ich muss jetzt sein Angebot annehmen (oder nicht). Und da steht - 24k für den Architekten basierend auf 100k netto Baukosten. Thats it.

    Du musst nichts...du hast diverse Moeglichkeiten. Bspw. anderen Architekten fragen. Oder mit den Architekten eine Beauftragung von Teilleistungen in den jeweiligen Leistungsphasen vereinbaren (du wirst fuer den Dachausbau diverse Teilleistungen schlicht nicht benoetigen), oder die abschnittsweise Beauftragung vorschlagen. Als Kostenbasis wuerde ich nicht eine "aus dem Bauch geratene Summe" vereinbaren, sondern die Zahl, die am Ende der LP3 unter dem Blatt "Kostenberechnung" steht. Das sollte dein Architekt eigentlich auch wissen (und vielleicht sogar im Architektenvertrag stehen haben), das ist bei vielen BV (zumindest im oeffentlichen Bereich) usus.

  • Auch einfache Fragen erfordent manchmal - wie hier - komplizierte Antworten.


    Da nach geltender HOAI Honorare für Planungsleistungen im Hochbau abhängig von den Baukosten ermittelt werden, ist für jedes Honorarangebot immer zuerst eine Kostenschätzung erforderlich. Diese ist naturgemäß vor dem eigentlichen Projektbeginn noch sehr grob. Ohne sie kann aber niemand sein Planungshonorar ermitteln. Die Stufen der Kostenschätzung habe ich für meine Auftraggeber einmal genauer zusammengestellt: Stufen der Kostenaufstellung nach HOAI und DIN 276.


    Das Honorar für Architektenleistungen wird stufenweise danach berechnet und die Kostenbetrachtungen werden in mehreren Stufen weiter verfeinert. Dies erkläre ich meinen Bauherrn mit dieser Tabelle:


    Honorar der Leistungsphase X („LP“) nach HOAI basiert auf den anrechenbaren Kosten der … (diese) ist Grundleistung nach HOAI in der LP
    Angebotsphase, vorvertraglich, nur zu honorieren, wenn ausdrücklich schriftlich vereinbart vorvertragliche Kostenbetrachtung zur Einschätzung des Kostenrahmens keine
    1 - 2 Grundlagenermittlung, Vorentwurf (vorläufig für Honorar-abschläge bis zum Abschluss der LP3) Kostenschätzung 2
    3 - 9 Entwurf, Bauantrag, Ausführungsplanung, Ausschreibung, Vergabe, Objektüberwachung, Objektbetreuung Kostenberechnung 3
    Kostenanschlag 7
    Kostenfeststellung 8


    Für die Ermittlung des Architektenhonorars werden nach § 4 Abs. 1 HOAI die Baukosten ohne Mehrwertsteuer herangezogen. Auf das gesamte Architektenhonorar ist aber die gesetzliche Umsatzsteuer von z. Zt. 19 % zu erheben!


    Hieraus wird ersichtlich, dass das Honorar erstmals mit Abschluss der Kostenschätzung am Ende der LP 2 verbindlich für die LP 1 und 2 errechnet werden kann. Für die Berechnung der Leistungen ab der LP 3 muss dann die LP 3 mit Erstellung der Kostenberechnung abgeschlossen sein.


    Die Höhe von Kostenanschlag und Kostenfeststellung werden nach § 6 Abs. 1 HOAI seit 2013 für die Honorierung von Grundleistungen des Teils 3 „Objektplanung“ der HOAI, also die klassischen Architektenleistungen, nicht berücksichtigt. Damit ist das aus der vom Bauherrn freigegebenen Kostenberechnung der LP 3 abgeleitete Honorar für die Architektenleistungen aller weiteren LP verbindlich, sofern sich die anrechenbaren Kosten nicht durch vom Auftraggeber veranlasste Kostensteigerungen erhöhen.


    Achtung, für Umbauten und Modernisierungen kann nach § 36 (2) HOAI ein erheblicher Zuschlag berechnet werden. Üblich und zulässig sind Zuschläge von 30 % bei Umbauten und bis zu 50 % bei Umbauten raumbildender Ausbauten.


