Balkon mit Gefälle zum Haus (Neubau)

  • Hallo zusammen,


    bin neu hier und würde mir gerne zu einigen Problemen zu einer Neubau-Eigentumswohnung euren Rat holen.


    Schon während der Bauphase ist mir aufgefallen, dass auf dem Balkon Wasser steht. Nicht nur eine Pfütze, sondern flächendeckend.

    An der Balkontür stand das Wasser ca. 2,5cm hoch und bis zur Balkonbrüstung auf der anderen Seite (als nach 2m) konnte man dann irgendwann den Boden sehen. Bild liegt bei.

    Ein Sachverständiger hat ausgemessen, dass eine Neigung von über 1% zum Haus vorliegt.


    Ursprünglich hatte der Bauträger ein Gefälleestrich geplant - den hat er dann aber (ohne Absprache ) kurzfristig verworfen und hat mit Flüssigkunststoff abdichten lassen.

    Das Gefälle wurde vorher nicht ausgeglichen.


    Schon im letzten Dezember (vor Abnahme) habe ich den Bauleiter darauf hingewiesen.

    Er lies mir darauf hin einen Auszug zur DIN 18531 zukommen und berief sich auf die Aussage seines Abdichters, dass man Dächer (und dazu sollen angeblich auch Balkone gehören) auch ohne Gefälle bauen kann - wenn man eine Abdichtung höherer Qualität (k2) verwendet.

    Im Übrigen würde man später nichts mehr davon merken, dass durch den zu verlegenden Splitt das Wasser verdrängt wird.


    Mein Sachverständiger weist auf Teil 5 der DIN-Vorschrift hin, wonach für Balkone ein Gefälle von mehr als 1,5% "empfohlen" wird. Auch nannte er einige Nachteile von stehendem Wasser unter Splitt.


    Inzwischen ist bekannt, dass der Bauträger alle im Bau vorhandenen Balkone mit Gefälle zum Haus erstellt hat!

    Letzte Woche hatten wir und endlich Termin für die Abnahme des Gemeinschaftseigentums. Mein Sachverständiger war wieder dabei. Die Balkone und deren komplettes Entwässerungskonzept sind jetzt aus der Abnahme herausgenommen worden.

    Der Bauträger glaubt aber, dass er im Recht ist.


    Nun zur spannenden Frage:

    Gibt die DIN 18531 oder sonstige anerkannte Regeln zur Baukunst, die Balkonoberflächen mit Gefälle hin zum Haus beim Neubau rechtfertigen?


    Danke schon im Voraus!


    Chrissi

  • Anscheinend ist ja um den Balkon eine komplette Umrandung. Wo sollte denn das Wasser überhaupt hin entwässern ? Irgendwohin müsste es ja weg.

    Falls da nix geplant ist, hättest du ja so oder so ein Schwimmbad.

    Könnte man nicht am Haus noch eine Bohrung machen und dann mit Regenrinne alle Balkobs entwässern ?

  • Hi,


    es gibt schon einen Ablauf! Habe jetzt noch ein Bild beigefügt. Der liegt allerdings eben oberhalb des Gefälles auf der anderen Seite.

    Erst, wenn (in diesem Zustand) ca. 150 Liter Wasser vorhanden sind, wird das erste Wasser in den Abfluss gelangen! Vorher bleibt der trocken :-).

  • Zitat

    Inzwischen ist bekannt, dass der Bauträger alle im Bau vorhandenen Balkone mit Gefälle zum Haus erstellt hat!

    vielleicht sollte man , bevor man sich aufregt , ob das ganze nicht einen tieferen sinn haben könnte ..... zumindest in der planungsfase


    ein zum rand entwässernder balkon braucht eine leitung vom rand zum gebäude=>fallrohr vom dach .

    eine innen angelegte entwässerung hat den vorteil einer am gebäude geführter leitung .


    wenn dann im zuge der ausführung auf die ableitung verzichtet wird (was hier passiert sein könnte, könnte..!.) ist es dumm gelaufen .



