Nachtabsenkung Fußbodenheizung bei Neubau?

  • Hallo,


    damit es nicht langweilig wird, dritter Thread zum Thema SHK-Handwerker und ihre Zeitprogramme. Auch für unsere Fußbodenheizung wurde etwas eingestellt mit gewünschter Tagestemperatur, Nachttemperatur (17 Grad, das gilt dann wohl für alle Räume? Brrr... zum Glück ist das Haus bezüglich Temperaturänderungen so träge und die 17 Grad werden nicht erreicht...) und ein Zeitprogramm, welches von 6-22h Tagesprogramm fährt und 22-6h Nachtprogramm. Ich dachte aber, dass Nachtabsenkung bei einem modernen, dichten Neubau mit träger Flächenheizung nicht mehr sinnvoll bzw. gar kontraproduktiv ist?

  • Ich dachte aber, dass Nachtabsenkung bei einem modernen, dichten Neubau mit träger Flächenheizung nicht mehr sinnvoll ... ist?

    Ja, so ist es in den allermeisten Fällen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich dachte aber, dass Nachtabsenkung bei einem modernen, dichten Neubau mit träger Flächenheizung nicht mehr sinnvoll bzw. gar kontraproduktiv ist?

    Über den Sinn kann man streiten, kontraproduktiv ist es aber nicht.



    Nachttemperatur (17 Grad, das gilt dann wohl für alle Räume? Brrr... zum Glück ist das Haus bezüglich Temperaturänderungen so träge und die 17 Grad werden nicht erreicht...)

    Durch die viel zu niedrige Soll-Temperatur wird erreicht, dass während der Nachtabsenkung auf keinen Fall geheizt wird. Das ist also keine Nachtabsenkung sondern man realisiert damit eine Nachtabschaltung.

    Bei meinem Kesselregler realisiere ich das ähnlich, nur dass ich halt direkt die Soll-Rücklauftemperatur um einen festen Faktor reduziere, in meinem Fall um 20K.


    und ein Zeitprogramm, welches von 6-22h Tagesprogramm fährt und 22-6h Nachtprogramm.

    Ob die Zeiten zur Eurem Nutzerverhalten passen, das kann ich nicht sagen.


    Es ist richtig, dass in einem hoch wärmegedämmten Neubau die Nachtabschaltung so gut wie keinen Einfluss mehr auf den "Verbrauch" hat. Da spielen mehrere Faktoren mit rein, unter anderem die Trägheit der Heizflächen und des Gebäudes. Wenn man hier in "Standard" denkt, sprich von 06:00 Uhr bis 22:00 Uhr, dann liegt man mit hoher Wahrscheinlichkeit daneben.

    Da hilft an sich nur "selbst probieren".


    In meinem Fall hat sich eine Abschaltung von 00:00 Uhr bis 03:00 Uhr bewährt, zusätzlich von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr von Mo. bis Fr.

    Aber wie gesagt, das passt bei unserem Nutzerverhalten und ist nicht übertragbar. Ich gleiche damit auch die überschüssige Leistung des Kessels ein wenig aus, insbesondere während der Übergangszeit.


    Ich hatte testweise auch schon an einigen Monaten die Heizung auf Dauerbetrieb gestellt. Schaue ich mir die Zahlen dazu an, führe eine Witterungsbereinigung durch, dann führte das zu einem Mehrverbrauch. Das liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass mein Haus nur mäßig gedämmt ist. Zudem ist der Heizenergieverbedarf aufgrund der Größe auch etwas höher, so dass "Einsparungen" schneller auffallen. Wenn bei 300kWh pro Tag 1% eingespart wird, dann kann man das noch messen, bei 30kWh sind 1% Einsparung kaum noch feststellbar, die gehen im Rauschen unter.

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  • Wie meine Vorschreiber schon bemerkten, ist eine messbare Absenkung der Raumlufttemperatur mir heutigen hochwärmegedämmten Häusern kaum machbar.

    Ich habe aber für mich einen fühlbaren Komfortgewinn fürs morgendliche Barfußlaufen ins Bad entdeckt: Die FBH wird gegen 21.00 Uhr für die Nacht abgeschaltet. Morgens fährt sie ca. eine Stunde vor dem Aufstehen wieder hoch und übersteuert wegen des "Defizites" in der Nacht, die Solltemperatur. Der Fußboden wird ein paar Grad wärmer, als er für die Beibehaltung der RLT sein müsste. Nach ca. einer Stunde regelt er wieder ab auf Normaltemperatur. Wir empfinden das als sehr angenehm.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • übersteuert wegen des "Defizites" in der Nacht, die Solltemperatur.

    Mein Kesselregler hat dafür einen Steuereingang an den man ein Raumthermostat anschließen kann. Ist so ein Raumthermostat aktiv, dann wird die Heizkurve um einen einstellbaren Faktor angehoben (Bsp. +5K o.ä.).

    Durch die höhere Heizkurve sind aber auch die Verluste im System etwas höher, und bei einer WP als Wärmeerzeuger sollte man davon sowieso Abstand nehmen.


    Je nach Anlage aber eine gute Möglichkeit um bedarfsgerecht Wärme in die Räume zu bringen. Ich habe davon Abstand genommen, weil es zu einer spürbaren Erhöhung der RT geführt hat, und sich ein Gewöhnungseffekt einstellt. Geht die RT dann auf "normal" zurück, dann wird das gefühlt als kühl empfunden, zumal wenn es am frühen Morgen draußen noch richtig kalt ist.


