Anforderungen an Schulgebäude

  • Kennt sich jemand mit den Anforderungen an Schulgebäuden in HH bzw. SH aus? Meine Tochter versucht gerade, eine freie demokratische Schule zu gründen (Schule in privater Trägerschaft nennt sich das in der Behördensprache). Ich möchte sie gerne unterstützen, da es ein wirklich großes Projekt ist. Vorgesehen ist die Schule zunächst für die Jahrgänge 1-5. Da es eine demokratische Schule werden soll, werden es keine typischen ausgestatteten Klassenräume sein (jeder kennt ja diese Tische und Stühle, den Chemieraum usw.)

    Ich suche Informationen zu:

    Brandschutz

    Abschätzung der Möglichkeiten des Umbau von Einfamilienhäuser

    Abschätzung der Möglichkeiten ein Grundstück zunächst mit Schulcontainern auszustatten und darauf dann neu bauen oder andere Gebäude suchen

    Sicherheit (BGV A3, Stolperfallen, Zäune, etc.)

    Welche weiteren Anforderungen gibt es noch?

    Ich weiß, dass das Thema vielseitig ist und ich viele Aspekte nicht abschätzen kann. Aber ich hoffe doch sehr auf eine konstruktive Diskussion.

    Danke und Gruß,

    Peter

  • Einige Bundesländer und Großstädte haben über die o.g. Schulbaurichtlinien weit hinausgehende definierte Bauprogramme für öffentlich geförderte Schulbauten wie bspw. diese. Darüber hinaus gibt es für mehrere Bundesländer auch definierte Anforderungen an die räumliche Organisation von Schulen, auch in HH. Opas Schule mit langen Gängen und gereihten Klassenräumen ist schon lange tot. Aktuell geht es um Lerncluster, Teilungsräume, Begegnungszonen, Mensen, sozialpädagogischer Bereiche ...


    Nach zwei Projekten im Schulbau (HH und B) kenne ich mich inzwischen etwas damit aus und denke, dass zu allererst das pädagogische Konzept stehen muss, bevor man über das Bauen nachdenkt und dann noch viel mehr Normen und Vorgaben zu beachten sind, als beim EFH, das ja gemeinhin auch schon als nicht mehr ganz trivial gilt. Und dann kommt noch der Brandschutz dazu und die Barrierefreiheit und die Hygiene für die Mensa und der Arbeitsschutz für die Lehrerinnen und Erzieher und die Akustik ... und ... und ... . und die Bauordnung gilt natürlich sowieso.


    Das lässt sich leider nicht 'mal schnell aus dem Hut zaubern. Schulbau braucht außer den entwerfenden Architekten das volle Programm der Fachplanungen: Tragwerk, TGA, Licht, Akustik, Brandschutz ... Schulbau ist heute eine der besonders herausfordernden Aufgaben für Planende.


    Umbau von EFH: unmöglich

    Container: thermisch unerträglich, wenn nicht aufwändig angepasst

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Abschätzung derMöglichkeiten des Umbau von Einfamilienhäuser

    Wie groß sollen die Klassen werden? Wieviele beschäftigte Lehrkräfte?

    Ich möchte nicht bezweifeln, dass man sehr große EFH für diesen Zweck umbauen könnte, aber das was man üblicherweise unter einem EFH versteht, also sagen wir mal in der 150m² Klasse, dürfte sich dafür nicht eignen.


    Nur mal als Beispiel, pro Schüler sind 2m² (6m³) in einem Klassenraum vorzusehen. Bei den typischen Raumhöhen in einem EFH also ca. 3m² pro Schüler. Dazu das Thema Beleuchtung, Tageslicht, Lüftungsmöglichkeiten.i In einem EFH gibt es bestenfalls einen einzigen Raum den man dafür passend machen könnte.


    Selbstverständlich spielen auch Sanitärräume (Anzahl der Toiletten für Schüler und Lehrkräfte) eine Rolle, und das Thema Barrierefreiheit darf man auch nicht vergessen. Natürlich kann man nicht irgendwie ein paar WC in einem Raum verteilen, da gibt es Vorgaben zu Abmessungen, Abständen usw. (Bsp: VDI6000-x).


    Ich würde mal behaupten, da wird es einfacher und kostengünstiger, wenn man ganz von vorne neu planen kann.

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  • ggf. noch ... Arbeitsstättenverordnung

    nicht "ggf.", immer! Und vor allem die "technischen Regeln für Arbeitsstätten" (ASR) mit ihren sehr konkreten Vorgaben für die bauliche Ausführung.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wow. Vielen Dank für die schnelle Rückmeldungen und Links. Viel Stoff zum Lesen. Da es sich bei mir noch um allgemeine Recherche handelt, möchte ich nicht einzelne zitieren sondern gehe zusammenfassend auf die Fragen und Äußerungen ein.

    Die Schule soll zunächst für die ersten 2-3 Jahre für 20-25 Schüler sein, später dann auf maximal 50-70 begrenzt sein. Zunächst 2 Lehrer. In Hamburg muss jeder Schüler 10m² haben. Die Idee mit dem EFH ist, dass viele freie demokratische Schulen gerade schöne (alte) EFH, teilweise auch Villen als Schulgebäude haben. Die werde ich mal kontaktieren, wie sie die ganzen Auflagen (preiswert) umsetzen konnten.

