Schallschutz-Wohnungstür

  • Hi!


    Ich bin im Moment auf der Suche nach einer neuen Wohnungs-Eingangstür. Das Haus ist aus den 60ern, genau wie die aktuelle Tür, Schallschutz gleich Null.


    Hab jetzt mal zwei Angebote machen lassen, einmal um sie aufbessern zu lassen, was ca 850 Euro kosten würde und einmal bei einem Schreiner, der eine komplett neue einbauen würde inklusive Rahmen, Preis hier 2800 Euro.


    Jetzt meine Frage, ist das preislich in Ordnung, oder gäbs Optionen eine Tür in ähnlicher Qualität wie die vom Schreiner, aber günstiger zu bekommen? Wichtig wäre hier eben vor allem der Schallschutz, aus dem Treppenhaus kommt wirklich extrem viel Lärm in die Wohnung. Außerdem sollte es Holz sein, kein Plastik.


    Wär super, wenn mir da jemand weiterhelfen könnte : )

  • einmal um sie aufbessern zu lassen, was ca 850 Euro kosten würde

    Was soll denn da gemacht werden?


    Die Frage ist nämlich, ob das vorhandene Türblatt sowie Zarge und deren Einbau, überhaupt geeignet sind, um einen ordentlichen Schallschutz sicherzustellen. Ist das nicht der Fall, dann könnte es passieren, dass die Maßnahmen kaum eine Verbesserung bewirken werden. Man hätte dann zwar eine günstige Lösung, aber auch nicht den gewünschten Erfolg.


    d.h. Preisangaben OHNE Leistungsumfang kann man nicht bewerten.


    Soll ein hoher Schallschutz sichergestellt werden, dann müssen mehrere Maßnahmen ineinander greifen. Auch der Einbau der Zarge spielt dann eine Rolle. Würde beispielsweise nur eine Falzdichtung oder eine absenkbare Bodendichtung nachgerüstet, dann ist fraglich, ob diese Maßnahme ausreicht um den Wunsch nach höherem Schallschutz zu erfüllen. Der Schallschutz wird sich zwar verbessern, aber evtl. nicht im gewünschten Umfang.


    Für den Schallschutz einer Tür sollte man folgende Schall(übertragungs)wege im Auge behalten.


    1. Schalldämmung Türblatt

    2. Schalldämmung Bodenfuge

    3. Schalldämmung Falz

    4. Schalldämmung Zarge

    5. Schalldämmung Anschluss an´s Mauerwerk


    Im Idealfall vereinbart man daher eine Schallschutzklasse die erreicht werden soll. Das hat den Vorteil, dass man den Erfolg jederzeit messtechnisch überprüfen kann. Für eine Wohnungseingangstür könnte man beispielsweise eine Schalldämmung von min. 37dB im eingebauen Zustand vereinbaren (SSK3 nach VDI 3728). Dann gibt es eine für beide Seiten klar verständliche Vereinbarung.


    Übrigens, wenn das Treppenhaus unbeheizt sein sollte, dann wäre auch zu überlegen, eine entsprechende Klimaklasse zu vereinbaren. Das soll sicherstellen, dass die Tür ihre Eigenschaften auch bei höheren Temperaturunterschieden noch einhält.


    Es hängt also von der vorhandenen Tür und Deinen Anforderungen ab, welchen Weg man beschreiten sollte/muss. Ob die TÜr ausgetauscht werden sollte/muss, das sagt mir meine Glaskugel nicht. Es ist aber aufgrund Baujahr sehr wahrscheinlich, dass eine deutliche Verbesserung nur durch einen Austausch der Tür (inkl. Zarge) erreicht wird.

