Dachziegel sind nicht bündig und stehen hoch

  • Hallo zusammen,

    ich habe ein bezugsfertiges Haus von einer Immobilienfirma gekauft und die übliche 5jährige Gewährleistung vereinbart.


    Sachverhalt:

    Die Dachneigung ist ca. 40°. Die Dachrinnen wurden mit Rinnenhaltern höher gehängt, und zwar so hoch, dass die Dachziegel deutlich in die Rinne hinein-ragen. Nicht vorhanden sind: Traufbleche (Einlaufbleche), Übereisen und Rinnenverstärkungen.


    Innerhalb der Gewährleistungsfrist beanstandete ich, dass die unterste Dachziegelreihe nicht bündig liegt und einzelne Ziegel hochstehen. Dies wird dadurch verursacht, dass die Dachrinnenhalter einzelne Ziegel nach oben drücken. Andere Ziegel unter denen kein Rinnenhalter ist, liegen flach und bündig. Das Haus wurde in einer Zeit gebaut, als noch nicht die Ziegel gesichert werden mussten.


    Daraus ergibt sich:

    • · Die hochstehenden Ziegel bieten Angriffsfläche für Wind/Sturm, die zum Abdecken von Ziegeln führen kann und umherfliegende Ziegel eine Gefahr für Menschen darstellen.
    • · Wasser und Feuchtigkeit kann eindringen, mit der Gefahr von Schimmel und Fäulnis.
    • · Das vorhandene Insektenschutzgitter kann seine Funktion nicht erfüllen, da Insekten und auch Vögel durch die Öffnungen infolge hochstehenden Ziegeln in das gelangen.
    • · Da ich Laie bin, weiß ich nicht, ob weitere Gründe bzw. Folgen möglich sind.


    Meine Fragen sind:

    Sind die hochstehenden Ziegel ein Mangel?

    Muss dieser Mangel von der Immobilienfirma im Rahmen der Gewährleistungspflicht beheben?

    Oder liegt nur ein geringfügiger Mangel vor, der nicht behoben werden muss?

    Gibt es weitere, als die genannten, Gründe, weshalb der Mangel behoben werden sollte?


    Für eine hilfreiche Antwort bzw. weiterführende Hinweise bin ich sehr dankbar.

    Andreas

  • Moin,


    und herzlich willkommen hier.

    Das Haus wurde in einerZeit gebaut, als noch nicht die Ziegel gesichert werden mussten.

    Das wäre?


    Sind diehochstehenden Ziegel ein Mangel?

    So fern die technische Funktion der Ziegel weiterhin gegeben ist - was zu bejahen wäre - nein.



    und zwar sohoch, dass die Dachziegel deutlich in die Rinne hinein-ragen.

    Foto?



    Nicht vorhandensind: Traufbleche (Einlaufbleche), Übereisen und Rinnenverstärkungen.

    Bei Traufen mit Überstand sind in der Regel keine Traufbleche notwendig - je nach Ausführung der Traufe. Überwurf als auch Wulstverstärkung sind keine Selbstverständlichkeit und damit entsprechend extra zu vergüten.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Hallo Kalle,

    vielen Dank für die Antwort.

    Zu Deinen Fragen:

    1) Das Haus wurde fertiggestellt in 2009.

    2) Die Frage der technischen Funktion, ob die noch gegeben ist, kann ich nur folgendes sagen: Das Regenwasser fließt ab. Andere Funktionen werden nicht mehr erfüllt: Dachabschluss ist nicht mehr gegeben, da Vögel ins Dach dringen und brüten dort. Ebenso Insekten. Der Schutz vor Feuchtigkeit ist nicht so, als wenn die Ziegel aufeinander liegen würden. Schutz vor durch Sturm herumfliegenden Ziegel ist ebenfalls nicht mehr so gegeben, da die hochstehenden Ziegel eine bessere Angriffsfläche liefern. Lässt sich der Mangel nicht auch dadurch begründen, dass heutzutage die Ziegel gegen Windsog gesichert sein müssen.

    3) Ein Bild kann ich nicht liefern, ich versuch es besser zu beschreiben: Die Unterkante der untersten Ziegelreihe reicht bis unter die Linie von Kante der Rinnenvorderseite und Kante der Rückseite und ist dabei mittig in der Rinne. Wasser läuft nicht über die Rinnenkanten (weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite).