    Zitat

    Im Übrigen würde man später nichts mehr davon merken, dass durch den zu verlegenden Splitt das Wasser verdrängt wird.

    das wiederrum ist so nicht richtig , um nicht zu sagen blödsinn .

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Wandanschlusshöhen passen nicht. Der Gully sitzt an falscher Stelle und am Ende führt die barrierefreie Gestaltung des Belages zu einer Sonderkonstruktion. Bzgl der K1 und K2 hat der BT recht. Man wird hier nur über das kaputt frieren des Splittbettes gehen können.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Also der Balkon bzw. das im zweiten Bild gezeigte Abflussloch ist durchaus an die Regenrinne angeschlossen.

    Das Konzept ist also so ausgelegt, dass Niederschlagswasser nicht auf der Innenseite, sondern auf der Außenseite abfließen soll.


    Auch das ist ja nicht ganz unproblematisch, weil es in ein Fallrohr geht, das auch das Regenwasser des Daches abführt. Eigentlich hätte man das so planen müssen, dass für die Balkone eine eigene Leitung verwendet wird - eigentlich...


    Aber nochmal zum Gefälle der Balkonoberfläche... kann heute so gebaut werden? Wofür dann die DIN 18531 Teil 5, die der Bauträger auch kennt.

    Mir ist klar, dass man bei Bestandsbauten davon abweichen können muss. Solche Ausnahmen sind für den Neubau nur schwer vorstellbar, weil man ja gerade Zeit hat, um es passend zu planen.

  • wasweissich : 150 Liter, weil ich sie regelmäßig abschöpfe. Mit der Schaufel in die Gießkanne und dann in den Abfluss damit.

    Zum Vatertag ist der Balkon nach Unwetter vollgelaufen. Und ich konnte die Liter zählen, bis der Balkon leer war:thumbsup:.


    Kalle : Nach K1 dürfte das Gefälle kleiner 2% sein - OK! Nach Teil 5 der DIN sollte es aber größer 1,5% sein.

    Und die Erlaubnis < 2% zuliefern dürfte doch nicht einschließen, dass man weit in den negativen Bereich geht - oder?

  • das problem ist hier nicht das gefälle , sondern der zu hoch angesetzte ablauf . der einzige der hier nicht richtig gearbeitet hat war der , der den ablauf eingefriemelt hat .

    sowas geht besser.


    andererseits , wenn die bautenschutzmatte ausliegt , und die ist alle male notwendig , sind es gerade noch vielleicht 10-15 liter , die stehen bleiben .

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Nach K1 dürfte das Gefälle kleiner 2% sein - OK! Nach Teil 5 der DIN sollte es aber größer 1,5% sein.

    Und die Erlaubnis < 2% zuliefern dürfte doch nicht einschließen, dass man weit in den negativen Bereich geht - oder?

    Nein, aber die Frage ist ja in wie weit die Toleranzen gemessen worden sind. Insofern kann man das erst Mal nicht berücksichtigen. Denn es ist doch so: Ein Gefälleestrich war geplant, nun hat es dafür keine Höhe mehr, ergo wurde die Rohdecke abgedichtet. Diese wird keinesfalls Gefälle nach Außen besitzen und darf Toleranzen haben. Daraus resultiert das Gefälle hin zur Tür.


    Nun steht in der von deinem SV zitierten DIN Teil das Modale Hilfsverb "sollte". Sollte ist bedingt fordernd und man kann nur in "Ausnahmefällen" davon abweichen und dies nur durch gemeinsame Vereinbarungen. Nun bist du weder Bauherr noch BT, du bist lediglich Erwerber. Hilft dir also darauf abzustellen? Irgendwie nicht wirklich. Das mögen Juristen aber besser beantworten können.


    Der zweite Absatz unter 6.2 der DIN 18531-5 ist also der interessanter. Dort steht:


    Zitat

    Können sich selbst geringfügige, aber länger einwirkende Mengen stehenden Wassers (z. B. Pfützen) schädigend auf Schutz- und Belagsschichten auswirken (z. B. bei Plattenbelägen im Mörtelbett), ist durch eine planmäßige Gefällegebung in der Abdichtungsebene für eine Wasserableitung zu sorgen.

