Maßtoleranzen bei Innenraumwänden

  • Hallo,


    es geht um einen Neubau in München (Eigentumswohnung). Leider habe ich nur ein Foto auf dem das Problem ersichtlich ist (und mir auch erst zu Hause aufgefallen ist). Der Neubau ist noch nicht fertig gestellt und während der Bauphase darf ich nicht einfach so auf die Baustelle um mein Problem genauer zu prüfen.

    Die Vorbegehung der Wohnung ist aber bereits in einer Woche.


    Auf dem Bild (Dateianhang: Badezimmer Duschwanne) sieht man die Duschwanne und den Verlauf der Wandfliesen mit der Einbuchtung für den Spiegel und den dadurch entstehenden Vorsprung für die Waschbecken und Toilette. Die Duschwanne ist 80x80 cm. Von der Ecke bis zum Beginn der schwarzen Wandfliesen (Kante) sollten es laut Plan 80cm sein. Auf dem Bild ist (wie ich finde) erkennbar, dass die Duschwanne einige cm in den Bereich der schwarzen Wandfliesen hineinragt (also über die Kante hinausragt). Möchte ich nun z. B. eine Glasduschwand montieren, ragt diese in den oberen Vorsprung/Niesche hinein und kann dort nicht mehr befestigt werden. Oder, ich montiere die Glasduschwand entlang der roten linie und komme so unten auf der Duschwanne zu weit nach innen. Beides ist nicht akzeptabel.



    Jetzt habe ich in der DIN 18202 (Sie beschäftigt sich mit baustoffunabhängigen Toleranzen für die Ausführung von Bauwerken) gelesen, dass für Nennmaße bis 1m, Grenzabweichungen von +/- 10mm im Bereich zulässiger Toleranzen liegen.


    Wenn ich nun bei der Vorbegehung nachmesse und feststelle, dass die Duschwanne die Kante um mehr als 10 mm überragt, muss dann der Bauträger den Fehler nachbessern? Wie gehe ich da am besten vor? Eine Nachbesserung würde in diesem Fall auch bedeuten, einen großteil der Wand, neu zu fliesen (also ein nicht ganz unbedeutender Aufwand).


    Leider kann ich das oben genannte Nennmaß von 80cm nur aus dem Elektroplan im Maßstab 1:50 herauslesen (einziger mir vorliegender Bauplan mit Grundriss). Eine Anfrage über einen genaueren Grundrissplan mit exakten Nennmaßen habe ich bereits der Architektin geschickt.


    Ich hoffe jemand hat ein paar hilfreiche Antworten für mich :)


    Liebe Grüße

    Basti

  • Ich sehe hier eher die Gebrauchstauglichkeit der Planung als Mangel.

    Eine Duschwand gehört m.M.n. zum Standard einer Bad-Ausstattung und dafür muss auch eine Montagemöglichkeit eingeplant werden.


    Was steht denn zum Thema Dusche im Kaufvertrag?

    Wird die Duschwand ggf. raumhoch und an der Decke befestigt?


    Auf den möglichen Mangel kannst Du ja den Verkäufer schon jetzt hinweisen, dann kann er sich später nicht mit den hohen Rückbaukosten herausreden.


    Steht mehr als Basisausstattung, Grundstandard o.ä. im Kaufvertrag, würde ich mich mit irgedwelchen Montagewinkeln oder Abdeckblechen nicht zufriedengeben.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Jetzt habe ich in der DIN 18202 (….) gelesen

    Die DIN greift hier wohl eher nicht.


    Die Frag eist doch: Wie breit war die Vorwandinstallation geplant und wie breit war die Dusche geplant?


    Ist die Dusche 80cm breit, so wäre m.E. eine Vormauerung mind. 85cm breit zu planen um einen ausreichende Befestigungsmöglichkeit für eine Duschwand sicherzustellen. Hier ist es ja eher genau umgekehrt. Die VM ist 5cm zu kurz.


    Der Aufwand diesen Mangel zu beheben wird sicherlich nicht unerheblich, dürfte aber rechtlich leicht durchzusetzen sein, weil die Gebrauchstauglichkeit der Dusche so einfach nicht gewährleistet ist.


