Parkett schwimmend auf altem Teppichkleber verlegen?

  • Liebe Bauexperten,


    ich habe in unserem neuen Haus aus den frühen siebzigern ca. 80 m2 verklebten Teppich mit einem Stripper entfernt und möchte nun Mehrschichtparkett schwimmend verlegen. Darunter soll eine Trittschalldämmung mit Dampfbremse. Der Untergrund ist Estrich. Dieser ist allerdings noch vollständig mit dem alten Teppichkleber bedeckt. Teilweise haftet auch noch eine hauchdünne Schicht des Teppichrückens darauf. Ich habe einen relativ schweren (ca 50 kg) und kräftigen Teppichstripper verwendet. Der Kleber ist nicht runterzukriegen, bildet insgesamt aber eine glatte, ebene Fläche. Im Internet liest man da häufiger, dass solche Rückstände unbedingt komplett entfernt werden müssen, da sie schimmeln könnten oder mit dem neuen Kleber reagieren. Letzteres ist hier nicht relevant und Schimmel ist in den letzten Jahren ja auch nicht entstanden.


    Frage: Muss das für die schwimmende Verlegung trotzdem unbedingt entfernt werden? Wenn ja, warum und wie? Mit einer Betonschleifmaschine oder -fräse?


    Für Ratschläge wäre ich sehr Dankbar!


    Viele Grüße

    Hinnerk

  • Wie dick ist die Kleberschicht?

    Eine Trittschalldämmung kann zwar geringe Unebenheiten ausgleichen, aber ich vermute, weder Kleber noch der alte Teppichrücken sind ausreichend druckstabil, so dass zusammen mit einer Trittschalldämmung, der neue Boden je nach Last die Unterlage(n) mehr oder weniger zusammendrückt. Ob das der Belag lange mitmacht?


    Hast Du beim Entfernen des Bodens unangenehme Gerüche feststellen können?

    Was für ein Estrich? (Zement? Gussapshalt?....)


    Wenn eine scharf geschliffene Spachtel nicht funktioniert, dann eine Maschine mit entsprechendem Schleiftopf. Es gibt so genannte PKD Schleiftöpfe für die Entfernung von Klebern, die schmieren nicht so schnell zu, und in 2-3h sollte das Thema erledigt sein. Eine sehr grobe Bürste als Topf sollte auch funktionieren. Achtung, das ist eine staubige Angelegenheit, Absaugung, Maske etc. nicht vergessen.


    Ich gehe davon aus, dass DIr bekannt ist, ob Du den Boden einfach so bearbeiten kannst, denn damals wurden Materialien, also auch Kleber, verwendet, die heute nicht mehr zulässig wären. Ich könnte mir gut vorstellen, dass niemand begeistert davon ist, wenn Du so einen belasteten Staub in der ganzen Straße verteilst.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Vielen Dank für die Rückmeldung!


    Was das für ein Estrich ist und was für ein Kleber weiß ich leider nicht? Macht aber insgesamt einen guten, stabilen Eindruck (der Kleber leider auch). Gerüche sind nicht festzustellen. Die Kleberschicht ist 1mm bis max. 2mm dick. Die Reste vom Teppichrücken nur ein hauchdünner Film (Stärke ca. wie ein Blatt Papier). Letzteres ließe sich ggf. sehr mühsam mit einem Schaber noch abkratzen. Da die Schicht aber insgesamt ziemlich vollflächig ist gibt es keine Hubbel oder Gefälle. Den Rest soll eine 5mm Trittschalldämmung ausgleichen (laut Herstellerangabe gleicht die bis zu 4 mm aus; wir haben keine Fußbodenheizung).


    Am liebsten würde ich das lassen wie es ist. Ich frage mich aber warum häufig gesagt wird, dass das Zeug runter muss und ob das auch für die beschriebene schwimmende Verlegung gilt? Warum sollte der Kleber sich nach all den Jahren auflösen und schimmeln oder so?

  • An Schimmel glaube ich eher nicht, schon gar nicht, wenn keine Feuchtigkeit durch den neuen Belag eingeschlossen wird. Nach so vielen Jahrzehnten müssten Estrich und Beton knochentrocken sein.

