Unterspannbahn undicht

  • Guten Morgen,


    seit ein paar Tagen wird unser Dach (32°) saniert. D.h. alte Ziegel inkl. Lattung und Dragofol Folie runter und alles neu.


    Bislang haben die Dachdecker die neue Folie Rewasi Top U+ zu 3/4 verlegt (etwas mehr als auf dem Bild). Diese ist überlappend (ca. 10 cm) geklebt und auf die Sparren getackert. Die Längslattung ist teilweise drauf. Da weiß ich aber nicht, ob diese so bleibt oder ob das momentan noch eine Behelfslattung ist.


    Nun regnet es seit heute Nacht ordentlich. Also habe ich mir gedacht, ich schaue mir das mal von innen an.


    Leider musste ich mit Erschrecken feststellen, dass an mind. 20 Stellen durch die getackerten Stellen Wasser eindringt. Wie auf den Bildern zu sehen ist, teilweise mal gar nicht so wenig (sorry, die Bilder sind leider gedreht).


    Das darf so nicht passieren, habe ich Recht? Den Dachdecker, sofern er heute denn überhaupt kommt wegen dem Wetter, werde ich natürlich darauf ansprechen.


    Hätte hier ein Nageldichtbahn benutzt werden müssen?


    Vielen Dank für eure Hilfe.

  • Also es wird definitv ausgebaut. Das weiß der Dachdecker auch, da er uns auch noch zig Dachfenster (Wohnraumfenster) einbauen wird/soll.


    Unser Dach hat eine Dachneigung von 32 Grad.


    Es werden vermutlich (wird heute noch besprochen) die Braas Rubin 11 V.

  • Das darf so nicht passieren, habe ich Recht?

    nein. das ist noch bauzustand - da erlebt man ganz andere sachen mit unterspannbahnen.

    dass die gewählte (von wem eigentlich?) konstruktion auch nach eindeckung richtig ist, erschliesst sich mir nicht.

    Hätte hier ein Nageldichtbahn benutzt werden müssen?

    ist damit eine nageldichte unterspannbahn gemeint? dann "nein" - weil es regelkonforme alternativen gibt.

  • Sag den Guschtln noch, sie sollen das Schutznetz am Gerüst auch hinterm Haus befestigen! Du bist als als Bauherr für die Sicherheit verantwortlich.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Du hast 4 erhöhte Anforderungen: 2 Stück durch den Wohnraum, 1 durch die gegliederte Dachfläche und 1 durch die Dachfenster. Laut Tabelle 1.1 Zuordnung von Zusatzmaßnahmen aus Fachregeln für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen steht, wenn mehr als 3 erhöhte Anforderungen vorhanden sind, so empfiehlt es sich, die für den nächsthöheren Lastfall geeignete Zusatzmaßnahme zu wählen, also befindet man sich nicht mehr in der Klasse 4 ( Verlegung ohne Nageldichtmaterial ) sondern in der Klasse 3 ( 3.1 naht-, und perforationsgesicherte Unterspannung UDB-A; UDB-B ) ( d.h. Verlegung der Konterlatten mit Nageldichtmaterial ) Ist diese Verbaut? vereinbart? Den Bilder nach, vermute ich nicht. Kann man aber noch ändern .

  • vereinbart?

    Unerheblich weil hätte ausgeführt werden müssen wegen a.R.d.T. Das Geld dafür ist natürlich zusätzlich zu entrichten. Wie sieht es hier mit Behelfsdeckung aus? Die sticht am Ende alle Tabellenwerte, wenn die Notwendigkeit hierfür vorliegt. Derzeit ist zwar keine MiWo drin, aber trifft das auf den gesamten Bauablauf zu? Die Bilder sind ja typisch für USB ohne Nagelband oder falsch angewendet.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Gedämmt wir später, vielleicht in 2-3 Monaten.


    Der Dachdecker sagt, dass es ja durch die Ziegel dicht wird, daher sind kleinere Leckagen unerheblich und ein Dichtband hätte das u.U. auch nicht verhindert....?


    Im Netz findet man ja hierzu tatsächlich unterschiedliche Aussagen. Ich würde schätzen, dass 50% sagen, es muss ein Dichtband drauf und die andere Hälfte hält es für nicht notwendig.