    Vielen Dank für eine Antwort.

    A.

  • Es ist bei Dächern üblich, abweichend von BGB (5 J.) und VOB (4 J.) eine 10-jährige Gewährleistungszeit zu vereinbaren. Ob dies beim TS tatsächlich der Fall ist, wissen wir bisher aber nicht.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Hallo zusammen, hallo Skeptiker

    die Gewährleistungsfrist beträgt laut notariellem Vertrag 5 Jahre, wie oben geschrieben. Die Mängelrüge erfolgte innerhalb dieser Frist.

    Viele Grüße, A.

  • Hallo zusammen, hallo Jo,

    Ergänzung:

    Nach Ablauf der Gewährleistungsfrist kamen Dachdecker im Auftrag der Immo-Firma und schauten sich das Dach an.


    Für mich ist wichtig, ob bei der beschriebenen Ausführung (Beitrag #1 und #3) ein Mangel vorliegt?


    Viele Grüße, A.

  • Das heissst, seit min. 3,5 Jahren ist nichts passiert. Kein Anwalt eingeschaltet, keine Mangelbehebung - nichts! Bei VOB Verträgen heisst das mangelndes Interesse an der Mangelbehebung. Gibts das bei VOB Verträgen auch?

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Hallo Ralf,

    nachdem die erste Dachdeckerfirma da war, geschah nichts. Nach einiger Zeit, in 2018 schickte die Immo-Firma dann einen anderen Dachdecker, der schaute sich das an und wieder geschah nichts.

    Deshalb ist für mich nun wichtig, ob ein Mangel vorliegt, der von der Immo-Firma behoben werden muss.

  • Moin,


    @ Kalle,
    Deine Aussage, wonach Rinneneinlaufbleche bei Traufen mit Überstand in der Regel nicht erforderlich sind, ist schlicht nicht richtig.
    Bei Unterspannungen z. B. muss ein Rinneneinlaufblech angeordnet sein. Bei Überständen < 5cm ebenfalls. Bei Unterdeckungen, bei denen die Bahn nicht nachhaltig UV-beständig ist, darf diese nicht in die Rinne geführt werden.


    @ Skeptiker,
    die Üblichkeit einer 10-jährigen Gewährlesitungspflicht bei Dächern scheint regional sehr unterschiedlich. Mir ist diese Üblichkeit nicht bekannt und macht im Grunde für den Dachdecker wenig Sinn. Insifern wundere ich mich schon ein wenig, dass sich die Kollegen darauf einlassen.

    @Fragesteller,
    gem. der Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk SOLLTEN die Rinnenhalter in die Unerkonstruktion eingelassen werden. Danach kann ich nicht per se einen Mangel konstruieren. Es hängt also wieder vom Einzelfall ab.
    Dass sich durch die kleine seitliche Öffnung Vögel quetschen, vermag ich nicht zu glauben. Die Rinnenhalter sind max. 5 mm dick.
    Die Windsogsicherung ist m. E. auch nicht durch das geringe Hochstehen gefährdet. Die Ziegel würden herausgehebelt, was durch Unterdruck infolge einer Windwalze im Traufbereich geschieht. Da ist das Hochstehen egal.
    Insekten werden im Zweifel auch durch den Traufenlüftungskamm eindringen können.
    Die Regensicherheit ist m.E. auch nicht wirklich gefährdet. Schimmel und Fäulnis würden eine ständige Durchfeuchtung bedürfen. Das Holz kann aber - so es denn feucht geworden ist - vollständig wieder abtrocknen. Sind denn Spuren von Schimmel und/oder Fäulnis vorhanden?


    Mit freundlichen Grüßen


    stefan ibold

    DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld

  • @ Skeptiker,
    die Üblichkeit einer 10-jährigen Gewährlesitungspflicht bei Dächern scheint regional sehr unterschiedlich. Mir ist diese Üblichkeit nicht bekannt und macht im Grunde für den Dachdecker wenig Sinn. Insifern wundere ich mich schon ein wenig, dass sich die Kollegen darauf einlassen.