    Das ist entsprechend der Fall. Weiter ist die Entwässerung mangelhaft erstellt. Warum? Weil Brüstung höher oder gleich Türausschnitt ist. Das darf so nicht sein und es fehlt an der Hauptentwässerung. Denn der Gully hinten in der Ecke mag allenfalls Notablaufcharakter haben, wobei er dazu falsch angeschlossen wäre. Hinzu kommen die zu geringen Anschlusshöhen, von denen ich schon schrieb. Nur was möchtest du erreichen? Ein Gefälle ist nicht mehr zu realisieren. Einzige noch mögliche Variante wird das Anlegen von Kernbohrungen sein, was erwartbar zu einigen nicht trivialen Problemen führen wird. Deine Möglichkeit wird nur sein, dich juristisch beraten zu lassen welchen Anspruch du hast und ob dein Balkon letztlich nicht "zu benutzen ist" durch die Mängel. Denn ich denke, wenn man eine ETW mit Balkon kauft diesen auch nutzen möchte.

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  • Auch das ist ja nicht ganz unproblematisch, weil es in ein Fallrohr geht, das auch das Regenwasser des Daches abführt. Eigentlich hätte man das so planen müssen, dass für die Balkone eine eigene Leitung verwendet wird - eigentlich...

    Warum? Wenn ein Regenfallrohr daneben ist, dann nimmt man natürlich das vorhandene Rohr. Das wird dann entsprechend dimensioniert. Das passt schon. Willst Du etwa zwei Rohre nebeneinander haben? Ist dir die Optik egal?

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Frau Maier :


    Nicht nur ein Sachverständiger hat das so festgehalten, sondern Sie können das z.B. auch so im Regelwerk von "dieBitumenbahn" nachlesen (S. 277).


    Technische Regeln – abc der Bitumenbahnen.pdf



    "Balkone und Loggien sollten einen Ablauf oder eine vorgehängte Rinne erhalten.

    Haben Balkone und Loggien eine geschlossene Brüstung, so muss zusätzlich zum

    Ablauf ein Notablauf oder ein Notüberlauf von mindestens 40 mm lichter Weite in

    der Brüstung vorhanden sein.

    An Regenwasserfallleitungen von Dachentwässerungen dürfen zur Vermeidung von

    Überflutungen auf den darunterliegenden Etagen keine Abläufe von Balkonen oder

    Loggien mit geschlossener Brüstung angeschlossen werden, auch dann nicht, wenn

    Notentwässerungen in der Brüstung vorhanden sind."

  • Da geht es aber um Rückstauung und bezieht sich auf Balkonen mit fester Umwehrung die höher liegt als der Türausschnitt.

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  • Ein Gefälle ist nicht mehr zu realisieren.

    Meinst du wirklich, dass das nicht mehr realisierbar ist?

    Unterhalb der Türkannte (also wo die Abdichtung beginnt) und auch auf der Brüstungsseite sind jeweils ca. 14cm zur Verfügung.

    Der Balkon hat eine Tiefe von 2m.

    Ich müsste 1% Negativgefälle und dann noch zusätzlich ca. 1,5-2% Positivgefälle herstellen lassen.

    Wie dick müsste denn ein Gefälleestrich mindestens sein? 3cm?

    Dann bräuchte ich an der Türseite eine Stärke von 9cm.

    Kann man mit dem Rest noch einen vernünftigen Belag aufbringen?


    Aber wie es mein Status schon ausdrückt...ich bin eben nur ein Laie ;-)

  • Darüber (wie das Splittbett kaputt friert) habe ich auch schon gegrübelt.

    Treib es doch nicht immer auf die Spitze.... Jeder weiß doch worum es geht, ungeachtet ob es nun die 100% korrekte Ausdrucksweise war. Aber gerne noch mal was mein Satz meint:


    Durch Wasserstau gefriert das Wasser zwischen den Hohlräumen der Steine, es kommt bedingt durch das Frieren zur Volumenvergrößerung des Wassers. Es bilden sich größere Hohlräume in denen der Kies nach rutscht, der Anfang von "kippelnden Plattenbelägen".



