Statik Balkongeländer

  • Mir kam gerade ein Artikel zwischen die Finger, da ging es um abstürzende Balkone. Das ist ja leider schon passiert, mit unangenehmen Folgen.


    Beim Lesen habe ich mich gefragt, wie es mit den Geländern aussieht. Was passiert, wenn ich mit 5 Stückchen Käsekuchen im Bauch gegen so ein Geländer stürze, und dann geht es mit mir (und dem Geländer) abwärts?


    Planungsfehler? Ausführungsfehler? Betriebs(Wartungs/Reparatur)fehler?


    Kurz gesagt, muss bei der Statik eines Balkons auch das Geländer gerechnet/bemessen werden? Oder genügt hier das Bauchgefühl des Ausführenden?

    In meinen Bauunterlagen konnte ich dazu nichts finden. Ich vermute daher, dass die "Planung" der ausführenden Firma überlassen wird. Wäre jedoch eine Statik erforderlich, dann würde sich dafür die Versicherung bei einem Unfall sicherlich interessieren.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Klar muss auch das Geländer berechnet werden. Die Frage ist nur, ob das immer gemacht wird?

    Es gelten die gleichen Anprall-Lasten wie für Treppengeländer - ich glaube 50 kN. Aber da können die Statiker sicher genaueres dazu sagen.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • d.h. In der "Statik" müsste es Informationen dazu geben?

    Dann müsste die Statik aktualisiert werden, sobald entschieden ist, was für ein Geländer überhaupt gebaut wird. Meist steht das zu Beginn doch gar nicht fest.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • standsicherheitsnachweis lt. bauordnung erforderlich, aber nicht zwingend gegenstand der hauptstatik

    d.h. es wäre zulässig, die Standsicherheit auf einem anderem Weg "nachzuweisen"? Aber man bräuchte halt irgendeinen Nachweis?


    Ich frage mich gerade, welche Anforderungen "ordentliche Bauunterlagen" erfüllen müssen, damit ein Hauseigentümer nicht irgendwann vor richtigen Problemen steht. Nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung kann man schon froh sein, wenn man bei einem (Immobilien)Kauf die Grundrisse bekommt und die einigermaßen passen. MIt etwas Glück bekommt man noch ein paar Seiten "Statik", und das war´s. Das hängt sicherlich auch vom Baujahr des Gebäudes ab, dürfte aber auch bei neueren Gebäuden nicht viel besser sein.


    Wenn nun solche Dinge wie Balkongeländer (was ist mit Schornstein, Antennenmast <10m, etc.) nicht Gegenstand der Hauptstatik sind, dann ist es auch unwahrscheinlich, dass man das Bauamt als "Archiv" nutzen kann, denn auch da dürften dann die Nachweise nicht zu finden sein.


    Der "Schwarze Peter" liegt dann bei mir als Hauseigentümer, denn ich bin ja für alles verantwortlich.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung kann man schon froh sein, wenn man bei einem (Immobilien)Kauf die Grundrisse bekommt und die einigermaßen passen. MIt etwas Glück bekommt man noch ein paar Seiten "Statik", und das war´s. Das hängt sicherlich auch vom Baujahr des Gebäudes ab, dürfte aber auch bei neueren Gebäuden nicht viel besser sein.

    Wen interessiert das hinterher noch?

    Und wie oft fällt jemand mitsamt dem Geländer vom Balkon?


    By the way - ich habe zu meinem Balkongeländer zwar im Rahmen des Gerichtsverfahrens eine Statik bekommen - die dort aufgezeichnete Konstruktion hat aber wenig bis nichts mit dem zu tun, was tatsächlich gebaut wurde... Man kann auch nicht alles herausklagen - da wird man nicht mehr fertig. :rb:

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Das interessiert alles erst im Schadensfall.

    Hier ist vor ein paar Jahren ein kompletter Rettungsbalkon mit 4 jungen Leuten aus dem 4. Stock abgestürzt und die Gutachterei hat jetzt 2 oder 3 Jahre gedauert, um herauszufinden, dass die verwendeten Kunststoffdübel (nicht die vom BER) ungeeignet waren um die Stahlkonstruktion an der 12er Ziegelwand aus 1920 zu befestigen.

