Sind alle Silikonfugen Wartungsfugen?

  • Guten Abend zusammen


    Mein Freund und ich haben vor 2 Jahren und 5 Monaten das Bad unseres Neubaus durch einen professionellen Betrieb Fliesen lassen. Der Auftragnehmer hat nach Ordnungsgemäßer Prüfung des Restfeuchtegehalts den Estrich für ausreichend trocken befunden. (Prüfung des Untergrundes).


    Die förmliche Nachabnahme der Leistungen erfolgte zufriedenstellend.


    Wir haben nun nach 2,5 Jahren eine Mängelanzeige gestellt, da die dauerelastische Verfugung / Silikonfuge der Acrylbadewanne gerissen ist (Anschlussfuge) und sich die Abschlussfugen rundherum im restlichen Bad an Wand- und Bodenfliesen lösen.


    Ersterer Fall lässt sich womöglich mit dem „setzen“ der Wanne erklären. Letzterer Fall sieht mir eher nach einem Mangel der Materialeigenschaft „dauerhaft“ aus.

    Der Fliesenleger reagierte mit folgender Rückmeldung:

    - Silikonfugen seien Wartungsfugen und würden somit nicht der Gewährleistung unterliegen. Es sei normal und handwerksüblich, dass silikonfugen alle 2-3 Jahre erneuert werden müssten.


    Nach DIN:
    "Als Wartungsfuge sind alle Fugen definiert, die starken chemischen oder physikalischen Einfüßen ausgesetzt sind und deren Dichtstoffe in regelmäßigen Zeitabständen überprüft & ggf. erneuert werden müssen um Folgeschäden zu vermeiden.

    Derartige Belastungen sind gegeben bei permanent auftretenden und schweren chemischen Beanspruchungen und / oder ständigen mechanischen Beanspruchungen.
    >> trifft auf Badewanne ggf zu aber doch nicht auf die Bodenfuge?


    Ein Wartungsvertrag oder eine permanente Kontrolle durch den Auftraggeber bestand nicht und er wies bei Auftragsbeendigung auch nicht auf die Dringlichkeit einer Erneuerung nach 2 Jahren hin.

    Um mich zu vergewissern möchte ich wissen:

    Ist die Anschlußfuge zur Badewanne und Dusche nun eine Wartungsfuge lt der definition der o.g.DIN und in wie weit muss hier Gewährleistung erbracht werden?


    Handelt es sich bei den restlichen im Bad gesetzten Silikonfugen um Wartungsfugen?

  • Boden-Wandfuge ist " Wartefuge ", nicht Wartungsfuge und die Wartepflicht wurde offenbar verletzt, deshalb Mangel. Zudem sind Ausführungsfehler denkbar: Fuge zu groß, zu klein oder unzulässige Dreiflankenhaftung.


    Die Acrylwanne könnte nicht ausreichend befestigt gewesen sein und daher das Silkon bei der Benutzung/Nachgeben der Wanne abgerissen sein, z.B. fehlende Wandbefestigung mit Einhangschienen von z.B. Missel.


    Im Übrigen beachten und im Zuge der Nachbesserung kontrollieren:


    Die Silikonfuge am Wannenrand hat nur optische Funktion ( Fugenverschluß ). Um Durchfeuchtungen der Wand und des Bodens zu verhindern, müßte eine zusätzliche Abdichtung vorhanden sein, d.h. entweder ein Dichtband am Wannenrand und zur Wand hin oder eine Verbundabdichtung an der Wand und auf dem Boden unterhalb der Wanne ( letzteres aber eher nicht zu empfehlen, weil dann bei undichter Wannenfuge die Feuchtigkeit/Wasser auf der Abdichtung unter der Wanne stehen kann und es irgendwann müffelt ). Siehe im Übrigen: Verbundabdichtung in häuslichen Bädern ----> googeln.

  • Boden-Wandfuge ist " Wartefuge ", nicht Wartungsfuge und die Wartepflicht wurde offenbar verletzt, deshalb Mangel.

    Das verstehe ich nicht, Eric.


