Risse am Ende des Ringankers Innenwand - Überbindung ausreichend?

  • Hallo liebe Experten,


    ich habe mal wieder eine fachliche Frage bei der ich mit einer Recherche im Internet nicht weiterkomme.


    Bei unserem Hausneubau (Stadtvilla, 2 Vollgeschosse, Abnahme vor fast genau einen Jahr) treten im OG Risse an allen Innenwänden auf. Diese Risse haben laut Rissbreitenmesser aus Plastik eine Breite von 0,2 mm bis 0,3 mm. Die Risse beginnen von oben von der Rigipsdecke ausgehend und treten beidseitig auf.


    Nachdem unser Bauunternehmer eine gemeinsame Öffnung des Putzes abgelehnt hat, haben wir selbst geöffnet:


    Zu sehen ist ein Riss zwischen dem grauen Bauteil und dem Roten Bauteil.


    Ein Handwerker des BU war vor Ort und hat sich die Öffnung und den Riss angesehen. Ich fragte nach, ob hier das Überbindemaß / die Überbindung 0,4xH eingehalten wurde. Die Antwort war: das Graue ist das Ende des Ringankers, welcher 1,47 Meter von der Außenwand nach Innen hineingezogen wurde. Beim Ringanker gelten die Überbindemaße 0,4xH nicht.

    Welche dann?


    Der Ringanker hat zum rechts darunter liegenden Stein eine Überbindung von ca. 4 cm.



    Da die Risse alle mit einer sehr ähnlichen Entfernung von der Außenwand an allen Innenwänden auftreten gehe ich davon aus, dass die Risse immer dort entstehen wo der Ringanker bei den Innenwänden aufhört.


    Angaben zur Innenwand:

    Hochlochziegel 17,5 cm breit


    Da ich nicht genau weiß welche Daten noch benötigt werden, bitte einfach schreiben.

    Ich habe noch 87 Seiten vom Statiker, falls daraus etwas benötigt wird.


    Leider finde ich zum Überbindemaß / zur Überbindung im Zusammenhang mit einem Ringanker keine DIN bzw. Richtlinien.

    Kann jemand von euch weiterhelfen?

    Ist die Ausführung der Überbindung wie auf den beiden Bildern zu sehen fachgerecht?


    Vielen Dank schon im Voraus

    Torsten

  • Der Ringanker besteht (so sieht es aus) aus Beton. Beton hat die Eigenschaft zu schwinden. Das liegt daran, dass der Abbindeprozess, also die chemischen Reaktionen im Beton noch nicht abgeschlossen sind. Durch diese Reaktionen nimmt das Gesamtvolumen des Betons ab, er wird quasi kleiner/ kürzer. Natürlich nur im Sub-mm oder mm-Bereich (je nach Länge des Bauteils).


    Der Verputz hingegen bleibt unverändert.


    Folge: Rissbildung zwischen Betonbauteil und Nicht-Betonbauteil.


    0,2 - 0,3mm sind sicherlich unkritisch, optisch aber auch nicht gerade schön.


    Hier würde ich etwas zu warten, bis das Abbinden des Betons weitestgehend abgeschlossen ist, die Risse verspachteln, Farbe drüber .. .und gut ist.

  • Danke für die superschnelle Antwort!


    Dann war ich auf der falschen Fährte und mit der Überbindung hat das nichts zu tun?

  • Naja...ein entsprechendes Auflager benötigt der Betonbalken schon. Wie groß/ tief/ breit dieses zu sein hat geht aus der Statik hervor.


    Aber die Rissbildung zw. unterschiedlichen Materialien ist nicht eben ungewöhnlich, vor allem wenn sich das eine Material (Beton) bewegt und das andere nicht.


    Zur Beruhigung: solche kleinen Risse sind idR gänzlich unschädlich. Ich empfehle daher immer ein wenig zu warten (ca. 2 Jahre) und dann im Zuge einer "kleinen Renovierung" diese zu überstreichen oder (wenn sie etwas größer sind) zu verspachteln (und dann zu überstreichen).


    Btw. die Ursache hätte der BU auch ahnen/ wissen können. Jetzt wird es mit kosmetischen Eingriffen nicht mehr getan sein.

  • Zitat
    ein entsprechendes Auflager benötigt der Betonbalken schon.

    Wie kann ich erkennen, dass ein Auflager vorhanden ist und aus welchem Material müsste es sein?

    Jetzt wird es mit kosmetischen Eingriffen nicht mehr getan sein

    wegen der jetzt gemachten Öffnung des Putzes?

  • Interpretiere ich richtig, dass der "Ringanker" nicht über die gesamte Länge der Innenwände durchgezogen ist?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • ….na...der wird schon nicht unmotiviert aufhören. Ich denke (vermute) hier eher einen UZ. Dieser stößt stumpf an das Mauerwerk.


    Hier wäre ein Planausschnitt (sofern vorhanden) oder ein Bild aus etwas größerer Entfernung (um den Kontext erfassen zu können) hilfreich.

