Flachdach / Dampfsperre oder feuchevariable Dampfsperre sinnvoll?

  • Servus allerseits,


    habe eine sehr wichtige Frage an die Dachexperten.
    Aktuell saniere ich ein Flachdach, welches 1994 gebaut wurde und jetzt nachgedämmt wird.

    Der Aufbau ist folgender:
    Bitumenbahn
    Unterschalung (Holzbretter)
    Sparren
    15-20cm Luftschicht ruhend
    12 cm alukaschierte Dämmung.
    Fermacell Gipsfaser

    ----------------------
    Das Dach weist keine Feuchteschäden auf, d.h. die Dampfbremse hat die letzten 30 Jahre wunderbar funktioniert.

    Aktuell habe ich mich zwar zigfach eingelesen, aber die eine Seite der "Experten" tendiert zu Dampfsperren und die andere zu feuchtevariable Dampfbremsen.

    Der neue Grundaufbau soll folgendermaßen erfolgen, die oberen 15-20cm Luftschicht bleiben erhalten, da ich die Deckenhöhe heruntersetze.


    Bitumenbahn

    Unterschalung (Holzbretter)

    Sparren

    15-20cm Luftschicht ruhend
    26cm Dämmung WLG035
    Dampfsperre mit metallisierter PE-Folie (SD 150m) oder Isofehr Wahrio Ekstra Save (SD 0,3m bis 25m)?
    Fermacell Gipsfaser

    Ich persönlich tendiere mittlerweile doch zu der variablen Dampfsperre, da der SD25 Wert eigentlich ausreichend sein sollte und die Rücktrocknung erleichtert wird.
    Auf die korrekte Verlegung und Verklebung der Dampfbremse (Überlappung und Wandanschlüsse) werde ich sehr penibel achten, da im Flachdach die Leckagen katastrophal enden. =o

    Vielen Dank im Voraus an die Foren-Experten für eure Mithilfe, ich bin wirklich etwas "verunsichert" in Bezug auf die Dampfbremse/-sperre bei einem Flachdach.

    Beste Grüße
    Bauking :)



  • Funktioniert nicht. Nicht wenn du so bauen willst wie es die Normen zulassen. Ruhende Luftschichten können sehr schadensträchtig werden, belüften kann man ein Flachdach eh kaum.

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    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Verunsichert solltest Du vor allem wegen Deiner ruhenden Luftschicht sein. An ihrer kalten Oberseite kommt es in einem geschlossenen und uneinsehbaren Hohlraum auf Nadelholz zu Tauwasserausfall bei Unterschreitung der Mindest-Rücktrocknungsreserve. Ob das kritisch ist und wenn ja, wie sehr, können die Foristen mit vertieften Bauphysikkenntnissen sicher besser beurteilen. Kurz gesagt wird Jedenfalls Punkt 5 der "sieben goldenen Regeln für ein nachweisfreies Flachdach" damit nicht beachtet. (Nach den a.R.d.T. wäre auf andere Regeln zu verweisen, aber hier hat man so schön alles beieinander.)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • ist das von mir verkürzte zitat sinngemäss richtig?

    Funktioniert nicht [..] wenn du so bauen willst wie es die Normen zulassen

    ich glaube nicht alles, was in normen (gemeint sein wird wohl irgendwas in bspw. der form DIN 410x oder DIN EN 12369) steht, aber in dem punkt sind sich die normen, die aus verschiedenen blickwinkeln auf dieses thema entstanden sind, (inzwischen) einig: die wollen ja gerade funktionierende lösungen fördern. wo dagegen der sinn von sd-werten von 150m bei flachdächern liegen soll, hätte man vielleicht vor 30 jahren noch diskutieren können - heute nicht mehr. sowas kommt halt immer wieder auf, weil manche diskutanten und manche diskussionen seit ewigkeiten wenig auf geänderte bauliche randbedingungen und daraus folgend geänderte technische erfordernisse reagieren.

  • wenngleich es bisher scheinbar keinen Schaden gegeben hat, hat die Konstruktion doch ein nennenswertes Schadensrisiko.


    Ich würde für die Sanierung eher planen, nach oben aufzubauen: Bitumenbahn, ggf. zusätzliche Dampfsperre, Gefälledämmung, neue Dachabdichtung. Und zwar mit soviel Dämmung oben drauf, dass der Taupunkt sicher in der neuen Dämmung liegt.


    Am Rande: ich tu' mich schwer, zu glauben, dass die Dampfsperre der alukaschierten Mineralfaser bisher gut funktioniert hat. Meine Erfahrung mit diesem Rollisolzeugs war bisher eine andere. Vielmehr würde ich eher glauben, dass es durchgezogen hat "wie Hechtsuppe" und dass die Holzkonstruktion eher dank "guter" Imprägnierung mit allerlei leckeren Mittelchen so lebensunwirtlich ist, dass das anfallende Kondensat dort ohne Pilzwachstum nur zwischengespeichert wurde und dann bei ordentlicher Besonnung auf unergründlichen Wegen halt immer wieder ausgetrocknet ist.

  • Vielen Dank für die zahlreichen Anregungen.

    Somit wäre wohl das Ausdämmen der Luftschicht im Zusammenspiel mit einer intelligenten Dampfbremse die bessere Wahl.
    (evtl. die "Klima Bro Intellu Plos"?)

    In der ruhenden Luftschicht sind auch keine Lüftungsöffnungen vorhanden, so dass hier auch keine Belüftung stattgefunden haben kann.


    @ Kalle


    Ich sehe gerade, dass du nur knapp 50km von mir entfernt bist - Hättest du kurzfristig noch einen Termin frei, dann könntest du dir
    die Baustelle direkt vor Ort einmal ansehen und den Aufbau besser beurteilen? (natürlich gegen Honorar)

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    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Schreib doch bitte die richtigen Produktnamen! Nur der Vergleich von namentlich genannten Produkten ist hier nach den Nutzungsbedingungen unerwünscht!

    Sorry, dachte das generell Produktnamen unerwünscht seien. :)

    Tendiere als Dampfbremse zur Clima Pro Intello Plus, die hat eine hohe Spreizung von 0,5m-25m SD, so dass die Rücktrockung
    gewährleistet sein sollte.
    Alternativ weist die Isover Vario Extra Save ähnliche technische Daten auf.

  • Hättest du kurzfristig noch einen Termin frei, dann könntest du dir

    Nicht vor übernächster Woche. Aber ich kann den Aufbau auch nicht gesundbeten. Kläre dein AG über die Risiken auf. Man kann den Hohlraum mit Zellulose ausflocken, und mit adaptive Folie arbeiten. Proclima rechnet dir den Aufbau. Du bist dort aber voll in der Haftung, dass muss dir klar sein.

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  • kritisch sind beim Wunsch nach Rücktrocknung Verschattungen, auch durch das Gebäude selbst (Attika), Bäume, stehendes Wasser, Bekiesungen und Begrünungen sowieso.

    Dunkle Dachfarben sind auch vorteilhaft, wenn man Rücktrocknung wünscht.


    Und dann muss natürlich das Raumklima dazu passen. Geht nicht in einem Schwimmbad oder sonstigen Räumen mit höherer oder hoher Feuchtelast. In den anderen Fällen muss man sich das trotzdem sehr genau anschauen. Das Restrisiko bleibt.