Gartenhaus benötige ich eine Baugenehmigung

  • Hallo

    ich habe mir Anfang 2019 ein Gartenhaus gebaut und bin davon ausgegangen, dass ich keine Baugenehmigung benötige.

    Ich komme aus Bayern und laut Gesetz können Gebäude mit einem Brutto-Rauminhalt bis zu 75 m3, ohne Genehmigung gebaut werden.

    Im Anhang eine Zeichnung des Gartenhauses.

    Ich bin davon ausgegangen das nur der Rauminhalt ohne Überdachung berechnet wird. Das wären ca. 50m³.


    Jetzt habe ich erfahren das ich auch die Überdachung mitberechnen muss, dann währen es ca. 100m³ und genehmigungspflichtig.


    1 Frage: Benötige ich wirklich eine Baugenehmigung?

    2 Frage: Wenn ja wie kann ich dies im Nachgang noch einreichen obwohl das Gebäude schon gebaut wurde?

  • Die entscheidende Frage wird sein, ob das Gebäude überhaupt genehmigungsfähig ist. Standort, Abstand zur Grundstücksgrenze usw.


    Wenn Nein, dann bleibt an sich nur der Rückbau. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ausnahmsweise trotzdem eine Genehmigung erteilt würde.


    Wenn Ja, dann sollte man das schnellstens nachholen.


    Nichts tun wäre die schlechteste Entscheidung, denn ein Schwarzbau bleibt ein Schwarzbau, und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

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  • gut ist, dass die Bedingungen für

    - verfahrensfrei

    und

    - ohne Abstandsflächen und in Abstandsflächen zulässig


    unterschiedlich sind!


    Grob vereinfacht;

    - verfahrensfrei bis 75m³

    - ohne Abstandsflächen bis 3m mittlere Wandhöhe bei max 9m pro Grundstücksgrenze.


    Also.. natürlich kann man nachträglich genehmigen lassen !


    Ob die Überdachung zum Rauminhalt zählt... keine Ahnung?

    Vielleicht kann man es als Terrassenüberdachung sehen, die wiederrum bis 30m³ verfahrensfrei ist?!

  • Die kriegsentscheidende Frage ist, ob dort überhaubt ein Gebäude (dient dem Schutz von Menschen oder Dingenn = Dach drauf) zulässig ist.

    Wenn ja, ist eine Genehmigung meist nur eine Formsache, wenn nicht, dürfen auch keine verfahrensfreien Gebäude dort stehen.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Ob die Überdachung zum Rauminhalt zählt... keine Ahnung?

    Sie zählt dazu weil die Überdachung hier einer eigenen Nutzung dient, (Nutzung einer Terrasse). Es ist also weit mehr als nur ein Dachüberstand.


    Zum Dachüberstand bzw. dessen Anrechenbarkeit auf den BRI zwecks Entscheidung ob das Vorhaben verfahrensfrei ist, bekam ich im vergangenen Jahr vom Bauamt bzw. LRA die Auskunft, dass es keine Vorgaben gäbe, wie groß ein Dachüberstand sein darf. Ein Dachübersand von 30cm wäre völlig unkritisch, es gäbe auch Urteile bei denen 50cm als problemlos erachtet wurden. Sie hätten mit einem Dachüberstand bis 1m kein Problem, weil dies der regionalen Bauweise entgegenkommen würde, wenn dies optisch zum Rest des Gebäudes passt. Die von mir angedachten 1,5m waren dem netten Herrn dann doch etwas zuviel, weil das mit der Funktion eines Dachüberstands nichts mehr zu tun hätte, und eine neue Nutzbarkeit der überdachten Fläche entstünde. Man könnte dort im Fall eines Carports beispielsweise ein Motorrad abstellen, oder im Fall eines Wiga ergäbe sich eine überdachte Terrassenfläche.


    In BaWü wären es für eine Gartenhütte 40m³ BRI (im Innenbereich) die verfahrensfrei sind.

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  • Hallo

    Standort ist im Innenbereich Abstand zum Nachbar 2m. Habe aber schon mit dem Nachbar gesprochen und es war für Ihn kein Problem.


    Was ich aber nicht verstehe ist das mit dem Brutto-Rauminhalt bis zu 75 m3. Das Gebäude hat ja nur ca. 50m³. Wo steht geschrieben das die Überdachung dazugezählt wird. Ich war ja vor Baubeginn auf der Gemeinde und der zuständige Mittarbeiter meine ich benötige keine Genehmigung wobei er sich nicht gut ausgekannt hat.

    Wie soll das ein Laie wissen wenn es nicht mal die Gemeinde weiß ?


    Ich kann doch sagen ich habe zuerst das Gartenhaus gebaut und anschließend eine Terasse dann sollte doch alles passen.

    Gartenhaus 50m³ < als 75m³

    Terasse 23m² < als 30m²

  • Hallo,

    ja - die Überdachung zählt mit. Überdachungen über 1,50 m Dachvorstand und vor allem Überdachungen, die Stützen benötigen, werden zum Volumen gezählt - es wird praktisch eine "fiktive" Wand gebildet. Es handelt sich also um eine betretbare, überdeckte bauliche Anlage - mithin ein Gebäude. Sonst wäre auch kein Carport ohne Seitenwände ein Gebäude.