    Die Hersteller bieten den DDM entsprechende Versicherungen an (die von namhaften Versicherungskonzernen stammen), geknüpft an die Verwendung bestimmter Materialien, bestimmter Verarbeitungstechniken und einen Wartungsvertrag. Das Paket können die DDM dann mit einem Zuschlag weiterverkaufen. Bei gewerblichen Bauherrn sind solche Modelle sehr beliebt. Ich kenne sie vor allem von Flachdächern und empfehle eine entsprechende Gewährleistungsverlängerung auch meinen Bauherrn. Die Mehrkosten sind überschaubar. Zumindest für größere Dachdeckereien ist das anscheinend Alltagsgeschäft.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • TE hat ein " bezugsfertiges Haus vom Unternehmer " gekauft und war hierzu beim Notar. Also offenbar Bauträgerkaufvertrag. Dessen Gewährleistungsfrist richtet sich nach dem BGB = 5 Jahre nach Abnahme. Mehr wurde lt. TE auch vertraglich nicht vereinbart.


    VOB/B findet auf den Bauträgerkaufvertrag keine Anwendung, also hier nicht 4 + verlängert auf 5 + zusätzlich 2 Jahre nach Mängelrüge.


    Mängelrüge unterbricht/hemmt nicht die Verjährung. Es hätte geklagt oder selbständiges Beweisverfahren innerhalb der 5-Jahresfrist erhoben werden müssen.


    Bloße Besichtigung des Objekts durch den Unternehmer ist kein Anerkenntnis des Mangels.


    Anspruch dürfte daher verjährt sein, womit die Frage, ob ein Mangel vorliegt, dahinstehen kann.


    Wenn es anders sein sollte, dann fehlt für eine günstigere rechtliche Bewertung der erforderliche " input ", der vom TE kommen müßte.

  • Hallo Eric,

    vielen Dank für die Antwort. Der Anspruch ist noch nicht verjährt, dazu werde ich gerne, wie erbeten, weiteren "Input" liefern. Ich möchte aber zunächst klären, ob ein Baumangel vorliegt, da die Immo-Firma auch von Kulanz sprach, also auch im Falle einer Verjährung evtl. etwas machen würde.

  • Hallo Stefan, vielen Dank für die Antwort mit Rückfragen, für meine Antwort habe Zeit gebraucht, ich möchte die Rückfragen beantworten:


    Die Rinnenhalter wurden nicht in den Querbalken (wie dieser genannt wird, ist mir nicht bekannt) eingelassen, sondern oben drauf genagelt. Darauf wurden dann die Ziegel gelegt. Die Ziegel heißen Heidelberger von Fa. Eternit. Einzelne Ziegel liegen auf dem Rinnenhalter und dem Querbalken andere nur auf dem Querbalken. Dadurch kommt es dazu, dass die Ziegelreihe nicht eben und bündig liegt. Der „Heidelberger“ Ziegel hat Wulste. Wenn das Wulst auf dem Rinnenhalter liegt, hat der Rinnenhalter Platz, liegt er nicht unter dem Wulst, drückt es den Ziegel hoch, siehe Bild. Unter dem Wulst können dann Vögel ins Dach gelangen. Der Dachdecker hat auch mehrere Vogelnester vorgefunden. Ein Traufentlüftungskamm existiert nicht. Es ist unterhalb des Daches ein Belüftungsgitter angebracht, siehe Bild.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, liegt hinsichtlich Regenwasser, Feuchtigkeit, Schimmel und Fäulnis kein Mangel vor.

    Sind die eindringenden Vögel ein Mangel an der Bauausführung?


    Hinweis: Das Haus in ein Doppelhaus, weshalb die Rinnenhalter nachträglich nicht mehr in den Querbalken eingelassen werden kann, da dann das Rinnenniveau zum Nachbar nicht mehr stimmt. Der Dachdecker hat versucht auf den Ziegel auf der Unterseite ein Stück rauszuflexen, sodass der Rinnenhalter Platz hat. Das hat nicht funktioniert. Ich vermute, weil der Rinnenhalter zu lang war und nicht nur an einer Stelle auflag, sondern auf einer längeren Strecke des Rinnenhalters. Dies vermute ich, da der Dachdecker versuchte auf den Rinnenhalter, weiter oben als an der Stelle des Querbalkens, einzuhämmern, um ihn nach untern zu bringen.


    Mir ist die Frage wichtig, ob ein Mangel vorliegt, der von der Immo-Firma behoben werden muss?

