Gartenschuppen, Grenzbebauung, mittlere Wandhöhe

  • Hallo,


    für einen Gartenschuppen, der traufständig entlang einer Grundstücksgrenze mit ca. 50cm Abstand zu derselben gebaut werden soll, stellt sich die Frage wie genau die mittlere Wandhöhe gem Art. 6 BayBo zu verstehen ist.


    Das Dach mit einer DN <45° wird ja gem. BayBo Art.6 Abs. 4 gar nicht angerechnet.

    Zitat von Art.6 Abs. 9 BayBo

    (9) 1In den Abstandsflächen eines Gebäudes sowie ohne eigene Abstandsflächen sind, auch wenn sie nicht an die Grundstücksgrenze oder an das Gebäude angebaut werden, zulässig
    1. Garagen einschließlich deren Nebenräume, überdachte Tiefgaragenzufahrten, Aufzüge zu Tiefgaragen und Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten mit einer mittleren Wandhöhe bis zu 3 m und einer Gesamtlänge je Grundstücksgrenze von 9 m, bei einer Länge der Grundstücksgrenze von mehr als 42 m darüber hinaus freistehende Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten mit einer mittleren Wandhöhe bis zu 3 m, nicht mehr als 50 m3 Brutto-Rauminhalt und einer Gesamtlänge je Grundstücksgrenze von 5 m; abweichend von Abs. 4 bleibt bei einer Dachneigung bis zu 70 Grad die Höhe von Dächern und Giebelflächen unberücksichtigt,

    Im wesentlichen stellt sich die Frage, inwiefern bei der Wandhöhe eine Aufschüttung zu berücksichtigen ist und ob es nur auf die grenzständige Wandhöhe oder auf alle Wandhöhen ankommt.

    In der Skizze gibt es zwei Varianten, schwarz und rot. Welche ist zulässig, oder beide, oder keine?



  • Meines Erachtens weder noch!


    Die Möglichkeit 3m hoch zu bauen, wenn man direkt an die Grenze baut setzt Du ja nicht um wenn Du 50cm eingerückt baust. Dann gilt wieder die normale Abstandsflächenregelung.


    Nun könnte man auf die Idee kommen, dass ja die Trockenmauer (?) zum Gebäude gehört und diese steht ja direkt an der Grenze (= Grenzbebauung). Ob das zuständige LRA das auch so sieht oder ob sich das so interpretieren lässt? Müsste man mit den Behörden abstimmen. In diesem Falle würde die schwarze Variante Anwendung finden können. Die rote Variante schließe ich aus.

  • Es ist vom natürlichen Gelände auszugehen, es sei denn, der Bebauungsplan oder die Bauaufsichtsbehörde setzt eine andere Geländeoberfläche fest. Ob genau auf der Grenze gebaut wird oder in einem Abstand von bis zu 3m ist unerheblich. Es gilt die Höhe der Wand, die der Nachbargrenze zugewandt ist.

  • Die Möglichkeit 3m hoch zu bauen, wenn man direkt an die Grenze baut setzt Du ja nicht um wenn Du 50cm eingerückt baust.

    Das stimmt nicht mehr, siehe BayBO:


    "(9) 1In den Abstandsflächen eines Gebäudes sowie ohne eigene Abstandsflächen sind, auch wenn sie nicht an die Grundstücksgrenze oder an das Gebäude angebaut werden, zulässig ..."


    Ansonsten sehe ich auch so wie Escroda . Es geht nur schwarz und rechtskonform oder rot und schwarz. :D

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Es ist vom natürlichen Gelände auszugehen, es sei denn, der Bebauungsplan oder die Bauaufsichtsbehörde setzt eine andere Geländeoberfläche fest. Ob genau auf der Grenze gebaut wird oder in einem Abstand von bis zu 3m ist unerheblich. Es gilt die Höhe der Wand, die der Nachbargrenze zugewandt ist.

