Fotorätsel - Was fällt Euch zu diesem Foto ein....?

  • Hallo zusammen,


    ich betreibe als Hobby Ahnenforschung. In einem anderen Forum wo ich mich so rumtreibe wurde unten angehangtes Foto eingestellt. Mit der Frage ob jemand eine Idee hat, um was für ein Gebäude es sich handeln könnte und wo es denn stehen könnte. Der Poster gab als vermuteten Aufnahmezeitraum 1916-1922 an und als vermutete Regionen Trier, Mainz oder auch Berlin (üblicherweise da dort Lebensschwerpunkte seiner Familie lagen).


    Ideen die bereits geäußert wurden waren:


    - Leichenhalle + Aufnahme nach Leichenfeier - Befahrbarkeit der Betonplatte vor den Türen durch Erdanhebung davor sowie große Türen.

    - Grundsätzlich irgend eine Art Kirchenanbau aufgrund der Symbole auf den Türen

    - Weinbergartiger Hügel im Hintergrund

    - Wandergesellschaft

    - südlandisches Aussehen einiger abgebildeter Personen

    - Bauhausstil, Markante Lampenform, Schieferdachdeckung

    - Festhalle einer Dorfkneipe

    usw. usw...


    Der Originalthread mit den inzw > 50 Beiträgen ist hier zu finden:


    showthread.php?t=170856


    Vielleicht habt Ihr ja auch ein paar Ideen zu dem Foto wann und wo es entstanden sein könnte? :D

  • Das Foto muss noch in der Kaiserzeit gemacht worden sein, denn die Jungs tragen alle Matrosenkleidung und die war in der Kaiserzeit in, weil der Kaiser ja so ein Marine-Fan war. Wegen des Krieges dürfte man diese Klamotten wohl nicht mehr getragen haben, weil es die Mütter zu sehr an Verluste erinnert haben dürfte. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. In den 20ern dürften diese Klamotten wieder voll out gewesen sein. Es muss also vor dem 1.WK gemacht worden sein. Am Gebäude sieht man zu wenig um zu erkennen wo es aufgenommen wurde.

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  • Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. In den 20ern dürften diese Klamotten wieder voll out gewesen sein.

    Da muss ich Dir widersprechen.

    Nach dem 1. Weltkrieg waren die Menschen keineswegs geläutert und plötzlich Pazifisten.

    In unserem Familienalbum ist ein Bild auf dem meine Mutter (geb.1920) als 6- Jährige zusammen mit ihrem 4 Jahre älteren Bruder abgebildet ist.

    Er in Matrosenuniform.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Wenn man bedenkt, dass Kleidung damals kein Wegwerfprodukt war wie heutzutage, und gerade die "schönen Sonntagsklamotten" sehr lange halten mussten, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass den Menschen egal war ob Kaiser oder nicht, Hauptsache Kleidung.


    Gerade nach den Kriegen hat wohl niemand danach gefragt, ob die Kleider "in" sind, schon gar nicht bei Kindern. Da wurde das angezogen was verfügbar war, auch wenn es die Matrosenuniform des großen Bruders war.


    Man kann das Bild anhand der Kleidung also nur ganz grob einordnen. Auffällig ist hier auch die Kleidung der dritten Person von links. Der hoch geschlossene Kragen könnte für einen Geistlichen sprechen, ich hätte dann aber für ein offizielles Bild eher einen Talar erwartet.


    Eine weitere Überlegung war die auffällige Befestigung der Dachrinne und Fallrohr, die ich in der Form eher "modern" einschätze. Da bin ich mir aber nicht sicher, so alt bin ich nun auch noch nicht.

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  • Die Bartmode wirkt auf mich etwas wilhelminisch. Bin aber kein Bartexperte ;)


    Die Türen würde ich eher einem kirchlichen Bau zuordnen. Letztendlich ist halt wenig "Hintergrund" zu sehen, an dem man evtl. die Örtlichkeit festmachen könnte. Gut möglich, dass es das Gebäude auch gar nicht mehr gibt, bedenkt man dass mind. 1 Krieg zwischen der Aufnahme und heute liegt. Oder 2 Kriege...

  • Da muss ich Dir widersprechen.

    Nach dem 1. Weltkrieg waren die Menschen keineswegs geläutert und plötzlich Pazifisten.

