Baubeschreibung von anderem Haus

  • Ich bin momentan gerade etwas am Verzweifeln, je mehr ich mich hier einlese.
    Wir wollen im Prinzip ein einfaches Einfamilienhaus zum Vermieten bauen, das genau so schon mehrmals gebaut wurde.
    Mit minimalen (?) Abweichungen, wie z.B. einer einfachen Lüftungsanlage (wegen Vermieten, die anderen sind von den Bauherren selbst bezogen worden).
    Von der Immobilienfirma (kleine 1-Mann-Firma, älterer Herr, vieles noch auf der Schreibmaschine getippt) habe ich die Baubeschreibung eines anderen (im großen und ganzen baugleichen) Hauses bekommen mit der Bemerkung, dass das für uns ja genauso gebaut werden würde.
    Es fehlen aber z.B. die genauen Kosten für die Erdarbeiten (wir haben einen Hang, wird also sicher mehr werden), mit der Bemerkung, der Mehraufwand würde halt nach Stunden abgerechnet werden (ca. 100,- € Stunde, mehr als 1 Tag sollte es kaum werden, natürlich nur mündlich so mitgeteilt, genau könne man das vorab nicht sagen). Genauso wie eine schriftliche Aufstellung der Lüftungsanlage (bereits verlangt, noch nicht bekommen).
    Es ist ein schaler Nachgeschmack, ehrlich gesagt.
    Gerade wenn ich hier im Forum gerade gelesen habe, dass jemand nun mal mit locker 10.000+ € mehr rechnen muss wegen den Erdarbeiten...
    Was kann ich denn nun genau schriftlich (!) verlangen?
    Was muss im Vertrag/in der Baubeschreibung wirklich stehen, worauf muss ich aufpassen, weil man an den Stellen leicht über den Tisch gezogen werden kann?
    Kann mir da irgendjemand grundsätzliche, besonders wichtige Punkte nennen - oder finde ich das irgendwo?
    Als Laie , der zum 1. (und hoffentlich letzten) Mal baut, ist man ja völlig überfordert. :(

  • Was kann ich denn nun genau schriftlich (!) verlangen?
    Was muss im Vertrag/in der Baubeschreibung wirklich stehen, worauf muss ich aufpassen, weil man an den Stellen leicht über den Tisch gezogen werden kann?

    Auf die Schnelle regelt erstmal seit dem 1.1.18 Art. 249 des EGBGB das wichtigste. Das ist der gesetzlich vorgeschriebene Mindeststandard, der mir aber bei Weitem nicht ausreichen würde.

    Kann mir da irgendjemand grundsätzliche, besonders wichtige Punkte nennen - oder finde ich das irgendwo? Als Laie , der zum 1. (und hoffentlich letzten) Mal baut, ist man ja völlig überfordert. :(

    Das ist richtig. Und es gibt eigentlich nur eine sinnvolle Lösung, die in diesem Forum auch beständig empfohlen wird: Eigener, unabhängiger und selbst bezahlter Sachverstand. Klassischerweise sind das als Generalisten freie Architektinnen und Architekten.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • ...und den Vertrag kann man von einem Fachanwalt für Baurecht prüfen lassen.


    Sorry, aber bei so vielen Zweifeln würde ich mir überlegen, ob das der richtige Baupartner ist. Besser jetzt mehr Geld investieren als hinterher nur Ärger haben und einen teuren Rechtsstreit riskieren. Ich spreche da aus Erfahrung...

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Die Erdarbeiten sind üblicherweise immer nur mit einer bestimmten Bodenklasse kalkuliert und werden darüber hinaus nach tatsächlicher Leistung abgerechnet. Das kenne ich nicht anders und ist prinzipiell auch fair.


    Was wäre denn deine Lösung?


    - Ein sehr großzügig kalkulierter Festpreis, wo sich der Tiefbauer absichert und du auch bei besten Bodenverhältnissen mehr zahlst?

    - Ein solides Bodengutachten mit Probeaushub für das du nicht aufkommen möchtest?

  • Was wäre denn deine Lösung?


    - Ein solides Bodengutachten

    ja.

    notfalls das vom Nachbargrundstück.


