Mauerwerk bei Regen nicht abgedeckt / Mauern im Regen

  • Hallo zusammen,


    wir lassen aktuell ein Haus durch ein Architektenbüro errichten.


    Bzgl. des Mauerwerks hat sich nun leider folgende Situation ergeben: Vorletzte Woche wurde ein großer Teil des EG aus Porenbetonsteinen gemauert. Die Mauerkronen wurden hierbei zu keiner Zeit durch die Maurer abgedeckt. Das darauffolgende Wochenende hat es dann durchgeregnet. Die Mauerkronen waren also ungeschützt. Am folgenden Montag wurde sogar im Regen weiter gemauert.


    Auch die anderen Tage sah das Wetter nicht wirklich freundlicher aus. Zwischenzeitlich wurde das EG fertiggestellt und die Maurer sind diese Woche am 1.OG beschäftigt gewesen. Als es wiederholt geregnet hat und uns wiederum aufgefallen ist, dass das frische Mauerwerk nicht geschützt wurde, haben wir uns näher mit dem Thema beschäftigt. Nach unserem Kenntnisstand besagen sowohl die Mauerwerksnorm, als auch die Verarbeitungshinweise des Porenbetonstein-Herstellers dass das Mauerwerk kopfseitig gegen Regen zu schützen ist. Zudem soll nicht im Regen gemauert werden. Beides wurde bei uns gemacht. Wir haben daraufhin den vom Architektenbüro eingesetzten Bauleiter kontaktiert. Dieser hat recht harsch auf unsere Anfrage reagiert, nach dem Motto "Jetzt wissen die Bauherren schon besser, wie man seinen Job machen soll". Er (der Bauleiter) könne das sehr gut einschätzen. Eine Stunde später wurde unser Mauerwerk dann aber doch durch Matten kopfseitig geschützt, was ich als gewisses Eingeständnis werte.


    Sowohl Bauleiter, als auch Architekt beschwichtigen nun, dass alles gar nicht so schlimm sei und die Maurer dies am besten einschätzen könnten.


    Wir sind nun absolut verunsichert, ob die, aus unserer Sicht mangelhafte Verarbeitung, eventuell Folgeschäden mit sich bringen könnte und wie nun am besten damit umzugehen ist.


    Inzwischen stehen schließlich EG + 1/3 vom OG, sodass man wohl nicht "mal eben" von vorne anfangen wird.

    Zu allem Überfluss regnet es gestern und heute aus Eimern. Das Mauerwerk ist zwar jetzt nach unserer Kritik seit zwei Tagen kopfseitig geschützt, aber inzwischen drückt das Wasser von allen Seiten......



    Hilfe! Absolute Verunsicherung :-(

  • Zitat von Verarbeitungsrichtlinie eines Steinherstellers

    "Frisches Mauerwerk muss abgedeckt werden, um es vor Regen und Frost zu schützen. Gefrorene Plansteine und Plan- elemente dürfen nicht verwendet werden. Auf gefrorenem Mauerwerk darf nicht weitergemauert werden. Frostschutz- mittel oder Salze zum Auftauen sind unzulässig. Sollte Mau- erwerk durch Frost beschädigt worden sein, ist dies vor dem Weitermauern zu entfernen. XXX-Dünnbettmörtel ist ab einer Temperatur von mindestens 5°C verarbeitbar."

    "Darüber hinaus sollte frisches Mauerwerk vor direktem Regen geschützt werden und ohne Schutzmaßnahmen bei anhaltendem Niederschlag nicht gemauert werden (vergleiche hierzu auch DIN EN 1996-2:2010, Abschnitt 3.6)."

    Den passenden Auszug aus der DIN EN 1996-2 (Abschnitt 3.6) habe ich momentan nicht zur Hand.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Vielen Dank. Das bestätigt meinen Kenntnisstand. Kann man denn absehen, welche Folgeschäden hier entstehen könnten? Und jmd. eine Empfehlung wie mit der Situation umgegangen werden sollte? Habe zumindest mal ein paar Bilder und Angaben zu Tagen bzw. Wetterlagen gesammelt.

  • Sinn und Zweck der Verarbeitungsrichtlinie: Durchfeuchtetes Mauerwerk benötigt lange Zeit zur Trocknung. Bei Frost - wie jetzt - bilden sich im durchfeuchteten Mauerwerk Eiskristalle, die zu einer Volumenvergrößerung mit Sprengwirkung führen können.


    Wie Frostschäden jetzt im begonnenen Rohbau und beim bevorstehenden Winter vorgebeugt werden soll ????

  • Bei Frost - wie jetzt - bilden sich im durchfeuchteten Mauerwerk Eiskristalle, die zu einer Volumenvergrößerung mit Sprengwirkung führen können.

    Genau das würde mir Sorgen bereiten, denn für die nächsten Tage ist, zumindest bei uns, Frost vorhergesagt, und zwar nicht nur während der Nacht, sondern auch tagsüber. DIe Masse der Steine, bzw. die darin gespeicherte Wärmeenergie, kann solchen Schwankungen kurzfristig entgegenwirken, aber das reicht nicht aus, wenn es einmal über mehrere Tage so kalt werden sollte.

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  • Sofern der Stein nicht zu einem hohen Grad wassergesättigt ist sind nicht die Steine sondern der Kleber/Mörtel das Problem (die Steine haben große Porenräume wo sich das Wasser schon ein wenig ausdehnen kann. Das Problem der Feuchtt im Stein bleibt natürlich). Dieser benötigt bei diesen Temperaturen (auch über 5° Celsius) deutlich länger. Bei Frost gibt es schnell Schäden. Du kannst ja mal an der obersten Reihe ein wenig rütteln, dann wirst du feststellen, dass der Kleber vom Vortag nur ganz wenig abgebunden hat. Wenn es dann frostig wird, werden die Steine sofort lose.

    Jochen

  • Hallo choppi,


    wir hatten Anfang 2018 bei unserem, Rohbau genau das gleiche Problem, Regen + Schnee und die Mauerkronen waren nicht abgedeckt. Wurde auch erst nach unserem Hinweis und ca. 3-4 Wochen vorgenommen.


    In den Ziegeln stand bis zu diesem Zeitpunkt schon relativ viel Wasser was auch später noch lange sichtbar war.


    Problem war hierbei nicht, dass die Ziegel bei niedrigen Temperaturen aufgefroren sind (kann natürlich im Extremfall auch passieren), sondern dass die Ziegel von selber nur sehr langsam abtrocknen. Im konreten Fall konnten wir die Innenwände des Hauses erst mit ca. 8 Wochen Verspätung verputzen, da vorher Trockungsgeräte aufgestellt werden mussten, damit der Ziegel langsam austrocknet und der Putz nicht gleich von der Wand fällt.


    Ich kann dir nur empfehlen vor dem Verputzen einen Termin mit dem Putzhersteller zu machen und auf die Problematik hinzuweisen. Bei uns hätten Sie einfach geputzt, ohne die Folgen zu bedenken. Nach dem Termin hat der Verputzer selber gesagt lieber warten bis das ganze abgetrocknet ist. Laut Hersteller wäre es 100%ig zu Rissen/Schäden gekommen, weil einzelne Ziegel schneller bzw. langsamer trocknen als die daneben liegenden. Es gibt ohne weiteres die Möglichkeit die Feuchtigkeit in den Ziegeln mit entsprechenden Messgeräten festzustellen.