    Beim Anschluss Boden - Wand kommt es regelmäßig (fast immer) zum Fugenabriss, weil sich schwimmend verlegter Estrich unter Gewicht (Eigengewicht + Nutzung) ein wenig setzt (sofern TSD verlegt wurde, die eben solche "Bewegungen" mitmacht).


    Insofern ist der Fugenabriss hier nicht eben ungewöhnlich und m.E. kein Mangel. Außer natürlich die Fuge als solches wurde mangelhaft ausgeführt, was aber nicht der Fall zu sein scheint, denn...

    Die förmliche Nachabnahme der Leistungen erfolgte zufriedenstellend.

  • Es ist mit (dauerelastischen) Verfugung zu warten, bis diese Bewegungen im Wesentlichen abgeschlossen sind. "Setzung" durch Eigengewicht z.B., "Schüsseln" usw.

    Da hast Du natürlich recht! - Aber hast Du das schon einmal erlebt, dass das praktiziert wurde? =o

    Wir reden ja u. U. von 1 - 2 Jahren.

    Gruß Werner :)

  • Das mag so sein, widerspricht m.E. aber der Lebenspraxis. Wer will schon im Bad über längere Zeit offene Fugen am Boden fluten bzw. größere Ansammlungen von Fusseln, Haaren usw. tolerieren. Ist doch sehr unschön...gar unhygienisch. Nee...echt nicht.

  • Das mag so sein, widerspricht m.E. aber der Lebenspraxis. Wer will schon im Bad über längere Zeit offene Fugen am Boden fluten bzw. größere Ansammlungen von Fusseln, Haaren usw. tolerieren. Ist doch sehr unschön...gar unhygienisch. Nee...echt nicht.

    Uneingeschränkt "d'accord".

    Ich habe aber noch kein Neubaubadezimmer gesehen, bei der die Silikonfuge am Boden/Wandanschluss aus diesem Grund zurückgestellt wurde.


    Ich verstehe auch, DASS es gemacht wird, aber dann ist es eben eine Selbstverständlichkeit, dass das Intervall zum Austausch beim ersten Mal kurzfristiger sein muss.

    Gruß Werner :)

  • aus diesem Grund zurückgestellt wurde.

    Was spricht dagegen die Fuge sofort zu füllen? Dann wird nach einer Wartezeit x eben nachgearbeitet. Die erste Füllung ist dann eine Art Provisorium.

    Kostet ein paar Tuben Acryl und etwas Zeit, und Ärger gibt es erst wenn man meint, dass das Provisorium eine Dauerlösung wäre und die Nacharbeit "vergessen" wird.

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  • Uneingeschränkt "d'accord".

    Ich habe aber noch kein Neubaubadezimmer gesehen, bei der die Silikonfuge am Boden/Wandanschluss aus diesem Grund zurückgestellt wurde.

    Richtig, macht normalerweise kein Mensch. Ich habe es einmal in Absprache mit dem Bauherrn gemacht und es traten genau die Ärgernisse auf, die oben beschrieben wurden. Jetzt ist es ein Punkt auf der Liste der Dinge die ärgerlich, aber nicht zu ändern sind.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Stimmt. Das hatte ich falsch interpretiert, ich war da bereits bei einem (eventuellen) Wartungs"vertrag".

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  • Der einzige, der den verlinkten Aufsatz von Krause gelesen bzw. m.W. auch schon vorher kannte, ist Ralf. Alle anderen Beiträge argumentieren aus dem Bauch und damit an der gesetzlichen Regelung vorbei. Recht ist halt nicht das, was man sich selbst als " Recht " zusammenbastelt und/oder selbst auch so ( falsch ) macht.


    Die Bauzeiten werden zur Profitmaximierung immer kürzer. Notwendige Trocknungszeiten werden nicht eingehalten.


    Richtig erkannt: Wartefuge und die darf nur dann ( zu früh ) verfugt werden, wenn der Bauherr klar, eindeutig und unmißverständlich über das sich hieraus ergebende Risiko des Flankenabrisses belehrt worden ist. Will der Bauherr dann immer noch sofort verfugt haben, handelt er auf eigenes Risiko.