    Bitte aber mal in den Unterlagen nachschauen was geplant war. War zum Beispiel ursprünglich eine 75er Dusche geplant und Ihr habt das dann auf 80cm geändert, so könnte der BT auf die Idee kommen Euch den Schwarzen Peter zumogeln zu wollen. ist natürlich rechtlich kaum haltbar, sollte aber im Vorfeld abgeklärt sein.

  • Vielen Dank erstmal für die Antworten.


    Der Bauträger/Architekt hat eine 80er Duschwanne verplant und in dem einzigen Grundrissplan den ich habe sieht es für mich so aus als wäre die Vormauerung auch genau 80cm geplant. Als Duschwand sollte eine Glasabtrennung zum Schieben eingebaut werden. Da wir das nicht wollten und es keine andere Auswahl gab, haben wir vereinbart das in Eigenleistung selber zu machen. Trotzdem sollte dafür ja die Möglichkeit einer Befestigung gegeben sein . Nicht das der Bauträger dann sich rausredet und sagt, "aber da können Sie zumindest einen Duschvorhang benutzen". Was ich komisch finde ist, dass der Bauträger ja eigentlich eine Duschwand befestigen wollte nur bei uns speziell wir ja das in Eigenleistung vereinbart haben. Also extra für uns haben die ja nicht jetzt so ein Pfusch getrieben. Sind ja insgesamt 36 gleiche Wohnungen in dem Projekt.

  • Die DIN greift hier wohl eher nicht.

    Ich sehe hier eher die Gebrauchstauglichkeit der Planung als Mangel.

    Der Einschätzung der beiden Kollegen möchte ich mich anschließen. Die DIN 18 202 gilt zwar, führt hier aber nicht weiter, wohl aber die abstrakte Gebrauchstauglichkeit.


    Beachte unabhängig davon, dass im Regelfall erstmal nur die im Kaufvertrag notariell beurkundeten Unterlagen (Bauleistungsbeschreibung, amtlicher Lageplan, Bauvorlagen) und die zum Zeitpunkt der Abnahme geltenden "anerkannten Regeln der Technik" die Eigenschaften des Vertragsgegenstandes definieren. Hierbei sind kleinere maßliche Abweichungen ebenso regelmäßig als zulässig vereinbart. Insofern führt der Weg zum Ziel auch meines Erachtens eher über die fehlende Gebrauchstauglichkeit.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ursachenforschung.....


    Ist jetzt spekulativ und letztendlich auch nicht entscheidend. Aber man (also: Ich!) fragt sich schon warum macht der Fliesör das so knapp. Welche Motivation hatte er.


    75 cm würde ja im allerbesten Falle gerade so für eine 75er Dusche reichen (wenn Glastrennwand nur an der Decke und über Eck am anderen Glasteil fixiert werden würde, da ja eine Befestigung direkt auf Eck eher schlecht funktioniert). Eher würde es für eine 70er Dusche taugen. Wer aber will sich da sardinenartig reinquetschen?


    Also gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Das Maß stand so im Plan und er hat es dann eben umgesetzt. Oder. Er hat mitgedacht und möglicherweise die auf dem Bild zu erkennende Lage des Waschtischs als Referenz hergenommen. WT mittig in die Nische zwischen Wand und Glaswand der Dusche....daraus könnte sich dann eben ein Maß "X" ergeben.


    Steht das Maß so im Plan, dürften sich in 35 weiteren Wohnungen ähnliche Probleme ergeben. Oder zumindest in den baugleichen Wohnungen. Da würde ich auf jeden Fall mal meine Miterwerber befragen wie das dort gelöst worden ist.


    War es nur ein fehlgegangener Gedanke eine Fliesenlegers, so wird ihm der BT schon entsprechende Instruktionen zum Ändern des Ganzen aufs Auge drücken.


    Bitte dies sehr schnell anleiern. Nicht, dass da noch mehr fertig gemacht wird (Verfugen usw.) und die Mängelbeseitigung dadurch unnötig verteuert wird.

  • klassiker....


    Erstmal vorweg,

    Wenn ine Duschwanne 80x80 geplant ist, heist das nicht, das die Dusche auch 80x80 cm an Nutzfläche hat.

    Je nach Wandaufbau, rutscht die Wanne unter die Fließe... was hier nicht so ausssieht. eher zuerst Fliese dann Wanne.

