Mindestdurchmesser für Abwasserrohr

  • Hallo,


    es sollen neue Abwasserrohre verlegt werden. Die Firma bietet mir Rohre mit 10 cm Durchmesser an (ohne nach der Personenzahl zu fragen).

    Wir haben ein 2-Familienhaus. Unten wohnt meine Mutter, oben wir beide. Wir haben im Haus 3 WCs, 2 Badewannen, 1 Waschmaschine.


    Reicht der Durchmesser? Jetzt hatten wir Steinzeugrohre mit 15 cm.


    bis bald

  • Die Dimensionen richten sich nach den jeweils angeschlossen Abläufen. Im EFH btaucht es selten mehr als DN 100.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • es sollen neue Abwasserrohre verlegt werden.

    Könntest Du das etwas genauer spezifizieren? Im Haus oder außerhalb des Gebäudes? Anschluss-, Fall-, Sammel-, Grundleitungen?

    Es gibt hier etwa ein Dutzend Normen die man, je nach Anwendungsfall, berücksichtigen muss.


    Bei einer Grundleitung wird man min. DN100 ansetzen, da geringere Nennweiten nur unter Umständen zulässig sind. Dafür bräuchte es dann eine genaue hydraulische Berechnung.

    Größere Nennweiten ergeben bei 1 oder 2 Familien meist keinen Sinn.


    Achtung. Größere Nennweite ergibt nicht automatisch eine zuverlässigere Installation, das wäre ein Denkfehler. Ist die Nennweite zu groß gewählt, dann reicht das Wasser nicht um die Feststoffe bis zum Kanal zu transportieren, die Leitung "wächst langsam zu". Man erreicht also das Gegenteil von dem was man wünscht. (Stichwort Füllungsgrad, Mindest-Fließgeschwindigkeit usw.)


    Siehe auch EN752, EN1610, EN12056 Teile 1-5, DIN1986-100 um nur mal 4 Normen zu nennen.


    Ob DN100 in Deinem Fall die richtige Wahl ist, das steht noch in den Sternen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Firma mit dieser Vermutung richtig liegt, aber es bleibt halt eine Vermutung.

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  • R.B. und Skeptiker danke.


    Es geht um eine Grundleitung außen (führt zum Abwasserrohr des Entwässerungsbetriebs) mit Übergabeschacht vor der Grundstücksgrenze.

    Danke für den Hinweis mit Leitung "wächst langsam zu". Ich hätte sonst auch eher auf 15 cm Durchmesser tendiert (Je größer je besser!).


    Will der Firma jedoch PP-Rohre vorschlagen. Was meint Ihr?

  • Ja das ist nun doch etwas Fehlerhaft bedacht.

    Der TE weis nicht welche Dimension für Ihn die Richtige wäre, möchte aber ein Materialtyp vorgeben.


    Da stimmt doch etwas nicht. :( :pfusch:

    :thumpsdown:

  • Danke für den Hinweis mit Leitung "wächst langsam zu". Ich hätte sonst auch eher auf 15 cm Durchmesser tendiert (Je größer je besser!).

    Eine typische Grundleitung DN110 kann bei 1% Gefälle ca. 5,5l/s ab, das sind 330 Liter pro Minute. Ein WC mit Spülkasten hat 2 oder 2,5l/s, die Dinger werden ja mit immer weniger Wasser betrieben.

    Für Wohnhäuser wird mit K=0,5 gerechnet, also eher unregelmäßige Nutzung, ihr habt ja keine öffentliche Toilette wo Gäste Schlange stehen.


    Im privaten Bereich ist es also gar nicht so einfach, so eine Leitung an ihre Grenzen zu bringen.

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  • Rechnerisch kann man knapp über 60 WCs an so einer Leitung anschließen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. ;)

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • 2,5 l/s WC mit 9 Liter Spülkasten.

    2,0l/s WC mit 6 Liter Spülkasten.


    Mehr braucht es heutzutage mit Sicherheit nicht.

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  • Ja das ist nun doch etwas Fehlerhaft bedacht.