    Eine weitere Frage ist, wie man das kostengünstig beheben könnte, sodass die Immo-Firma den eine Beseitigung vornehmen würde?

  • Moin,


    merkwürdige Konstruktion. Es erweckt den Eindruck, als wenn die DACHSTEINE auf der Rinnenrückseite aufliegen würden. Da ist weit und breit keine Traufbohle zu erkennen. Die Dachsteine stehen offensichtlich weit (geschätzt ca. 15 cm) nach unten über, was dann auch das recht ausgeprägte Hochstehen etwas besser erklären würde. Die Vögel werden wie die Insekten von unten über die Mittelwulst eindringen. Die Gitter sehen aus wie gewollt aber nicht gekonnt.


    Da sollte ein Kollege vor Ort etwas zu sagen. MIr kommt es merkwürdig vor.


    Grüße


    stefan ibold

    DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld

  • @ Skeptiker,

    ja, derartige Verträge oder besser gängelnde Bedingungen kenne ich. Leider sind da auch Fälle bei, bei denen die Ausführung nicht den aRdT entspricht. Über diese Schiene sichert sich der Hersteller ab. Dem Dachdecker wird weis gemacht, er habe dadurch geschäftliche Vorteile. Bis es dann zu einem Schaden kommt und ein SV wie ich dann plötzlich den Mangel dazu feststellt. Dann hat es sich mit den Vorteilen.

    In meinen Augen eine ganz miese Masche der Hersteller, um ihre Produkte zu verticken :(


    Grüße


    stefan

    DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld

  • @ Skeptiker,

    ja, derartige Verträge oder besser gängelnde Bedingungen kenne ich. Leider sind da auch Fälle bei, bei denen die Ausführung nicht den aRdT entspricht. ... In meinen Augen eine ganz miese Masche der Hersteller, um ihre Produkte zu verticken :(

    So habe ich das bisher noch nicht gesehen.


    Mir ist die Gewährleistungsverlängerung mehrfach von Dachdeckern unaufgefordert so angeboten worden, auch mit unterschiedlichen Materialien unterschiedlicher Hersteller, danach als Zulageposition in Ausschreibungen oder auf Nachfrage. Keiner der Dachdecker (überwiegend in München und in Berlin) wirkte dabei irgendwie in die Ecke getrieben, genötigt oder was weiß ich was. Insofern kann ich die Deine Bewertung nicht so richtig nachvollziehen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • @ Kalle,
    Deine Aussage, wonach Rinneneinlaufbleche bei Traufen mit Überstand in der Regel nicht erforderlich sind, ist schlicht nicht richtig.
    Bei Unterspannungen z. B. muss ein Rinneneinlaufblech angeordnet sein. Bei Überständen < 5cm ebenfalls. Bei Unterdeckungen, bei denen die Bahn nicht nachhaltig UV-beständig ist, darf diese nicht in die Rinne geführt werden.

    Ich schätze ja deine Expertise Stefan, wo soll meine Aussage nicht richtig sein? Ich habe kein Wort über die Traufausbildung verloren, das mutmaßt du also gerade. Ja ich habe bewusst nichts konkretisiert, denn dann würde meine Aussage nicht mehr stimmen oder ich hätte weiter ausführen müssen. Den Fachleuten attestiere ich mal zu wissen wo der Unterschied liegt und dem Laien wird es vermutlich nicht viel helfen, wenn ich hier weit aushole.


    Muss denn bei Unterspannungen ein Einlaufblech hin, wenn ich meine Traufe mit Tropfblech ausführe? Nein, also lag ich ja prinzipiell nicht daneben. Das Überstand <5cm eines erfordert tangiert ja meine Aussage nicht. Weil man hier ja nicht annehmen kann es wären generell immer weniger 5cm vorhanden. Wenn der Ziegel seine 1/3 Öffnungsbreite der Rinne einsteht bin ich immer über die 5cm weg. Letzteres hängt auch wieder Maßgebend davon ab wie ich die Traufe konstruiere. Die Fachregel zwingt mich ja nicht, die ZM in die Rinne führen zu müssen. Generell können wir uns gerne über Traufkonstruktionen unterhalten, denn da gibt es auch Porsche und Dacia -Lösungen.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Die Hersteller bieten den DDM entsprechende Versicherungen an

    Versicherung? Also Garantie kenne ich, sind so um die 30 Jahre, die ausgegeben werden aber Versicherungen? Das wäre mir wirklich neu.