    In unserem Familienalbum ist ein Bild auf dem meine Mutter (geb.1920) als 6- Jährige zusammen mit ihrem 4 Jahre älteren Bruder abgebildet ist.

    Er in Matrosenuniform.

    Zustimmung.

    Kaisertreue haben auch nach der Abdankung Matrosenanzüge für ihre Kinder gekauft. Im jüdischen Warenhaus, weil da Qualität und Preis stimmten. Das weiß ich aus meiner eigenen Familiengeschichte. Sie wollten sich damals wohl - bewusst oder unbewusst - von Kommunisten und Sozialisten abgrenzen.

    Mein Vater im Matrosenanzug ist auf dem Weg zur Kirche von Kommunisten mit Steinen beworfen worden, was ihn geprägt hat.

    Später und älter im Gymnasium war dann mit der Zeit eher Trachtenlook angesagt, was am damaligen "Vorbild" gelegen haben mag.

  • Ich bin ja nun nicht gar so stilsicher, aber lassen sich die Ornamente und Außenleuchten nicht irgendwie dem Art Deco zuordnen?

    Dann wäre der Zeitraum um oder nach 1920.




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    M.G.Wetrow

  • Wenn alle Kinder und nicht nur einzelne einen Matrosenanzug haben, dann müssen das alles Kaisertreue sein. Das ist doch eher unwahrscheinlich. Der hohe Kragen war vor dem Krieg auch eine Zeit lang Mode. Wenn man genau hin guckt, haben das die meisten Männer. Für die Zeit nach dem Krieg sprechen die eher legeren Halsausschnitte der Frauen, die vor dem Krieg eher hochgeschlossen waren. Aber kann gegen Ende des Kaiserzeit auch etwas lockerer gehandhabt worden sein. Die Schnautzbarttracht der Männers spricht wieder für die wilhelminische Zeit, da später eher kleinere Schnäutzer Mode waren. Wenn es ein Nachkriegsbild ist, dann müssen das alles Kaisertreue sein, ansonsten würde ich es in die wilhelminische Zeit einordnen.

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  • Was ist das dunkle Rechteck vor der Betonfläche?


    Aussegnungshalle war auch mein erster Gedanke. Die Größe des Gebäudes rechts lässt sich aber nicht einschätzen. Aussegnungshalle direkt an einer Kirche? Wohl eher nicht, auch wenn ich das nicht ausschließen kann.

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  • Die Leute sehen mir einfach nicht traurig genug aus für eine Beerdigung.

    Für ein sonstiges Familienfest fehlt mir aber die Hauptperson in der Mitte mit einem goldenen Kranz auf dem Kopf. Da liegt es schon wieder nahe, die Ursache der Zusammenkunft unbeweglich hinter der Tür zu vermuten.

    Bin ziemlich ratlos.




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    M.G.Wetrow

  • Spazierstock, könnte sich um eine "Wandertruppe" handeln, die sich dort zu einem Gruppenphoto.....

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  • Die Dacheindeckung aus Naturschiefer findet man hier in der Region (Erzgebirge) häufig. Die Aussparungen an den Türen haben vielleicht einen ganz profanen Grund...da sassen vorher dier Türangeln eines nach aussen öffnenden Tores. Nun hat man eine neue Tür nach innen öffnend eingebaut, und die Türangeln abgeschrägt und verputzt?

    Der Hutmode nach (Herren mit Homburger und Strohhut - Kreissäge) könnte das auf Anfang der 1920-Jahre hindeuten. Die später in Mode gekommenen Topfhuete bei den Damen sieht man nicht.

    Was bei der Gruppe auffällt, es sind wenige Kinder und fast keine "alten" Leute zu sehen. Spricht gegen Beerdigung.

    Der Herr ganz rechts sieht mir nach einen "Kraftfahrer" aus, evtl. eine "Busausfahrt" einer Gruppe ? Dazu würde das Outfit der Personen eher passen, als zu Wanderung, Hochzeit, Beerdigung usw.

  • Für eine klassische Familienfeier fehlen Hauptpersonen un d eine ablesbare Hierarchie, für eine Beerdigung den Damen Schleier am Hut.


