KS mit (welchem) WDVS – Aspekte Schallverhalten, Haltbarkeit, Anfälligkeit, Kosten

  • Hallo zusammen,


    wir planen den Bau eines EFH und stehen aktuell in Gesprächen mit der Hausbaufirma und Planern. Hier kurz die Eckdaten:


    - 2 geschossige Stadtvilla (ca. 10 x 10 Meter)
    - Be- und Entlüftungsanlage mit Wäremrückgewinnung
    - Zeltdach mit 25° Neigung und umlaufend 80 cm. Dachüberstand
    - es soll KfW 55 Standard erreicht werden
    - Heizung = Nahwärme (Pellet-Heizkraftwerk im Neubaugebiet)
    - Fenster – 6-Kammer-Fenster (Profiltiefe 86 mm) – U-Wert der Fenster maximal 0,6 / U-Wert des Rahmens maximal 1,0


    Mauerwerksaufbau
    - KS in 17,5 oder 20 cm. KS mit Rohdichte1,8 (zu welchen Konditionen 2,0 möglich ist, wird noch geklärt)
    - 20 cm WDVS (EPS20 in einer ELG 035 inkl. Armierung)
    - Armierungsputz und strukturiertem weißen Silikonharzputz


    Nun kam gestern erstmal das Thema WDVS auf. Im Standard wird EPS verwendet. Beim Planungsgespräch wurde vorgeschlagen auf Mineralwolle umzusteigen. Aufgrund des Zeitrahmens konnten wir das Thema aber nicht weiter vertiefen.


    Daher habe ich mich heute mal im Forum weiter informiert und dabei festgestellt, dass das Thema sehr Facettenreich diskutiert wird. Hier mal die wesentlichen Baustoffe (mit Vor- und Nachteilen) , die ich aus anderen Beiträge zusammengefasst habe.


    EPS oder Neopor
    + günstig
    + gute Dämmwirkung
    - relativ diffusionsdicht
    - kaum schalldämmend
    - Brandverhalten problematisch (giftige Gase)


    Mineralwolle
    + gute Dämmwirkung
    + diffusionsoffen(er)
    + gute Schalldämmung
    - Preis
    - feuchtigkeitsempfindlich(er), d.h. Dämmwirkung lässt massiv nach


    Ein weiterer Punkt (der wohl bei EPS zutrifft) ist das durch Steifigkeit der Dämmplatten die Schalldämmwerte negativ beeinflusst werden. Daher werden prinzipiell elastifizierte EPS-Platten empfohlen.


    Unabhängig von dem verwendeten Dämmstoff tritt im Bereich der Resonanzfrequenz eine Verschlechterung der Schalldämmung ein. Diese Verschlechterung zeigt sich insbesondere im unteren Frequenzbereich bei ca. 100Hz-200Hz.


    Vor diesem Hintergrund stehe ich nun vor der Frage, welches WDVS ich wählen soll. Zur Auswahl stehen wohl EPS, Neopor oder Mineralwolle. Zu welchem WDVS-System würdet ihr mir raten? Für mich sind folgende Punkte dabei wichtig:


    - Haltbarkeit (Lebensdauer)
    - Anfälligkeit (gegenüber Algen / Specht / Beschädigungen aufgrund von Fremdeinwirkungen)
    - Schallverhalten
    - Kosten


    Im Voraus vielen Dank für euer Feedback.
    Grüße und einen schönen Tag wünscht euch
    Frank

  • Deine Pro und Kontras sind schon korrekt. Es ist richtig, dass dieses Thema oft sehr heiss und mit viel Emotionen diskutiert wird.


    Kurz ein paar Antworten zu Deinen Fragen bzw. Stichpunkten.


    Das Thema Diffusion würde ich nicht überbewerten. Für Wasserdampf sind beide Konstruktionen diffusionsoffen, wenn auch die MiWo hier einen kleinen Vorteil hat. Ob nun ein µ von 10 oder 20 oder 40, das spielt bei dieser Anwendung keine entscheidende Rolle.


