Fragen zur Beweislast

  • Hi,


    würde gerne wissen,wer die Beweislast hat.


    Am 14.01.2019 sind die 5 Jahre Gewährleistung rum.Also war die Idee,noch ein Punkt mit in das Beweisverfahren aufzunehmen.


    Wir hatten vor ca.1-2 Jahren ein P-SV hier,dem habe ich mal den Dachboden gezeigt.Bei der Abnahme und Besichtigung der ersten beiden P-SV

    war das noch nicht möglich.

    Da war noch kein Boden im Dachboden verlegt.


    Der zweite hat sich das dann angeschaut und hat folgendes von sich gegeben.

    Das Windrispenband,was ja wie ein X pro Dachseite gespannt ist,war auf der Seite vo die Dachgaube ist,ab der hälfte lose.

    Das müsste laut ihm gespannt werden.Das zum Windrispenband.


    Aber nun zur Rechtsfrage/Beweislast.


    Wir haben vom GÜ die statischen Berechnungen erhalten,in dieser sieht man aber eine ganz andere Ausführung vom Dach.

    Die Ausführung hat mit der Ausführung vom Tragwerkplaner nicht mehr zutun.


    Der P-SV meinte hierzu nur,sie haben mehr bekommen als vom Tragwerkplaner verlangt.Soweit so gut.

    Nur gibt es aber für die neue Ausführung keine neuen Pläne/Unterlagen/Berechnungen.


    Erstmal bin ich in der Beweislast.Ich muss ja erstmal die G-SV bezahlen,damit sie bestätigen können,ja das Dach wurde nicht laut statischen Berechnungen ausgeführt.

    Das festzustellen ist nicht schwer.


    Nun muss aber bestimmt noch die neue Ausführung neu gerechnet werden.Da muss also ein Statiker her.


    Trägt nun die Beweislast der GÜ ?

    Wir tragen ja nur solange die Beweislast,solange nicht klar ist,das hier eine Abweichung von den statischen Berechnungen besteht.


    Mein Anwalt ist immer der Meinung,das immer ich die Beweislast trage.Das würde bedeuten,ich müsste auch die neue Ausführung durch den G-SV berechnen lassen.Und ich in Vorleistung gehen muss.Ist das wirklich so ?


    Trage ich immer sämtliche Kosten,obwohl nachgewiesen ist,das der GÜ sich nicht an die Vorgaben in den statischen Berechnung gehalten hat ?

  • Pin Cho - ja klar, die Beweislast ist immer nur bei Dir ... Du behauptest ja, das dies oder jenes mangelhaft wäre ... der AN behauptet ja nichts, also muss er auch nichts beweisen ...


    Und klar, Du musst alle Kosten vorschiessen und es steht in den Sternen, ob Du jemals etwas davon sehen wirst ...


    Wenn das Dach schon seit Jahren hält, dann muss es doch mangelfrei sein, oder? Ansonsten würde da etwas einstürzen oder reinregnen oder so ...

  • rodop


    Als Laie kann ich es bis zu dem Punkt verstehen,das ich die Beweislast habe.


    Wenn wir also behaupten/festgestellt haben,das die Ausführung nicht der Ausbührung der statischen Berechnung entspricht.

    Also zahlen wir den Vorschuss bis dahin,bis der G-SV diesen Punkt nachgegangen ist.


    Stellt er also fest,ja die Ausführung ist nicht wie das der Tragwerkplaner haben wollte.Der Tragwerkplaner ist vom GÜ.


    Nun ist meiner Meinung nach dieBeweislast nicht mehr bei mir.Für die neue Ausführung müsste es ja neue Berechnungen geben.

    Oder nach welchem Plan wurde nun das Dach erstellt.


    Hier scheint es tatsächlich so zu sein,das irgendwelche wichtigen Unterlagen nicht zu befolgen sind.

    Das Beispiel hatten wir ja beim Baugrundgutachten.


    Die da genannten Varianten zu Gründung wurden ja auch nicht so ausgeführt.Da war es ein Mix aus allem.

    Da hat man zwar die DST Gründung ausführen wollen,aber sich an die Höhe nicht gehalten.