    Das Gebäude ist ihn seiner Funktion nicht eindeutige erkennbar, erscheint aber irgendwie "besonders" und inszeniert, also weder Wohngebäude, noch Gastronomie noch Stall noch erkennbare andere Funktion. Es ist ein kleinerer Anbau ein größeres Gebäude. Trauerhalle könnte schon sein, Feiertags-ausflug auch, sommerlich jedenfalls. Sonst? ... keine Ahnung!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Spazierstöcke waren vom 19. Jahrhundert bis in die 20er Jahre hinein ein modisches Accessoire und haben mit Wanderung nix zu tun. Siehe Charly Chapplin FIlme, Fotografien aus der Zeit usw. Auch Strohhüte gab es schon gegen Ende der Kaiserzeit. Es gibt einfach vieles, was in Zeitenwenden sowohl davor wie auch danach zutrifft. Gerade in der Provinz ist es schwer abzuschätzen, da man in der Stadt neues eher übernommen hat. Ich glaube, da können wir ewig weiter rätseln. :corn:

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  • Das mit dem Busfahrer klingt wirklich verlockend. Ist auch irgendwie unwahrscheinlich das man mit seinen Sonntagssachen auf Wanderschaft gegangen ist. Aber eine Busausfahrt.... passten den damals schon so viele Leute in einen Bus? Busse wie wir sie heute kennen gab es doch damals noch nicht, oder? Und warum hält man dann an genau diesem Gebäude an und macht ein Foto? Mmmmmh......

  • Und warum hält man dann an genau diesem Gebäude an und macht ein Foto? Mmmmmh......

    Da wurde ich mit der "Wanderung" wohl falsch verstanden. Ich meinte nicht eine hardcore Wanderung in´s Gebirge, so mit Stiefel, Seil und allem drum und dran, sondern man hat doch früher selbst bei Familientreffen gerne einen, ich nenne es jetzt mal Spaziergang, gemacht, bevorzugt zu irgendwelchen Sehenswürdigkeiten o.ä. Das war beim Ausflug mit einem Verein nicht viel anders.


    Vielleicht war die Kirche (oder was auch immer das war) einfach eine Art Ausflugsziel.


    Ich habe ähnliche Familienbilder, wurden halt viel später gemacht, da ist die komplette Familie auf einem Schloßhof abgelichtet, Burgruine, usw. Selbst bei meiner Konfirmation war das Gruppenphoto Pflicht, und das war viel später.

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  • Jo R.B. - ok - aber warum macht man dann vor so einer Leichenhalle ein Foto? Der reguläre Kircheneingang wird es ja nicht sein, oder? :)

    Die Erhöhung vor der Betonplatte lässt ja andeuten, dass diese mit einem Fahrzeug zu befahren sein sollte.

    Und - warum liegt da rechts eine Leiter auf dem Boden? Damit man direkt die Dachschindeln tauschen kann? :D

  • Von einer Familie würde ich auf dem Foto nicht ausgehen also eher keine Familienfeier, Beerdigung usw.. Auffällig sind die wenigen Frauen und Kinder dafür viele Männer. Spricht vielleicht gegen die Zeit 1914 - 1918 und darüber hinaus? Andererseits scheint sich das Paar vor dem rechten Türflügel (Frau in weißer Bluse) ein klein wenig vom Rest abzuheben.


    Ich würde trotzdem eher auf einen Ausflug, Veranstaltung eines Vereins tippen, entweder ein gemischter Verein oder einige Mitglieder hatten ihre Frauen und Kinder mit. Von einem kirchlichen Gebäude würde ich nicht ausgehen, eher von einer Gaststätte rechts und links ein Neben- und Lieferanteneingang, dafür auch die Zufahrt und die Beleuchtung. Andererseits für einen Nebeneingang schon ziemlich auffällig (vor allem die Spiralen könnten eine besondere Bedeutung haben).


    Vielleicht kann noch jemand deuten warum vor dem Nebengebäude eine Leiter einfach so herum liegt? Normalerweise würde die doch irgendwo hängen oder stehen, es sei denn sie gehört zur Gruppe oder wurde gerade gebraucht.

  • Mein Senf:


    Rechts davon muss ein größeres (länger und / oder höher) Hauptgebäude sein. da das Regenfallrohr deutlich größer Dimensioniert ist.

    als vergleich zum Vorbau/Anbau ganz links ein deutlich kleineres ist.

    Schiefer wurde auch erkannt.