    Schalldämmung ist schwierig zu bewerten. Pauschal kann man nicht sagen, dass EPS hier schlechter ist als MiWo. Man muss sich schon den kompletten Frequenzbereich anschauen, und dabei vor allen Dingen auf die Frequenzen achten, die für Dich von Interesse sind. Es gibt Frequenzen da erzielt auch eine WDVS mit Neop... eine Verbesserung der gesamten Schalldämmung. Durch den mehrlagigen Aufbau ergibt sich jedoch ein anderes Verhalten als bei einem monolithischen Aufbau. Das mit der Resonanz hast Du ja bereits erkannt, jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob diese Frequenzen für Dich von Interesse sind.
    Mit welcher Art "Lärm" ist zu rechnen?


    Richtig ist auch das Thema Brandverhalten. EPS ist zwar kein Brandbeschleuniger, aber bei der Verbrennung von EPS enstehen Stoffe die nicht unbedingt gesund sind. Betrachtet man die Menge dann relativiert sich das wieder, denn EPS besteht ja größtenteils aus Luft.
    Was die giftigen Stoffe betrifft, das gilt auch für andere Bauteile an einem Haus. Wenn ein Kunststofffenster brennt sind die entstehenden Gase auch nicht gesund. ;)


    Zur Lebensdauer, da dürfte es keinen großen Unterschied geben. EPS gibt es seit vielen Jahrzehnten, MiWo auch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das EPS genau so lange lebt wie das Haus. Ich kenne zwar nur WDVS die gut 40 Jahre alt sind, aber das liegt wohl eher daran, dass ich nicht täglich zu diesem Thema unterwegs bin. WDVS aus EPS gibt es schon länger als 40 Jahre. Da müsste man einmal einen Architekten fragen der viel mit Sanierungungen zu tun hat.


    Verschmutzung durch Algen o.ä. ist primär auf die Wärmedämmung zurückzuführen, hat als mit dem Dämmmaterial nichts zu tun. Hier kann man durch eine dickere Putzschicht ein wenig entgegen wirken, zudem natürlich durch den Putz selbst bzw. dessen Anstrich. Wichtig ist auch die Umgebung in der das Haus steht. Benachbarte Bäume sorgen beispielsweise für eine Verschmutzung einer Fassade, egal ob mit oder ohne WDVS.


    Von der Kostenseite spricht einiges für EPS/Neop. Das wirst Du feststellen wenn Du mal konkrete Angebote vorliegen hast.


    Ich für meinen Teil würde Neop. einsetzen, zu einfachem EPS gibt es kaum einen Preisunterschied und das WDVS ist normalerweise deutlich günstiger als die MiWo Variante. Sollte man sich mit EPS/Neop. nicht anfreunden können, dann muss man halt ein paar Euro mehr auf den Tisch blättern.

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  • Hallo R.B.,


    vielen Dank für dein umfangreiches (und gezielt auf meine Fragestellungen eingehendes) Feedback. Das ist echt sehr nett von dir, dass du dir die Zeit genommen hast.


    Zu den einzelnen Punkt kurz folgendes Feedback.


    Das Thema Diffusion (und den vermeintlichen Vorteil von [definition=10,0]Miwo[/definition] gegenüber [definition=29,0]EPS[/definition]) kann ich also abhacken. Da der Unterschied nicht so groß ist, spielt dieser Punkt für die Entscheidungsfindung keine Rolle.


    Das Thema Schallverhalten wäre dann schon eher etwas, was für mich ausschlaggebender ist. Wenn ich richtig verstehe, führt ein WDVS (egal ob [definition=10,0]Miwo[/definition] oder [definition=29,0]EPS[/definition]) in den unteren Frequenzbereichen (bis ca. 250 Hz) zu einer Verschlechterung der Schalldämmeigenschaften des Außenmauerwerks (bei mir 17,5 oder 20 cm. KS mit Rohdichte 2,0).


    Über 250 Hz kann (insbesondere bei elastifizierenden WDVS-Platten) durchaus eine Verbesserung der Schalldämm-Eigenschaften erreicht werden. Hierzu habe ich mal eine Frequenzabhängige-Verlaufskurve in der Anlage hinzugefügt. Den vollständigen Bericht hierzu gibt es unter folgenden Link - Einfluss von WDVS auf Schallschutz


    In meinem Fall spielt Schalldämmung auf den ersten Blick keine Rolle. Unser Haus wird in einem verkehrsberuhigten Bereich in unmittelbarer Seenähe gebaut. Die nächste stärker befahrene Straße (Tempo 50 Zone einer kleineren Gemeinde – kein Durchgangsverkehr) liegt ca. 700 Meter entfernt. Die Autobahn liegt Luftlinie ca. 2,5 Kilometer von unserem Haus. Im Winter ist das Rauschen deutlicher zu hören als im Sommer – aber von „Lärm“ kann keine Rede sein.


