Walmdach vs. Krüppelwalmdach

  • Hallo,

    lt, meinem Bebauungsplan dürfen wir nur ein Satteldach oder "Krüppelwalmdach" , Dachneigung 35-45° bauen.
    Das Haus, das ich jetzt ins Auge gefasst hätte, hätte ein Walmdach mit 22°.
    Da muss ich wohl mit Schwierigkeiten rechnen?
    Kennt sich jemand damit aus? :(

  • Eine Planung für ein Haus sollte sich an den umsetzbaren Gegebenheiten orientieren. Fordert der B-Plan etwas, so ist dies erst einmal einzuhalten. Befreiungen hiervon können gewährt werden, wenn man diese auch nachvollziehbar begründen kann (Bsp.: "Ich will eine WD mit 22° Dachneigung!" ist keine Begründung).


    Was tun?


    Entweder eine Befreiung versuchen (was gerade bei neuen B-Plänen nur eine sehr geringe Aussicht auf Erfolg hat...schafft Präzedenzfall, den man eher ungern haben will) oder die Planung auf das Mögliche abstimmen oder sich ein Baugrundstück suchen, auf dem das gewünschte Haus möglich ist.

  • Das Grundstück ist ja nun mal schon da... :-/
    Ich muss gucken. Es ist ein alter B-Plan und ich bin sicher, dass in der Siedlung schon Walmdächer sind.
    Nur ob ich die Neigung erkennen kann... das wird schwierig...

  • Vernünftigen PLaner suchen und nicht bloß einen Prospektüberreicher, der klärt sowas, bevor beim Bauherren Wünshe entstehen. Der kann auch alle anderen Fragen beantworten

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Das Grundstück ist ja nun mal schon da... :-/

    Macht ja nun nichts.


    Dann muss die Planung eben auf das Erlaubte abstellen.


    Einfach in einem Prospekt/ Katalog Haus Erika 135 raussuchen wird sowieso nur sehr selten dem Grundstück gerecht. Das heißt, dass eine Hausplanung auch auf andere Dinge Rücksicht zu nehmen hat (Straße/ Erschließung im Norden/ Osten/Süden/ Westen), Hanglage, Abstand zu Nachbarn (--> Auswirkungen auf Grundriss....hat der partyfrohe Nachbar seine Partyzone (Terrasse) an einer Seite, so wird man da nicht unbedingt sein Schlafgemach hinplanen wollen). Ist die Aussucht nach Südosten der Hammer (Alpen? Fluss?), so bringt das wenig wenn das Kataloghaus auf der Ostseite den Hausanschlussraum und die Küche hat, nach Westen, wo man dummerweise freien Blick auf eine Biogasanlage hat das Wohnzimmer liegt.


    Planung eines Hauses lässt sich nur in den allerseltensten Fällen durch das Blättern in einem Prospekt befriedigend ersetzen. Eigentlich....eigentlich nie!

  • Wenn der Preis in der heutigen Zeit "schön" ist, dann braucht man entweder viel Geld (das dann aber für eine gute Planung auch da sein sollte) oder man nimmt bewusstseinsverändernde Substanzen um das schön zu finden.....


  • Da muss ich wohl mit Schwierigkeiten rechnen?

    Mit Schwierigkeiten nicht, aber mit einer Planungsleistung.


    Ein Bebauungsplan hat ja - im Gegensatz zu einer DIN - gesetzlichen Charakter.

    Der gilt und die Einhaltung kann von Amts-wegen durchgesetzt werden.


    Ein Bebauungsplan kann aber nicht immer alle Details und Einzelheiten und besondere Bedingungen an einzelnen Grundstücken berücksichtigen, er kann auch Ungenauigkeiten enthalten, fehlerhaft sein, Forderungen enthalten, die im Einzelfall nicht oder nur sehr aufwändig umsetzbar sind oder er ist einfach "veraltet". Gültig ist er dennoch.


