Brandschutz bei Luftraum über Küche

  • hallo zusammen,



    finde das Forum und die qualifizierten Antworten echt super ;)



    Ich habe eine Frage zum Thema Brandschutz und hoffe, den Sachverhalt möglichst verständlich schildern zu können.



    Bzgl. der Baugenehmigung hat sich nun der Brandschutz aufgrund eines Luftraumes über der Küche gemeldet.



    Situation:



    - 2 Etagen mit je ca. 150 m2

    - die Küche (ca. 25 m2) im EG hat keine Decke, bzw. erst in ca. 6 m Höhe, da hier ein Luftraum geschaffen wurde.

    - Im 2. OG führt ein langer Gang durch das komplette Geschoss und endet mit dem Eingang in ein Schlafzimmer. Von diesem Gang kann man - logischerweise - durch den Luftraum in die Küche sehen.

    - an der Stelle, an welcher man in von oben, durch den Luftraum, nach unten sehen kann war ein Geländer aus Glas geplant.. normale Höhe (ca. 90 cm)



    Der Brandschutz hat sich nun gemeldet und meinte, das Geländer aus Glas müsste durch eine Deckenhohe Glasscheibe ersetzt werden, da der Gang im 2. OG bereits verraucht wäre, bevor der Rauchmelder über der Küche (ca. 6 m Höhe) anschlagen würde. Und da der Gang als Fluchtweg aus dem Schlafzimmer dient, muss ein Rauchmelder anschlagen, bevor der Gang verraucht ist.



    Was meint ihr? Ist das wirklich die einzige Möglichkeit? Nur ungern würden wir eine Deckenhöhe Scheibe einbauen, da diese die komplette Kommunikation vom OG ins EG unterbricht und auch nicht schön aussieht.



    Vielen Dank für Eure Hilfe












  • Erstmal zur Begriffsklärung: In D wird üblicherweise gezählt


    3. OG (evtl. DG)

    2. OG

    1. OG

    EG

    1. UG (bzw. KG)


    Um welche Geschosse geht es bei Dir?

    Um welche Gebäudeklasse nach BauO geht?

    Einfamilienhaus, freistehend?


    In welcher Verfahrensart wurde der Bauantrag oder was auch immer gestellt?

    Liegt bereits eine Genehmigung vor?

    Wer ist „der Brandschutz?“

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Hallo Skeptiker ;)


    sorry, da habe ich die Bezeichnungen verwechselt. Es handelt sich um einen freistehendes Einfamilienhaus mit EG und einen 1. OG


    Bei mir geht es um den Luftraum vom EG über der Küche in das 1. OG.


    Welche Verfahrensart es ist müsste ich mich erkundigen.


    Eine Genehmigung liegt noch nicht vor, da der „Brandschutz“ vom Landratsamt diesen Luftraum bemängelt.


    Viele Grüße

  • Es gibt nur ein OG und kein DG? Evtl. ließe sich die Forderung dadurch mindern, indem man für die Zimmer im OG eine direkte Fluchtmöglichkeit nach außen schafft, ohne den Gang benutzen zu müssen. Z.B. durch vorgelagerten Balkon mit Fluchttreppe. Ich kann die Argumentation des Amtes durchaus nachvollziehen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Läuft das Verfahren als „Kenntnisgabe“ oder als „Bauantrag“? Was stand auf dem von Dir unterschriebenen Formular?


    Es geht nach meinem Verständnis um ein Gebäude der Gebäudeklasse 1, richtig?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • § 15 Abs. 3 BauO Ba-Wü:

    "Jede Nutzungseinheit muss in jedem Geschoss mit Aufenthaltsräumen über mindestens zwei voneinander
    unabhängige
    Rettungswege erreichbar sein; beide Rettungswege dürfen jedoch innerhalb eines Geschosses
    über denselben notwendigen Flur führen."

    Das dürfte der Knackpunkt sein. Der Rettungsweg über den Gang wäre bei einem Brand im EG (Küche) nicht mehr benutzbar. Du hättest also im Brandfall nur noch einen Rettungsweg zur Verfügung (den über die Fenster).