  • Im Netz findet man ja hierzu tatsächlich unterschiedliche Aussagen

    Ist in den Fachregeln vom Dachdeckerhandwerk eigentlich ganz gut aufgeführt, ohne großartigen Spielraum für Auslegungen. Hier sind auch die erhöhten Anforderungen beschrieben.

    Das Nageldichtmaterial hat genau die Aufgabe, dass zu verhindern, was bei dir passiert ist. Das kann später auch noch auftreten, weil kein Ziegel dicht ist ( im Sinne von wasserdicht ), hier kann schon noch Feuchtigkeit durch Pulverschnee oder Regen mit Wind oder ein defekter Ziegel unter die Eindeckung gelangen und ich wäre dann froh, wenn es fachgerecht abgeleitet wird und nicht die Balken auffeuchtet, wo man es später nicht mehr, oder sehr spät sieht.

  • Du kannst unseren beiden Dachdeckermeistern schon glauben, die kennen Ihre Fachregeln..

    Ich würde schätzen, dass 50% sagen, es muss ein Dichtband drauf und die andere Hälfte hält es für nicht notwendig.

    50% verstehen ihr Fach, die anderen 50% ...

  • Moin,


    auch auf die Gefahr hin, dass ich zu den 50% gehören werde :)


    Elopant ,

    - 2 erhöhte Anforderungen aus dem "Wohnraum" = ok = 1.1.3.2 und 1.3.2 (3)

    - 1 erhöhte Anforderung aus "gegliederte Dachfläche" = ok = 1.1.3.3 - STARK gegliederte Dachflächen. Die sehe ich hier allerdings nicht.

    - 1 erhöhte Anforderung aus "Dachflächenfenster" = ok = 1.1.3.5 - auch "zig Dachflächenfenster" sollten eigentlich nicht das Problem darstellen.


    Gemäß Tabelle 1.1 Zuordnung ... habe ich keine weitere erhöhte Anforderung, denn die Regeldachneigung ist nicht unterschritten. DAS wäre für mich eine wichtige erhöhte Anforderung.

    Ich verbleibe zunächst bei der Klasse 4.


    Argumentativ kommt jetzt aber die Sache mit dem Bauen im Bestand zum Tragen. Hier kommt man in Richtung Merkblatt und 1.3 (3) und 3.2, der sich wiederum auf Merkblatt 1.1 (1) bezieht.

    Und erst an dieser Stelle komme ich ggf. an Klasse 3 heran.


    Heißt für mich in Kurzform: Beim Bauen im Bestand, bei dem die Zusatzmaßnahme die Funktion einer Behelfsdeckung übernehmen soll/muss, ist eine perforationsgesicherte Ausführung erforderlich. Allerdings ist im vorliegendem Fall die WD noch nicht eingebaut. Mithin muss die auch nicht extra geschützt werden.
    Rein versicherungstechnisch wurde ein vergleichbarer Fall damit "abgewälzt", dass sich der Bauherr die Kosten für eine regensichere Einhausung sparen wollte und damit das Risko bewußt eingegangen ist, dass es u. U. zu eintretendem Niederschlagswasser kommen kann. Die Kosten für die Sanierung nach dem Schaden wurden nicht bzw. nur in Teilen übernommen.


    Grüße


    si

    DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld

  • stefan ibold ,


    bei den Fachregeln für Dachdeckungen mit Dachziegel und Dachsteinen unter 1.1.3.3 Konstruktion, würde ich das zusammengesetzte Walmdach schon als erhöhte Anforderung einstufen, zumal im Merkblatt für Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen unter 1.3 (4) Kehlen mit aufgeführt sind und einer individuellen Bewertung bzw. ggf. einer höherwertigen Einstufung bedürfen.

    Gleiches wende ich für 1.1.3.5 Technische Anlagen aus den Fachregeln für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen als erhöhte Anforderung an ( Belichtungssysteme ), ist zwar mit dem Hilfsverb können beschrieben, aber es ist aufgeführt, von daher setze ich hier ebenfalls eine erhöhte Anforderung.


    Zum Thema Behelfsdeckung: Die Wärmedämmung ist zwar noch nicht verbaut, aber unter der oberen Geschoßdecke befindet sich Wohnraum, von daher sehe ich auch hier die Behelfsdeckung für erforderlich. Ich glaube nicht, dass der TE über die Folgen des Nichtbenötigens aufgeklärt wurde, sonst wären hier die Frage nach der undichten USB nicht aufgetaucht.


