Heizen nur mit Lüftungsanlage

  • Hallo zusammen ,


    folgendes Problem: Angebot eines GÜ für ein Haus:


    • 2-geschossig ohne Keller,
    • DG mit 1,60m Kniestockhöhe, DN 25°, oberste Geschossdecke gedämmt (Dach also nicht voll ausgebaut)
    • Holzständerbauweise (U=0,154 W/(m²K) oder mit Massivholz + Dämmung (U=0,165 W/(m²K)
    • andere U-Werte sind mir nicht bekannt
    • Außenmaße 8,10m x 8,90m
    • ist für 2 Personen gedacht


    jetzt kommts:


    • Beheizung ausschließlich über Lüftungsanlage mit Wärmetauscher
    • WW mit Wärmepumpe die mit der Restwärme der Lüftung + Außenluft arbeitet
    • Photovoltaikanlage auf dem Dach (Ausrichtung und Neigung und Größe mir leider nicht bekannt)
    • (mit dem Wandaufbau sollen wohl KfW55 erreicht werden können)


    Die Datenlage ist leider ziemlich dünn. Ich habe keine Aussagen über die U-Werte der Fenster, des Daches und der Bodenplatte.

    Nach meinen Berechnungen komme ich momentan nicht mal über die ENEV-Hürde. Ich vermute, dass die Wärmebrücken eine Rolle spielen könnten.


    Ich habe folgende U-Werte angenommen:


    OGD 0,17
    Dach 0,18
    Wand 0,15
    Fenster 0,90
    Boden 0,30






    Ich habe

    1. mit dieser Technik noch nie zu tun gehabt, also die alleinige Beheizung über eine Lüftung.
    2. ich habe Sorge, dass dann die laufenden Kosten unerwartet hoch sein können.

    Zu 1) ist das Interesse akademisch.

    zu 2) geht es um einen Freund, für den ich versuchen möchte, die zu erwartenden laufenden Kosten zu ermitteln.


    Alfons Fischer : Du hattest mir mit ein paar Hinweisen schon geholfen. Darf ich die Einstellen?

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung


  • Ganz grob überschlagen ergibt das eine Heizlast von 3kW (Transmission) + 1,5kW Lüftungsverluste (je nachdem wie "dicht" das Gebäude ist).


    Diese Energiemenge ausschließlich über die Luft zu übertragen erfordert einen entsprechenden Volumenstrom (Zugerscheinungen in den Räumen?) oder eine hohe Lufttemperatur (Effizienz der "WP" geht in den Keller).


    Hinzu kommt, dass man einen zusätzlichen Wärmeerzeuger für die WW-Erzeugung benötigt.


    Das Lüftungsgerät liefert ca. 3kW an thermischer Leistung, zusätzlich gibt es el. Heizelemente mit denen die Gesamt-Heizleistung auf 4kW erhöht werden kann (bis -10°C AT). Der sich ergebende COP ist aus den technischen Daten schwierig zu ermitteln, weil anscheinend automatisch auch die WRG mit eingerechnet wird. Das erschwert den Vergleich mit anderen Lösungen.

    Es gibt auch Modelle mit höherer Leistung, das ändert aber am Konzept (Vor- und Nachteile) nichts.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Lüftungsverluste ohne WRG.

    Die WRG wird bei obigem Konzept mit einer LL-WP kombiniert, fließt also dort mit ein.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Ach das wird in der praxis bei Fertighäusen schon praktiziert.

    ISt also schon längst am laufen.

    Damit das auch im Winter funktioniert sind in den Luftauslässen E-Elemente mit integriert die zuheizen.


    Starkt vertrieben durch einen Hersteller Pr...on.


    Aus meiner sicht zwar eine tolle Kombilösung, aber nicht so einfach zu ersetzten nach 20 Jahren und fixiert das Gebäude auf die Beheizungsart in der Zukunft.