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  • Versicherung? Also Garantie kenne ich, sind so um die 30 Jahre, die ausgegeben werden aber Versicherungen? Das wäre mir wirklich neu.

    Ja, der Hersteller gibt eine Garantie. Mir ist vor gut 5 Jahren mal in mehreren Bietergesprächen von mehreren DDM aus dem Münchner Umland erklärt worden, dass (anscheinend) mehrere Hersteller derartige "Garantien" abgeben, die sie wiederum durch eine Haftpflicht / Bürgschaft eines Industrieversicherers rückversichern und dem Handwerker übergeben. De facto schließen die DDM also eine Versicherung auf die Qualität des Herstellers ab. Der Hersteller ist im Schadensfall raus, weil der DDM sich seine Haftung direkt beim Versicherer zurückholt. Also ist es am Ende eigentlich keine (unentgeltliche() Garantie des Herstellers, sondern eine durch ihn vermittelte Versicherung eines Haftpflichtversicherers. Der Kunde erhält aber eine "Garantie" des Herstellers ausgehändigt. In der Urkunde steht dann auf 4 Seiten in 6 Punkt genau das, was ich oben geschrieben habe. Eine Verlängerung um 5 Jahre kostete bei rd. 6.000 m2 Dach damals wenige €, um 10 Jahre ca. 10 € / m2 - wenn ich mich recht erinnere.


    Ob das Modell heute noch am Markt ist, weiß ich nicht. Aber jüngst wurde mir wieder eine Gewährleistungsverlängerung für ein Flachdach angeboten: Um 5 auf 10 Jahre kostenlos, um 10 Jahre für einen überschaubaren Preis / m2. Ich meine, es sei ein einstelliger €-Betrag gewesen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Also wir verarbeiten ja ausschließlich den Rolls Royce unter den Ziegeln und die geben eine 40 jährige Garantie. Die deckt Kosten für den HW sollten in dieser Zeit etwas an den Tonziegeln sein. Mag gut sein dass die sich durch Versicherungen das Risiko deckeln aber deswegen würde ich nicht auf den Schuh kommen 40 Jahre Gewährleistung auf das Dach zu geben. Das dürften dann ja wirklich nur die Tonziegel umfassen und mögliche Schäden aus der Produktion.


    Das erst Mal nachweisen, wenn es wirklich mal drauf an kommt wird vermutlich schon eine Freude sein... Auch wenn ich es prinzipiell gut finde, so etwas den Kunden anbieten zu können. Nur was hat der Kunde davon, wenn ich quasi alles ausschließe?

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  • ... Mag gut sein dass die sich durch Versicherungen das Risiko deckeln aber deswegen würde ich nicht auf den Schuh kommen 40 Jahre Gewährleistung auf das Dach zu geben. Das dürften dann ja wirklich nur die Tonziegel umfassen und mögliche Schäden aus der Produktion.

    Genau so war es bei den o.g. Dachabdichtungen, zzgl. der Verarbeitung

    Das erst Mal nachweisen, wenn es wirklich mal drauf an kommt wird vermutlich schon eine Freude sein... Auch wenn ich es prinzipiell gut finde, so etwas den Kunden anbieten zu können. Nur was hat der Kunde davon, wenn ich quasi alles ausschließe?

    Ausgeschlossen waren in dem damaligen Fall nur wenige Punkte. Aber damit hat sich die Rechtsabteilung des Bauherrn beschäftigt (übrigens ein Rückversicherer) und am Ende sich für die Verlängerung entschieden.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Hallo Stefan,


    nachdem ich Bilder hochgeladen habe, bleibt meine Frage, ob hochstehende Ziegel einen Mangel sind?

    Ich weiß nicht, ob die bisherigen Antworten noch richtig sind. Wenn ich dabei alles richtig verstanden habe:

    Die Funktion Wasser in die Rinne zu leiten ist gewährleistet. Hinweis von Kalle.

    Das Hochstehen der Ziegel erhöht nicht die Windsogwirkung. Hinweis von Stefan.

    Das Holz kann abtrocknen, sodass kein Schimmel oder Fäulnis entstehen kann. Hinweis von Stefan.

