Treppendefinition

  • Hallo zusammen,

    in einem aktuellen Projekt planen wir ein Treppenbauwerk, das 7 Steigungen mit jeweils 15 cm Steigung aufweist. Das besondere, der Auftritt ist ca. 1,5m lang. Bei der Frage, ob ein Handlauf notwendig ist, habe ich versucht zu recherchieren, ob in diesem Fall die Treppe als ganzes zu sehen ist oder ob es sich um 7 einzelne Treppen handelt. In der HBO Hessen und in der Fachlietratur habe ich keine abschließende Definition finden können, was eine Treppe ausmacht. Die gängigen Beschreibungen beziehen sich bei Treppen immer auf die üblichen Steigungen und Auftritte.


    Betrachtet man es als eine Treppe, ist es ab 3 Stufen notwendig einen Handlauf zu bauen.

    Einzelne Treppen hingegen benötigen keinen Handlauf. Wie lang muss dann der Auftritt mindestens sein?

    Bewertet man es als Treppenrampe, würde ich auch einen Handlauf vorsehen. Obwohl in dem Fall die Höhe der Steigung sehr hoch wäre.



    Hat jemand Erfahrung mit einer solchen Treppenkonstruktion und kann mir Tipps zu weiteren Quellen geben? Hat jemand dazu schonmal Literatur gefunden, die ich zurate ziehen kann?

    Liebe Grüße und vielen Dank

    Klaus

  • Welchen Sinn hat ein Handlauf?


    Er soll (bei einer Wohnraumtreppe) natürlich dem Festhalten dienen aber auch das Herunterfallen vermeiden.


    Das Herunterfallen dürfte bei einer gärtnerischen Anlage eher kein Thema sein.


    Ob die Nutzer einen Handlauf benötigen (zB weil schön im vorgerückten Alter) würde ich mit dem Kunden abklären.


    Die Notwendigkeit eines Handlaufs mag ich aber nicht erkennen.

  • Da außerhalb meines Planungsbereiches liegend würde ich mich zu allererst fragen, ob die Definition einer "Treppe" nach LBO hier greift. Dann wäre als nächstes unabhängig davon zu klären, ob die DIN 18065 anzuwenden ist.


    Davon abgesehen halte ich persönlich alles, bei dem die Stufen nicht mehr im Schrittmaß der DIN 18065 liegen, für hoch problematisch. Ich habe selbst mehrere Unfälle mit derartigen Fallen erlebt (bis hin zum eigenen Muskelriss) und kenne einige öffentliche Plätze (Berlin, Marlene-Dietrich-Platz; Wolfsburg, Rathausplatz; Oberhausen, Wörthplatz) an denen sich über solche unfallträchtigen Anlagen heftige Debatten entzündet haben.


    Nimm es bitte nicht persönlich, aber das ist in meinen Augen :pfusch:!


    Ich würde die Sinnhaftigkeit der Anlage im Sinn meiner Haftpflichtversicherung noch einmal sehr ernsthaft überprüfen!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Keine Sorge, nehme es nicht persönlich und habe keine Probleme mit offenen Worten. Vielen Dank für die Rückmeldungen.


    Habe das Projekt übernommen und von der Bauherrschaft (Industrie) ist der Wunsch, es ohne Handlauf zu bauen. Möchte zumindestens für eine Argumentation alle Seiten beleuchtet haben.

    Liebe Grüße

    Klaus

  • Als Ergänzung zu Skeptiker :


    Unabhängig davon, ob das Bauwerk als Treppe lt. LBO einzustufen ist: 1,5 m Auftritt ist zu viel oder zu wenig. Bei einer Schrittlänge von 63 cm kommt man auf a = 2*63 - 2*15 = 96 cm oder 3*63 - 2*15 = 159 cm. Bei 1,5 m muss man schon recht kurze Schritte machen. Für kleine Menschen evtl. gut, für hochgewachsene schlecht, da hier die übliche Schrittlänge deutlich über 60 cm liegt (meine ist ca. 70 cm bei knapp 1,80 m Größe).


    Für besser hielte ich eine Kombination aus 3*2 Stufen á 17,5 cm mit mehreren Metern Gerade zwischendurch.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Für besser hielte ich eine Kombination aus 3*2 Stufen á 17,5 cm mit mehreren Metern Gerade zwischendurch.

    In Polen heißen Treppen mit < 3 Steigungen "anämische Treppen" und sind nach Bauordnung verboten (schrieb jedenfalls mein damaliger Kontaktarchitekt so).

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wenn verboten, dann geht es selbstverständlich nicht. 2 Steigungen findet man aber öfters im Landschaftsbau, wenn ich mich recht erinnere. Ich wüsste auch nicht, was daran schlechter wäre als an einer Stufe.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • meines wissens muss ab 1m Absturzhöhe eine Umwehrung angebracht werden .

    Wie das hier zu bewerten ist , ich kenne die Örtlichkeiten nicht

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Würde eine Rampe noch reichen, oder wäre es schon zu steil? Wenn es ein Hauszugang ist, würde ich immer primär auf Barrierefreiheit achten und auf Treppen und Absätze verzichten. Geländer würde ich eher auf die Nutzer und weniger auf gesetzliche Vorschriften hin bauen. Auch wenn es nicht sein muss, kann man eines machen, wenn die Nutzer eh schon nicht mehr die jüngsten sind, bzw bald sein werden, bzw es viele Besucher älteren Datums gibt. Es wird eh immer viel zu sehr auf gesunde und junge Menschen hin gebaut und die älteren bzw weniger mobilen Menschen vergessen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Habe das Projekt übernommen und von der Bauherrschaft (Industrie) ist der Wunsch, es ohne Handlauf zu bauen.

    Dann eher Arbeitsstättenrichtlinie, UVV Treppen (jetzt BGI 561) BGI-Richtlinien, UVV der "Industrie", ggf. sogar DIN_EN_ISO_14122-3. Einige UVVen haben bezüglich Treppen/Geländer erhöhte oder abweichende Forderungen - je nach Gefährdungseinstufung. Betriebe, die dem Bergrecht unterliegen, werden auch anders beurteilt.


    Soll die Treppe im Produktionsbereich oder eher im Verwaltungsgebäude gebaut werden?

    Gibt es einen Sicherheitsbeauftragten?


    Als Treppe in einer Art "Show Room" kann man das machen.

    Als Fluchtweg oder regelmäßig begangene Treppe würde ich es nicht machen.

    Da trägt mal einer 3 Aktenordner und hat dadurch nur eingeschränkte Sicht ... ... ... neee!


    Wenn doch unbedingt gewünscht, den Kunden schriftlich über die Gefahren aufklären (Podestlängen nach Schrittmaßformel, Grundsätze der Unfallverhütung, usw. usf. .

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)