    Im Gegenzug habe ich den Heizbeginn vorverlegt. Wie schon geschrieben, beginnt bei mir der Heizbetrieb unter der Woche um 03:00 Uhr. Das gibt der Anlage ausreichend Zeit, um die Räume auf Soll zu bringen, und auch wenn wir mal früh raus müssen, ist es schon gefühlt warm. Dafür schicke ich die Anlage um 08:00 Uhr wieder schlafen, bis 12:00 Uhr, weil zu dieser Zeit meist niemand zuhause ist. und die Außentemperaturen auch im Winter schon wieder ansteigen.


    Aber wie schon gesagt, da muss jeder "seine" optimale Lösung finden, Erfahrungswerte sind nur bedingt übertragbar.

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  • Vielleicht noch als Ergänzung zu dieser Thematik:

    Brrr... zum Glück ist das Haus bezüglich Temperaturänderungen so träge und die 17 Grad werden nicht erreicht...)

    Entscheidend ist hier die Heizlast der Räume sowie die vorhandene Speichermasse und deren thermisches Verhalten.


    Ein klassisches Argument ist die Speichermasse der FBH. Ein Estrich mit 4cm Dicke auf einer Dämmlage, hat eine Wärmekapazität von ca. 30Wh/m²K +- 10%, abhängig davon ob Zementestrich, Anhydrit, als Fließestrich eingebracht, mit/ohne Zusatzmittel usw.

    Hinzu kommt dann noch der Bodenbelag, der je nach Material und Dicke, auch noch ein paar Wh/m²K beisteuern kann.


    Bei statischer Betrachtung ist der Estrich bei sehr kalten Außentemperaturen auf eine mittlere Temperatur von maximal 30°C "geladen", meist liegt diese aber niedriger.

    Bezogen auf 21°C Raumtemperatur ergibt das 30Wh/m²K * 9K = 270Wh/m². Das wäre also die gespeicherte Energiemenge.


    Ein Raum in einem aktuellen Neubau hat eine spez. Heizlast von typ. 40-50W/m², bei hoch wärmegedämmten Gebäuden können es auch 30W/m² und weniger sein.


    Statisch betrachtet würde die gespeicherte Wärme(energie) also für 270Wh/m2 / 50W/m² = 5,4h ausreichen, bzw. bei 40W/m² oder weniger, auch entsprechend länger.


    Das ist aber nur die halbe Miete, denn es handelt sich ja um einen dynamischen Vorgang, und hier kommt es auch darauf an, wie "schnell" der Estrich entladen wird. Jetzt kommen also noch weitere Materialeigenschaften mit in´s Spiel.


    Bei einer dynamischen Betrachtung muss man bedenken, dass der Estrich durch die Wärmeabgabe über seine Oberfläche, ja an "Temperatur" verliert, die aus dem Inneren nachgeliefert werden muss. Insgesamt reduziert sich dadurch die Temperatur des Estrich, und somit auch die Oberflächentemperatur, was wiederum dazu führt, dass die Heizleistung geringer wird. Das hat zur Folge, dass die Heizleistung nicht ausreicht um den Raum auf Solltemperatur zu heizen, wodurch dann auch die Raumtemperatur sinkt. Die geringere Raumtemperatur macht wiederum mehr Wärmekapazität des Estrich nutzbar (s.o. gerechnet mit 9K als Differenz zwischen 21°C und 30°C), so dass sich der gesamte Vorgang verlängert.


    Ob und wie stark die Raumtemperatur durch Absenk- bzw.- Abschaltbetrieb sinkt, das hängt also von der Heizlast und der den Raum umgebenden Speichermasse sowie deren Materialeigenschaften ab. Eine FBH hat im Gegensatz zu Heizkörpern und unbeheiztem Estrich, eine deutlich höhere gespeicherte Energiemenge, die sie beim Abschaltbetrieb zur Verfügung stellen kann. Neben dem Boden spielen aber auch Wände und Decke eine Rolle, die dann als Speicher wirken, sobald die RT unter die raumseitige Oberflächentemperatur dieser Bauteile gesunken ist. Dann kehrt sich dort der Wärmestrom um, bzw. teilt sich auf, und ein Teil kann wiederum dem Raum zur Verfügung gestellt werden.


    So verhält sich ein Haus in sogenannten "Leichtbauweise" und mit Heizkörpern ausgestattet, völlig anders als ein Gebäude mit dicken "massiven" Wänden, Betondecken, und einer FBH. Grundsätzlich ist das Verhalten zwar identisch, aber sowohl der Rückgang der Raumtemperatur (dT und Steilheit), als auch das zeitliche Verhalten (Verzögerung, Steilheit) sind unterschiedlich.


    Einsparung erzielt man jedoch nur, wenn die RT abgesenkt wird, und dadurch die Wärmeverluste verringert werden. Verringert sich die RT aufgrund der Speichermassen und sehr geringen Heizlast nur um wenige Zehntel K, dann bewegen wir uns in einem Bereich, der sich praktisch in Form von Liter Heizöl oder m³ Gas nicht mehr sinnvoll darstellen lässt.

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