    Ist es richtig, dass bis hierher kein Mangel vorliegt?


    Bleiben nur die Vögel die im Dach brüten. Ergibt sich daraus ein Mangel?


    Oder ergibt sich durch das Hochstehen ein anderer Mangel, den ich noch nicht erkenne?


    Weiterer Punkt:

    In der "Deutschen Handwerkszeitung" las ich:

    "Der Auftraggeber muss bei der Mängelrüge keine Ursache des Mangels nennen oder den Mangel technisch korrekt beschreiben; er kann sich vielmehr darauf beschränken, das konkrete Symptom zu beschreiben."


    Daraus ergibt sich folgende Fragen:

    Innerhalb der Gewährleistungsfrist habe ich nur die hochstehenden Ziegel beanstandet.

    Nach Ablauf der Gewährleistungsfrist hat der von der Immo-Firma beauftragter Dachdecker festgestellt:

    Die Dachrinne ist durch Lawinen ausgebeult. Das Dach hat eine Neigung von 40° und keine Schneerückhaltevorrichtungen. Dieser Schaden konnte nur entstehen, da die Lawinen nicht über die Rinne laufen können, da die Ziegel in die Rinne hineinragen.

    Wenn ich die Handwerkszeitung richtig verstehe, habe ich zwar etwas an den Ziegeln bemängelt (hochstehende Ziegel), dies hat aber keinen Zusammenhang mit der verbeulten Dachrinne zu tun (bzw. ist kein Symptom der hochstehenden Ziegeln), sodass dieser Sachverhalt mit der verbeulten Rinne verjährt ist. Ist das richtig beurteilt?


    Alles andere, wie z.B. die Konstruktion, ist damit auch verjährt?


    Letzter Punkt:

    Wenn auf der Unterseite etwas von den Ziegeln weggeflext werden würde (um das Hochstehen zu reduzieren), würde das den Ziegeln schaden?


    Im Voraus vielen Dank für die Hilfe, A.

  • Moin,


    @ Kalle,

    Bei Traufen mit Überstand sind in der Regel keine Traufbleche notwendig - je nach Ausführung der Traufe. Überwurf als auch Wulstverstärkung sind keine Selbstverständlichkeit und damit entsprechend extra zu vergüten.

    das ist soetwas von allgemein gehalten, dass m. E. Mißverständnisse programmiert sind. Du antwortest hier einem Laien, der sich so gar nichts daruter vorstellen kann.
    Auf der einen Seite sagst Du, dass bei Traufen mit Überstand (was ist das??) IN DER REGEL keine Traufbleche notwendig sind, schränkst im Nachsatz aber wieder ein mit JE NACH AUSFÜHRUNG DER TRAUFE. Was bitte soll der Laie damit anfagen?

    Im vorliegendem Fall hat der Fragesteller ganz klar ausgeführt, dass er eine Dachrinne hat. Er hat weiter erklärt, dass die Dachneigung ca. 40° beträgt und Traufbleche/Einlaufbleche nicht vorhanden sind. Dazu passt: Merkblatt für Unterdächer,... Abschnitt 4.2 (2), (3). "Ausnahme" bei Blech: (5), (6).

    Mithin ist die Ausführung mit Traufblech/Rinneneinlaufblech die Regel und nicht andersherum.


    Nachdem ich mir das Bild von der Unterseite nochmals intensiver angeschaut habe, habe ich erkannt, dass es sich scheinbar um ein abgewinkeltes Lochblech handelt, auf DEM (nicht der Rinnenrückseite) die Dachsteine aufliegen. Die Zusatzmaßnahme ist nicht in die Rinne geführt. Ein Tropfblech im Bereich des Übergangs des Lochblechs zum Holz ist nicht zu erkennen, müsste aber m. E. vorhanden sein (s. oben), wenn denn die Zusatzmaßnahme hinter der Dachrinne entwässern soll.