    Das gleich ein Standort gefunden wird, der zukunftsfähig ist, ist Mmn nicht realistisch. Daher war eine Idee, zunächst ein Haus mit großen Grundstück und dort 1-2 Container aufstellen. Wenn das dann steht, weitergucken nach einen endgültigen Standort, wo auch alle Platz haben. Das Problem ist nämlich, dass es in HH staatliche Zuschüsse erst nach 3 ½ Jahren gibt! Und davon auch nur 85%, was staatlichen Schulen zur Verfügung steht.

    Das Schulkonzept (auch pädagogisch) wird schon erstellt.

    Barrierefreiheit wäre für den ersten Standort nicht wichtig, evtl. für den endgültigen. Aber das kann erstmal vernachlässigt werden.

  • Barrierefreiheit wäre für den ersten Standort nicht wichtig, evtl. für den endgültigen. Aber das kann erstmal vernachlässigt werden.

    Ich will Dich nicht erschrecken, aber das sieht die HBauO in § 52 eindeutig anders. Auch sind schon allein die Anforderungen an ausreichende Toilettenanlagen für einen Schulbetrieb (jeweils männlich + weiblich getrennt separat für Lernende und Lehrende) eine echte Herausforderung.


    Eine von mir mitbetreute Privatschule in B hatte als eine Übergangslösung auf ihrem Gelände drei Container zusätzlich aufgestellt, die für den Werkunterricht genutzt werden sollten. Deren Unterrichtsnutzung wurden von der Schulaufsicht u.a. wegen zu geringer Raumhöhe, zu geringen Luftvolumens, zu schmaler Türen (keine barrierefreier Zugang!) explizit untersagt. Das mag in Hamburg vielleicht etwas anders sein, aber gerade bei Privatschulen in Gründung wird von den Aufsichtsbehörden nach meiner Beobachtung sehr genau hingeschaut. Die von Baustellen bekannten typischen 20-Fuß-Container haben eine nutzbare Grundfläche von ca. 13,5 m2. In einen solchen Container passen damit rein rechnerisch nicht einmal 2 Kinder! Für eine "Klasse" mit 10 Kindern brächte man schon rd. 5 gekoppelte Container!


    Mir erscheint der Einstieg über Wohnräume grundsätzlich schwieriger als über ungenutzte Gewerberäume, in denen die Raumhöhe meist deutlich höher ist, ein zweiter baulicher Rettungsweg durch die Erfüllung der ASR sowieso besteht und eine Vergrößerung der Sanitärräume meist recht einfach umgesetzt werden kann. Ein Problem sind da dann eher Belichtung und vor allem Belüftung. Auch der Nachweis der erforderlichen Freiflächen für die Pause unter freiem Himmel ist da nicht immer ganz einfach, aber erscheint mir doch einfacher als bei der Umnutzung von Wohnen zu Schule.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • als über ungenutzte Gewerberäume,

    diesen Ansatz würde ich auch mal weiter verfolgen. Da wären einige Anforderungen bereits erschlagen, weil die für Gewerbebetriebe ebenso (oder in ähnlicher Form) Gültigkeit haben.



    In Hamburg muss jeder Schüler 10m² haben.

    10m² von was? Als Klassenraum eher nicht, das wären bei 30 Schülern schon 300m². Vielleicht bezogen auf die gesamte zur Verfügung stehende Fläche.

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  • Unter Barriefreiheit stelle ich mir wohl etwas anderes vor als ihr. Ich dachte da eher aussschließlich an Rollstuhlgerecht.....gut zu wissen, danke.


    10m² nicht pro Klassenraum (das wäre ja schon Luxus pur). Bin mir jetzt nicht sicher, ob Schulgebäude oder auch mit Aussenfläche zusammen.


    An Gewerbebetriebe hatte ich auch schon gedacht. (Arzt)Praxen. Räume von Kirchen und Jugendhäuser, die erst ab 16:00Uhr genutzt werden und für die ersten 2-3 Jahre gemietet werden können.

  • Mein obiges Beispiel bezog sich auf einen Klassenraum. Hintergrund war, dass man sieht, ob so etwas in einem EFH denkbar wäre, wo die einzelnen Räume eher klein sind. Man könnte ja mangels Alternativen auf die Idee kommen, trotz erheblichem Aufwand ein EFH umzubauen. Kostenmäßig wäre das wohl der Super-Gau.

    Ich würde das auf einer Prioritätenliste ganz weit unten verstecken, an so etwas denkt man, wenn es gar keine Alternativen mehr gibt.

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  • Aber das kann erstmal vernachlässigt werden.

    nicht mehr. vor 20 jahren konnte man sowas hinten anstellen . heutzutage isnich

    Unter Barriefreiheit stelle ich mir wohl etwas anderes vor als ihr. Ich dachte da eher aussschließlich an Rollstuhlgerecht.....gut zu wissen, danke.

    das ist mittlerweile seeeehr aufwändig (zum glück , wobei einiges schon recht weit übers ziel geschossen ist).


    rollstuhl passt eben so durch ist noch lange nicht barrierefrei

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • An Gewerbebetriebe hatte ich auch schon gedacht.[...] , die erst ab 16:00Uhr genutzt werden und für die ersten 2-3 Jahre gemietet werden können.

    Off-Topic:

    Nachtclub, Disco, ...

    Tschuldigung !!!

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Auch wichtig: Anforderungen an die Rutschhemmung von Bodenbelägen, sowohl im Schulgebäude als auch im Außenbereich.


    Den Verweis auf das zuständige Merkblatzt der DGUV findest Du in dem oben schon genannten Merkblatt für Schulen.

    It doesn´t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.

    Steve Jobs