    Auf den zweiten Blick wird (wenn der BER mal an den Start geht) tatsächlich „Lärm“ in Form von Flugbewegungen auftreten. Eine Flugroute (Details siehe Grafik) führt in der Nähe unseres Wohngebietes vorbei. Und zwar in einem Abstand von ca. 2,5 Kilometer. Die startenden Flugzeuge haben dann eine Flughöhe von ca. 1.800 Metern erreicht und verursachen ein maximalen Schallpegel (bei direktem Überflug) von ca. 65 dB – ich gehe mal davon aus, dass der Schall (auf dem Weg zu unserem Haus) noch mal ein paar dB verliert und dort eher in Form von tieferen Frequenzen eintrifft.


    Gerade bei tieffrequenten Lärm bin ich etwas sensibler – ich merke dass immer, wenn wir bei meinen Eltern übernachte. Im Gästezimmer höre ich immer das tiefe Brummen der Autobahn (in diesem Fall ca. 1,8 Kilometer Entfernung) – meine Frau hingegen hört nix und sagt.


    Ähnliches kann ich auch bei meinen Schwiegereltern feststellen. Die wohnen in einem Mehrfamilienhaus. Das Außenmauerwerk ist in KS (24 cm.) mit [definition=29,0]EPS[/definition] (keine elastizierenden Platten) errichtet worden. Unter normalen Bedienungen hört man fast nichts von draußen. Spielende Kinder, Unterhaltungen oder sonstiges werden super durch das Mauerwerk absorbiert. Wenn allerdings der Nachbar seinen Motor-Rasenmäher anschmeißt, passiert es, dass auch dort dieses tieffrequente Brummen (welches von meiner Frau nicht wahrgenommen wird) auftritt. Es ist nicht das Motoren-Geräusch des Rasenmähers (welches sehr gut vom Mauerwerk absorbiert wird), sondern etwas anderes. Ich vermute, dass dort dieses Phänomen auftritt, dass die Platten zum schwingen angeregt werden und dieses wiederum an das Mauerwerk weitergegeben wird.


    Von daher wäre die Frage, wie sich hier die unterschiedlichen WDVS verhalten. Gibt es (für die tieferen Frequenzen) klare Vorteile bei den unterschiedlichen Baustoffen?


    Viele Grüße und bis bald
    Frank

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    Auf den zweiten Blick wird (wenn der BER mal an den Start geht) tatsächlich „Lärm“ in Form von Flugbewegungen auftreten. Eine Flugroute (Details siehe Grafik) führt in der Nähe unseres Wohngebietes vorbei. Und zwar in einem Abstand von ca. 2,5 Kilometer. Die startenden Flugzeuge haben dann eine Flughöhe von ca. 1.800 Metern erreicht und verursachen ein maximalen Schallpegel (bei direktem Überflug) von ca. 65 dB – ich gehe mal davon aus, dass der Schall (auf dem Weg zu unserem Haus) noch mal ein paar dB verliert und dort eher in Form von tieferen Frequenzen eintrifft.


    Gerade bei tieffrequenten Lärm bin ich etwas sensibler – ich merke dass immer, wenn wir bei meinen Eltern übernachte. Im Gästezimmer höre ich immer das tiefe Brummen der Autobahn (in diesem Fall ca. 1,8 Kilometer Entfernung) – meine Frau hingegen hört nix und sagt.


    Ähnliches kann ich auch bei meinen Schwiegereltern feststellen. Die wohnen in einem Mehrfamilienhaus. ...................

    Jetzt wird´s kompliziert.


    Flüglärm überstricht ein breites Spektrum, der Schallpegel, bzw. dessen Frequenzverlauf, ist ja stark davon abhängig, wie sich die Schallquelle bewegt. Das kann sich von niederfrequentem Brummen bis hin zu zu einem hochfrequenten Pfeifen bewegen. Aufgrund der Entfernung kommt noch hinzu, dass die Luft die verschiedenen Frequenzen unterschiedlich bedämpft. Höherfrequente Anteil werden abhängig von Lufttemperatur und -feuchtigkeit stärker gedämpft als niederfrequente Schallwellen.