    Auserdem wird (wenn es schon um solche Farblichen Kontraste geht, schon klar sein, welche Duschabtrennung ran kommt.

    eine Teilgerahmte Duschkabine trägt Rahmentechnisch 3-4cm auf zzgl ca 1cm Einrücken vom Wannenrand.

    Bei Rahmenlosen Modellen, ist es natürlich nur eine 6-8mm Dicke Glasscheibe mit punktuellen Montagewinkel. Auch hier muss mind. 1cm eingrückt werden vom Wannenrand.

    SOlltes ersteres das gewählte sein, so könnte ein demontieren der Stirnfliesen im oberen Bereich (weiss) reichen (Materialauftrag und wieder anfliesen, zzgl Wechsel der oberen duschseitigen 2-3 Fliesen). Der schwarze Überstand könnte durch den Rahmen verdeckt werden.

    Bei einem rahmenlosen Model, ist Hopfen und Malz verloren.

    :thumpsdown:

  • Geplant vom Bauträger war eine gerahmte Duschkabine. Wir konnten bei der Bemusterung da auch nicht wählen. Wir wollten aber eine rahmenlose Glaswand mit Tür haben und haben deshalb gefragt ob man einfach die geplante Duschkabine weglassen könnte und wir eine rahmenlose Glaswand in Eigenleistung machen (oder von externem Fachmann montieren lassen). Dabei denkt man natürlich nicht daran, dass eventuell so ein Murx gemacht wird und man keine rahmenlose Glaswand montieren kann und selbst die gerahmte Duschkabine eher schlecht montiert werden kann.


    Eure Beiträge zeigen mir zumindest schon mal auf welchem Weg ich argumentieren kann. Das Bad müsste leider schon komplett fertig gestellt sein, da unser Vorbegehungstermin ja in einer Woche ist (eigentlich die Abnahme, da wir da eine Checkliste durchgehen und jeden cm der Wohnung auf Mängel prüfen, aber der Bauträger nennt es Vorbegehung). Einen Hinweis auf den Fehler konnte ich ja nicht früher geben, da es mir erst vorgestern beim durchsehen der Fotos aufgefallen ist. Und jetzt ist es wohl eh schon zu spät, da das Bad fertiggestellt ist.

  • Ergänzung...


    heute habe ich noch mal einen weiteren Bauplan von der Architektin bekommen auf dem zumindest eindeutig erkennbar ist, das die Kante der Vormauerung genau mit der Außenkante der Duschwanne zusammenliegt.



  • heute habe ich noch mal einen weiteren Bauplan von der Architektin bekommen

    Das dürfte wohl der Bauantragsplan sein. Aus diesem könnte ich nicht ablesen was geschuldet ist, außer dass es sich wohl um eine Dusche unbekannter Größe, einer Badewanne unbekannter Größe, zweier Waschtische unbekannter Größe und Lage und eines WCs unbekannter Größe und Lage handelt. Ziemlich viele Unbekannte, würde ich sagen.


    Ein "Bauplan", also ein Plan, aus dem die essentiellen Informationen für den Handwerker ersichtlich sind, sieht völlig anders aus.

  • Ein Grundriss eines Bades könnte in der Ausführungsplanung ungefähr so oder so ähnlich aussehen:




    Links ist nicht vollständig vermaßt, es ist nur eine Entwurfsskizze mit Maßen zu bestimmten Themen, kein vollständiger Ausführungsplan. Nach dem rechten Plan + sechs dazugehörigen Ansichten wurde tatsächlich erfolgreich gebaut. Dazu gehörten auch noch ungefähr 10 Detailschnitt im Maßstab 1:5 und 1:1. Beide Pläne zeigen übrigens Modernisierungen und enthalten deswegen Maßketten mit Lücken bzw. „Ca“-Angaben, weil kein ausreichend verformungsgerechtes Aufmaß vorlag.


    Ich hoffe, dass schon rein grafisch der Unterschied zum Genehmigungsplan damit klar wird!


    Wenn anders gebaut wurde, kann man sich auf dieser Basis später trefflich streiten, aber nicht mit dem Bauantragsplan. Der zeigt nur, welche Nutzungen wo stattfinden.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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