Brandschutz, Rohrdurchführungen in F-90 Wohnungstrenndecke, 4 Familienwohnhaus

  • Was ist hiervon zu halten:


    ETW-Anlage mit 4 Wohnungen. Die Bilder zeigen die beiden gegenüberliegenden Seiten einer innenliegenden Trennwand zwischen Badezimmer und Gäste WC mit Deckendurchbrüchen für Kunststoffrohre Abwasser + gedämmte Wasserrohre + gedämmte Heizrohre.


    Bild 1 zeigt das Gäste-WC mit dort vorhandenem WC + Waschbecken.


    Bild 2 zeigt gegenüberliegendes Badezimmer mit ebenfalls WC und Waschbecken.


    Der Bauleiter meint, Brandmanschetten an den Kunststoffrohren seien nicht erforderlich gewesen, weil er die Vorwandinstallationen für die WC´s und Waschbecken zweilagig mit Gipskarton GKF habe verkleiden lassen. Das ergebe F bzw. R-90.

  • Der Bauleiter meint, Brandmanschetten an den Kunststoffrohren seien nicht erforderlich gewesen, weil er die Vorwandinstallationen für die WC´s und Waschbecken zweilagig mit Gipskarton GKF habe verkleiden lassen. Das ergebe F bzw. R-90.

    Und da hat er dann alle, wirklich alle (!), Durchdringungen F90-Konstruktion mit Manschetten ausgestattet oder anders fachgerecht geschottet? Wenn nein, dann wurde die MLAR nicht eingehalten. Ich setze voraus, dass die MLAR bzw. ihr Abkömmling für das betreffende Bundesland bekannt ist?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Jo genau, immer wieder gerne genommen.


    Im Prinzip könnte man das ja machen, die Vorwandinstallation als Schacht ausbilden - Aufbau der UK und Beplankung wie Schachtwand.

    Müsste dann durchgehend in allen Etagen sein, die keine Deckenschottung haben.


    So weit so gut. Nur müsste man dann alle Durchbrüche der Schachtwand schotten:eek:.

    Und schon mal irgendwo Absperrventile, Wasserzählereinbauten, Spülkästen:wall:in Brandschutzqualität gefunden?


    Alle Wände die irgendwie Brandschutzanforderungen haben muss man in realo weg von Installationswänden führen.

    Ergo funktionieren hier nur die Deckenschottungen.

    Nachdenken kostet extra!

  • Schon klar.


    Wollte nur mal aus der Praxis anschaulich demonstrieren, auf welche Ideen BT und deren BL so kommen. Vortrag zur MLAR haben beide nach der Erklärung zum angeblichen " Brandschutz " durch Verkleidung der Vorwandinstallation mit GKF erhalten.

  • Ich kenne auch etliche Bauleiter und Vorarbeiter, die erhebliche Defizite im baulichen Brandschutz haben. Ich möchte nicht wissen, wieviele solcher Mängel hinter Gips verschwinden.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Das Zauberwort bei Kunststoffrohren lautet: Durchbrand.


    Den kann man nur mit Manschetten mit Blähstoff unterbinden, die das Rohr im Brandfall gegen Rauch und Feuer zuquetschen.


    Der Irrsinn ist, dass der Brandschutz zwar von dem vom BT zu beauftragenden Sachverständigen für Brandschutz zu prüfen ist. Der kommt aber häufig erst, wenn alles bereits verkleidet und nichts mehr zu sehen ist. Die Bauämter prüfen die Ausführung nicht ( mehr ) selbst. Mit Vorlage der Prüfbescheinigung ist für sie alles in Ordnung.

  • ch möchte nicht wissen, wieviele solcher Mängel hinter Gips verschwinden.

    Im Wohnungsbau: Sehr viele, zumal es ja meist keine Abnahme durch Prüfingenieure (mehr) gibt. Da reicht dann die schnell unterschriebene Fachunternehmererklärung und der Murks verschwindet für immer hinter der Rauhfaser des Vergessens ...

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Andererseits ist die Mehrzahl der Wohngebäude aus dem industriellen Wohnungsbau der DDR nicht abgesichert.

    Dort wurden in vielen Häusern die Steigleitungen in den Rohrschächten in den letzten 25 Jahren im bewohnten Zustand ausgetauscht, ohne die Wände geschosshoch zu öffnen. Damit konnten auch keine BS-Manschetten eingebaut werden.

    Lediglich bei Leerwohnungssanierungen wurde die Asbestzementplatte, die den Schacht zur Küche hin verschließt, ausgebaut und dort jeweils an Decke und Boden Manschetten eingebaut.

    Da lauert noch ein weithin ignoriertes Gefährdungspotential.

    Besser war es dort, wo etagenhohe Rohrregister mit neuen Wandverkleidungen eingebaut wurden. Aber dort wurden fast immer Friathermrohre verwendet, die mittlerweile wegen zu geringer Standzeit des Rohrmaterials auch schon wieder handwerklich mit ungewissem Brandschutz erneuert sind.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Off-Topic:

    zumal es ja meist keine Abnahme durch Prüfingenieure (mehr) gibt.


    In NRW wird bei Mehrfamilienhäusern in der Baugenehmigung angeführt, dass zum Abschluß der Bauleistungen das Prüfzeugnis eines anerkannten Sachverständigen für den Brandschutz vorzulegen ist.


    Die verlieren ihre Zulassung, wenn sie dem BT, mit dem sie ständig zusammenarbeiten, Gefälligkeitsbescheinigungen ausstellen. Habe ich durchexerziert.

  • Das Thema ist ja schon "etwas" älter. Da ich aber neugierig bin, schau ich mir die nach und nach auch an ;)


    Unter der Voraussetzung, dass es sich um verschiedene Nutzungseinheiten handelt, was aus der Fragestellung nicht bzw. nicht eindeutig hervorgeht, habe ich keine Kommentare.


    Die "Ausrede" des Bauleiters zeugt aber in beiden Fällen von massiver Inkompetenz.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18