    Und auch hier haben wir den Geologen bezahlt.

    Obwohl die G-SV bestätigt hat,die Gründung entspricht nicht dem Baugrundgutachten.


    Haben Richter hier freie Wahl wer den Vorschuss zu zahlen hat ?

    Oder müssen sie sich genau an Vorgaben halten,ab wann wer die Beweislast trägt.


    Weil die Aussage vom P-SV vor ca. 1-2 Jahre hat sich noch anders angehört.


    Der GÜ weicht vom SOLL- Wert ab.Die neue Konstrunktion hätte vom Tragwerkplaner neu berechnet werden müssen.Es hätte also neue Pläne geben müssen.Gibt es die ?


    Noch eine Frage.

    Wenn eine Partei einen Vorschuss leisten muss,bekommt die Gegenseite das auch mitgeteilt ?

    Bekomme ich also auch ein Schreiben vom Landgericht,das der Antragsgegner ein Vorschuss leisten muss ?


    Beim letzten Brief war das so,das dort stand,es ist ein Vorschuss je 750 euro je Partei zu zahlen.

    Bis jetzt stand aber immer dran wofür der Vorschuss zu zahlen ist.

    Jetzt wird nicht mal mehr das mitgeteilt.


    Rodop wie war das bei euch.Wurde euch immer mitgeteilt wofür ihr den Vorschuss zahlen müsst ?

  • Du verstehst etwas falsch, du musst ordentlich beweisen, dass ein Mangel besteht.

    Auch wenn die Ausführung jetzt anders ausgeführt wurde als sie geplant war, heißt das noch lange nicht, dass ein Mangel vorliegt.

    Die Ausführung kann gleichwertig oder auch höherwertig sein, evtl. kann sie auch minderer Qualität sein, wenn nichts anderes geschuldet ist und die Ausführung so zulässig wäre.

  • Brombeerdone


    Für was brauche ich dann ein Tragwerkplaner ?

    Einen Geologen/Hydrologen der ein Baugrundgutachten erstellt ?


    Wenn am Ende der GU/GÜ sich daran nicht halten muss.

    Wenn ich eine Zeichnung vom Kunden erhalte,und in der genau festgelegt ist,welche Toleranzen einzuhalten sind,

    dann produziere ich doch das Teil auch nicht in 100.000 facher Menge nach meinen Vorstellungen.


    Das Teil ist dann 100.000 mal falsch erstellt worden.Dann gehen die Teile zurück und müssen neu gemacht werden.

    Zwar kann es sich hier um eine kleine Abweichung handeln,aber trotzdem ist es nicht nicht Plan.

    Hier gibt es kein grosses hin und her.

  • Brombeerdone - wenn die Firma also auch entgegen den Bauantragsunterlagen baut (die ja die Grundlage für den Vertrag mit dem Bauherren bilden), dann ist das Werk trotzdem mangelfrei, wenn es gleichwertig ist?

    Habe ich das jetzt richtig verstanden?

  • Brombeerdone - in dem vom Skeptiker verlinkten Artikel steht u.a.

    "Haben die Parteien eine bestimmte Beschaffenheit des Werkes vereinbart, ist dann ein Sachmangel gegeben, wenn das Werk diese bestimmte und vereinbarte Beschaffenheit nicht aufweist. Hiernach liegt sogar grundsätzlich auch dann ein Mangel vor, wenn beispielsweise ein höherwertiges Gerät verbaut wurde, als vertraglich vereinbart."


    Heisst das, dass der Fachanwalt, der das dort geschrieben hat, einfach alles das falsch verstanden hat?

  • Es kommt eben auf den Vertrag an. Wenn ich Laminat bestellt habe und Parkett bekommen habe, schon. Ebenso wenn ich statt einen 316 BMW einen 320 bekommen habe.

    Wenn ich aber ein Stück normgerechtes Haus bestellt habe und die (relevanten) Beschaffenheiten 1:1 sind nicht.

  • Brombeerdone - kaum jemand aber bestellt irgendein "normgerechtes Haus", im Bauantrag steht auch mehr als "irgendein normgerechtes Haus".


    Warum sollte man eine andere Statik bekommen als die , die von der Baubehörde genehmigt und mit dem AN vertraglich vereinbart wurde?

  • Ist es z.B. ein Mangel wenn man V4A- Schrauben anstatt den geforderten V2A verwendet?

    tja , unter umständen kann sowas ein lebensgefählicher mangel sein


    die physikalischen/mechanischen eigenschaften , welche zur auswahl bestimmter schrauben führen sind durch berechnungen festgelegt . und nicht immer hilft mehr mehr .

    z.b.: eine verschraubte verbindung im bereich der kraftübertragung soll bei einer bestimmten überlast nachgeben => sollbruchstelle . damit das gesamte system nicht zerstört wird , wenn sich irgendwas verhakt.

    wenn da einer meint , weil in der werkzeugkiste noch ein paar superduperschrauben rumfliegen , tue er der menschheit einen gefallen , wenn er die verwendet , könnte es sein , das er einen gigantischen schaden arichtet....

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Zitat: 3. Vergeblich macht die Berufung geltend, dass der weitere von den Beklagten gerügte Mangel, dass die im Dachgeschoss zwischen den Kinderzimmern befindliche Wand vertragswidrig als "tragende Wand" statt als "nicht tragende Wand" ausgeführt sei, nicht vorliege. Der Einzelrichter hat zutreffend festgestellt, dass insoweit ein Verstoß gegen eine vertragliche Beschaffenheitsvereinbarung vorliegt, auch wenn die von der Klägerin gewählte Ausführungsweise keinen Sachmangel im Sinne von § 633 Abs. 2 Satz 2 BGB darstellt.



    a) Ein Mangel liegt auch vor, wenn die Ausführungsweise nicht der vereinbarten Beschaffenheit entspricht (§ 633 Abs. 2 Satz 1 BGB). Diese Voraussetzungen sind hier gegeben.

  • rodop


    Ausführen muss der GÜ das nicht wie in den statischen Berechnungen.Nur woher hat der Dachdecker nun gewusst,wie und was er ausführen muss.

    Auch passt es nicht,was in den Werkplänen eingezeichnet ist.Im OG sind einmal im Flur und einmal im Kinderzimmer ein Pfosten eingezeichnet.

    Der Pfosten im Kinderzimmer fehlt.


    Die ersten beiden P-SV haben mir vor Ort dann folgendes dazu gesagt.

    Ich habe ihm das gezeigt,das hier doch ein Pfosten eingezeichnet ist.Welche funktion er hat,weiss ich nicht.Sieht so aus,als ob er einen Balken abstützt.

    Der P-SV meinte nur dazu,vieleicht haben sie das irgendwie anders gelöst:eek:

  • Noch einmal der wesentliche Punkt: Der Auftragnehmer schuldet nach § 633 BGB "... die nach dem Vertrag vorausgesetzte"n Eigenschaften, sonst, dass sich das Werk "für die gewöhnliche Verwendung eignet und eine Beschaffenheit aufweist, die bei Werken der gleichen Art üblich ist und die der Besteller nach der Art des Werkes erwarten kann." Letzteres entspricht den "a.R.d.T.".


    Ob das Haus der Statik oder der Planung entspricht (und sogar ob es überhaupt eine Planung gibt), ist dabei unbeachtlich, solange das Haus die öffentlich rechtlichen Vorgaben einhält und dem Bauvertrag / der Bauleistungsbeschreibung und den a.R.d.T. entspricht.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Die Frage ist falsch gestellt, weil es nicht um die Beweislast, sondern um die hiervon zu trennende Vorschußlast geht,


    Nach § 397 ZPO hat diejenige Partei den Auslagenvorschuß zu zahlen, die sich auf das Beweismittel beruft ( = der Beweisführer ). Im selbständigen Beweisverfahren ist " Beweisführer " immer der Antragsteller, den der will durch ein gerichtliches Sachverständigengutachten ( = Beweismittel ) geklärt haben, ob


    - das Werk mangelhaft ist,

    - worauf der Mangel beruht ( Planungs- und/oder Ausführungsfehler ),

    - ob und wie er Mangel zu beheben ist,

    - was die Mangelbeseitigung voraussichtlich kostet usw.