    Du kannst nachträglich einen Bauantrag stellen. Für den zu geringen Grenzabstand (Minimum wären 3,0 m) benötigst Du eine Abweichung. Ob die zugelassen wird, hängt von der Begründung ab. Du musst die Abweichung von Art. 6 BayBO gesondert beantragen und begründen. Außerdem brauchst Du die Unterschrift Deines Nachbarn. Wenn die Behörde das nicht mitmacht, brauchst Du eine Abstandsflächenübernahme. Dafür gibt es Formulare - allerdings wird Dein Nachbar dabei in seinen Rechten eingeschränkt. Das würde bedeuten, dass die Abstandsfläche mit 1,0 m Tiefe auf sein Grundstück fällt und es wirkt sich quasi für ihn wie eine Grenzverschiebung aus.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • SirSydom hat schon gefragt: gibt es einen Bebauungsplan? das ist ganz wichtig!

    wenn es einen B-Plan gibt, gelten die die Vorgaben hieraus.


    wenn es keinen B-Plan gibt, muss man fragen, ob das Gartenhaus im Innenbereich oder im Außenbereich steht. Ist es wirklich Innenbereich? Das, was ein Laie unter Innenbereich versteht ist u.U. nicht das, was de Baurechtler hierunter versteht.


    Definition Gebäude gem. BayBO: "(2) Gebäude sind selbständig benutzbare, überdeckte bauliche Anlagen, die von Menschen betreten werden können." Damit ist auch eine offene Überdachung ein Gebäude

  • Hallo

    ob es einen B-Plan gibt weiß ich nicht.

    Mein Haus (Wohnhaus) steht in einem alten Ortskern die Grundstücke sind 100m lang und 15m breit. Alle Häuser stehe auf der Grenze und es sind einige Garagen so breit wie das gesamte Grundstück.

    Das Gartenhaus steht hinter der Garage im Garten.


    Laut Gemeinde Mittarbeiter steht das Gartenhaus im Innenbereich.



    Welche Möglichkeiten gibt es, wenn es zu Problemen kommt.


    1. Vordach verkürzen das ich unter 75m³ komme. benötige ich dann auch 3m abstand? Habe mal was gelesen das ich dann nur 1m benötige.

    2. Gibt es eine Möglichkeit den Nachbarn entgegen zu kommen wegen der Abstands Fläche? Kann ich dann meine auch abgeben? Es gibt doch auch Möglichkeiten das beide auf die Grenze bauen?



    Hier mal der Ortsplan

  • Hallo,

    zunächst einmal würde ich auch von Innenbereich ausgehen.

    Was Du brauchst, habe ich oben schon geschrieben. Die Überdachung einzukürzen ändert nichts daran, dass Du 3,0 m Abstandsfläche einhalten musst.

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  • Hallo

    habe folgende auszug gefunden


    Wenn ich unter die 75m³ Brutto-Rauminhalt bleibe.

    Ohne Genehmigung dürfen Sie ein Gartenhaus oder Schuppen an der Grundstücksgrenze bauen, wenn die Wandhöhe maximal drei Meter und die Seitenlänge nicht mehr als neun Meter beträgt.


    Mein Gartenhaus ist max 2,5m hoch.


    Andernfals müsste ich eine Baulast mit den Nachbarn vereinabren. Dann könnte er auch bis auf 1,5m an die Grenze bauen.?

  • ja - die Überdachung zählt mit. Überdachungen über 1,50 m Dachvorstand und vor allem Überdachungen, die Stützen benötigen, werden zum Volumen gezählt -

    Zählen die 1,5m auch bei Ermittlung des BRI oder nur wenn es um die Abstandsflächen geht (untergeordnete Bauteile)?


    Ich war ja vor Baubeginn auf der Gemeinde und der zuständigeMittarbeiter meine ich benötige keine Genehmigung wobei er sich nicht gutausgekannt hat.

    Wie soll das ein Laie wissen wenn es nicht mal die Gemeinde weiß ?

    Mit wem hast Du gesprochen? Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass ein Bauamt diese Fragen nicht beantworten könnte.


    Andernfals müsste ich eine Baulast mit den Nachbarn vereinabren. Dann könnte er auch bis auf 1,5m an die Grenze bauen.?

    siehe hier:


    Dafür gibt es Formulare - allerdings wird Dein Nachbar dabei in seinen Rechten eingeschränkt. Das würde bedeuten, dass die Abstandsfläche mit 1,0 m Tiefe auf sein Grundstück fällt und es wirkt sich quasi für ihn wie eine Grenzverschiebung aus.

    Ob der Nachbar da mitspielt, ich weiß es nicht. Der von Dir "beanspruchte" Teil seines Grundstücks wird für ihn quasi wertlos.


    Da auf Deinem Grundstück bereits einige Gebäude grenständig sind, wäre die Frage, ob ein weiteres Gebäude an die Grenze gebaut überhaupt zulässig wäre. In BaWü wären es insgesamt 14m, wenn ich mich richtig erinnere, müsste ich jetzt aber nachlesen. Ob es eine vergleichbare Forderung in der BayBo gibt, weiß ich jetzt nicht.