    Auch kann die mitzuverarbeitende Bausubstanz in die anrechenbaren Kosten mit aufgenommen werden, was aber nur die wenigsten Kolleginnen ud Kollegen wirklich verstehen.


    (Um Fragen zur Gültigkeit der HOAI gleich vorweg zu nehmen: Die HOAI gilt weiter. Lediglich kann sich seit dem Urteil des EuGH zu den Mindest- und Höchstsätzen kein Architekt bei einem laufenden Vertrag, der mit Unterschreitung der Mindestsätze geschlossen wurde nach honorarerhöhend auf die Mindestsätze berufen und kein Bauherr im umgekehrten Fall auf die Höchstsätze. Geltender Vertrag bleibt geltender Vertrag. Die Rechtslage ändert sich also nur für wenige Sonderfälle, nicht für den durchschnittlichen "Normalfall". Aufgrund der momentanen Marktlage dürfte sich schon seit Jahren kaum ein Kollege oder eine Kollegin finden, die unterhalb der Mindestsätze Verträge schließt.)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Du musst nichts...du hast diverse Moeglichkeiten. Bspw. anderen Architekten fragen. Oder mit den Architekten eine Beauftragung von Teilleistungen in den jeweiligen Leistungsphasen vereinbaren (du wirst fuer den Dachausbau diverse Teilleistungen schlicht nicht benoetigen), oder die abschnittsweise Beauftragung vorschlagen.

    Üblich ist, gerade bei Umbauten / Modernisierung eine stufenweise Beauftragung:


    Stufe umfasst LP mit Honorarprozent beim Leistungen "raumbildendeR Ausbau"
    1 1 - 2 9
    2 3 - 4 17
    3 5 - 7 40
    4 8 32
    5 9 2

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Danke für die ausführliche Erläuterung Skeptiker. Ich kann halt auch nur schreiben was im Brief steht.... in den Berechnungsbögen ist ausgeführt


    Für Gebäude:

    Grundlagen des Honorars:

    - Anrechenbare Kosten 100k

    - Honorarzone III

    - Mittelsatz

    - Umbauzuschlag i.H.v. 20%

    - Nebenkosten pauschalisiert: 6% des Grundleistungshoorars


    Honorar nach Honorartafel §35 Abs. 1, Interpolation gemäß $13


    Honorar nach Honorartafel §35 Abs. 1
    Interpolation gemäß §13
    von-Satz bis-Satz Honorar
    Anrechenbare Kosten 100.000,-- EUR
    15.005,-- 18.713,-- 16.859,--


    Honorar einschließlich Umbauzuschlag:

    Leistungspsphasen
    Min-Honorar Max-Honorar Honorar
    1 1,2* 2% 360,12 449,11 404,62
    2 1,2* 7% 1260,42 1571,89 1416,16
    3 1,2* 15% 2700,90 3368,34 3034,62
    4 1,2* 3% 540,18 673,67 606,92
    5 1,2* 25% 4501,50 5613,90 5057,70
    6 1,2* 10% 1800,60 2245,56 2023,08
    7 1,2* 4% 720,24 898,22 809,23
    8 1,2* 32% 5761,92 7185,79 6473,86
    9 1,2* 0% 0 0 0
    Summe Grundleistungen
    98% 17645,88
    22006,48 19826,19
    Nebenkosten (pauschal 6%) 1058,75 1320,39 1189,57
    Summe netto
    18704,63 23326,87 21015,76
    MwSt 3553,88 4432,11 3992,99
    Gesamtbetrag 22258,51 27758,98 25008,75


    Dazu dann nochmal so einen Bogen für Tragswerksplanung mit 3681,51 als Summe netto.


    Dann ein A4-Blatt was wir unterschreiben und zurücksenden dürfen


    "Hiermit beauftragen wir, <Nam>, Adresse>, das <Architekt> mit in diesem Honorarangebot näher bezeichneten Architekten- und Statikleistungen zu einem Honorar in Höhe von:


    [ ] Variante 1 24k zzgl MwSt

    [ ] Variante 2 14k zzgl MwSt


    Ort Datum Unterschrift"


    Daraus kann ich jetzt als Laie nicht erkennen dass das Honorar nochmal neu ausgehandelt wird. Auch sind die aufgerufenen geschätzten 100k schwierig zu bewerten wenn es darum geht "kann ich mir das leisten?" Ich will mich ja nun auch nicht ins Verderben verschulden.