    Der TE weis nicht welche Dimension für Ihn die Richtige wäre, möchte aber ein Materialtyp vorgeben.


    Da stimmt doch etwas nicht. :( :pfusch:

    Ich bevorzuge auch immer KG 2000, einfach weil ich grün lieber mag als orange :lach:

  • Rechnen wir mal. Der Nenndurchmesser rechnet sich aus der Summe der einzelnen DUs, die Wurzel daraus, mal der Abflusskennzahl. Also, wenn es sagen wir mal 32 WC sind mit 6 l Spülkasten, also DU 2, K von 0,5 für Wohnhaus, dann komme ich auf einen Qww von 4,0. Dann mal Tabelle angucken, das reicht für DN100. Ja stimmt, sind 32 und keine 60, wenn es Abzweige mit Innenkante hat, aber knapp unter 60 WCs, wenn Abzweige gerundete Innenradien hat. Hatte ich also noch falsch in Erinnerung. :)

    Naja, für das Haus des TO reicht seine Leitung alle mal.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Rechnen wir mal.

    Könnte es sein, dass Du den Füllungsgrad unterschlagen hast?

    Keine Ahnung wie Du auf Qww von 4,0. kommst.


    Korrektur. Nach einer weiteren Tasse Kaffee habe ich "meinen Rechenfehler" gefunden.


    Es lohnt aber nicht über ein Szenario mit xx WC nachzudenken. Sinnvoller wäre es über die Rahmenbedingungen beim TE nachzudenken, und da kann man bisher nur sagen, dass DN100 (110) mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr als ausreichend ist.

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  • Sinnvoller wäre es über die Rahmenbedingungen beim TE nachzudenken,

    Deswegen habe ich einmal ein Beispiel gerechnet.


    OG Bad Waschbecken (0,5l/s) + Dusche (0,6l/s) + Wanne (0,8l/s) + WC 9l (2,5l/s)

    OG Küche Spülbecken (0,8l/s) + Spülmaschine (0,8l/s)

    OG gesamt = 6l/s

    EG Bad Waschbecken (0,5l/s) + Dusche (0,6l/s) + Wanne (0,8l/s) + WC 9l (2,5l/s)

    EG Küche Spülbecken (0,8l/s) + Spülmaschine (0,8l/s)

    EG gesamt = 6l/s

    Sonstige Wama (1,5l/s) + WC (2,5l/s)

    Sonstige gesamt = 4l/s


    Macht alles zusammen 16l/s.

    K = 0,5

    Somit kommen wir auf Qww = 2l/s.


    Da der max. Abfluss (größter Einzelanschlusswert) 2,5l/s beträgt, wird man diesen ansetzen.


    Mit DN100(110) liegt man im grünen Bereich, egal ob Füllungsgrad 0,5 oder 0,7, und Mindestfließgeschwindigkeit sowie Mindestgefälle werden auch eingehalten. Man kann also auf "Standard" zurückgreifen (DN110 und Gefälle 1%).

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  • auch wenn es das Ergebnis natürlich nicht verändert: macht es Sinn, bei einer Wohnung wirklich alle Installationen zusammenzuzählen? Ein 2 personenhaushalt wird ja kaum Spüle, Waschbecken, Dusche, Badewanne und WC gleichzeitig benutzen.

  • Das Nutzerverhalten wird durch den Faktor K berücksichtigt. Quasi eine Art Gleichzeitigkeitsfaktor ähnlich wie bei E-Installationen, und die einzelnen Gegenstände werden ja bei den Einzelanschlussleitungen berücksichtigt.


    Es werden aber nicht nur einfach die einzelnen "DU" summiert, und wie das obige Beispiel zeigt, ist oft ein einzelner Gegenstand, hier das WC, der begrenzende Faktor. Der Rest spielt quasi kaum noch eine Rolle. Ein Waschbecken mehr oder weniger, das hat auf das Ergebnis keinen nennenswerten Einfluss.


    Schaut man in die o.g. Normen, dann wird man feststellen, dass es Spielräume gibt. So kann man auch zu dem Ergebnis kommen, dass DN90 ausreichend wäre, zumal für die Grundleitung außerhalb von Gebäuden (höher Füllungsgrad zulässig).