    So what? Der Unternehmer hat es doch selbst in der Hand, seine Gewährleistungsverpflichtung durch ( schriftliche ! ) Freizeichnung abzuwenden.


    Zitat

    Was spricht dagegen die Fuge sofort zu füllen? Dann wird nach einer Wartezeit x eben nachgearbeitet.

    Mit " nacharbeiten " ist es nicht getan. Die gerissene Silikonfuge muß herausgeschnitten, eine neue Rundschnur eingebaut und neu " silikoniert " werden. Wenn hinter dem Fugenfüller Silikon noch eine umlaufende, abgedichtete Randfuge ist ( z.B. Bad mit bodentiefer Dusche mit ( wie immer ) nicht 100% dicht schließender Duschabtrennung ist ), muß darauf geachtet werden, dass die umlaufender Dichtbänder nicht beschädigt werden. Die Erneuerung der Fuge ist daher deutlich teurer als die Erstanbringung und das bereits - wie hier - nach zwei Jahren.


    Auch das muß dem Bauherren klargemacht werden, wenn die Rückstellung des Estrichs nicht abgewartet wird und sofort " silikoniert " wird. Denn der hat kaum Lust darauf ( siehe TE und zu Recht ), die Kosten von rund 10,00 €/lfdm + Kosten rausschneiden und Erschwernis aufzubringen, wenn dies bei richtiger Behandlung der " Wartefuge " nicht erforderlich ist.


    Erstaunlich, dass die " Wartefuge " auch hier zur " Wartungsfuge " umgetauft wird, obwohl die Definition in der einschlägigen DIN dies gerade nicht hergibt.

  • Alle anderen Beiträge argumentieren aus dem Bauch und damit an der gesetzlichen Regelung vorbei.

    Also gut, dann geht der Baualltag eben auch am Recht vorbei. Und : Ja, ich gebe es zu, ich habe von einer Wartefuge noch nie gehört. Und, wie auch Skeptiker schrieb, der es schon einmal als "Wartefuge" gehandhabt hat, so birgt das Warten und Verschieben der Verfugung auf einen späteren Zeitpunkt hin, so viel Ärgerpotential und geht derart an der Lebensrealität vorbei, dass es zwar rechtlich anders geregelt sein mag, aber m.E. nicht "gebrauchstauglich" ist. Ich bin mir auch sicher, dass es im Dickicht des Baudschungels noch viele Dinge gibt, die ich nicht vollständig kenne.


    Und: Alleine schon das Ansinnen über derartige Dinge endlose Belehrungsgespräche mit dem Bauherren (was könnte alles so passieren usw.), am Besten ein Formblatt darüber, dass aufgeklärt und vor allem auch verstanden wurde, was aufgeklärt wurde, usw. usf.,...nee...echt nicht....sorry.

  • Wenn Gewinnmaximierung und "schnell, schnell" die Lebenswiklichkeit bestimmen, dann ja, Sonst nein. Das wäre so, als würde man das Urteil gegen die Strassenrowdies als an der Lebemswirklichkeit vorbei bezeichnen, nur weil viele sich als Rowdies im Verkehr benehmen.

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  • Wenn Gewinnmaximierung und "schnell, schnell" die Lebenswiklichkeit bestimmen, dann ja, Sonst nein.

    Das hat doch, Ralf, nichts mit Gewinnmaximierung zu tun.


    Stell Dir mal vor...Bad...WC...Flur...alles potentiell nasse Bereiche. Auch mal schmutzige Bereiche. Man wischt, schiebt den Dreck in die Fuge. Dort feiern in Kürze achtbeinige Gesellen und kleineres Krabbelzeug eine nimmer enden wollende Party. Ich kann doch ein Haus nicht 1 - 2 Jahre normgerecht (!) bewohnen und dann die siffige Fuge schließen. Fragt sich ob bei all dem Schmodder , der dann schon in der Fuge klebt eine fachgerechte Flankenhaftung überhaupt noch möglich ist. Und ob man damit eine schützenswertes Biotop zerstört.