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • § 15 Abs. 5 BauO Ba-Wü:


    „Der zweite Rettungsweg kann eine weitere notwendige Treppe oder eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle der Nutzungseinheit sein.“


    Beim EFH haben typischerweise alle Aufenthaltsräume anleiterbare und öffenbare Fenster. Ist das beim Fragensteller so? Dann braucht es keinen rauchsicheren Korridor! „Der Brandschutz“ (ich weiß ja immer noch nicht, wer das sein soll, die Feuerwehr?) argumentiert aber nicht mit fehlendem 2. Rettungsweg, sondern mit einer möglichen Verrauchung. Die ist aber immer schon dann möglich, wenn ein Korridor in einem oberen Geschoss nicht mit einer dichten und selbstschließenden Tür vom unteren Geschoss abgetrennt ist, also in fast jedem EFH mit mehr als einem Geschoss. Der offene Luftraum spielt dabei nach Bauordnung keine Rolle.


    Und der zweite Rettungsweg wird dann benutzt, wenn der erste nicht benutzbar ist, es braucht keinen dritten!


    Und es gibt auch Rauchmelder, die deutlich unterhalb der Decke installiert werden können, sog. lineare Rauchmelder. Damit ist das angegebene Problem - soweit ich es verstanden habe - viel einfacher und kostengünstiger lösbar als mit der teuren BS-Verglasung.


    Ob in einer Küche ein optisch arbeitender Rauchmelder überhaupt eine sinnvolle Einrichtung sein kann, ist noch einmal eine ganz andere Frage. Dort setzt man wenn überhaupt, dann eher thermische Melder ein. Die hiesige Bauordnung verlangt aus genau diesem Grund keine Installation von Rauchmeldern in Küchen und Bädern. So langweilig ist der Feuerwehr nämlich nicht!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • ...o.k. - Denkfehler. Man merkt eben doch, dass den Brandschutz normalerweise nicht die Verwaltungskräfte der Behörde prüfen...

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Super, vielen Dank für die vielen Antworten 👍 werde das morgen nochmal mit meinem Architekten sprechen ;)


    Werde natürlich berichten, wie es dann letztendlich gelöst wurde und wer der „Brandschutz“ ist/war

  • Einliegerwohnung ist nicht oder? Die Oben angeführten Punkte wie getrennte Flure, abgeschlossene Flure, getrennte Geschosse sind bei GK 1 nicht gefordert. Innerhalb einer Nutzungseinheit eh nicht.

    Nachdenken kostet extra!

  • Die Melder (z.B. Flamm-Melder) müssen und sollten auch nicht an der Decke in 6m Höhe montiert werden, sondern in der Nähe des möglichen Brandherdes, also in Herdnähe.

    Gibt es ggf. angehängte Lampen? Dann könnte man in / an ein Lampengehäuse einen Melder montieren, so dass er optisch nicht auffällt und in Brandnähe ist. Auch an/neben der Dunstabzugshaube wäre ein guter Platz.


    generelle Frage: Küche bis ins OG und oben Schlafzimmer?? habt Ihr Euch das gut überlegt? ich meine: so wegen "Geruchsbelästigung"

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • OLger MD , für die Anordnung von Rauchmeldern gibt es die DIN 14676. Sie ist meines Wissens inzwischen in allen dt. Bundesländern bauaufsichtlich eingeführt, also zwingend anzuwenden. Deine Vorschläge entsprechen nach meiner Erinnerung alle nicht der DIN 14676.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Die Melder (z.B. Flamm-Melder) müssen und sollten auch nicht an der Decke in 6m Höhe montiert werden, sondern in der Nähe des möglichen Brandherdes, also in Herdnähe.

    M.W. nach wird in den LBO nur fuer "Aufenthaltsräume, in denen bestimmungsgemäß Personen schlafen, sowie Rettungswege von solchen Aufenthaltsräumen in derselben Nutzungseinheit" eine Ueberwachung mit Rauchwarnmelder gefordert.

    Das es bei einem EFH ueblicher Ausfuehrung weitergehende Forderungen an Ueberwachung durch Rauchmelder gibt, ist sehr ungewoehnlich. Ich kennen eigentlich keinen Grund dafuer.

    Auch an/neben der Dunstabzugshaube wäre ein guter Platz.

    Die meisten Melderarten sind von herumwirbelnder Luft mit Fettanteil nicht wirklich zu begeistern...