    Ob und wie sich der Kleber verändern kann, das hängt von dessen Zusammensetzung ab. Ich bin jetzt nicht der Kleberexperte, könnte mir aber gut vorstellen, dass sich mit der Zeit Bestandteile verflüchtigen, was dazu führt, dass der Kleber versprödet. Das ist dann mit "auflösen" wohl gemeint.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Wenn Dein Estrich auf einer Trittschall- und / oder Wärmedämmung verlegt wurde, benötigt Dein Fertigparkett keine weitere Trittschall"dämmung". Sehr oft führt diese zusätzliche Lage zusammen mit der geringen Materialstärke und - masse des Belags (meist ja Laminat) sogar dazu, dass eine hervorragend wirkende Resonanzplatte entsteht, die jedem Schritt deutlich verstärkt hörbar macht.


    Weiterhin ist zu überprüfen, welchen Effekt die Dampfsperre haben kann und haben wird. Bisher war der Bodenbelag diffusionsoffen. Ihn zu sperren hätte nur dann einen Sinn, wenn es bisher eine Wasserdampfdiffusion in den Raum hinein gibt, sonst ist sie überflüssig. Wenn es eine Diffusion gibt, stellt sich die Frage, was mit dem unter der Sperre gefangenen Wasser(dampf) passieren soll.


    Also: Vor dem Kauf erstmal zu Ende denken!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Ich werde den Kleber wohl lassen wo er ist

    Ich habe so eine ähnliche Aktion hinter mir, ist aber schon ein paar Tage her, und ich habe mich für das Entfernen des Klebers entschieden. Hintergrund war (unter anderem), dass ich nach dem Entfernen des Teppichbodens einen unangenehmen Geruch festgestellt habe. Der Kleber wurde zwar als ungefährlich eingestuft, aber irgendwie war mir nicht wohl bei der Geschichte. Die Fläche war mit knapp 40m² + 17m² (Flur) zudem überschaubar, und da im Flur Fliesen geplant waren, hätte ich da sowieso Hand anlegen müssen.


    Letztendlich ging es schneller als erwartet, aber wie oben schon erwähnt, war das eine ziemlich staubige Angelegenheit, trotz Absaugung. Andererseits macht man das ja nicht jährlich, oder gar täglich, und die Dusche ist auch schon erfunden. Also habe ich die paar Stunden investiert. Ob das jetzt zwingend erforderlich war.......ich kann jetzt zumindest beruhigt schlafen.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • Es gibt auch Unterlagsplatten aus Holzfasern, die die Gehgeräusche im Vergleich zu Schaum-Trittschalldämmung wunderbar "satt" klingen lassen. Wie bei Mercedes das Tür-Zuschlaggeräusch :D. Würde ich bei mir verlegen, stünde ich vor dieser Frage.

  • Vielen Dank auch für die weiteren Kommentare, die mich ein bisschen nachdenklich machen...da es nicht riecht und es keine Spuren von Feuchtigkeit gibt werde ich es wohl dennoch so lassen. Wir stehen leider auch unter Zeitdruck, da wir aus der alten Wohnung raus müssen... Da das Parkett schwimmend verlegt wird und durch die Dampfbremse "geschützt" ist wäre der allerschlimmste Fall wohl der, dass wir es irgendwann noch mal rausnehmen, um den Untergrund noch mal zu bearbeiten (was natürlich auch blöd wär).

  • wäre der allerschlimmste Fall wohl der, dass wir es irgendwann noch mal rausnehmen, um den Untergrund noch mal zu bearbeiten (was natürlich auch blöd wär).

    Vor allen DIngen weil dann das Haus/Wohnung bewohnt ist.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • "Zeitdruck" ist beim Planen und Bauen der Normalzustand. Die Erfordernis der Schutzfunktion der Folie sollte geprüft werden. Nur weil Hersteller etwas verkaufen muss es im Einzelfall noch lange nicht geeignet sein.


    Zur Trittschallproblematik frage ich mich immer, weshalb wohl dies:

    Zitat von DIN 18 356

    3.2 Verlegen von Parkett


    3.2.1.2 Parkett ist ohne Unterlage zu verlegen.

    in der DIN 18 356 steht.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Mal abgesehen vom Trittschall...

    Wenn da eine "Trittschallunterlage" auf der Basis von PE- Schaumfolie oder ähnliches darunter verlegt würde, hätte ich etwas Bauchschmerzen bei der Möglichkeit von dann auftretenden Weichmacherwanderungen. Der alte Kleber mag ja jetzt nicht riechen, aber wenn dann mit dem Anpressdruck von Fertigparkett ein PE-Basiertes Material darunter liegt, könnte es durchaus zu unangenehmen Emissionen kommen.

    Es ist sogar fraglich, ob das durch eine Spachtelung unterbunden werden könnte.

    Gruß Werner :)