    Heisst das also, man sollte eigentlich nur bis LP2 beauftragen, und dann entscheiden ob man sich das ganze überhaupt leisten kann und will und ggf. weiter beauftragen oder abbrechen?

  • Ich lasse mich inzwischen fast nur noch stufenweise beauftragen, wie oben dargestellt. Es hat für beide vertragschließenden Seiten fair:


    Ob er sich das Objekt leisten kann / will, sollte dem Bauherrn nach Ende der Stufe 1 / LP 2 klar sein. Vorher weiß er es oft nicht, da Budget und Raumprogramm / Qualitätsansprüche und Grundstück / Bestand erst in Einklang gebracht werden müssen. Dann geht es weiter - oder eben nicht. Ob er vor Vorliegen der Genehmigung bereits mit der Ausführungsplanung / Statik anfangen will, muss der Bauherr entscheiden. Er trägt das Risiko für Änderungen daran, wenn nicht alles genehmigt wird wie beantragt. Meistens möchte er aber lieber heute als morgen anfangen zu bauen ... Eine Notwendigkeit, schon jetzt alles zu beauftragen sehe ich nicht. Natürlich kann es bei stufenweiser Beauftragung passieren, dass später im gewünschten Zeitraum keine Kapazität mehr frei ist, oder sich die Vertragsbedingungen negativ verändern. Andererseits hat man sich nicht an jemanden gebunden, mit dem man doch nicht so gut zurecht kommt. Die Dauer von Bauprojekten ist ja meist eher in Jahren, als in Monaten zu messen, wenn man die Anfrage als Startpunkt nimmt. Und dann an einen Vertragspartner gebunden zu sein, mit dem die Zusammenarbeit nicht funktioniert? Das muss nicht sein, beiderseits!


    Bei oberflächlicher Betrachtung passt die Honorarberechnung und ist bezüglich des Umbauzuschlages auch eher zurückhaltend. Die Nebenkosten liegen bei der Projektgröße bei mir ähnlich. Rein formal ist die Berechnung - wie vermutlich 95 % aller Honorarberechnungen von Architekten - nicht nachvollziehbar, damit nicht prüfbar und insofern ein gefundenes Fressen für versierte Fach-Anwälte, aber das nur nebenbei. Rein rechtlich scheint der Kollege schon länger nicht so ganz auf der Höhe der Zeit zu sein, da dem Auftragsschreiben auch die zwingend erforderliche Widerspruchsbelehrung für Verbraucher fehlt - sofern ihr den Vertrag nicht in seinen Geschäftsräumen unterschreibt. Die Beauftragung wäre schon alleine deswegen unwirksam und könnte jederzeit widerrufen werden.


    Beachte, dass die HOAI lediglich Preisrecht ist, aber keinen Architektenvertrag ersetzt! Sie legt nur fest, für welche Grundleistungen welches Honorar erforderlich wird, nicht, welches Grundleistungen bei Dir erforderlich und von Dir gewünscht sind. Ein Architektenvertrag definiert die genauen Planungsziele, die Zwischenschritte zum Werkerfolg ("bestellte Grundleistungen") und auch das dafür zu zahlende Honorar und weitere wesentliche Punkte. Ich kann nur empfehlen, einen solchen Vertrag zu schließen, um nicht auf die sehr allgemeinen Festlegungen des BGB zu Werkverträgen angewiesen zu sein. Der Kollege kann Dir ja einen Vertragsentwurf übergeben, den Du dann prüfst bzw. prüfen lässt.


    Kurzes Fazit: Das Honorar des Kollegen passt in der Höhe tendenziell, konkrete vertragliche Vereinbarungen sind mangelhaft, sofern sie überhaupt vorliegen ... die Verbraucheraufklärung fehlt inhaltlich und formal völlig.

    Daraus kann ich jetzt als Laie nicht erkennen dass das Honorar nochmal neu ausgehandelt wird.

