Asbest Putz

  • Hallo,


    Ich habe mir gerade ein Haus aus dem Jahre 1963 gekauft.

    Auf Grund des Alters steht eine komplett Sanierung an.

    Die Heizungsrohe werden getauscht, Elektrik erneuert und einige Wände rausgerissen.

    Dabei werden die Vorarbeiter wie Schlitze fräsen usw von mir durchgeführt.


    Nun habe ich mich ein wenig mit dem Thema Asbest, da unter anderem Fensterbänke mit Asbest vorhanden sind, eingelesen.


    Nun zu meiner Frage, besteht die Möglichkeit das in diesem Baujahr der Putz über die ganze Fläche Asbest enthält?

    Oder ist eher damit zu rechnen das falls Asbest vorhanden ist nur an z. B Türrahmen und Fensterkits verbaut wurde?


    Da mich doch einige Artikel stark Verunsichert hatten habe ich eine material Probe bestellt die für Gewissheit sorgen soll.


    Mit freundlichen Grüßen


    Janpt

  • Asbest im Putz? Türrahmen? Fensterkitt?

    Könntest Du Deinen Verdacht etwas konkretisieren?


    Welchen Sinn sollten Asbestfasern in einem Fensterkitt haben?

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  • Warum genau der Asbest im Putz bei gemischt wurde kann ich leider nicht beurteilen.

    Aber es gibt einige Quellen die das bestätigen.


    Tödliche Fasern im Putz - WELT


    Aber inwiefern das Panikmache oder Realität ist weiß ich auch nicht genau.


    Deswegen ja meine Frage ist mit Asbest ist in Putz wirklich zu rechnen oder wurden dabei nur kleine Stellen gemeint die bearbeitet wurden.

  • Im Zweifelsfall gilt immer, beproben und analysieren lassen.

    Man sollte aber nicht hinter jeder Ecke Asbest vermute, wie das von vielen Menschen, überwiegend Leute die mit solchen Sanierungen ihr Geld verdienen, gemacht wird.


    Sind Asbestfasern gebunden, dann geht von Ihnen sowieso keine Gefahr aus. Werden die Materialien bearbeitet, dann könnten Fasern bzw. Bruchteile davon freigesetzt werden. Hier spielt der Umfang der Arbeiten eine Rolle. 1 Loch in die Wand bohren, oder 100m belastete Wärmedämmung entfernen, letzteres spielt in einer ganz anderen Liga.


    Asbestfasern in einem Putz sollten in einem EFH viel seltener anzutreffen sein. Ich würde daher nicht unterstellen, dass der Putz belastet ist. Gibt es Verdachtsmomente, dann hilft sowieso nur eine Analyse.

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  • In den 1950er und 1960er Jahren wurde hochwertiger Fensterkitt mit Asbestfasern versetzt. Typischerweise enthalten auch bituminös gebundene Kleber aus dieser Zeit Asbestfasern. In Innenwandputz sind sie mir noch nicht begegnet.


    Faserzementbauteile aus dieser Zeit wie Dachplatten, Fassadenverkleidungen, Fensterbänke etc. enthielten bis in die 1980er Jahre Asbestfasern.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Vielen Dank für die Antworten.


    Eine Frage hätte ich noch und zwar wurden im Haus um ca 1990 neue Teppiche verklebt.

    Besteht in diesem Zeitraum noch die Gefahr das Asbest im kleber vorhanden ist?

    Zusätzlich hatte ich vor im Bad die Fliesen zu entfernen.

    Da das Bad aber auch von 1963 ist gehe ich davon aus das der kleber der Fliesen evtl auch belastet ist.


    Sollte ich das risiko in Kauf nehmen und evtl mit Schutz Ausrüstung die Fliesen abmachen oder sollte in jedem Fall ein spezial Unternehmen kontaktiert werden?

    Ich hatte schon einen Fliesenleger bei mir, aber der hatte sich darüber keine Gedanken gemacht.


    Vielleicht übertreibe ich auch mit den ganzen Maßnahmen, aber in Zweifel bin ich lieber Vorsichtig.

  • Bituminöse Kleber sind schwarz und zäh-elastisch. Teppiche wurden damit meines Wissens nie verklebt, auch Fliesen nicht.


    In den 1960er Jahren wurden Fliesen typischerweise noch im dicken Mörtelbett (eigentlich mitteldicken) aus Zementmörtel verlegt, nicht geklebt.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Hier gerade aktuelle der Fall: Büro mit der Beprobung diverser Wohnungen zur Erstellung eines Gebäudeschadstoffkatasters beauftragt, gleich die zweite beprobte Wohnung (Baujahr 1958) Treffer! Asbestfasern in Wand- und Deckenputzen in allen Räumlichkeiten.


    Also im Zweifelsfall beproben lassen...

  • Da ich das Haus schon gekauft habe, wäre die Frage wie man weiter vorgehen sollte falls die Probe Asbest enthält.


    Könnte ich die Arbeiten wie Schlitze fräsen usw selbst durchführen mit der geigeneten PSA wie Asbest absauger der Klasse H, Schutzanzug und einer Atemschutzmaske Filter der Klasse P3.

  • Mit Selbermachen is das dann son ding...


    Da du ja wenn die Probe positiv ausfällt definitiv Wissen von der Problematik hast, und du um Vorfeld bereits jetzt das Wissen über die evtl. Belastung hast wärst du verpflichtet die anstehenden Arbeiten von einer zertifizierten (Arbeiten nach TRGS 519) Firma ausführen zu lassen um dich und deine Umwelt nicht zu gefährden. Das ist in Teilen mit erheblichem Aufwand verbunden was Lehrgänge/Ausrüstung/Anmeldung der Arbeiten beim GAA usw. angeht.


    Den Rest kannst du dir ja denken...

  • Ich konnte tatsächlich den damaligen Verputzen auswendig machen.


    Nach seiner Aussage wurde ausschließlich grober Sand und Kalk in dem putz verarbeitet, was mich doch sehr beruhigt.


    1975 wurde das Haus verkauft.

    Wobei ich mir nicht vorstellen kann das die neuen Besitzer die Wände komplett neu verputzen lassen haben um dann zu tabezieren.


    Aber ich gehe trotzdem auf Nummer sicher und schicke die Proben die Woche ein.

  • Das Problem ist dass die Asbestfasern damals den Bindemitteln (Kalt, Zement etc.) zugemischt wurden - es hat sich keiner beim Anmischen auf die Baustelle gestellt und dem Stift zugerufen "hau noch n Sack Asbest mit rein damit der Putz nicht reisst"...


    Aber wünschenswert wäre es für dich wenn die Probe frei ist...

  • Ich habe mich noch einmal in einem Labor erkundigt.

    Dieses Labor macht tests in privaten Häusern um Asbest in Wänden festzustellen.


    Das Problem ist nur das sie die nächsten 6 Monate ausgebucht sind aufgrund der großen Nachfrage.

    Aber laut ihnen ist es sowieso sehr schwierig Asbest dort festzustellen.


    Grundsätzlich wird Asbest mit den gängigen Verfahren getestet die nur bis zu 0.1 Prozent Asbest Anteil festellen können

    Eine noch genaueren Prüfung wäre unverhältnismäßig teuer.


    Da Asbest in Putz meist sehr geringe Mengen enthält und überall vorhanden sein könnte, sind viele Proben nötig.


    Auch eine Probe meinerseits könnte negativ ausfallen, aber Asbest könnte trotzdem vorhanden sein.


    Aufgrund dessen werde ich einfach die Arbeiten mit Atemschutzmaske p3 und Staubsauger der Klasse h+ durchführen.


    Ich meine jeder Handwerker ( Verputzer, Elektriker, Heizungsmonteur) müsste ja hochgradig belastet sein.

    Da ich kaum glaube, das irgendeine eine Firma da sich groß Gedanken drüber macht.



    Was ja auch im allgemeinen bedeuten würde, daß jedes Haus von 1950 bis 1993 unverkäuflich werden würde.


    Den was wäre die Konsequenz?

    Der komplette Putz müsste abgetragen werden.

    Was von den Kosten einem Abriss gleich kommen würde.


    Ich weiß, das ich wahrscheinlich übertreibe, aber es geht mir im enteffekt um die Gesundheit von mir und meinen Angehörigen.

  • Ich kann deine Meinung natürlich in Teilen nachvollziehen - die Thematik Gebäudeschadstoffe (und explizit Asbest in Putzen/Bodenbelägen/Klebern) scheint momentan sehr brisant.

    Genau aus diesem Grund haben wir uns entschieden dieses Schadstoffkataster durchzuführen um die Mieter sowie auch die in den Objekten tätigen Handwerker entsprechend informieren zu können was von wem gemacht werden darf. Wir beproben alle Gebäude (Leerstände) der Baujahre 1955-1998.