    Hügellandschaft auch, aber das sit kein Weinberg, dazu passt die Ausrichtung nicht im Hintergrund. Wenn dann Weinberge hinter dem Fotografen.

    Erkennt man sehr gut am Schattenwurf der Abgelichteten. Die Sonne steht relativ hoch. Das würde bedeuten das Foto wurde in Richtung Südsüdost bis südsüdwest gemacht. je nach Jahreszeit.

    Als Nebengebäude spricht eigentlich die große Türe. Sie ist aus meiner sicht eher der Heupteingang zu dem Gebäude über den (ich nenne es mal Windfang).

    Selten braucht ein Nebengebäude solch eine große Prunkvolle Türe samt Beleuchtung.


    Mein Gefühl für eine Beerdigung ist noch vorhanden. Zu viel Weiß im Bild. Eher doch schwarz für Trauer angesetzt wird.

    Das Ehepaar in der Mitte scheint maßgeblich zu sein. Ich weiß allerdings nicht, seit wann es tradition ist, die Braut in weiß zu stecken....

    möglich, das es auch einfach nur eine Reguläre festliche Veranstaltung ist ohne direkten kirchlichen Bezug.

    :thumpsdown:

  • Vor einer Leichenhalle zu fotografieren schließe ich aus, so abergläubisch wie die Menschen damals waren.

    Ich weiß allerdings nicht, seit wann es tradition ist, die Braut in weiß zu stecken....

    Königin Victoria hat ihren Albert 1840 schon in Weiß geheiratet. Meine Oma vom Land dagegen war als Braut 1913 noch in Schwarz.

  • Im Süden wurden Hochzeiten oft in Tracht abgehalten, oder zumindest in diese Richtung. Eine Hochzeit im Süden konnte es also kaum gewesen sein. Eine Busfahrt war es sicherlich auch nicht, weil es Busse in dieser Zeit nicht gab, zumindest keine Ausflugsbusse. Man fuhr mit der Eisenbahn und ging dann zu Fuß wohin man wollte. Es gab damals auch ein viel dichteres Eisenbahnnetz als heute. Ich würde mich auch nicht all zu sehr daran festmachen wollen, dass ein Typ aussieht wie ein Fahrer. Kapitänsmützen waren durchaus ein beliebtes Accessoire. Denkt nur an unseren qualmenden Helmut. Es war ein Fotograf vor Ort, also muss es eine organisierte Veranstaltung gewesen sein, was auch immer es war, denn das Fotografieren war damals keine einfache Sache. Man hat das Zeug nicht einfach so für einen Spaziergang mitgeschleppt. Also war es eine Festivität, wo man sich danach irgend wo für ein Gruppenfoto aufgestellt hat. Das im Hintergrund muss nicht zwangsläufig etwas sakrales sein. Es kann auch ein Rathaus oder eine Wirtschaft auf dem Lande sein, oder sonst was. Die Leiter rechts deutet darauf hin, dass man sich zufällig dort hin gestellt hat, weil Platz da war und genug Licht zum fotografieren, also die Sonne von Süden kam. War die Festivität dort, hätte man vorher aufgeräumt. Die Festivität fand wohl gegenüber statt.


    Es war damals durchaus üblich den Eingangsbereich zu befestigen, weil die Straßen zum Großteil noch gar nicht befestigt waren. Erst durch den verstärkten Autoverkehr hat man begonnen Straßen zu befestigen. Nur in Städten wurden Straßen gepflastert. Außerorts nicht mehr und in Dörfern auch kaum, außer vielleicht der Dorfplatz. Das sieht man auf dem Bild auch ganz schön deutlich.


    Dass weit mehr Männer anwesend sind als Frauen, deutet für mich darauf hin, dass es nichts familiäres ist. Entweder ein Verein, wo der Vorstand seine Meschpoke mitgebracht hat, oder ein Firmenfest, wo die Firmeninhaber ihre Familie dabei hatten, oder ein Amt oder... oder....... Aber wohl kein Familienfest. 1916 scheidet aus, weil die Männer in dem Bild wären fast alle beim Militär gewesen. Die Männer sind auch sehr unterschiedlich. Manche sind gut angezogen, andere eher lässiger oder ärmlicher.

    Ich bleibe dabei, es muss vor dem Krieg gewesen sein.

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