    "Neu ausgehandelt" wird es auch nicht. Lediglich die Bemessungsgrundlage wird präzisiert, also die "anrechenbaren Kosten" .

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Meine Frage wäre, ob das zurückzusendende DIN A4-Blatt der Architektenvertrag ist.

    Das wäre zu wenig.

    (Hat sich mit Skeptiker überschnitten, ohne dass ich es bemerkt habe).

    Falls die Frage an mich ging - überschrieben ist der Zettel lediglich mit "Auftragserteilung"

  • In wie weit könnte es denn sein, das eine gewisse Art an Vorplanung bereits erfolgt ist? Wir haben ihm für die Angebotserstellung unsere kompletten Bauunterlagen sowie Fotos und eine Art "Anforderungsverzeichniss" (A4 Zettel mit Räumen die wir benötigen sowie was die Räume leisten können müssen bzw. Merkmale) von uns überlassen.


    Was passiert denn bei LP 1 und 2? Werden dort auch schon Pläne generiert? Auf welcher Basis werden dort die Kosten geschätzt? Kubikmeter umbauter Raum?

    Es gab ein Gespräch mit ihm im Vorfeld wo wir unser Blatt durchgegangen sind....


    Ich spiele mit dem Gedanken ihn Montag anzurufen und zu fragen ob wir auch nur LP1+2 erstmal beauftragen können - nur würde ich schon gerne wissen was wir danach in der Hand haben - auch wieder nur eine ominöse Zahl ohne Idee wie die sich zusammensetzt?

  • Falls die Frage an mich ging - überschrieben ist der Zettel lediglich mit "Auftragserteilung"

    Aus Erfahrung möchte ich sagen, dass man beim Abschluss eines Architektenvertrags aufmerksam sein sollte, da gibt es Klauseln, die den Bauherrn benachteiligen können.

    Zur "Auftragserteilung":

    Mit der Auftragserteilung teilt der Auftraggeber einem interessierten Bewerber mit, dass er dessen Angebot annimmt. Bei einem bindenden Angebot und einer Auftragserteilung innerhalb der Gültigkeitsfrist dieses Angebots ist der Vertrag zwischen den beiden Parteien rechtsgültig abgeschlossen. Im Falle eines freibleibenden Angebots sorgt der Auftragnehmer durch eine Auftragsbestätigung für den endgültigen Abschluss des Vertrags.

  • In wie weit könnte es denn sein, das eine gewisse Art an Vorplanung bereits erfolgt ist? Wir haben ihm für die Angebotserstellung unsere kompletten Bauunterlagen sowie Fotos und eine Art "Anforderungsverzeichniss" (A4 Zettel mit Räumen die wir benötigen sowie was die Räume leisten können müssen bzw. Merkmale) von uns überlassen.

    Nachfragen! Ich kenne den Kollegen nicht. Ich überlege mir immer erstmal worauf die Anfrage entwurflich ungefähr hinauslaufen könnte und überschlage dann vorvertraglich die dafür anfallenden Kosten nach Kubatur, Flächen und meinem "Gefühl". Das bekommt der potentielle Bauherr aber nicht von mir, warum auch, sondern nur das Ergebnis. Wir haben enifach die bescheuerte Situation, dass wir bereits 1- 2 % der Gesamtleistung vorab erbringen müssen, um ansatzweise für ein Angebot die relevanten Fakten zusammen zu bekommen.


    Die Grundleistungen der jeweiligen Leistungsphasen findest Du in der entsprechenden Anlage zur HOAI. Die solltest Du Dir schleunigst anschauen, damit Du nachvollziehen kannst, was Du vom Kollegen für Dein Geld bekommen sollst.

    Was passiert denn bei LP 1 und 2? ... Auf welcher Basis werden dort die Kosten geschätzt? Kubikmeter umbauter Raum?

    Sie he oben. Das steht bei mir im Architektenvertrag und der Preis dafür in der HOAI und ihrer Auflistung der Grundleistungen.

    Werden dort auch schon Pläne generiert?

    In LP 1 nicht unbedingt, in LP 2 zwingend!