    Gruß Elopant

  • Moin,


    Du liegst ja technisch betrachtet auf der sicherern Seite mit Deiner Einstellung. Ich würde nur gerne darauf hinweisen, dass es auch andere Interpretationen/Herangehensweisen gibt/geben kann, die zu einem anderen Ergebnis führen können. Insofern der Hinweis an Kalle, dass hier nach meiner Auffassung kein Automatismus vorliegt, der generiert, dass ein Anspruch vorhanden ist.


    Du wirst mir aber sicherlich auch Recht geben, wenn ich die Dachflächen nicht als "STARK" gegliedert betrachte. Das wären für mich Dachflächen, bei denen z. B. noch einige Gauben, eine deutlich größere Anzahl an Kehlen, etc. vorhanden wären.


    Grüße


    si

    DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld

  • Insofern der Hinweis an Kalle, dass hier nach meiner Auffassung kein Automatismus vorliegt, der generiert, dass ein Anspruch vorhanden ist.

    Vor nicht alzu langer Zeit hatten wir uns dazu schon mal unterhalten (ZM bei gedämmten obersten Geschossdecken) Wie interpretierst du denn 1.3.2 (3)?


    (Sie müssen mindestens den stofflichen Eigenschaften einer Behelfdeckung entsprechen) Klasse A oder ebenfalls stofflich im Sinne von Perforationssicherung? Denn ich verstehe es sehrwohl als Automatismuss, weil ich als AN ja grundsätzlich die Freiheit habe auch eine "Plane" zu benutzen. Mache ich das nicht, muss meine ZM halt der Behelfsdeckung entsprechen und als Klasse 3 ausgeführt werden.

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  • Danke für eure ausführlichen Meinungen. Ich sehe schon... ein schwieriges Thema.


    Ich versuche (und jetzt ist es sowieso schon zu spät) meinem Dachdecker da zu vertrauen. In 1-2 Tagen wird das Dach z.T. gedeckt und hier soll es ja immer wieder stürmen und ordentlich regnen, von daher kann ich mir das Ganze dann mal von unten anschauen.


    Aber noch ein anderes Thema: Traufblech.


    Ich meine gehört zu haben, dass das mittlerweile Pflicht wäre...? Ich muss ehrlicherweise zugeben, im Angebot des DD steht es nicht drin und ich als "Nicht-Bauleiter" ergo Laie habe damals da natürlich auch nicht so genau alles überblicken können. Ich hatte schon die ein oder andere Frage, wo der DD nur meinte, "das ist da alles schon mit drin, ich führe das nicht immer extra alles auf". Nunja, nun sieht das Ganze so aus, dass wohl kein Traufblech angebaut wird. Ich habe ihn heute leider nicht mehr angetroffen, nur selbst geschaut und mittlerweile hängt die Dachrinne, das Traufgitter ist dran und seit heute der Traufkamm. Kein Blech und da wird wohl auch keins mehr kommen, da es wohl unter den Kamm gehört hätte, richtig?


    Ist dieses Traufblech nur wichtig, wenn es nicht genug Überstand der Ziegel gibt?

  • Ich meine gehört zu haben, dass das mittlerweile Pflicht wäre...?

    Nein. Kommt immer auf die Traufausbildung drauf an. Steht der Dachstein/ Ziegel nachher in die Rinne ein?

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  • Ja, nach meiner Messung dürfte der Dachziegel 7-8 cm "in die Rinne reinreichen". Diese hat eine Breite von ca. 17 cm.

  • Wo wird die ZM ( in deinem Fall Unterspannbahn) entwässert? In der Rinne oder mittels Tropfblech unterhalb der Rinne?

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  • Mh, ich meine gar nicht, d.h. sie endet einfach und dann kommt das Traufgitter.... Ich kann nachher mal ein Foto machen.


    Noch anzumerken wäre vielleicht noch, dass wir einen Dachüberstand von bestimmt 50 cm haben und keinen Dachkasten. D.h. da sind nur die Sparren und Bretter. Ähnlich wie im Anhang.

  • Mach mal Foto.

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