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  • Bei allen Überlegungen zum Schallschutz sollten auch die Fragen nach dem Eigentum und dem Brandschutz nicht ignoriert werden:

    1. Wohnungsabschlusstüren müssen zur Sicherung des Rettungsweges Treppenhaus fast immer Brandschutzanforderungen erfüllen. Entsprechend qualifizierte Türen lassen sich nicht umbauen ohne ihre Brandschutzeigenschaften und vor allem ihre Zulassung zu verlieren.
    2. Bei Wohneigentum nach WEG sind die Wohnungsabschlusstüren je nach Teilungserklärung meist Gemeinschaftseigentum und insofern sind Umbauten daran vorher von der Eigentümergemeinschaft zu beschließen

    Bei Beachtung beider Punkte stellt sich oft die Frage nach einem Umbau nicht mehr, sondern eher die nach einem Austausch gegen eine neue geprüfte Tür. Für diesen Umtausch ist bei der Einholung von Angeboten die Schallschutzklasse, die Liste der benötigten Brandschutzeigenschaften und ggf. auch die Widerstandsklasse gegen Einbruch festzulegen. Nur dann können vergleichbare Angebote verglichen werden.


    Eine neue Tür kostet ab ca. 1.000 € zzgl. Drücker / Knauf, Spion und Ausbau und Entsorgung der alten Tür und ggf. zzgl. Anputzen und Malern.


    Der Umbau vorhandener Türen ist eine schöne Arbeit für gute Handwerker, führt aber bezüglich des Brand-, Einbruch- und Schallschutzes bei einem Einzelstück nicht kontrollierbar weiter.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich bin im Moment auf der Suche nach einer neuen Wohnungs-Eingangstür. Das Haus ist aus den 60ern, genau wie die aktuelle Tür, Schallschutz gleich Null.

    Die Schallübertragung aus dem Treppenhaus kann zum Einen der Luftschall sein (Gespräche, Schlüsselklappern, Anstoßen an Treppen und Geländer, usw.) und zum Anderen der Körperschall (Auftreten und Springen auf Treppenstufen und Podesten).


    Gegen den Luftschall hilft ggf. schon eine (schmale selbstklebende) Schaumstoffeinlage zwischen Türrahmen und Türblatt - sofern ausreichend Platz vorhanden ist. Ohne eine vorhandene Schwelle bleibt der Spalt unter der Tür immer etwas offen. Hier würde nur eine absenkbare Bodendichtung helfen - das wäre aber schon eine bauliche Änderung.


    Gegen den Körperschall, der von den Treppenläufen über die Podeste in die Wohnung überragen wird, kann fast nichts unternommen werden, da die Bauteile (Treppenlauf, Podest, Wand, Fußboden) i.d.R. fest miteinander verbunden sind.


    Ich würde als Erstes mal prüfen, ob der Einbau von Dämmstreifen möglich ist, oder ob man am Türrahmen und ggf. auf dem Fußboden umlaufend eine Holzleiste anschrauben kann, um daran ein elastischs Gimmu-Dichtungsprofil zu befestigen, gegen welches dann das Türblatt gegenschlägt/andrückt. Das erfordert kein baulichen Änderungen an der Tür. Die angeschraubten leisten können bei einem Auszug zurückgebaut werden.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Danke schonmal für die Antworten. Es ist eine Eigentumswohnung und Austausch der Tür ist definitiv ok. Wurde in den meisten anderen Wohnungen im Haus schon längst gemacht.


    Ich tendiere schon sehr zu der neuen Tür, inklusive Rahmen / Zarge. Die Frage ist bloß, ob es eben günstigere Optionen gibt als vom Schreiner? Hat da jemand zufällig Erfahrung?


    Das hier wäre der Kostenvoranschlag:


  • Das Angebot enthält keine Aussage zu den evtl. erforderlichen Anforderungen an den Brandschutz (siehe auch #3) für die Wohnungstür.


    Im Angebot sind mal 360.- für eine Aufdoppelung enthalten (EP), im Gesamtpreis fehlen diese? Element grundiert und geschliffen für Oberflaeche bauseits - heisst das selber anstreichen der Tür?

  • welche konkreten Anforderungen ergeben sich an den

    1. Brandschutz aus der Bauordnung bzw. dem Brandschutzgutachten ? (Mindestanforderung Bay BauO "vollwandiger, dicht- und selbstschließender Abschluss".)
    2. Schallschutz aus Deiner Vorgabe? Körperschall aus Treppenlauf / Luftschall aus TH , welche SSK, welches R'w?

    Über beides enthält das Angebot keine Festlegung!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, hier eine Einzelanfertigung zu wählen. Es wäre unter Umständen besser, eine quasi industriell gefertigte Tür zu kaufen. Dort sind die Nachweise für Schallschutz etc. normalerweise kein Problem, und der Aufpreis für eine fertige Oberfläche (nicht bauseits zu erstellen) ist auch überschaubar. Es würde mich nicht wundern, wenn so eine Tür günstiger käme.