    Ein Angebot über:

    - x m³ Bodenaushub mit Entsorgung / Verwertung für (z.B. Bodenklasse 3-5);

    - y m³ Bodenaushub mit seitlicher Lagerung für (z.B. Bodenklasse 3-5)

    - Mehrpreis z pro m³ Aushub Bodenklasse über ... bis .... mit Entsorgung / Verwertung

    - Mehrpreis pro m³ für Zwischenlagerung außerhalb des Baugrundstückes auf Lagerflächen des AN

    - yy m³ seitlich gelagerten Boden wieder einbauen

    - Mehrpreis für Wiedereinbau des Bodens vom Lagerplatz des AN

    - w m³ Boden des AN liefern und einbauen

    Angebotstext dann so formulieren, dass alle besonderen Leistungen sowie Verladearbeiten, lagenweises Verdichten, Verdichtungsnachweise, Gebühren, Entsorgungskosten, ggf. erforderliche Probenahmen, Lieferscheine, Entsorgungsnachweise, etc. enthalten sind. oder Nachweise separat verpreisen.


    Derartige Arbeiten würde ich nicht nach Stunden abrechnen wollen. Da gibt es zu viele Unsicherheiten. ((Wie wird die Wartezeit des Baggerfahrers abgerechnet? Wer prüft, ob der Kipperfahrer an der Deponie wirklich 1/2 h warten musste, wer prüft, ob der Kipperfahrer zwischendurch noch tanken war...). Der Baubetrieb kennt seine Fahrzeuggrößen, die Adresse der Baustelle und der Deponie und kann somit auch die km-Kosten kalkulieren.


    Stundensätze kann man für unvorhergesehenes vereinbaren, oder für handwerkliche Tätigkeiten, die schlecht nach anderen Einheiten abzurechnen sind. Erdarbeiten nach m³ abzurechnen ist Standard. Arbeiten in der Fläche werden nach m² abgerechnet. Zum Beispiel Planum herstellen, Geogitter / Geotextil einbauen, Schutzfolien ein- / ausbauen etc.

    Abgerechnet wird nach ausgehobenen Kubikmetern im Abtragsprofil und nach eingebauten Kubikmetern im Auftragsprofil [Baugrubenabmessungen +/- Baukörper; nicht nach Volumen der Mulde auf dem Kipplaster]


    Das ist fair, nachvollziehbar, prüfbar und für Tiefbaubetriebe auch sauber kalkulierbar.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Sorry OLger MD


    du hast zwar grundsätzlich Recht, aber die Praxis spricht da was anderes. Das beispiel von Isabellwe wäre ein aktuelles Beispiel.


    Es ist Grundsätzlich wurscht wie abgerechnet wird, solange der Auftraggeber das nachvollziehen und kontrollieren kann, kann man ihm nichts.

    Das setzt aber immer eine gewisse Fachkentniss vorraus, welche die wenigsten haben.

    You do what you have to do, man. :bier::yeah:

  • Es ist Grundsätzlich wurscht wie abgerechnet wird, solange der Auftraggeber das nachvollziehen und kontrollieren kann, kann man ihm nichts.

    Und genau ist das bei der Abrechnung nach Zeit oder nach LIeferschein eben so gut wie nie gegeben!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • du hast zwar grundsätzlich Recht, aber die Praxis spricht da was anderes. Das beispiel von Isabellwe wäre ein aktuelles Beispiel.

    Vereinbart war bei mir aber schon nach m2 oder m3 abzurechnen. ;-)


    Das hilft nur alles nichts wenn die Architektin dann andere Leistungen ausführen lässt als beauftragt und nicht mit dem Bauherren darüber spricht.


    Das ist richtig. Und es gibt eigentlich nur eine sinnvolle Lösung, die in diesem Forum auch beständig empfohlen wird: Eigener, unabhängiger und selbst bezahlter Sachverstand. Klassischerweise sind das als Generalisten freie Architektinnen und Architekten.

    Wie man bei Schuldenuhr und mir sieht, hilft auch das mit dem freien Architekten nur begrenzt. Von der Idee immer noch gut, die Ausführung der Aufgabe lässt aber bei manchen zu wünschen übrig. Leider kann man sich so viel Fachwissen wie man bräuchte um selbst ein Auge drauf zu haben aber meist nicht aneignen.


