Zinswende in Sicht?

  • Heute hatte ich endlich mal wieder etwas Zeit, damit ich mich um mittelfristig anstehende Finanzierungen kümmern kann. So lange keine akuten Finanzierungen anstehen, beobachte ich die Zinsentwicklung ja eher unregelmäßig.


    Was mir nun aufgefallen ist, dass die Zinssätze wieder leicht angezogen haben. Beobachtet man den Zeitraum in den letzten 2 bzw. 4 Jahren, dann fällt auf, dass wir uns vom Tiefststand (um die 1% für 10 Jahre LZ) entfernt haben. Seit Anfang 2017 bewegen wir uns relativ stabil in einem Bereich um die 1,5% (für 10 Jahre Laufzeit). Auf diesem niedrigen Niveau könnte man die Zinssatzänderungen noch unter Volatilität verbuchen, aber nachdem der Tiefststand nicht mehr getestet wurde, könnte man spekulieren, dass der Trend umkehrt, und es mittelfristig wieder nach oben geht.


    Es gibt wie üblich viele Faktoren die dagegen sprechen, und genau so viele Faktoren die dafür sprechen. Ob die weltpolitische Lage, USA, China, Nahost, usw. oder Kommentare der EZB, des IWF etc. man findet wohl für jedes Szenario ein Argument.


    Man könnte nun auf den Gedanken kommen, dass man sich langsam um eine Zinssicherung bemühen sollte. Ich vertrete ja die Meinung, dass Tilgung die beste Absicherung gegen steigende Zinsen ist, es kann aber im Einzelfall tatsächlich interessant sein, beispielsweise über ein Forward Darlehen nachzudenken. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass die Banken auch nicht schlafen, und ihrerseits ständig mit verschiedenen Szenarien rechnen, schließlich habe die auch kein Geld zu verschenken.


    Wer heute neu finanziert, sollte sich nicht von den günstigen Zinssätzen im kurzfristigen Bereich blenden lassen, und eher langfristig planen, immerhin sind die Zinsen immer noch so niedrig, dass man nicht viel falsch machen kann. Wer in absehbarer Zeit eine Verlängerung seiner Finanzierung plant, könnte sich langsam schon einmal umschauen, und überlegen, ob eine Zinssicherung sinnvoll ist. Man sollte aber vorsichtig sein, wenn einem "ach so günstige" Angebote zur Zinssicherung in´s Haus flattern. Hier gilt es, sehr genau lesen, und nicht nur auf den Zinssatz auf dem Titelbild starren.

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  • Nach diesen Charts würde ich eher von einer erreichten Tiefebene sprechen, als von einer durchschrittenen Talsohle.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • von einer erreichten Tiefebene sprechen,

    Jepp, die Tal"sohle" läuft schon mehrere Jahre, je nachdem, welchen Zinssatz man als Referenz heranzieht.


    Eine weitere spannende Frage könnte sein, wohin die nächste Zinssenkung gehen soll. Solche Phasen wiederholten sich in der Vergangenheit alle paar Jahre, und man könnte davon ausgehen, dass nach einem Zinsanstieg in x Monaten (oder Jahren?), auch wieder eine Abwärtsphase kommen muss. In der Vergangenheit war der langfristige Trend (Jahrzehnte), analog der wirtschaftlichen Entwicklung in DE. Deutschland ging und geht es so gut, dass es keinen Grund gab ein hohe Risiko einzurechnen, was sich an stetig fallenden Zinssätzen bemerkbar machte. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass Deutschland erst einmal wieder tief fallen muss, damit die Zinssätze spürbar steigen.


    Ein anderes Szenario wäre, dass die Zinsen sich in x Jahren verdoppeln, was schon extrem wäre, aber gerade mal einen Zinssatz um die 3% ergeben würde, und dann ginge es wieder abwärts. Jetzt muss man sich natürlich fragen, wieviel Luft dann nach unten noch ist. Ist es überhaupt noch möglich, den Tiefststand der vorherigen Niedrigzinsphase zu unterschreiten? Technisch sollte das zwar möglich sein, schließlich gibt es auch Negativzinsen, doch man bedenke einmal die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Bereits die letzte/aktuelle Niedrigzinsphase hat ein Vermögen an Sparguthaben quasi vernichtet, weil die Zinsen auf Sparguthaben nicht einmal annähernd die Inflation ausgleichen konnten. Da ist so manche Vorsorgeplanung den Bach runter gegangen.


    Was macht die EZB, wenn nach einer kurzen Erholung die Entwicklung wieder abwärts geht?

    Vielleicht sollten die Herren Notenbanker mal erkennen, dass das was sie vor Jahrzehnten "in der Schule" gelernt haben, heute nicht mehr funktioniert. Wenn man bei einem Zinssatz von 10% auf 7% senkt, dann hat das noch eine spürbare Wirkung, aber wenn man schon bei 1% liegt, wohin will man dann noch senken?