    @ Fragesteller,

    ist der Bodenraum ausgebaut? Wenn nein, ist das evtl. geplant? Es geht um die Frage, welche Art von Zusatzmaßnahme bei Ihnen vorhanden ist. Unterspannung = nicht aufliegend auf einer Unterkonstruktion oder Wärmedämmung

    Unterdeckung = aufliegend auf einer Unterkonstruktion oder Wärmedämmung


    Ich habe nicht gesagt, dass hier kein Mangel vorliegt. Ich habe gesagt, dass das ein Kollege/eine Kolleginn vor Ort anschauen müsste, da mir persönlich die Ausführung merkwürdig vorkommt. Dieses insbesondere wegen des weiten Überstands der Dachsteine insgesamt.
    Nun kommt die Frage der Lage und der Ausführung der Zusatzmaßnahme hinzu. Die stand zuvor nicht im Fokus.


    Nach meiner sehr persönlichen Meinung sind brütende Vögel, es dürfte sich hier überwiegend um den Haussperling (Spatz) handeln, der kurz vor dem Aussterben auf der roten Liste steht, KEIN Mangel, es sei denn, man hat rechtswirksam vereinbart, dass Vögel dort nicht nisten dürfen.


    Schneefangvorrichtungen können regional vorgeschrieben sein. Einen generellen Zwang gibt es nach den Fachregeln nach meiner Auffassung nicht.

    Alternativ werden in vielen Regionen die Dachrinnen so tief angeordnet, dass Lawinen darüber hinweggehen. Das passiert dann bei starkem Regen aber ebenfalls.

    Es verbleibt die weitere Frage, welche Rinnenhalter in welchem Abstand verbaut wurden. Es sollte selbstverständlich sein, dass in schneereichen Gegenden Rinnenhalter für hohe Belastungen, ggf. mit geringerem seitlichen Abstand, verbaut werden.


    Wenn Sie die Dachsteine durch Flexen dünner machen, dann geht das ganz klar zu Lasten der Statik des Dachsteins.


    Über mögliche Verjährungen kann Ihnen IHR Rechtsanwalt nach Prüfung der Verträge etwas sagen. Selbst Eric wird Ihnen hier im Forum nicht wirklich weiterhelfen, denn es fehlen mit Sicherheit relevante und wichtige Angaben.


    M. f. G.


    stefan ibold

    DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld

  • Hallo zusammen,

    hallo Stefan,


    vielen Dank für die Hilfsbereitschaft und umfangreichen Ausführungen. Mein Problem ist:


    Mir geht es vorrangig lediglich um die hochstehenden Ziegel. Nur dies habe ich gegenüber der Immo-Firma nachweislich beanstandet. Entgegen anderen Beiträgen ist (trotz > 5 Jahre) dies noch nicht verjährt. Alles andere, was z.T. hier diskutiert wird unterliegt nicht mehr der Gewährleistung, weil verjährt oder nicht in Zusammenhang mit den hochstehenden Ziegel steht.

    Deshalb geht es mir momentan nur darum, ob die hochstehenden Ziegel ein Mangel ist. Ich erwarte nicht eine Antwort in eine bestimmte Richtung (vgl. Ralf), sondern erbitte eine neutrale objektive Antwort.


    Mir ist klar, dass nicht alles was stört, ein Mangel ist. Als Laie vermute ich, das ein Mangel vorliegt, wenn etwas nicht funktioniert, Schäden nach sich zieht oder vereinbart aber nicht erbracht wurde. Weil ich aber nicht weiß, was definitionsgemäß ein Mangel ist, habe ich mich ans Forum gewendet.


    Ob die hochstehenden Ziegel ein Mangel sind, weiß ich nicht. Dachdecker von hier, die ich zu Rate zog, konnten keine Antwort geben. Nach dem Beitrag von Stefan (dem ich hiermit danke) liegt kein Mangel vor, da kein Schimmel oder Fäulnis droht, kein stärkerer Windsog zu befürchten ist (Beitrag #12), brütende Vögel evtl. auch nicht (Beitrag #28). Da ich erst im Nachhinein (Beitrag #16) Bilder zu den hochstehenden Ziegel hochgeladen habe, bitte ich um Auskunft, ob auch unter Berücksichtigung der Bilder die Auskünfte weiterhin zutreffen bzw. ob durch das Hochstehen andere Gefahren drohen, die ein Mangel darstellen (vgl. Beitrag #26).


    Herzliche Grüße, Andreas

  • Da Vögel immer weniger werden, sind brütende Vögel doch ein guter Naturschutz für den man doch ein gutes Gefühl haben sollte... ;)

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...