    Deshalb gibt es die Möglichkeiten, Ausnahmen und Abweichungen im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens zu beantragen.

    Diese sind zu erläutern und zu begründen. Siehe oben.


    Deshalb musst Du Dich als erstes fragen:

    Welche Nachteile habe ich aufgrund der Forderungen / Einschränkungen aus dem Bebauungsplan?

    Welche Vorteile habe ich bei "meiner" Variante?

    Welchen Aufwand habe ich, die Forderungen umzusetzen?


    Bei alten Bebauungsplänen sollte der Planer auch mal prüfen, ob sich inzwischen die tangierende Gesetzeslage derart geändert hat, dass der Bebauungsplan ggf. angepasst werden müsste. Beispiel: Vorschriften zur Wärmedämmung, Vorschriften zum Einsatz erneuerbarer Energien, regionale Vorschriften zur Stellplatzsatzung, Garagenverordnung, Branschutzvorschriften o.ä.

    Möglicherweise gab es auch örtliche Veränderungen, die nicht mehr zum Bebauungsplan von neunzehnhundertirgendwann passen.

    Möglicherweise gab es bauliche Änderungen an Bestandsimmobilien (6 Häuser weiter gibt es Eure Dachform).


    All das kann aber nur ein Planer prüfen, der sich damit auskennt und der - idealerweise - das Bauamt kennt und weiß, mit welchen sachlichen textlichen Argumenten die Chancen am größten sind, die Wünsche umzusetzen.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Ich rufe nächste Woche im Bauamt an und frag nochmal nach.

    Meiner Meinung nach stehen in der Siedlung inzwischen auch Häuser mit so einem Dach, wie wir es gern hätten.

    Der zuständige Mensch dort sollte mir wohl sagen können, ob das inzwischen gelockert wurde.

  • Du könntest durch deine Anfrage auch die anderen Bauherren Probleme bereiten, wenn die Behörde darauf aufmerksam gemacht wird, dass anders gebaut wurde als erlaubt... ;)

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Krüppelwalm.. Name ist Programm <x

    Naja, es kommt darauf an: viele alte Bauernhäuser und Scheuen hier in der Region haben einen Krüppelwalm, wenn das mit samt Fassade schön erhalten wird, macht es auch was her.

    Neu gebaut endet so eine Konstruktion häufig als "Stilelement" einer gesichtslosen Billigarchitektur.

    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -

  • Ich rufe nächste Woche im Bauamt an und frag nochmal nach.

    Meiner Meinung nach stehen in der Siedlung inzwischen auch Häuser mit so einem Dach, wie wir es gern hätten.

    Der zuständige Mensch dort sollte mir wohl sagen können, ob das inzwischen gelockert wurde.

    Wenn dem wirklich so ist, würde ich Antrag auf Befreiung stellen. Sollte dann kein Problem sein.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Wenn dem wirklich so ist, würde ich Antrag auf Befreiung stellen. Sollte dann kein Problem sein.

    Antrag auf Befreiung oder Antrag auf Abweichung?

    M.M.n wäre es eine Abweichung der Dachform und der Dachneigung von den Vorgaben.


    Wenn er die offizielle Bauvoranfrage vermeiden möchte, bestünde ja noch die Möglichkeit, das Dach wie gewünscht (mit Antrag auf Abweichung/Befreiiumg/Ausnahme = offiz. Titel d. Formulars) im Bauantrag genehmigen zu lassen aber in der Hinterhand schon die Entwurfsplanung für die Dachform gem. Bebauungsplan zu haben.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Antrag auf Befreiung oder Antrag auf Abweichung?

    "Befreiung" heißt es bei Abweichungen von den Festsetzungen des B-Plans, "Abweichung" bei Abweichung von der Bauordnung.


    Mit den Begrifflichkeiten musste ich mich auch erst anfreunden, aber so wiehert der Amtsschimmel.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas