Holzkeller, Keller komplett aus Holz, Kennt das jemand?

  • Hallo zusammen,


    letztlich habe ich gelesen/gesehen, dass eine Zimmerei aus Schwabmünchen einen Holzkeller baut und diesen dann mit EPDM-Folie abdichtet. Suchbegriff für Suchmaschine "Holzkeller Schwabmünchen", damit ich hier nicht den Namen der Schreinerei nennen muss. Es soll aber wohl nur funktionieren bzw. gemacht werden, wenn der Keller an einem Hang und nicht im Wasser steht. Sonst müssen Holzhäuser immer besondere Maßnahmen im Sockelbereich erfahren und hier wird der ganze Keller aus Holz im Boden versenkt.

    Was sind die Meinungen darüber bzw. kennt ihr dies oder habt selber Erfahrungen? Ich habe weder vor, so etwas bauen zu lassen und noch habe ich Kontakt oder sonstige Verbindungen zu der Schreinerei. Mich interessieren einfach die Meinungen der Experten hier.



    Video

  • Spontan?


    Irrsinn!


    Warum? Ich meine: warum macht man das? Natürlich kann das funktionieren. Aber Bauteile/ Baustoffe unterliegen auch einem gewissen Verschleiß, Witterungseinflüssen, mechanischen Beanspruchungen usw. usf.


    Kommt es da zB bei einem Massivkeller nach Jahren zu einer Undichtigkeit (Bsp: unzählige Häuser aus den 50er u. 60er Jahren mit Kaltanstrichen, die nun feuchte Stellen im KG aufweisen), so hat man eben eine feuchte Stelle im Keller. Das bemerkt man anfangs evtl. gar nicht, weil eben ein bisschen Feuchtigkeit so langsam ins Mw einwandert. Erst Ausblühungen auf der Raumseite verraten dann irgendwann, dass da etwas nicht stimmt. Kann man dann beheben oder eben auch mit einer (oder mehreren) feuchten Stellen leben.


    Bei einem Holzkeller bemerkt man ggf. eine außenseitige, kleine Undichtigkeit auch nicht sogleich. So etwas kann aber eben auch massive Schäden an der Substanz nach sich ziehen. Bis zum Totalschaden. Auch hat man nicht die Option mit einer feuchten Stelle dann eben zu leben, sondern man muss sanieren.


    Mein (ganz persönliches) Fazit: Wer experimentell so etwas wagen möchte, dem sei dies natürlich freigestellt. Ich halte aber das Schadenspotential für derart groß, dass ich eine solche Bauweise nicht ernsthaft in Erwägung ziehen würde.

  • ... hier wird der ganze Keller aus Holz im Boden versenkt. Was sind die Meinungen darüber ...

    Als Stichwort fällt mir dazu zuerst das berühmte "selbstkompostierende Dach" ein, dessen Risiken auch hier bestehen. Allerdings ist mir im Gegensatz zum Dach nicht klar, mit welchen Vorsichtsmaßnahmen ihnen zu begegnen wäre. Deshalb erscheint mir der Ansatz mehr als fragwürdig. Ich gehe davon davon aus, dass man sich damit völlig außerhalb der a.R.d.T. bewegt - und oauch außerhalb der bauaufsichtlich eingeführten Regeln. Als Planer würde ich den Ansatz deshalb nicht weiter verfolgen, unter keinen Umständen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Ich gehe davon davon aus, dass man sich damit völlig außerhalb der a.R.d.T. bewegt

    Gewährleistungsausschluss? Haftungsfreistellung?


    Gucken wir doch mal ein paar Jahrhunderte zurück. Bauweisen ähnelten sich. Auch heute noch: früher massive Gewölbekeller, heute in Beton (oder Mauerwerk). Früher eher mal etwas kühl und feucht, heute schon höherwertiger. Früher dann im EG und OG: gemauert, wer es sich leisten konnte. Oder eben Fachwerk (Holzständer). Oder: EG gemauert und OG Fachwerk. Heute: analog.


    Aber was es früher nie gab: Keller aus Holz. Mit heutiger Abdichtungstechnik mag das machbar, möglich, herstellbar sein. Aber es widerspricht einfach allen Erfahrungen. Und eine elementare Erfahrung ist eben auch, dass Handwerker Fehler machen können und dass ein haus auch altert. Beides sind Punkte, die so eine Konstruktion denkbar schlecht verträgt.


    Im allerbesten Falle geht es gut. In allen anderen Fällen droht gar großes Ungemach.

  • is a oida huat ..

    vor mind. 25 jahren hat das afair ein kanadischer holzbauer auf messen vorgestellt... das wollte keiner so recht haben.

    epdm als kellerabdichtung wurde, wie auch braune wanne, bereits diskutiert, als die bauforen laufen lernten - also etwa anfang 2000.

    baurechtlich und zivilrechtlich: spannend bis unmöglich, obwohl sich die eurokraten mit dem ce-zeichen erfolgreich bemüht haben, technische qualität gegenüber abbau von handelshemmnissen zurückzudrängen.

    bautechnisch .. naja, könnte man schon irgendwie hindriesseln (nochmal langsam: "hindriesseln")... zumindest auf´m papier :P

  • [...]

    bautechnisch .. naja, könnte man schon irgendwie hindriesseln (nochmal langsam: "hindriesseln")... zumindest auf´m papier :P

    HDPE-Folie, mind. 2mm dick, werkseitig vorbereitet und geschweißt, Ausführung in WHG-tauglicher Bauweise, doppelwandig, mit Schutzlagen, TÜV-Abnahme, lasteverteilende Bauteile zwischen Holz und Folie, Durchstanzsicherung, Holz luftumspült einbauen, ...

    theoretisch kann man das auf dem Papier irgendwie hinmietzeln

    vermutlich wird die Planung aufwändiger und teurer als eine weiße Wanne

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • vermutlich wird die Planung aufwändiger und teurer als ….

    Vermutlich.


    Aber egal ob teurer, gleich teurer oder gar spottbillig: Wenn irgendwas nicht passt....nicht unbedingt heute. Aber vielleicht Morgen, Übermorgen oder was weiß ich wann, dann droht ein Totalschaden.


    Hochgradig fahrlässig bis vollhirntot so etwas zu machen. Als Experiment und Hingucker für den Holzbauer evtl. interessant. Mehr aber auch nicht.