    Man muss sich dann fragen, welchen Vorteil hätte eine Grundleitung die in DN90 ausgeführt wird? Werden die WC weiter auf Sparsamkeit getrimmt, dann könnte man zu dem Ergebnis kommen, dass selbst DN110 (100) kritisch werden könnte, und DN90 die bessere Wahl ist. Ich denke dabei an die WC die mit 6l oder gar 4 Liter auskommen sollen. Da sind wir dann bei 2l/s oder gar nur 1,8l/s.


    In meinen Augen gibt es nur ein einziges sinnvolles Argument, und das ist die Betriebssicherheit. Alle anderen Argumente die man oft hört, wie Kostenersparnis, spielen in meinen Augen, gerade bei EFH oder kleinen Objekten, keine Rolle. Ob DN90 oder DN110, der Preisvorteil ist in einer Kaffee- oder Zigarettenpause verbraten.


    Ein 2 personenhaushalt wird ja kaum Spüle, Waschbecken, Dusche, Badewanne und WC gleichzeitig benutzen.

    Kann man bei einem Haus oder Wohnung garantieren, dass die Installation auch zukünftig nur von 2 Personen genutzt wird?


    Bei der Planung solcher Anlagen (gilt auch für TW) ist es immer schwierig, wenn man die Personenanzahl heranzieht, denn die kann sich ändern. Deswegen ist es besser auf das Basis der vorhandenen Zapfstellen (bei TW) zu planen.

    Das gilt analog auch für die Entwässerung.

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  • ist es besser auf das Basis der vorhandenen Zapfstellen (bei TW) zu planen.

    Ändern sich die denn nicht?


    Außerdem hängt das eine vom anderen ab.

    Also pauschal gesagt "Wurschd".

    Wieviele eingeplante Änderungen sollen denn in eine Aktuelle Planung eingerechnet werden?

    :thumpsdown:

  • Wieviele eingeplante Änderungen sollen denn in eine Aktuelle Planung eingerechnet werden?

    Nicht Änderungen an der Anzahl der Zapfstellen mit geändertem Nutzerverhalten gleichsetzen.


    Wenn Zapfstellen hinzu kommen, wird ja erneut "geplant", da ansonsten die Ergänzung unter Umständen nicht fachgerecht machbar ist (Mangel). Kommt eine Badewanne hinzu (nur als Beispiel) dann wird der SHKler die wohl kaum an ein 16er Verbundröhrchen anbinden, an dem schon andere Zapfstellen hängen, evtl. auch noch Zapfstellen in anderen Räumen. Er wird also sowohl die Versorgung als auch Entwässerung entsprechend planen, da er ansonsten vielleicht ein mangelhaftes Werk abliefert.


    Sind aber WC, Wanne, Dusche etc. vorhanden, dann kann man nicht sagen, dass diese nur durch 2 Personen genutzt werden, denn es ist gut möglich, dass dort irgendwann Nachwuchs kommt, oder eine Familie mit Kindern in die Wohnung einzieht,


    Anderes Beispiel, ein Haus mit mehreren WE. Da ist es gut möglich, dass nur 1 WE genutzt wird, evtl. auch über einen längeren Zeitraum oder kurz nach dem Bau des Gebäudes. Dann sollen irgendwann WE vermietet werden, und dann muss die Installation ja auch noch funktionieren.

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  • Es lohnt aber nicht über ein Szenario mit xx WC nachzudenken. Sinnvoller wäre es über die Rahmenbedingungen beim TE nachzudenken, und da kann man bisher nur sagen, dass DN100 (110) mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr als ausreichend ist.

    Damit wollte ich doch nur bildlich/beispielhaft klar machen, wie viel Reserve da drin ist und das vorhandene Rohr locker reicht. Aber das wurde ja inzwischen so oft gesagt, dass es nun so langsam klar sein sollte. ;)



    Übrigens, warum soll das bisherige Rohr ausgetauscht werden? Ist das zugewachsen, zugeschmonzt, undicht? Rohrreinigung bringt auch nix?

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...