    Die Leute hatten großes Glück, dass sie auf ein parkendes Auto gefallen sind was als Knautschzone fungierte. So waren sie "nur" schwer verletzt und nicht tot.

    Wie Rose24 schrieb, wird dieses Thema allein den ausführenden Unternehmern überlassen, die erst wüenn das Gebäude fertig ist, auf die Baustelle kommen, Aufmessen und Dimensionieren, wie es ihr Erfahrungsschatz hergibt.

    Selbst bei großen Mietobjekten rüttelt der Abnehmer vom Bauordnungsamt höchstens mal etwas am Geländer. Das wars dann schon. Zumindest in Sachsen-Anhalt.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Aus praktischer Sicht stimme ich Dir zu. Die Frage ist, wo zieht man die (Toleranz)Grenze?

    Ein Betroffener wird das vermutlich ganz anders sehen als jemand bei dem es schon seit xx Jahren "gut ging". Sobald man einen Schaden erleidet wird man immer versuchen einen anderen Schuldigen zu finden, in den seltensten Fällen wird man sich an die eigene Nase fassen. Dann kann es passieren, dass sich die Toleranz ganz schnell rächt.


    Wenn man sich keine Gedanken über die Statik eines Balkongeländers macht, warum dann einen Gedanken zur Statik für einen Dachstuhl, Carport, Terrassenüberdachung, oder gar Mauerwerk verschwenden?


    Mir ging es aber primär darum, wie man als Hauseigentümer bzw. Hauskäufer sein Risiko reduzieren kann/sollte. Falls die Statik für ein Geländer erforderlich ist, aber nicht zu den Bauunterlagen gehört, dann muss ich mich nach einem Kauf eben selbst darum kümmern, ich kann das im Rahmen eines Kaufs nur schwer einfordern.


    Daher war die Info von Markus schon einmal hilfreich, denn ich weiß nun, dass ich etwas an Unterlagen haben müsste, was aber nicht zwingend in den Bauunterlagen (Bauantrag) zu finden sein muss. Wenn ich in meinem "Hausordner" nichts finde, dann muss ich etwas beschaffen, wobei sich die nächste Sanierung des Geländers (Austausch) geradezu anbieten würde.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • "Meine" Statiker machen immer (widerwillig) auch den Nachweis der absturzsichernden Umwehrungen mit. Und das geht dann immer auch zum Prüfingenieur. Wenn der Ausführende abweichen will, braucht er dafür einen eigenen Nachweis und die Zustimmung des Prüf-Ings. Und ja, den statischen Nachweis brauche ich natürlich vor der Ausschreibung. Nein, leider ist das gerade beim EFH mangels Prüfing anscheinend nicht die Praxis.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • beim EFH mangels Prüfing

    ich glaube (!), das hat wenig mit dem prüfingenieur zu tun, das ist eher einstellungs- und erfahrungssache.


    zu einstellung:

    meine bauherren sind da vielleicht etwas anders als der durchschnitt. die sind ganz überwiegend sehr zufrieden, wenn man sie aufklärt, dass der planungsumfang für ein "banales" balkongeländer in sehr grossem umfang schwanken kann, dass aber sowieso erstmal fundierter architektonischer impetus erforderlich ist, bevor det twp zu hirnen beginnt. aus dem bereich sanierung (am besten: "das wackelt, kannst du nicht mal eben ..") und begutachtung (aua, aua, aua) kenne ich genug fälle, wo entweder der bauherr geblitzt wurde oder sich selbst geblitzt hat.


    zur erfahrung:

    ich finde es immer wieder erstaunlich, wie man so etwas grundlegend einfaches in der planung maximal verkomplizieren oder in der ausführung vermurksen kann. wenigstens hat ein balkongeländer meist nur eine einzige nichtsollbruchstelle, aber manche künstler schaffen auch mehrere ..