    Es müssen also Schulden vernichtet werden, und damit es nicht zu einer Schieflage kommt, natürlich auch Vermögen. Man denke nur mal an das Anleihekaufprogramm, das einmal mit 1 Bio EUR utopisch hoch angesetzt war.... zwischenzeitlich sind es 2,55 Billionen Euro die die EZB in den Büchern hat. Es glaubt wohl niemand ernsthaft daran, dass diese 2,55 Bio € jemals bedient werden. Vielleicht ein paar Krümel, um den guten Willen zu zeigen, aber der Rest wird mit Sicherheit vernichtet. Früher hätte man gesagt, ein Federstrich, heute ist es wohl eher ein Tastendruck.


    Die EZB braucht aber saubere Bücher, denn die nächste Krise kommt bestimmt. Genau genommen ist die letzte Krise ja noch nicht einmal überstanden.


    Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer, an das Schreckgespenst Zinserhöhung zu glauben, zumindest was eine langfristige Planung betrifft. Sollten die Zinsen wirklich drastisch steigen, dann käme das einem Kollaps gleich. Ich kalkuliere daher eher mit einem moderaten Zinsanstieg, und bin nicht bereit, größere Summen in eine Zinsabsicherung zu investieren. Es kann ja jeder selbst rechnen, was passiert, wenn sein Darlehenszinssatz von sagen wir mal 1% auf 2% oder 3% steigt. Sollte die Finanzierung so ausgereizt sein, dass so ein Anstieg zu einer Gefahr wird, dann wäre es vielleicht sinnvoll, wenn man sich Gedanken darüber macht, wie man seine Finanzierung solider machen kann......womit wir wieder beim Thema Tilgung wären.

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  • Was mir nun aufgefallen ist, dass die Zinssätze wieder leicht angezogen haben.

    R.B.

    Kann ich nicht bestätigen: Mitte April 2018 habe ich ein Forwarddarlehen für 30.10.2019 abgeschlossen zu 1,64 %. Die Konditionen zum heutigen Zeitpunkt für 30.10.2019 wären 1,54 %.

    Etwas ärgerlich, aber nun gut, ist halt so.

  • Ich hatte dabei einen längeren Zeitraum im Visier. In 2017 (genaues Datum müsste ich nachschauen, war Anfang des Jahres 2017) habe ich einen Forwarder zu 0,75% (5 Jahre LZ) und 1,08% (10J LZ) abgeschlossen, beide zum November 2017. Aktuell müsste ich dafür wohl 0,3% bis 0,5% mehr auf den Tisch blättern (die genauen Konditionen müsste ich jetzt aber abfragen).


    Nach diesen Charts würde ich eher von einer erreichten Tiefebene sprechen, als von einer durchschrittenen Talsohle.

    Schaut man sich den Chart an den Wolfgang in seinem obigen Beitrag eingestellt hat, dann ergibt sich ein ähnliches Bild. Ende Q3-2016 war Tiefststand. Zu der Zeit habe ich mir Gedanken gemacht und mit meiner Bank angefangen zu verhandeln. Wie üblich dauert das ein Weilchen, so dass wir den ""Abschluss" erst nach dem Jahreswechsel gemacht haben. Die Konditionen haben sie bei dem geringen Anstieg aber noch nicht angepasst.


    Die nächste Aktion steht dann für Q2-2020 an, doch dafür habe ich noch keine zündende Idee. Evtl. einfach verlängern, oder ablösen, oder was weiß ich. Die aktuellen Schwankungen sind nicht mehr so gravierend, dass man davon Bauchschmerzen bekommen sollte.

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  • Irgend wann werden sie wieder steigen, denn ewig kann das nicht gehen. Genau so sicher ist, dass es mit uns auch wieder mal bergab gehen wird. Der ganz normale Zyklus in der Wirtschaft...

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Der ganz normale Zyklus in der Wirtschaft...

    Diese Zyklen wurden bzw. werden aber teilweise durch Eingriffe der Politik und Notenbanken extrem beeinflusst. Ich bin fast schon geneigt zu sagen, dass die alten Spielregeln, wie man sie einmal in der Schule gelernt hat, nicht mehr gelten. Siehe meinen Kommentar zur Niedrigzinsphase. Ob die EZB aus der Nummer wieder raus kommt? Sie steht doch schon mit dem Rücken zur Wand, und muss hoffen, dass es besser wird. Das wird dann natürlich den Zinssenkungen oder Anleihekäufen gutgeschrieben, obwohl diese an sich nichts damit zu tun hatten.


    Wenn die Marktgesetze durch solche EIngriffe langfristig außer Kraft gesetzt werden, dann wird der Markt nur künstlich am Leben erhalten, und damit auch unsere Gesellschaft. Das kann auf Dauer nicht funktionieren.


    Man darf daher die Frage stellen, ob es nicht irgendwann einmal wieder einen richtigen Knall geben muss. Einen Knall, der uns um Jahrzehnte oder mehr zurück wirft

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