  • Interpretiere ich richtig, dass der "Ringanker" nicht über die gesamte Länge der Innenwände durchgezogen ist?

    Ja, richtig. Der Ringanker wurde von der Außenwand ca. 1,50 Meter in jede anliegende Innenwand gezogen.

  • der wird schon nicht unmotiviert aufhören

    optimist! ;)


    standardisiertes murksdetail: giebelwandringbalken wird 1m um´s eck auf die traufwände geführt. bringt nix - macht nix.

    motivation ist die hoffnung, der ringbalken möge dadurch punktuell quer zur wandrichtung gehalten werden und seinerseits die wand halten.


    das ist auf den versuch, beliebige aussenwandringbalken horizontal (durch reibung, kohäsion usw) mittels 1m-stich zu halten, übertragbar.

    manchmal wäre kein ringbalken besser, manchmal gehts nicht ohne ringbalken - muss man situativ entscheiden. wenn ringbalken, dann mit genügend bewehrung, um den schwindkräften einigermassen paroli bieten zu können. abrisse sind dennoch möglich und manchmal nicht (oder nur begrenzt) vermeidbar. wäre an allen neuralgischen stellen geeignetes putzgewebe, gäbs wesentlich weniger rissprobleme im putz, die verformungsdifferenzen beton/mauerwerk bleiben.

  • Planausschnitt (sofern vorhanden)


    Wahrscheinlich etwas ehr als Planausschnitt zu bezeichnen ;-)



    damit ist die Ursache klar

    Wenn die Ursache gefunden ist, stellen sich mir noch zwei Fragen: Entspricht die Ausführung den anerkannten Regeln den Technik? Wer muss für die Rissbeseitigung im Putz und für die Instandsetzung der bereits ausgeführten Malerarbeiten aufkommen?

  • ist das so? ist das (allein) die ursache?

    :glaskugel:


    alleinige Ursache habe ich nicht geschrieben, aber ich würde tatsächlich die freien, nicht zugbelastbar mit einem anderen Bauteil verbundenen Enden der Verankerung als neuralgischen Punkt sehen. Ob nun die Sparren Horizontalkräfte ausüben oder ... oder sagt mir die Glaskugel natürlich nicht. Aber spannend ist aus meiner Sicht, was man zur dauerhaften Beseitigung der Rissursache tut. Und da könnte eine Putzbewehrung etwas wenig sein ...

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Vielen vielen Dank für die helfenden Aussagen.

    Und da könnte eine Putzbewehrung etwas wenig sein .



    Ist die Putzbewährung so eine Art Plastiknetz? So etwas habe ich beim Aufstämmen des Putzes gesehen. Genau daneben ist der Riss aufgetreten. Auf der anderen Seite der Wand war ein Plastiknetz im Putz verbaut ... trotzdem ist der Putz hinter dem Platiknetz gerissen. Welche Möglichkeiten gibt es noch damit die Risse dauerhaft nicht mehr auftreten?


    Ich schieb mal meine Fragen nochmal hier rein. Gibt es einen Fachmann der dazu etwas sagen kann?

    Entspricht die Ausführung den anerkannten Regeln den Technik? Wer muss für die Rissbeseitigung im Putz und für die Instandsetzung der bereits ausgeführten Malerarbeiten aufkommen?

  • solche fragen werden mit begrenzter verbindlichkeit vom gericht beantwortet. dann gibts aber noch ein höheres gericht und noch ein gericht ..


    von hier aus ist nur -maximal- die verwertung der von dir gelieferten infos möglich. vielleicht würde das bauwerk selbst aber noch ganz andere sachen erzählen - wissen wir nicht. deshalb ist irgendwann der punkt erreicht, wo ein sv empfohlen wird.

  • Off-Topic:

    Darf man wissen was das bringen soll? Also dieser einzug des Ringbetons mit oder ohne Stahl?

    Ein Ringanker die wie hier, hat doch die Aufgabe das Äußere Mauerwerk auf Position zu halten und Horizintale Kräfte durch Wetter und Dachstuhl abzufangen.

    Ich kann mir da nich t vorstellen das diese 1,5m langen elemente statisch relevant sind.

    Daher die Frage.: Sollen diese 1,5m langen Elemente nur die Innenwände kraftschlüssig mit der Ausenwand verbinden? (Nach der frühere/heutigen Art mit Nägeln bzw Lochband in jeder 2. Steinreihe?)

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • Vielen Dank nochmal für eure Hilfe!


    Ich werde sehen wie sich der Bauunternehmer zu der Sache positioniert und ob er jetzt nach der Öffnung einen geänderten Vorschlag zur Beseitigung der Risse macht. Vor der Öffnung war sein Vorschlag: Risse werden durch ihn (Aussage Bauleiter: mit Acryl) verschlossen, Die Malerkosten bzw. Malerarbeiten werden nicht übernommen.