    Damit aber noch nicht genug. Aufgrund der Position der Schallquelle zum Haus treffen die Schallwellen nicht direkt auf die Fassade auf sondern in einem sich verändernden Winkel. Je nach Oberfläche wird ein nicht unerheblicher Anteil reflektiert.


    Was mir bei so einer Konstellation mehr Sorgen bereiten würde als der Wandaufbau, das wären die Fenster, die je nach Fläche im tieffrequenten Bereich nur eine sehr geringe Schalldämmung aufweisen, und vor allen Dingen der Dachaufbau. Es ist niemandem gedient wenn die Wände im EG eine Schalldämmung von 50dB(A) aufweisen, aber die Schlafzimmer unter´m Dach kriegen durch den Dachaufbau die volle Dröhnung ab.
    Der typische EFH Dachaufbau, also Eindeckung, darunter Zwischensparrendämmung und dann raumseits Beplankung, hat dem Schall so gut wie nichts entgegenzusetzen.


    Es stellt sich also die Frage, ob die Anforderungen ein Schallschutzkonzept erfordern. Dann muss man aber alle Bauteile berücksichtigen. Es lohnt nicht sich darüber Gedanken zu machen, wie man ein 1mm Loch im Boden eines Eimer stopft, während daneben noch ein Loch mit 10cm Durchmesser ist.

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  • Wobei eine Zwischensparrendämmung mit [definition=10,0]Miwo[/definition] immer noch deutlich bessert ist, als eine Aufsparrendämmung mit [definition=8,0]PUR[/definition].
    Bei einem Bekannten kann man jedes auf der Straße gesprochen Wort mithören, das lässt meine 20 cm [definition=10,0]Miwo[/definition] vollkommen kalt.

    Grüsse Peter

  • Aufsparrendämmung mit [definition=8,0]PUR[/definition] ist hinsichtlich Schalldämmung ein Thema für sich. ;)

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  • Hallo,

    ich habe mit einem "Bausatz" aus Neopor gebaut. Der Unterschied von EPS zu Neopor ist, dass im Neopor Graphit enthalten ist und dadurch die Dämmwerte besser sind. Ich habe 45er-Elemente (5 cm Innendämmung, 15 cm Betonkern & 25 cm Dämmung außen). Ich bin sehr zufrieden. Und habe auch keine Probleme mit irgendwelchen Geräuschen von Außen. Der Rohbau war in 1 Woche fertig, das Haus war Schlüsselfertig in 5 Wochen. Und das zu einem guten Preis. Es ist ein Passivhaus Plus (bzw. ein Bungalow). Mit PV-Anlage und Solar-Warmwasser sowie Lüftung. 170 qm incl. Grundstück für € 200.000 (allerdings ohne Keller, denn den brauche ich nicht). Den Aufbau der Elemente habe ich selbst gemacht (Anleitung bekommt man mitgeliefert) und die Elektrik (nur vom Meister abnehmen lassen). Ich bin super zufrieden und ich benötige zukünftig kein Gas oder Öl mehr und verkaufe sogar noch Strom.

  • Es ist ein Passivhaus Plus (bzw. ein Bungalow). Mit PV-Anlage und Solar-Warmwasser sowie Lüftung. 170 qm incl. Grundstück für € 200.000 (allerdings ohne Keller, denn den brauche ich nicht).

    Märchenhaft. :yeah: Bau mir bitte auch eins incl. Grundstück. Aber mit Keller.

  • Dann schreib mich (persönlich) an, ich sage Dir wie. Grundstück liegt bei mir in der Eifel und kostete € 25.000. So ein Grundstück wirst Du woanders halt eher nicht (mehr) bekommen

  • Eher Märchen.

    Glaube ich auch...oder schön gerechnet.


    Nun, ein Grundstück für EUR 25.000 gibt es bei uns hier sicherlich auch. Es hätte dann aber leider nur um 35 m²....:rb:


    Das mag in der Eifel günstiger sein.


    Viel günstiger.


    Bleiben EUR 175.000 für ein 175 m² Haus.


    Das wären dann ca. 215 m² BGF. 215 x 1.500 = 322.500. Plus Planung, Anschluss usw. usf.


    Das mag mit Eigenleistung und Schaumstofflegosteinen günstiger gehen, aber sicherlich nicht zum knapp halben Preis.


    Der baulich Interessierte wäre sicher neugierig auf das Sockeldetail (Thema Abdichtung).