    Das Ergebnis des selbständigen Beweisverfahrens macht der AS dann zunächst zum Inhalt von Verhandlungen mit dem AG und wenn die Verhandlungen nicht zum Erfolg führen, muß er auf der Grundlage des selbständigen Beweisverfahrens Klage erheben. Die Kosten der Klage und des selbständigen Beweisverfahrens trägt dann diejenige Partei, die nach dem Urteil unterliegt.


    Das selbständige Beweisverfahren ist also von Natur her für den AS ein " Vorschußverfahren " mit Kostenerstattungspflicht des Gegners bei später obsiegendem Urteil ( oder freiwilliger Kostenübernahme durch den Gegner, weil ein Prozeß auch nach seiner Ansicht keine Aussicht auf ein klageabweisendes Urteil hat ).


    Einzige Ausnahme: Wenn sich der AG gegen das für ihn nachteilige Erstgutachten wehrt und ein Gegengutachten oder andere/neue Beweismittel anbietet, dann ist er hierfür kostenvorschußpflichtig.


    Hiervon zu trennen ist die Beweislast. Diese entscheidet darüber, wer den späteren Prozeß verliert, weil eine beweiserhebliche Tatsache nicht zu beweisen ist. Hierbei gilt der Grundsatz, dass diejenige Partei, die etwas haben will ( = Kläger ) alle anspruchsbegründenden Tatsachen zu beweisen hat und der Gegner alle anspruchsvernichtende Tatsachen. Hiervon gibt es im Gesetz Ausnahmen. Im Werkvertragsrecht ist es die Beweislastregel vor und nach der Abnahme für den Mangel und auch nur insoweit, also nicht für Anschlußfragen, z.B. die Höhe des Vorschußanspruchs, des Schadens usw.


    siehe hier:


    Prütting/Gehrlein, ZPO Kommentar, ZPO § 379 – Auslagenvo ... / C. Beweisführer | Deutsches Anwalt Office Premium | Recht | Haufe


    Beispiel:


    Der Unternehmer klagt den Restwerklohn ein. Dann muß er bis zur Abnahme beweisen, dass er das Werk mangefrei erstellt hat, also wird er hierfür auch Beweis antreten, weil er anderenfalls beweisfällig bleibt und alleine deswegen den Prozeß verliert. Er wird durch den Beweisantritt ( z. B. Antrag auf Einholung eines Sachverständigengutachtens ) zum Beweisführer iSd § 397 ZPO. Der Unternehmer verliert dann den Prozeß, wenn sich im Zuge der Beweisaufnahme herausstellt, dass das Werk mangelhaft ist oder aber durch Beweisaufnahme ( eher seltener Fall ) nicht zu klären ist, ob es mangelfrei ist.


    Anders liegt die Sache dann, wenn das Werk bereits abgenommen wurde. Dann trägt die Beweislast im Prozeß (!) bekanntlich der Auftraggeber. Also ist er in diesem Fall auch Beweisführer, weil er die Mangelhaftigkeit darzulegen und zu beweisen hat.


    Fazit: Beweislast gibt es nur im Prozeß und nicht im selbständigen Beweisverfahren, das einen etwaigen späteren Prozeß lediglich vorbereitet.


    Die hiervon zu trennende Vorschußlast richtet sich allein danach, wer das Beweismittel zur Durchsetzung seines Anspruchs benötigt und sich insofern hierauf auch beruft, d.h. es in den Prozeß einführt.


    Anderes Beispiel:


    Der Auftraggeber will nach fruchtlosem Ablauf der gesetzten Nachbesserungsfrist Kostenvorschuß. Dann muß er die Voraussetzungen des Vorschußanspruchs und dessen Höhe darlegen und hierfür Beweis antreten. Also ist er insoweit auch Beweisführer und hat den Auslagenvorschuß zu zahlen. Erst nach der Beweisaufnahme ist vom Gericht darüber zu entscheiden, ob der Beweis geführt oder nicht geführt worden ist und welche Rechtsfolge sich im Falle der Nichterweislichkeit ergibt = Beweislast.