  • Na ja, so grundlegend einfach scheint eine Absturzsicherung wohl nicht zu sein. Bei uns hatte der Architekt bis 14 Tage vor Ultimo keinen Schimmer, wie man das Geländer an der überdämmten Attika festmachen kann.

    Das musste der Metallbauer selber zurechtbiegen. Herausgekommen ist dann diese schadensträchtige Durchdringung:




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • bis 14 Tage vor Ultimo keinen Schimmer

    und in den letzten 14 tagen kam die erleuchtung? :P


    einen aufstehenden flachstahl einzudichten, halte ich für "schwierig" - den flachstahl auf´s papier zu schmeissen, halte ich für einfach ;)

    wohlwissend, dass es eben nicht nur statische fragestellungen sind, hatte ich auf fundierten architektonischen impetus verwiesen.

    wer sonst soll für die gewerkeschnittstelle zuständig sein?

  • Fest-Losflansch mit was abdichtendem dazwischen. Kann so schwer nicht sein wenn der Anpressdruck stimmt.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • und in den letzten 14 tagen kam die erleuchtung? :P

    Nö, die Erleuchtung kam leider nicht.

    Nachdem wir wochenlang seine Detailplanung abgefordert haben, wurde dann der Metallbauer ins Rennen geschickt. Ergebnis s.o.

    Wenn man genau hinsieht, reißt die Abdichtmasse ein:

    Den Losflansch gibts leider nicht, Kalle.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • dann hat der architekt alles richtig gemacht: leistungsloses honorar und erfolgreiche verantwortungsdelegation.

    am 1. tag nach ultimo wäre bestimmt eine superlösung gekommen ...............

  • Wer macht so was? Geländerbefestigung von oben? Sowas hab ich schon ewig nicht mehr gesehen ...


    Unabhängig davon ... kein Geländer ohne Statik, sowie kein Metallbauer ohne Zertifizierung EN 1090. Des weiteren müssen einige Regeln eingehalten werden, z.b. Egal was Architekten glauben, Bauherren wünschen ... sind Waagerechte Stäbe, ohne Übersteigschutz unzulässig.

    Anpralllast Privat 0,5 kN/m, Preis für Statik ist verschieden, beginnt bei 200€ ...

    Fachplaner, BDFS geprüft und ISO/IEC 17024 Zertifizierter Fachsachverständiger im Schlosserhandwerk und Metallbau.

    Schlossermeister, Europäischer Schweißfachmann, CAD-Fachkraft Metall mit über 30 jähriger Berufserfahrung.

  • Wer macht so was? Geländerbefestigung von oben? Sowas hab ich schon ewig nicht mehr gesehen...

    Schrieb ich doch: Ein Architekt der zum Planen gezwungen werden sollte, sich aber erfolgreich taub gestellt hat. Der Metallbauer hats dann nach seinem Duktus gemacht. Der wollte es nur fest haben, ob der Dachdecker das dann regensicher kriegt, war nicht sein Problem.

    Fest ist es geworden.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Schrieb ich doch: Ein Architekt der zum Planen gezwungen werden sollte, sich aber erfolgreich taub gestellt hat. Der Metallbauer hats dann nach seinem Duktus gemacht. Der wollte es nur fest haben, ob der Dachdecker das dann regensicher kriegt, war nicht sein Problem.

    Fest ist es geworden.

    Sei froh, das er sich geweigert hat!


    Solche Vorgehensweisen sollte man immer peinlichst genau dokumentieren!


    Stellt sich die Frage, ob es auf Dauer dicht ist ...

    Fachplaner, BDFS geprüft und ISO/IEC 17024 Zertifizierter Fachsachverständiger im Schlosserhandwerk und Metallbau.

    Schlossermeister, Europäischer Schweißfachmann, CAD-Fachkraft Metall mit über 30 jähriger Berufserfahrung.

  • Stellt sich die Frage, ob es auf Dauer dicht ist ...

    nein.

    die frage stellt sich nicht, weil das nicht nicht auf dauer dicht ist oder sein kann und bereits jetzt die "dichtung" nix taugt.

    die frage stellt sich auch deshalb nicht, weil der mangel auch ohne schaden (fehlende dichtigkeit) exisitiert.