    Zum Türblatt steht kaum etwas in der Beschreibung. Somit kann man die Schalldämmung nicht einmal abschätzen. Für Schallschutztüren braucht es normalerweise einen mehrschichtigen Aufbau. Die Türen haben dann eine Dicke zwischen ca. 50mm und 70mm, und sie haben auch ein entsprechendes Gewicht. So ein Türblatt wiegt problemlos 60-80kg.


    Beim Einbau steht der PU Schaum als Fugenfüller. Bei hohen Schallschutzanforderungen wären hier noch Dichtbänder (außen und raumseits) zu ergänzen. Der Einbau erfolgt dann ähnlich einem Fenster.

    Es gibt zwar auch Montageschaum dem Wunder nachgesagt werden, aber ich würde hier lieber noch ein paar Cent in Dichtbänder investieren. Das funktioniert insbesondere dann sehr gut, wenn die Öffnung im Mauerwerk und die Größe der Zarge gut zueinander passen (Fugenbreite nicht zu groß).


    Die Montagekosten erscheinen mir angesichts der Anforderungen relativ günstig.

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  • Das Angebot enthält keine Aussage zu den evtl. erforderlichen Anforderungen an den Brandschutz (siehe auch #3) für die Wohnungstür.


    Im Angebot sind mal 360.- für eine Aufdoppelung enthalten (EP), im Gesamtpreis fehlen diese? Element grundiert und geschliffen für Oberflaeche bauseits - heisst das selber anstreichen der Tür?

    Die zusätzliche Aufdoppelung wäre optional und ums Lackieren werd ich mich selber kümmern.


    Der Schreiner hat im Haus schon mehrere Türen erneuert, Brandschutz usw. sollte also so sein, wies von der Hausverwaltung aus gefordert wird, aber kann mich da auch noch erkundigen.

  • ... Brandschutz usw. sollte also so sein, wies von der Hausverwaltung aus gefordert wird ...

    Mir wäre das bei dem Betrag deutlich zu vage! Außerdem fordert nicht die Hausverwaltung (die leider in vielen Fällen frei von bautechnischem Fachwissen ist), sonder die Bauordnung oder das genehmigte Brandschutzkonzept. Beides gilt auch dann, wenn die Hausverwaltung nichts davon sagt / weiß!


    Konkrete Festlegungen zum zu erbringenden Schallschutz gibt es auch nicht.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Brandschutz usw. sollte also so sein, wies von der Hausverwaltung aus gefordert wird, aber kann mich da auch noch erkundigen.

    Achtung, Anforderungen können sich ändern. Verordnungen etc. unterliegen einem Wandel, so dass eine neu einzubauende Tür ganz anders sein kann als vor xx Jahren.


    Zum Brandschutz, T30 und rauchdicht sollten an sich selbstverständlich sein, und über das "selbstschließend" wird teils noch heftig gestritten. In BaWÜ hat man diesen Teil m.W. "entfernt". In wieweit das in Byern noch eine Rolle spielt, das sollte an sich der Handwerker wissen der die Tür einbaut.


    Zum Schallschutz hatte ich oben schon etwas geschrieben, die SSK III wäre in meinen Augen sinnvoll, wenn auch nicht zwingend erforderlich wenn die Tür in einen Flur führt und nicht direkt in einen Wohnraum. Höhere Anforderungen wie SSK IV oder gar V würde ich nicht in Erwägung ziehen, da der Aufwand überproportional steigt.


    Klimaklasse III wäre ebenso sinnvoll (dT 20K), und man könnte sich noch Gedanken über Einbruchschutz machen (RC3?).


    Nach Deinem Eingangsbeitrag hatte ich den Eindruck, dass Dir der Schallschutz wichtig ist. Deswegen kann ich nicht empfehlen einfach nur die Tür zu tauschen. Am Ende hast Du zwar eine neue Tür aber keine nennenswerte Verbesserung erzielt.


    Vereinbare das was Dir wichtig ist, sonst gibt es später nur Frust.

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