Klinkerriemchen

  • Hallo zusammen,

    ich habe da mal eine merkwürdige Story und hätte gerne gewusst, ob das normal ist. Denn ich fühle mich gerade so, als würde mich jemand über den Tisch ziehen.

    Kurzfassung: unser Neubau soll der Optik wegen eine Fassade mit Klinkerriemchen erhalten. Diese wurden nun geliefert inkl. Fugenmörtel. Beides entspricht nicht dem, was wir bestellt haben. Die Riemchen sind von einer anderen Firma, haben eine andere Bezeichnung und unterscheiden sich optisch. Der Fugenmörtel ist Standard-Grau. Unsere Fertighaus-Firma berechnet uns für das von uns ausgesuchte Material einen Aufpreis zum Standard, weil wir eben teurere Produkte gewählt hatten. Auf meinen Hinweis, dass bei der Lieferung ein Fehler unterlaufen sei, dauerte es zwei Tage bis zu dieser Auskunft: der Fugenmörtel sei tatsächlich falsch und würde ausgetauscht, aber die Riemchen würden nur deshalb eine andere Bezeichnung tragen, weil die eine Firma die Tochterfirma der anderen sei. Es seien aber die gleichen. Nun, das kann aber nicht sein, denn die sehen einfach unterschiedlich aus. Ich habe mir die Produktkataloge beider Firmen angeschaut. Mich trügt also nicht die Erinnerung an die Monate zurückliegende Bemusterung. Die bestellten Riemchen sind von der Grundfarbe gelb, die gelieferten rot. Kein vernünftiger Mensch würde sie für gleich halten. Ich möchte das nicht akzeptieren und habe das auch deutlich gemacht.

    Aber wie sehen das Fachleute vom Bau? Ist das übliches Geschäftsgebaren?

    Mir kommt das vor wie: "Mal schauen, ob sich der Kunde auch mit Baumarktqualität zufriedengibt. Wenn die Riemchen erstmal an der Wand sind... Ein ganz mieses Gefühl.

    LG

  • Ist das übliches Geschäftsgebaren?

    warum soll sowas "übliches" geschäftsgebaren sein ?


    weil auf dem bau alle nur lumpen und beutelschneider sind ?


    btw: eine fertighausgeschichte ist auch eher eine kaufmänische angelegenheit . und rosstäuscher und schlitzohren haben eine lange tradition ....

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • . Denn ich fühle mich gerade so, als würde mich jemand über den Tisch ziehen.

    Deinen Schilderungen zufolge glaube ich das auch. Wer weiß, womit dich so eine Firma bereits überall "über den Tisch gezogen" hat, ohne dass Du was gemerkt hast. Da kann man gegen Ende des Projekts ja auch noch versuchen, falsche (und billigere?) Klinker zum erhöhten Preis zu verkaufen..

  • Bestand über die Bemusterung etwas schriftliches? Wurde das entsprechend von Euch beauftragt? Gab es Zeugen zur Bemusterung?

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Guten Morgen erst einmal.


    Frage voraus: Gab es ein Bemusterungsprotokoll, also irgendetwas Schriftliches, in dem die (teureren) Riemchen festgehalten wurde?


    Ansonsten würde ich sagen: Alles richtig gemacht!


    Das Problem wäre ein optischer Mangel gewesen, wenn die roten, statt der gelben Riemchen am Haus geklebt hätten. Funktional wäre dies nicht beanstanden, optisch, weil es Euch eben nicht gefällt, schon. Optische Mängel jedoch werden idR jedoch nur sehr, sehr gering bewertet. Ein Risiko, dass der FH-Anbieter evtl. bewusst eingegangen ist um seinen Gewinn zu mehren (Bsp: Optischer Mangel: EUR 1.000 Preisminderung, Materiallieferung für ihn 2.000 EUR günstiger = EUR 1.000 Gewinn für den FH-Anbieter).


    Wenn dieser Mangel also gebaute Realität geworden wäre, ist es zweifelhaft, ob der FH-Anbieter diesen Mangel hätte beheben müssen. Es wäre evtl. auf eine Minderung hinausgelaufen.


    Nun aber sieht es anders aus. Ihr habt das vor der Ausführung angezeigt. Er kann sich nun nicht mehr auf "ein Versehen" oder "Nicht-Wissen" herausreden. Vielmehr würde er bei Ausführung mit den falschen Riemchen dieses vorsätzlich, wissend, dass diese falsch sind, tun.

  • Bestand über die Bemusterung etwas schriftliches? Wurde das entsprechend von Euch beauftragt?

    Mein erster Gedanke. :thumbsup:


    Wenn eindeutig und nachweislich Modell A beauftragt wurde, und sich im Vertrag keine Klauseln finden wie "oder so ähnlich", dann hat man auch Anspruch auf Modell A und nicht auf ein Modell B.


    Bei natürlichen Baustoffen muss man zwar Toleranzen in Kauf nehmen, auch hinsichtlich Farbton, aber es sieht ja so aus, als hätte der AN etwas völlig anderes geliefert. Da ist es auch völlig egal, ob der Hersteller zu einem Konzern oder FIrmenverbund gehört, ein VW Passat ist nun mal kein Porsche, auch wenn beide Hersteller zu VW gehören und beide 4 Räder haben.


    Jetzt soll der AN erst einmal zeigen, dass das geliefert wurde was vereinbart war, und wenn er das nicht kann, dann hat er ja die Möglichkeit nachzubessern, sprich die falsch gelieferten Teile abzuholen und neu zu liefern. Man sollte dem AN auch noch einmal klar machen, dass man nicht bereit ist, diese Arbeit abzunehmen.