    Meinst du wirklich, dass das nicht mehr realisierbar ist?

    Nicht mit Belägen wie Holz oder Steinplatten. Also ja, das meine ich so.



    Kann man mit dem Rest noch einen vernünftigen Belag aufbringen?

    Es wären nur Fliesen - rate ich eher ab - oder Verbundabdichtungen mit einem Oberflächenfinishing. Das ist quasi Abdichtung und Belag zu gleich. Kennt man Umgangssprachlich auch unter "Balkonbeschichtung".

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  • Treib es doch nicht immer auf die Spitze....

    Warum so dünnhäutig?

    Ich hab doch nur, wie andere auch, nachgedacht, wie das wohl gemeint ist.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Off-Topic:


    Warum so dünnhäutig?

    Bin krank und genervt, verzeih mir ;)

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  • Moin,


    hier liegt eindeutig ein (nicht ganz richtig: hier liegen eingentlich mehrere Mängel) Mangel vor.

    a) Weder in der Norm noch in der Fachregel für Abdichtungen ist ein zugelassenes Kontergefälle vorgesehen.
    b) Die Umwehrung macht aus diesem Balkon (ist es wirklich ein Balkon??) eine Fläche mit innenliegender Entwässerung, die angemessen entwässert werden muss und zudem über ausreichende Notab-/Notüberläufe verfügen muss. Ihr "Röhrchen" in der Ecke ist weder das eine noch das andere, es ist ein Witz.
    c) Wer kommt auf die Idee, bei einem Balkon (ist es wirklich einer??) ein Splittbett in solcher Höhe anzuordnen??? Und ich sehe da durchaus noch Möglichkeiten, zumindest eine waagerechte Fläche zu erreichen. M. E. ist dafür Höhe genug vorhanden.
    d) Auch die Anschlusshöhen der Wandanschlüsse sind unzureichend. Bemessen wird über Oberkante Belag!

    Das auf den Bildern zu erkennende Wasser ist KEIN Restwasser aus irgendwelchen zulässigen Toleranzen! Ein Splittbett würde die Problematik m. E. nicht lösen.
    Ein endgültiges Statement kann man aber nur nach Inaugenscheinnahme abgeben.

    Grüße


    stefan ibold

    DDM und öbuv Sachverständiger der HWK Bielefeld

  • Die Umwehrung macht aus diesem Balkon (ist es wirklich ein Balkon??) eine Fläche mit innenliegender Entwässerung, die angemessen entwässert werden muss und zudem über ausreichende Notab-/Notüberläufe verfügen muss. Ihr "Röhrchen" in der Ecke ist weder das eine noch das andere, es ist ein Witz.

    Selbst wenn ein Attikaspeier vorhanden wäre und die Tür höher als die Brüstung?

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  • Servus zusammen,


    Ich habe dieses Wochenende ausgemessen, wie hoch dass Wasser bei Rückstau stehen könnte, bevor es die Brüstung hinabläuft.

    Nachfolgendes Foto zeigt den potentiellen Wasserstand, der gleichhoch zur Balkonbrüstung ist.

    Damit überschreite ich sogar die kleinen Kunststoffnasen, die im Fensterrahmen angebracht sind. Die Brüstung sollte damit als "geschlossen" bezeichnet werden können.



    Übrigens lösen sich jetzt beidseits in den Ecken des Balkons (unterhalb der Glasfront) die Abdichtungsflächen.

  • Du solltest dir einen SV mit Schwerpunkt Dach besorgen - findest du bei den Handwerkskammern deiner Region - und dich vor Ort entsprechend beraten lassen. Bez. ein Privatgutachten erstellen und dem BT dieses vorlegen. Im gleichen Atemzug die Suche nach einem guten Baujuristen. Sinnvollerweise sollten beide Persönchen Hand in Hand für Dich arbeiten.


    Dies jedoch erst, wenn klar ist das normale Gespräche mit dem BT furchtlos bleiben. Ich habe die Erfahrung gemacht das i.d.R reden viel beseitigen kann. Deine Situation ist aber generell als mangelhaft zu bezeichnen. Technisch alle Mal.

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