  • Und was sagt uns das:


    Wenn man im selbständigen Beweisverfahren eh die Vorschußlast hat, dann ist zu überlegen, ob man die anspruchsbegründenden Tatsachen nicht in einem Privatgutachten zunächst für einen selbst klären läßt, dieses Gutachten dem Gegner vorlegt und danach - wenn das Privatgutachten hinreichend fundiert ist - klagt, statt sich mehr oder weniger im " Blindflug " auf ein vorgeschaltetes selbständiges Beweisverfahren einzulassen, das von den Gerichten meist nicht ordnungsgemäß betrieben wird, weil es keine " Punkte " bringt und womöglich vom Gegner durch " Bodennebel " bis ins uferlose verwässert wird.

  • ...klagt, statt sich mehr oder weniger im " Blindflug " auf ein vorgeschaltetes selbständiges Beweisverfahren einzulassen, das von den Gerichten meist nicht ordnungsgemäß betrieben wird, weil es keine " Punkte " bringt und womöglich vom Gegner durch " Bodennebel " bis ins uferlose verwässert wird.

    Auch meine Erfahrung. Aber klären die Anwälte ihre Mandanten wirklich in diesem Sinn auf?


    Ich: "Aber ich habe doch alle Verträge als Beweis."

    Anwalt: "Die tun jetzt nichts zur Sache, wir beantragen erst einmal ein Selbständiges Beweisverfahren, dann sehen wir weiter."


    Im Verlauf des Beweisverfahrens Anwalt gewechselt.


    Neuer Anwalt: "Völlig falsche Taktik."

    Ich: "Warum hat er die gewählt?"

    Neuer Anwalt: "Vielleicht wollte er sich Arbeit ersparen? Also erstmal Sache ins Selbst. Beweisverfahren abschieben. Dann Klage nur mit dessen Ergebnis erheben. Fertig. Bringt ihm zwei Verfahren und zweimal Geld."

  • Zitat

    Aber klären die Anwälte ihre Mandanten wirklich in diesem Sinn auf?

    Wenn der Fachanwalt zwar viel vom Recht, aber wenig vom Bauen versteht, dann klärt er mit dem selbständigen Beweisverfahren nur die Punkte, die ihm sein Mandant als Laie im Besprechungstermin in der Kantlei präsentiert hat. Das sind mitunter die falschen Punkte oder die Fragestellung, die der Anwalt im selbständigen Beweisverfahren selbst zu formulieren hat, ist laienhaft unvollkommen. Schlimmstenfalls werden andere gewichtige Punkte übersehen.


    Das Privatgutachten hat den Vorteil, dass ein Fachmann sich - möglichst im Beisein des Anwalts - den Bau vor Ort ansieht und danach besprochen wird, was weiter aufgeklärt werden soll. Wenn dann immer noch ein selbständiges Beweisverfahren vorgeschaltet werden soll, kann der Anwalt mit der Unterstützung des Privatgutachters zumindest die Beweisfragen umfassend und richtig formulieren ( vorausgesetzt der Privatgutachter versteht sein Geschäft ).


    Zitat

    "Aber ich habe doch alle Verträge als Beweis."

    Der beweist nur, dass Du mit dem Unternehmer X einen Vertrag mit dem Inhalt Y hast. Er reicht also als Beweismittel aus, wenn es um klare und eindeutige inhaltliche Punkte geht.


    Beispiel: grüner Fassadenanstrich bestellt und blauer Anstrich ausgeführt ( Beschaffenheitsfehler ). Das kann dann der Richter im Streitfall noch selbst nach Durchsicht des Vertrags in einem Ortstermin klären. Geht es um Farbnuancen reicht der Vertrag allein u.U. schon nicht mehr aus.


    Und zu der Frage, ob, wie und mit welchen Kosten der vorhandene blaue Anstrich grün zu bekommen ist, gibt der Vertrag schon überhaupt nichts her.


    Die Streitpunkte liegen in den Baurechtsfällen aber meist auf anderem Gebiet: Wurde in bautechnischer Hinsicht die geschuldete Qualität erbracht? Dann beginnt es schon mit der Vorfrage, was denn die geschuldete Qualität war.