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    .

  • Mir kommt eher die Frage nach der techn. Gleichwertigkeit, vor allem bei einem WDVS als Untergund/Klebegrund (Ist das so?). Da gibts nämlcih Vorgaben hinsichtlich Wasseraufnahme und Gewicht.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Natürlich gibt es ein Bemusterungsprotokoll und diverse andere Schriftstücke, in denen die vereinbarten Leistungen festgehalten sind. Da steht ganz klar drin, welches Material ausgesucht wurde, und wieviel es (für uns) mehr kostet.

    Damals bei der Bemusterung war es so, dass wir die Riemchen ausgesucht haben, weil sie einen deutlich wertigeren Eindruck gemacht haben. Das Material ist durchgefärbt und die Oberfläche schaut sehr natürlich aus. Die gelieferten haben genau diese Eigenschaft nicht. Der optische Eindruck scheint durch unterschiedlich viel aufgebrachte Farbe erzielt. Als hätte jemand mit einer weißen Farbrolle Spritzer gemacht. DAS war uns viel wichtiger als der Farbton selbst.

    Mir wurde die Begründung mit dem Tochterunternehmen und die Klinker seien doch gleich mit einer derartigen Selbstverständlichkeit vorgetragen, dass ich nach dem Telefonat erstmal Zweifel an MIR bekommen habe. Es sei schon oft vorgekommen, dass es wegen des Firmennamens auf der Verpackung zu Irritationen gekommen sei, usw. Aber ihr sagt, wenn auf der Verpackung nicht das draufsteht, was bestellt wurde, dann ist das ein ziemlich deutliches Indiz dafür, dass auch nicht das richtige drin ist, nicht wahr? Ich habe mir immer wieder die Fotos angeschaut. Und das macht mich einfach wütend. Der Klinkerfirma ist jetzt erstmal abgesagt worden. Die Dinger kommen nicht an die Wand. Technisch wären die wohl geeignet, soweit ich das herausfinden konnte. Aber das reicht mir halt nicht.

  • Als Behinderung vielleicht, Ralf, jedoch im Rahmen der Schadensminderungspflicht evtl. durchaus geboten. Wenn man um ein Problem weiß und die dann dennoch werkeln lässt, ist das ja auch nicht gerade das Allerbeste.


    Korrekt aber wäre natürlich, dass dies vom FH-Anbieter hätte kommen müssen.


    Letztendlich ist es jetzt gar nicht so schwierig. Schreiben an den Vertragspartner, dass die Teile gem. Bemusterungsprotokoll vom soundsovielten bemustert waren und die gelieferten davon abweichen. Bitte einmal austauschen und dann an die Wand kleben, fertig.

  • Nein, natürlich nicht wir. Nachdem der Bauleiter so unkooperativ war, habe ich weiter telefoniert und er hat dann seinerseits einen auf den Deckel bekommen. Stand jetzt ist: es kommt erstmal nichts an die Wand und es wurden von beiden Riemchen zur Anschauung Proben bestellt. Seh ich zwar nicht ganz ein, aber ok. Der Bauleiter behauptete, er habe seinerseits vom Hersteller eine Mail bekommen mit der Auskunft über die Gleichheit der Riemchen. Die könne er mir weiterleiten. Und er könne denen zur Rücksprache meine Telefonnummer geben. Ich habe gesagt, er möge beides bitte tun. Nun, hat er nicht...

  • [...] Beides entspricht nicht dem, was wir bestellt haben. [...]
    [...] Unsere Fertighaus-Firma berechnet uns für das von uns ausgesuchte Material einen Aufpreis [...]

    Es gibt also eine schriftliche Bestellung / Auftrag und eine schriftliche Rechnung, in denen die Hersteller und die Produkte genannt sind. Richtig?


    Wenn ein Hersteller bestimmte Produkte in verschiedenen Werken herstellen lässt (z.B. wegen der Tonvorkommen), dann bleibt aber der Herstellername gleich und es steht auf dem Produkt eben nur "hergestellt im Werk xx" - so kenne ich es.


    Insbesondere bei Sichtmauerwerk / Verkleidungen ist die Optik eine der wesentlichen Produkteigenschaften. Bei verputztem Mauerwerk wäre die Optik nebensächlich. Daher wäre das schon ein Reklamationsgrund.


    ( In manchen Baugebieten soll es da sogar sehr enge Vorschriften in den bebauungsplänen geben für die optische Gestaltung )

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Ja, genau, alles gibt es schriftlich und sowohl Hersteller als auch Produkt sind genannt. Da ist bis zum Drücker der Klospülung alles genau bezeichnet.


    Hab das Telefon noch ein bisschen bemüht. Also, tatsächlich ist es der Hersteller, der zur anderen Firma eine abweichende Bestellung geschickt hat und das normal findet. Die Hausfirma hat exakt das bestellt, was wir haben wollten. Der Hersteller war bisher überzeugt, das von der Tochterfirma gelieferte Produkt sei absolut gleich. Der Bauleiter hat uns genau diese Auskunft gegeben und gemeint, damit ist die Sache erledigt. Aber auch, wenn der Fehler nicht bei der Hausfirma liegt, will ich die falschen Riemchen nicht haben. Wenn es die ursprünglich bestellten nicht mehr gibt, dann ist das zwar doof, aber ok, so lange wir dann neu schauen und aussuchen können.

  • Solche Bebauungspläne kenne ich zwar, aber das wäre bei uns jetzt nicht das Problem. Wir unterliegen keinem Bebauungsplan.