    Das hat aber alles nichts mit verfahrensfrei zu tun, bitte daran denken. Auch bei einem verfahrensfreien Vorhaben kann man nicht tun und lassen was man will.

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  • aemilio : Nochmal - der Bruttorauminhalt (75 m³) ist die Grenze für die Genehmigungsfreiheit. Dein Gebäude braucht also eine Baugenehmigung - kann aber möglicherweise an der Grenze stehen. Wenn es keinen Bebauungsplan gibt, müsste die Genehmigung möglich sein.

    Die 3 m Wandhöhe und 9 m Länge sind die Grenze dafür, wann eine Grenzbebauung (Garagen und Nebengebäude) im Bereich von 0 bis 3 m zulässig ist.


    Auf dem Luftbild sieht man, dass es wohl schon ein Nebengebäude im Grenzbereich gibt. Vermutlich bist Du also insgesamt schon bei mehr als 9 m Grenzlänge. Es gibt dann noch eine Klausel für überlange Grundstücksgrenzen - da darf dann zusätzlich ein Gebäude mit 5 m Länge, 3 m Höhe und max. 50 m² Grundfläche errichtet werden. Gesamt darf diese Grenzbebauung nicht länger als 15 m werden.


    So einen Mist können sich nur Juristen ausdenken - die Vorschrift ist für den Laien leider nur schwer lesbar: Art. 6 Abs. 9 BayBO


    R.B. : Für die Prüfung der Abstandsflächenvorschriften ist in Bayern ausschließlich das Landratsamt zuständig. Gerade kleine Gemeinden haben i.d.R. nicht das Personal dafür, um kompliziertere baurechtliche Fragen zu beurteilen.

    Der Dachüberstand >1,50 m zählt bei den Abstandsflächen mit - beim BRI nur dann, wenn Stützen vorhanden sind.

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  • Ohne Genehmigung dürfen Sie ein Gartenhaus oder Schuppen an der Grundstücksgrenze bauen

    Aber nur dann, wenn sich im Gartenhaus weder Aufenthaltsräume noch Feuerstätten befinden. Bei der Größe und mit dem vorhandenen Gebäude an der Grenze könnte das der Genehmigungsbehörde schwer zu vermitteln sein. Wer braucht so viele Abstellräume?


    Andernfals müsste ich eine Baulast mit den Nachbarn vereinabren.

    Baulasten gibt es in Bayern nicht.


    Dann könnte er auch bis auf 1,5m an die Grenze bauen.?

    Kann man pauschal nicht beantworten. Kommt darauf an, was er bauen will und was er schon gebaut hat. Vorstellbar wäre eine Vereinbarung, die gegenseitige Grenzbebauung anstrebt. Ein Grenzabstand unterhalb des Mindestabstandes ist meist problematisch.

  • Auf dem Luftbild sieht man, dass es wohl schon ein Nebengebäude im Grenzbereich gibt. Vermutlich bist Du also insgesamt schon bei mehr als 9 m Grenzlänge. Es gibt dann noch eine Klausel für überlange Grundstücksgrenzen - da darf dann zusätzlich ein Gebäude mit 5 m Länge, 3 m Höhe und max. 50 m² Grundfläche errichtet werden. Gesamt darf diese Grenzbebauung nicht länger als 15 m werden.



    Mein Haus (Wohnhaus) steht in einem alten Ortskern die Grundstücke sind 100mlang und 15m breit. Alle Häuser stehe auf der Grenze und es sind einige Garagenso breit wie das gesamte Grundstück.


    Bei "alter" Ortskern werde ich hellhörig.

    Ich hab bei mir auch so einen Fall - mein Nachbar steht mit seinem Wohnhaus 1m an meiner Grenze. Auf Nachfrage, ob hier Abstandsflächen auf meinen Grundstück liegen, bekam ich die Antwort vom Landratsamt, dass dieses Gebäude vor jeder BayBO errichtet wurde und damit keine Abstandsflächen auslöst.

    Sowas könnte ggf. auch für den Bestand gelten, so dass diese Gebäude auf die 15m evtl gar nicht anzurechnen sind.

    Auch die Wohngebäude sind ja granzständig... alles nicht so einfach in deinem Fall.

  • Sowas könnte ggf. auch für den Bestand gelten, so dass diese Gebäude auf die 15m evtl gar nicht anzurechnen sind.

    Auch die Wohngebäude sind ja granzständig... alles nicht so einfach in deinem Fall.

    Nur dass Wohngebäude keine Nebengebäude sind - deshalb rechnet man diese nach Art. 6 Abs. 9 BayBO auch nicht mit.

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  • Hallo,


    verfahrensfrei sind Gebäude mit einem Brutto-Rauminhalt bis zu 75 m3. Gebäude sind definert als bauliche Anlagen, die überdacht und begehbar sind. Es zählt somit auch jener Teil der baulichen Anlage zum Gebäude, der keine Außenwände besitzt, aber überdacht und begehbar ist.


    Beste Grüße!