    Beispiel: Unternehmer hat die aRdT nicht eingehalten; dies hat sich am Bau aber ( noch ) nicht ausgewirkt ( sog. Mangel ohne Schaden ).


    Wie soll ein Anwalt damit ohne fachliche Unterstützung umgehen? In der Regel wird er nicht einmal wissen, was im konkreten Fall aRdT war, geschweige denn, ob sie eingehalten worden sind. Und danach noch die Anschlußfragen: Wie ist der Verstoß gegen die aRdT zu heilen, Kosten, Verhältnismäßigkeit im Rechtssinne usw. Das kann man natürlich im " Blindflug " auch in einem selbständigen Beweisverfahren klären lassen. Meiner Ansicht nach ist es aber sinnvoller, dies durch ein Privatgutachter seines Vertrauens klären zu lassen, damit man weiß, wohin der " Zug " fährt. Nur hierdurch erfährt man auch, ob ein etwaiger Nachbesserungsvorschlag des Unternehmers erfolgversprechend und dauerhaft ist.


    Zitat

    Bringt ihm zwei Verfahren und zweimal Geld.


    Nicht ganz: Denn die 13/10 Verfahrensgebühr des selbständigen Beweisverfahrens muß er sich im Hauptsacheverfahren anrechnen lassen. Er erhält nur die 12/10 Terminsgebühr zwei Mal, wenn er bereits an den Ortsterminen des Sachverständigen im selbständigen Beweisverfahren teilgenommen hat.

  • Eric


    Mal wieder richtig.Es geht um den Vorschuß.Wer hat ihn zu bezahlen.

    Hat das Gericht nach Lust und Laune zu entscheiden ?


    Bis zu einem Punkt ist es klar.Ich behaupte das Dach wurde nicht so erstellt wie es in den statischen Berechnungen angegeben ist.

    Nun muss der G-SV das in einem neuen Ortstermin klären.Stellt er fest,das meine Behauptung richtig ist,geht es nun darum,

    ob die Ausführung vom GÜ gleichwertig,besser oder falsch ist.


    Da es aber keine neuen Pläne/Berechnungen vom jetzigen Zustand gibt,bin ich der Meinung(Laie) das nun der Gü den Vorschuß zu zahlen hat.

    Also den für den G-SV (Statiker)


    Roth


    Ein Beweisverfahren bringt dem Anwalt nicht viel mehr Geld ein.Wenn ich überlege wieviele Briefe er schon verfasst hat,dann kommt er nur noch

    zu einem grünen Nenner wenn wir tatsächlich abreissen müssen.Weil dann der Streitwert extrem hoch ist.

    Momentan hat er nur Geld gesehen,wenn er an Ortstermine teilgenommen hat.


    Eric


    Wir müssten den Weg über das Beweisverfahren gehen.

    Um so vorgehen zu können,wie sie das geschildert haben,benötigt man einen Guten Privaten Sachverständiger.

    Dann kann man den Weg direkt über eine Klage gehen.


    Wenn aber der eigene Anwalt unserem P-SV eine Absprache mit dem GÜ unterstellt hat,kommt man mit so einem P-SV nicht weit.

    Das Gutachten wirft mehr fragen auf,als das es uns geholfen hat.


    Leider geht es so weiter wie es begonnen hat.Die G-SV sind auch nicht besser als unser ersten Privater SV.

    Die Architektin (G-SV) nimmt einen Auftrag an,ohne davon Ahnung zu haben.

    Also muss erstmal weitere G-SV beauftragt werden.


    Das nun die Gegenseite unseren Vorschlag annimmt,das der Geologe den Antrag stellen soll,war mir klar.

    Weil dieser G-SV erst den GÜ wieder ins Spiel gebracht hat.

    Mit seinem wunschdenken und Aussage vor Gericht,das es kein Schichtwasser ist,was zwar im Baugrundgutachten steht,

    interessiert niemand.Der Geologe ist ja der Experte.


    Ein weiteres Problem ist,finde erstmal jemand der die Sanierung durchführen würde.Von drei Sanierungsunternehmen,

    haben alle drei abgeleht.

    Zuviel Aufträge,nicht ihr Gebiet usw..