    Und jemanden zu bezahlen der den freien Architekten kontrolliert, der ja schon die Handwerker kontrollieren soll, halte ich tatsächlich auch für finanziell unzumutbar.

  • Richtig. Wenn nicht oder schlecht kontrolliert wird oder Zusatzarbeiten ohne Rücksprache angeordnet werden hilft die beste Abrechnungsmethode nichts.


    Ich sehe aber in einem Angebot nach Stunden für Erdarbeiten schon ein grundsätzliches Problem Risiko.

    Schon deshalb, weil es für den Bauherren nicht kalkulierbar ist.


    Klar sieht es auf dem Land oft anders aus. Da werden 2 Mann x 8 Stunden + Bagger + LKW abgerechnet und jut isses.

    In der Stadt übrigens auch. Für eine kleine Pflasterfläche von ca. 40m² + Spritzschutzstreifen wollte auch keiner mein LV haben.

    Ohne LV aber mit einer Skizze und der Benennung von Pflaster, Mosaiksteinen und Borden ging es dann.


    Es macht sicher auch einen Unterschied, ob man mit der Firma schon einmal zusammengearbeitet hat oder nicht.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Off-Topic:


    @ Isabellwe: Wie ist eigentlich der Stand der Dinge bei Dir?

    Still ruht der See.... Man hat mir 2 Wochen vor Einzug mitgeteilt, dass man die Gewerke Treppe, Maler, Fliesenleger und Metallbau nicht mit mir abnehmen könnte weil die Beauftragung ja direkt erfolgte und nicht über deren Büro. Ansonsten hab ich seit meinem Einzug nichts mehr gehört. Mehrfache Nachfragen wie es zu den Nachträgen beim Rohbau kam und wo mein drittes Fenster im Keller sein soll (wurde abgerechnet ;-) ) werden ignoriert und der Rohbauer sagt er könne dazu nichts sagen, das wäre ja vom Architekturbüro abgehakt worden. Da ich diesen Teil des Geldes zurück halte, wird sich wohl hoffentlich irgendwann etwas tun. Auch hinsichtlich des Tiefbaus gab es bisher keine Rückmeldung mehr. Auch da halte ich ja Geld zurück. Irgendwann werden die also alle wieder auftauchen.


    Hätte ich nicht mit Architekt gebaut hätte ich jetzt vermutlich andere Probleme, aber man kann eben nicht pauschal sagen, dass es mit Architekt alles besser ist und man muss als Laie so oder so echt aufpassen damit man nicht abgezockt wird. Vermutlich gibt es auch gut laufende Projekte, aber vermutlich auch welche wo die Bauherren sich keine Gedanken machen welche Positionen da so in der Rechnung stehen.

  • Frage dazwischen... kann ich einen unabhängigen Architekten bitten das ganze zu prüfen und mich zu unterstützen, auch wenn der das Haus nicht geplant hat?
    Oder haben die das nicht so gerne?
    Also, fragen kann man natürlich immer, aber macht es auch Sinn oder muss ich damit rechnen denjenigen zu verärgern?
    (Ich denke da an eine flüchtig Bekannte aus dem Dorf, die Architektin ist, es ist für mich deshalb aber NICHT egal, ob ich sie komplett verärgere... )

  • Frage dazwischen... kann ich einen unabhängigen Architekten bitten das ganze zu prüfen und mich zu unterstützen, auch wenn der das Haus nicht geplant hat?

    Ja, kannst Du. Hatte ich das nicht sogar schon einmal empfohlen?

    Oder haben die das nicht so gerne?

    Gerne haben, naja. Es gibt attraktivere Aufgaben und man muss es natürlich auch können. Kleinere und mittlere Büros bis ca. 10 Mitarbeitende und Erfahrung mit EFH nahe am Bauort sollten Dir am besten helfen können.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Da fällt mir noch ein. Wenn man ein Haus zum vermieten statt zum selbst bewohnen baut, sollte man schauen, dass man das maximalste heraus holen kann. Also kein 08/15 Grundriss aus dem Katalog, wo viel an Fläche drauf geht, das nicht zu 100% zur Mietfläche angerechnet werden kann.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...