    Ein nachrüsten übliche Heizsystem ist so einfach nicht mehr möglich. Billig eingekauft, schwierig zu sanieren.:thumpsdown:

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • So schlimm ist das auch nicht. In den 90ern habe ich ein Passivhaus in Vorarlberg besichtigt (ich glaube, ich habe an anderer Stelle hier darüber berichtet). Der hatte ein Steinlager im Keller, der über Solarzellen das ganze Jahr über beheizt wurde und die Hitze speicherte. Dann im Winter wurde Luft eingeblasen und über ein Hypokaustensystem in der Wohnung verteilt. Vorarlberg ist im Winter gut kalt mit einigem Schnee und es hat wunderbar funktioniert. Gut, lassen wir das Steinlager weg und ersetzen es durch die Wärmepumpe. Es müsste also auch gut funktionieren, wenn die Wärmepumpe genug Wärme erzeugt. Die Lüftung läuft doch eh die meiste Zeit, also kann die auch warme Luft einblasen. Ob aber das System genau so effektiv ist, wie das Hypokaustensystem in V bleibt die Frage. Der hat dadurch nämlich auch eine Bodenheizung gehabt, das wird der 08/15 Häuslebauer wohl nicht haben.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Ach das wird in der praxis bei Fertighäusen schon praktiziert.

    ISt also schon längst am laufen.

    Richtig.

    Das führt aber leider auch dazu, dass dieses System für Gebäude eingesetzt wird, für die es an sich ungeeignet ist. Ich erinnere an einen Fall im Forum der am Ende vor Gericht gelandet ist.


    Luft als Wärmeträger wird auch in Industriegebäuden schon seit Ewigkeiten eingesetzt, aber unter ganz anderen Bedingungen. Da stört es dann auch nicht, wenn die Heizung Krach macht, mit sagen wir mal 40 oder 50dB(A), In meinem Schlafzimmer möchte ich das nicht haben, auch wenn bei einem EFH die Geräuschkulisse deutliche leiser ist. Empfindliche Naturen führen sich bereits gestört, wenn eine KWL nur , einen Mindestluftdurchsatz sicherstellen soll..


    Bei einem wasserführenden System kann es zwar auch zu Geräuschen kommen, die spielen aber in einer ganz anderen Liga.


    Die spez. Wärmekapazität von Luft ist mit ca. 0,34Wh/m²K (abhängig von Dichte/Feuchtegehalt) relativ gering. Man muss also im Vergleich zu Wasser eine deutlich größere Menge (Volumen) bewegen um die gleiche (Wärme)energiemenge zu übertragen. Was bei einem Passivhaus mit seinen typ. 10-15W/m² spez. Heizlast noch funktioniert, ist bei einem "normalen" Haus mit vielleicht 40W/m² oder gar 50W/m², von älteren Gebäuden mit deutlich höherer spez. Heizlast ganz zu schweigen, schnell zum Scheitern verurteilt.


    Am Ende spielt auch immer der Preis eine Rolle. Durch den Verzicht auf Heizflächen kann man natürlich ein paar Euro sparen. Andererseits muss man auch bei einer Lüftung die Warmluft erst einmal im Gebäude verteilen.

    Es gibt auch Konzepte mit einem Klimagerät und mehreren Innenteilen. Das wird von der Anschaffung noch günstiger, man verzichtet dann aber auf die Lüftungsfunktion, muss die Lüftung also von Hand sicherstellen.


    Wer längerfristig denkt, hat immer auch die Betriebskosten im Hinterkopf. Durch die relativ hohen Stromkosten in DE werden WP immer unattraktiver. Also wird schnell noch eine PV Anlage ergänzt, was aber die Investitionskosten wieder erhöht.


    Vor lauter "Heizung" sollte man auch die WW-Erzeugung nicht vergessen. Bei solchen Konzepten werden dann noch ein WW-Speicher mit E-Heizstab, oder ein/mehrere DLE, oder eine BW-WP fällig. Das gibt es auch nicht gratis.


    Man muss sich dann fragen, ob eine augenscheinlich günstige Lösung am Ende nicht doch teurer wird. Hier spielt der Planungshorizont eine Rolle. Wenn ich im Alter von 30 Jahren ein Haus baue dann sieht die "Planung" eben etwas anders aus, als wenn ich im Alter von 70 Jahren an ein Rentendomizil denke.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • In den 90ern .. ein Passivhaus

    aha. wie? welche dämmung, luftmenge usw? welche zusatzheizung?

    Die spez. Wärmekapazität von Luft

    nagelaufdenkopftreffer :)

    ob die ph-auslegung für 10w/m2 bzgl. luftmenge (resultierend: rF) und lufttemperatur (verschwelung) besonders toll ist, müss´ ma ned diskutieren - aber für alles schlechteralspassivhaus: no go.