    Es gab ein Gespräch mit ihm im Vorfeld wo wir unser Blatt durchgegangen sind....

    Kann vorvertragliche Leistung sein, kann Leistung der LP 1 oder 2 sein, kann alles sein.

    Ich spiele mit dem Gedanken ihn Montag anzurufen und zu fragen ob wir auch nur LP1+2 erstmal beauftragen können - nur würde ich schon gerne wissen was wir danach in der Hand haben - auch wieder nur eine ominöse Zahl ohne Idee wie die sich zusammensetzt?

    Deshalb solltest Du:

    1. umgehend nachfragen
    2. einen Architektenvertrag schließen. Der legt nämlich genau das fest!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Aus Erfahrung möchte ich sagen, dass man beim Abschluss eines Architektenvertrags aufmerksam sein sollte, da gibt es Klauseln, die den Bauherrn benachteiligen können.

    Ja, das ist aber bei jedem Vertrag so. Momentan sind doch die Planungsziele nicht einmal Teil des Angebots und die zu liefernden Leistungen nicht definiert. Es steht nicht einmal da, dass alle Grundleistungen nach HOAI beauftragt werden. Da steht fast nichts außer dem Preis. Was wird da beauftragt?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Im Schreiben steht:



    Auf der Grundlage unseres Termins vom ... und nach Sichtung der uns überlassenen Unterlagen haben wir uns dabei folgende von Ihnen gewünschte Zielsetzungen notiert:


    1. Ausbau des zur Zeit teilgenutzten Bereiches im Dachgeschoss zu vollwertigen Aufenthaltsräumen im Sinne der Landesbauordnung NRW, Schaffung eines Schlafzimmers, eines Duschbades, einer Abstellkammer.


    2. Bauphysikalische Ertüchtigung der gesamten Dachkonstruktion einschließ0lich Dämmung und neuer Dacheindeckung


    3. Integration und Erweiterung der jetzt vorhandenen technischen Gebäudeausstattung wie Elektro und Heizung sowie Planung und Installation eines Splitklimagerätes für den Schlafbereich.



    Das deckt sich in etwa mit unserem "Zettel"....


    Zum Preis der 24k Variante steht dann noch "... würden alle notwendigen Leistungen bis zur Übergabe an Sie durch unser Büro erbracht. Hierbei haben wir auch die notwendigen Leistungen der Statik sowie des Schall- und Wärmeschutzes in unser Angebot eingestellt".



    Konkreter wird das Schreiben nicht.

  • Das liest sich schon etwas besser.


    In einem einfachen Architektenvertrag wäre meiner Meinung dennoch noch etwas mehr zu regeln. Einen mir vernünftig erscheinenden Entwurf für einen Architektenvertrag gibt es zu diesem Buch. Er ist momentan aber nicht online verfügbar und erscheint auf den ersten Blick kompliziert. ich schätze ihn dennoch inzwischen sehr, würde ihn aber auch nur mit leichten Veränderungen einsetzen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich habe heute ein bisschen telefoniert.


    Einerseits einen Termin mit der Bank in die Wege geleitet damit wir ein Gefühl dafür bekommen ob wir uns die Finanzierung leisten wollen.


    Andererseits mit dem Architekten

    - Architektenvertrag kein Problem. Können wir gerne machen. Fragen schlicht nicht viele an, aber er sieht überhaupt kein Problem. Er kann uns gerne auch mal einen mitgeben zur Durchsicht usw.

    - LP1+2 beauftragen ist auch kein Problem. Er meinte jedoch, das in dem Fall Ihre Arbeit über die Anforderung der LP2 hinausgeht. Bei einer reinen LP2 Leistung wäre die Genauigkeit ungefähr so wie wir sie auch aktuell jetzt haben mit den 100k. Die Zahl sei nicht ganz aus der Luft gegriffen. Sie würden daher bei LP2 immer "mehr" machen um eine höhere Genauigkeit zu erhalten die über eine reine Schätzung hinaus gehen. Er sprach kurz was von Aufstellung je Gewerk usw. an. Die "Mehrarbeit" wird natürlich auch vergütet. Ist für mich auch OK.