    Ergänzend sei noch gesagt, dass das natürliche Gelände auf dem Baugrundstück maßgebend ist. Sonst hat Escroda alles richtig gesagt.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • mal ein interessanter Nebenaspekt:

    Wie definiert sich "natürliches Gelände"?

    Ist das natürliche Gelände auch das Gelände, welches z.B. durch nachträgliche Aufschüttung vor Jahrzehnten modelliert wurde?

    Vereinfacht gesagt: der Status-quo vor der Baumaßnahme oder in noch engem zeitlichen Zusammenhang mit der Baumaßnahme?

    Also das Gelände, "an das man sich ausreichend lange gewöhnen konnte"?


    oder ist natürliches Gelände wirklich nur das Gelände, welches ohne Kultureinfluss über Jahrmillionen durch Plattentektonik, Witterungseinflüsse und Erosion entstanden ist?

  • Gute Frage. Wir gehen beim natürlichen Gelände von dem Gelände aus, das nicht erst vor kurzem aufgeschüttet oder abgegraben wurde. Also im Prinzip was Du hier schreibst:

    Gelände, welches z.B. durch nachträgliche Aufschüttung vor Jahrzehnten modelliert wurde?

    Vereinfacht gesagt: der Status-quo vor der Baumaßnahme oder in noch engem zeitlichen Zusammenhang mit der Baumaßnahme?

    Also das Gelände, "an das man sich ausreichend lange gewöhnen konnte"?

    Meistens ist es das Gelände, das vor Beginn der Baumaßnahme vorgefunden wird.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Erstmal Danke für die Antwort. Das ist mal gar nicht so schlecht, und dass die rote Variante nicht zulässig ist war mir schon ziemlich klar.

    Nur war ich dann unsicher, ob nicht evtl. auch die anderen Wände zählen. Aber das wurde ja klargestellt, Danke Escroda und Rose24 .



    mal ein interessanter Nebenaspekt:

    Wie definiert sich "natürliches Gelände"?

    Das habe ich im Vorfeld schon etwas recherchiert, und dazu gibt es auch Rechtssprechung. In der Regel geht man davon aus, dass das natürliche Gelände vorliegt, wenn es 30 Jahre nicht verändert wurde. In Einzelfällen kann es aber auch früher oder später oder gar nicht sein.

    Und wie genau dann das natürliche Gelände bestimmt wird, ist voll vom Einzelfall abhängig.

  • Das habe ich im Vorfeld schon etwas recherchiert, und dazu gibt es auch Rechtssprechung. In der Regel geht man davon aus, dass das natürliche Gelände vorliegt, wenn es 30 Jahre nicht verändert wurde.

    Das interessiert mich... Du hast nicht zufällig einen Link dazu, oder?

  • Meistens ist es das Gelände, das vor Beginn der Baumaßnahme vorgefunden wird.

    Nur so ist es ja auch praktikabel, wenn auch nicht rechtssicher. Wenn ich nach der topographischen Geländeaufnahme den Lageplan erstelle, recherchiere ich ja nicht im Stadtarchiv, bei Kollegen oder sonstigen Behörden, ob es noch ältere Geländeaufnahmen vom Baugrundstück gibt. Bei Neubaugebieten schlagen sich frühere Geländeaufnahemn oft im Bebauungsplan als Einzelhöhen oder Höhenlinien nieder. Da prüfe ich grob auf Plausibilität, aber in der Regel basieren meine Abstandsflächenberechnungen auf meinen gemessenen Höhen.

    Sollte sich dadurch irgendjemand in seinen Rechten verletzt fühlen und nachweisen können, dass das Gelände vor x-Jahren mal anders aussah, hätte ich - und damit der Bauherr - Pech gehabt. Ist mir aber noch nie passiert und ich kenne keinen Kollegen, bei dem soetwas mal vorgekommen wäre.

    Das Urteil mit den 30 Jahren kommt mir bekannt vor, finde ich aber nicht mehr. Einen Verweis darauf oder auf andere Urteile fände ich toll.