    Geht ja nun weiter.Lehnt der G-SV ab,er stellt nicht den Antrag,dann müssen wir einen Architekten finden.

    Wie geht ein Architekt vor.Übernimmt er 1:1 die Behauptung vom Geologen.Und somit das es kein Schichtwasser ist.

    Oder wird er bedenken anmelden,das ja im Baugrundgutachten was von Schichtwasser steht.


    Gibt er nun im Antrag an,das Schichtwasser abgeleitet wird.Dann können wir uns den Antrag sparen.

    Das ist dem G-SV ja auch klar.Sowas wird nicht genehmigt.


    Dann geht der Mist von vorne los.Wieso gibt der Architekt Schichtwasser an.Es ist ja laut Geologen keins.

    Die Gegenseite wird unseren Antrag dann nicht akzeptieren.


    Zum Dach Problem und Anfangsfrage zurück zu kommen.

    Statische Berechnungen sind nicht geschuldet ?

    Im Werkvertrag wird nichts davon stehen.

    Werkpläne geben da auch nichts her.

    Der Rohbauer stellt also sein Rohbau hin,und der Dachdecker wirft seine Balken oben drauf,so wie er es schon immer gemacht hat,

    und das hebt ja bis jetzt ja.


    Also sollten wir den Punkt nicht weiter verfolgen ?

  • Pin Cho ,


    ganz banal gesagt

    du hast ein Haus bestellt und geliefert bekommen ohne konkrete Statik Vorgaben vorzugeben. Ergo kannst du dich in diesen Punkten nicht weit aus dem Fenster lehnen. Wie der Erbauer die Statik erfüllt (die das jeweilige Bauamt /Genehmigungsbehörde auf dem Papier prüft). ist ein ding.

    Weicht die Ausführung negativ ab (wie bei deiner Bodenplatte dessen Dachdichtung) (Sichtbarer Mangel) kannst du dass einfordern.


    Legst du aber beim Bau deines Hauses den Firmen deine Eigene (gekaufte) Statik vor und verlangst vertraglich dannach zu bauen, muss dies auch so gebaut werden.


    Du könntest ja mal die Statik und die aktuelle Ausführung des Bauteils in dokumentierter Version deiner Baubehörde vorlegen mit dem verweis auf die Differenzen zwischen Sollte und IST. Steht das Amt dann pülötzlich vor der Tür und wirft dich raus, hast du ein Akutes Statikproblem,

    :thumpsdown:

  • Nein, denn er selber hat ja keine Statik beauftragt beim Statiker. bzw steht wahrscheinlich in seinem Auftrag dem er seinem GU / BT erteilt hat nicht drin, das sich der jeweilige AN an Statik XY von Statiker-Mustermann vom 1.11.2011 zu halten hat.

    :thumpsdown:

  • ok, ich dachte, dass es immer so abläuft - zuerst Statik erstellen lassen, dann mit Bauantrag bei der Baubehörde einreichen, dann diese Statik der Baufirma vorlegen und die ist dann verpflichtet, nach dieser genehmigten Statik zu bauen ...


    Aber ok wenn es auch anders geht ...

  • Eric


    Vielen Dank für Ihre hilfreichen Ausführungen!

    Sie beschreiben eine gute Zusammenarbeit zwischen Privat-SV und Anwalt in der Vorbereitung als wünschenswert und nötig, aber in der Praxis ist die Konstellation manchmal eine andere.

    Meine öbuv Privat-SV z.B. haben sich mehr oder weniger außerstande gesehen, mit meinem damaligen Anwalt in erforderlichem Umfang zusammenarbeiten zu können. "Ich als langjähriger Bauanwalt sage aber..."

    Leider habe ich erst nach Einreichung des Selbst. Beweisverfahrens den Mut aufgebracht, ihm das Mandat zu entziehen. "Überlegen Sie sich das nochmal. Ihre Privat-SV sind doch jetzt draußen."


    Der Gerichts-SV wäre nochmal ein Kapitel für sich.


    Für Bauherren ist das alles eine Erfahrung, auf die sie nicht vorbereitet sind. Zumindest in der Anwaltskanzlei täte deshalb manchmal mehr Aufklärung gut.