  • Probe wurde Versand, aber ich bräuchte evtl noch einen Rat.


    Kauf des Hauses war bis jetzt nur mündlich.

    Notar Termin wäre nächste Woche.

    Die Probe könnte aber bis zu zwei Wochen dauern.


    Aufgrund der Erkenntnis die ich in den letzten Tagen gesammelt habe weiß ich nicht ob ich mit dem Haus einen großen Fehler mache.


    Übertreibe ich jetzt komplett oder kann sich jemand in meine Situation herein versetzen.

  • Selbst wenn der Putz mit Asbestfasern belastet wäre, gäbe es keinen zwingenden Grund, ihn komplett zu entsorgen. Die Asbestfasern sind in den meisten Fällen ausreichend gebunden, so dass außer bei einer spanenden Bearbeitung keine Gesundheitsgefahren davon ausgehen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ja, kommt vor in Putzen und Spachtelmassen.

    Am besten ist das festzustellen, wenn die Probe vorbehandelt wird (verascht). Dann sind schonmal alle organischen Fasern weg und der Asbest ist leichter zu finden.

    Tatsächlich ist eine Sanierung bei asbesthaltigem Putz nicht unbedingt erforderlich, wenn man nicht Schlitze fräsen o.ä. machen will.

  • Die Frage ist ja was soll alles am Objekt gemacht werden? Bisschen aufhübschen mit Tapete/Laminat und San-Objekte oder eine Kernsanierung mit Wände verschieben/abbrechen, neue E-Leitungen und San/Heiz verlegen und dafür Schlitze in allen erdenklichen Lagen machen? Wenn letzteres dann ist beim Schlitzen etc. der Wandflächen nur fachgerecht zu arbeiten.

    Bedenke auch wenn erstmal nur Maler durchgeht, bei jedem Bohrloch/ jeder späteren Bearbeitung der Wandflächen durch Schlitzen/Bohren/Stemmen werden bei positivem Asbestbefund die Fasern freigesetzt.


    Ich würde mal mit dem Verkäufer sprechen und evtl. versuchen (wenn es der Markt zulässt) über eine Kaufpreisreduzierung diskutieren, evtl. die Beprobung beschleunigen (Expresszuschlag beim Labor) oder den Notartermin aus diesen wichtigen Gründen verschieben.


    Nur mal so als Hausnummer: Asbestputzsanierung (also Abbau durch zert. Unternehmen im Schleifverfahren) ca. 25-45 €/m² Fläche, zzgl. neuem Wandputz

  • oder den Kaufvertrag mit aufhebender Wirkung machen, wenn das labor Asbest findet?!?!?

    It doesn´t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.

    Steve Jobs

  • Da das Objekt grundlegend saniert werden müsste, war mir das Risiko letztendlich zu groß.


    Die Ergebnisse der beprobung habe ich immer noch nicht erhalten.

    Beim Kundendienst nachgefragt wurde eine zu hohe Nachfrage als Grund genannt.


    Nicht einmal einen Tag später war das Haus wieder verkauft.


    Mein Fazit kein Haus mehr vor 1995...

  • Mein Fazit kein Haus mehr vor 1995...

    Das ist nicht sachlich begründet.


    Es gab zu fast jeder Bauzeit aus heutiger Sicht als kritisch oder gefährlich zu bewertende Baustoffe. Auch einige heute eingesetzte Materialien werden vermutlich in einigen Jahren als gefährlich angesehen werden. Aber nicht in allen Objekten einer Bauzeit wurden alle heute problematischen Stoffe eingesetzt, in vielen auch nicht. Im Einzelfall muss immer untersucht werden, was in welcher Menge vorhanden ist. Eine solche pauschale Aussage wie die oben zitierte ist nicht begründet. Abgesehen davon erfolgte genau zwischen 1995 und 2000 die Umstellung von gefährlicher auf ungefährliche künstliche Mineralfaser (KMF). Insofern sollte die Grenze dann gleich 2000 gezogen werden. :sarkasmus: Und was wurde danach als Baustoff verboten und musste substituiert werden?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wenn man so ängstlich ist, sollte man vielleicht sogar genau das umgekehrte Fazit ziehen. Bei Baustoffen, die schon vor 30 und mehr Jahren eingebaut wurden, weiss man heute, ob und wie gefährlich sie sind.

    Bei neuartigen Baustoffen weiß man es dagegen vielleicht erst in 20 oder 30 Jahren...