  • Das hat doch, Ralf, nichts mit Gewinnmaximierung zu tun.

    Doch - wenn die Fugen Gewährleistung sind, siend die Kosten dafür beim BU, bei Geährleistung beim AG, Also sinkt das Risiko, der Gewinn steigt,


    Du kannst die ja auch schliessen. Musst nur vorher sagen. " Unterliegen nicht der Gewähr". Bzw, der BU müsste das tun

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  • Stell Dir mal vor...Bad......

    Niemand kann Dir verbieten die Fuge(n) zu verschließen, Du darfst das halt nur nicht dem Bauherren als bereits fertige Leistung "verkaufen". Abwarten bedeutet ja nicht, dass Du vor einer offenen Fuge sitzen musst.

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  • Zitat

    Du kannst die ja auch schliessen. Musst nur vorher sagen. " Unterliegen nicht der Gewähr". Bzw, der BU müsste das tun

    Oft zu lesen im Angebot oder Vertrag: Silikonfugen sind Wartungsfugen und unterliegen ( daher ) nicht der Gewährleistung.


    Das reicht zur Enthaftung nicht aus, da es eine bloße Rechtsmeinung und die auch noch unzutreffend ist. Es fehlt die Belehrung durch den AN und die hierauf beruhende eigenverantwortliche Entscheidung des AG: mache es, die späteren Flankenabrisse und die Kosten für die dann fällige Erneuerung nehme ich in Kauf.


    Ihr denkt rechtlich viel zu kompliziert:


    Der Rechtsbegriff Mangel ist mehrgliedrig, d.h. er hat mehrere Anknüpfungstatsachen. Eine davon ist die Abweichung von der üblichen Beschaffenheit. Silikonfugen reißen nicht innerhalb der Gewährleistungszeit ( und gegebenenfalls auch noch länger nicht ), wenn sie erst angebracht werden, wenn sich die " Estrichohren " wieder angelegt haben. Also soll man warten. Wird nicht gewartet ist das ein Ausführungsfehler ( zu früh ) Den Mangel hat der Unternehmer zu verantworten, wenn er nicht belehrt und sich hiermit von dem eingetretenen Mangel enthaftet/freigezeichnet hat. Der Archi haftet mit, wenn er die zu frühe Silikonierung veranlaßt ( Planungsfehler ) oder nicht gestoppt hat, ohne sich insoweit gegenüber dem AG freizuzeichnen.

  • Ralf Dühlmeyer Was verstehst Du unter mechanisch Trocknen?

    Ich lass die Wannen auch auf den Rohboden stellen, den Estrich belegreif heizen und selbstverständlich liegt die Trittschalldämmung lange vor dem Estrich. Trotzdem halte ich soead nach ein paar Jahren für unvermeidlich und bin noch nie auf die Idee gekommen, dem Fliseur dafür eine Mängelrüge zu schicken:




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Das reicht zur Enthaftung nicht aus, da es eine bloße Rechtsmeinung und die auch noch unzutreffend ist. Es fehlt die Belehrung durch den AN und die hierauf beruhende eigenverantwortliche Entscheidung des AG: mache es, die späteren Flankenabrisse und die Kosten für die dann fällige Erneuerung nehme ich in Kauf.

    Sorry, aber auch wenn das so zweifellos korrekt ist: Wenn dann ein AG 2 Jahre später mit dieser Argumentation seines Anwalts um die Ecke kommt und vom AN kostenlose Nachbesserung verlangt, weil er ja nicht korrekt belehrt worden sein, dann könnte ich echt ko*****.

    Es gibt auch ein Leben außerhalb von Paragraphen, und die ist mir viel sympathischer.

  • Ralf Dühlmeyer Was verstehst Du unter mechanisch Trocknen?

    Nicht belegreifheizen (Aufheizprotokoll ist klar), sondern trocknen "wie nach einem Wasserschaden", also alles nicht chemisch oder Kristalin gebundene Wasser mittels Heißluft in der Dämmschicht AUS dem Gebäude schaffen (trocknet den Bau gleich noch mit)

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