Austausch von einzelnen von innen verschmierten Frankfurter Pfanne "Ziegeln"

  • Hallo Zusammen,


    als neues Mitglied habe ich gleich mal ein Frage.
    Mein Haus aus den 70er Jahren ist mit Frankfurter Pfanne gedeckt. Das Dach ist soweit auch ok. Die "Ziegel" im Obergeschoß sind von innen verschmiert und zwischen dem Innenausbau und Ziegeln mit Dämmung gefüllt. Keine Unterspannbahn oder ähnlich.
    Ich habe mich nun gefragt, wie man nun im Schadenfall einen Ziegel austauschen will. Von innen müsste man ja die Gipskartonplatten etc. aufreissen.


    Weiterhin wäre meine Frage, ob man diese Bauweise des trockenen Daches in Perspektive so lassen kann. Oder ist dieses seit 40 Jahren bestehende Dach in naher Zukunft zu erneuern.


    Vielen Dank für eure Antworten. Ich bin leider ein totaler Laie und bin schon genug auf so manchen Handwerker reingefallen.


    Stevi

  • Moin,


    Innenverstrich - so nennt sich das bei Dir vorliegende - ist weder Bestandteil einer regensichernden Zusatzmaßnahme noch verhindert sie effektiv die Ableitung von Wasser in den Bauteilaufbau. Das hat man früher gemacht um im kalten Dachboden die Belastung aus Treibschnee als auch Staub/Dreck zu mindern. Eine Bauweise die man heute allenfalls unter Denkmalschutzaspekten noch verbaut.


    Je nach dem wie der Mörtel angerührt wurde (Mischungsverhältnis) dürfte er sich nach 40 Jahren weitesgehend verabschiedet haben. Was übrig bleibt ist nur noch ein Haufen "Sand". Der seine Funktion schon lange eingebüßt hat. Es handelt sich auch nicht um Ziegel, sondern um Dachsteine, genauer gesagt um Betondachsteine. "Pfannen" kommen auf den Herd (gott wie ich den Spruch gehasst habe :D )


    Austauschen lassen sich die Steine ohne weiteres, nur wird der Innenverstrich nicht mehr realisierbar sein. Wie gesagt trägt der weder zur Regensicherung bei, noch zur mechanischen Befestigung für den Windsog. Ende der 80, Anfang der 90iger war es auch mal "modern" mit Bauschaum zu "verstreichen". Das lässt sich schon weniger gut austauschen.


    Ob ein Dach noch hält oder zu ersetzen wäre, muss vor Ort entschieden werden. Da sind Dinge wie: Dachneigung, Ausrichtung der Dachflächen, Dachlandschaft, Vermoßung und Belüftung der Eindeckung, Anschlüsse entscheidend. Bei 40 Jahren und ungünstigen Umständen kann eine Eindeckung schon mal stellenweise den Dienst versagen. Dass muss nicht erst durch einen Schaden sichtbar werden.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Guten morgen,


    Vielen Dank für die schnellen Antworten.


    Ich habe heute morgen nochmal geschaut, was sich zwischen den Dachsteinen und des "Holzinnenausbaus" befindet. Hier ist nur eine Dämmwolle und darunter eine dicke "Alufolie". Hat man das früher so gebaut. Ohne Folien etc. ?
    Ich habe keinerlei Feuchtigkeitsprobleme. Allerdings hinterfrage ich diese Bauweise schon.


    Viele Grüße

  • Die „dicke Alufolie“ ist die innere Dampfsperre und da, wo sie hingehört. Die wasserableitende „Zusatzmaßnahme“ außen fehlt.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Der beschriebene Aufbau entspricht dem Norm- und Regelstand der Bauzeit.


    Wenn man das Dach irgendwann erneuert, wird man es nach dem dann gültigen Norm- und Regelstand machen. Aktueller (und absehbarer) Überarbeitungsbedarf besteht ohne Schäden nicht.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Kleine Warnung am Rande: Zusammen mit der „dicken Alufolie“ wurde wahrscheinlich künstliche Mineralfaser („KMF“) der ersten Generation verarbeitet. Bei deren Rückbau sind Schutzmaßnahmen erforderlich!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Hallo.

    Zu der Dampfsperre habe ich noch eine Frage. Ich habe über das Anbringen der Dampfsperre gelesen, dieses müsste absolut dicht erfolgen.

    Nun ja, bei mir ist diese "Alufolie" nur in die einzelnen Felder zwischen den Balken ausgelegt. Nicht geklebt oder getackert.

    Ich habe wie gesagt bisher kein Schimmel oder Feuchtigkeit im Wohnraum festgestellt.

    Habe ich wirklich ein Haus mit absoluten Pfusch diesbezüglich erwischt.

    Neues Dach kann ich mir nicht leisten.


    Viele Grüsse

  • Wenn ich mich an mein Praktikum in einer Zimmerei 1990 richtig erinnere, fanden die Gesellen damals die Anforderung der Architektin an die real dampfdichte Abklebung der Dampfsperre völlig überzogen „keine Ahnung die Alte von der Praxis“ ...

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Schwieriges Thema ,

    vermutlich hast Du so viele Leckagen , das es zwar überall zieht wie Hechtsuppe , aber kein wirklicher Schaden entstanden ist ,anders wäre es vermutlich , wenn alles dicht verklebt ist , und nur einige wenige Stellen undicht wären , wo dann konzentriert Kondenswasser in großen Mengen anfällt und dann das unheil seinen lauf nimmt .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Ich habe über das Anbringen der Dampfsperre gelesen, dieses müsste absolut dicht erfolgen.

    Verwechselst du hier nicht Dampfsperre mit Luftdichtigkeit? Das können gemeinsame Dinge sein, sind an sich aber zwei unterschiedliche Funktionen. Das eine ist die Begrenzung von Diffusion, das andere ist das verhindert unkontrollierter Luftströmungen (Konvektion).


    Es kann also gut sein, dass die Innenverkleidung derzeit die Luftdichtung übernimmt und es daher selten zu ungewollten Luftströmungen kommt. Auch euer Nutzungsverhalten der Räume unter dem Dach kann positiv als auch negativ dazu beitragen. Ebenso gibt es weitere Parameter die sich darauf auswirken können, in die eine als auch andere Richtung. Nur weil das im Internet steht, muss dein Dach jetzt nicht ein Totalschaden sein. Wenn gleich, die Aussage oben schon richtig ist.


    Es kann gut möglich sein, dass der Dachstuhl durch Verdunstungs- und Tauperioden in einem positiven Verhältnis wieder selber "heilt". Konvektive Luftströmungen führen aber auch zu einem wesentlichen Teil an Energieverlusten. Die beste Dämmung hilft nicht, wenn über Luftaustausch warme Luft verloren geht. In meiner bisher kurzen Berufslaufbahn sind mir selten Schäden an Dachstühlen aufgefallen die über die Alukaschierten Dämmung verfügt haben. Das soll nun aber nicht bedeuten, dass das total toll ist. Energetisch sind die Dächer meist mit massiven Energieverlusten verbunden. Sei es durch die schlechte Dämmung oder durch zu hohe Luftwechselraten, die dazu führen dass warme Luft zu schnell durch kalte ausgetauscht wird.


    Bauschäden können sich vielfältig zeigen, die Ursachen sind aber in aller Regel nicht zu pauschalisieren. Wäre es so einfach könnte jeder Waldschrat einen auf Gutachter machen und die richtige Anamnese als auch die Behandlung der Ursache stellen. Dem ist oftmals nicht der Fall. Wie überall gibt es Gute und weniger Gute ;)

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Vielen Dank für Ihre Antworten.


    Welche weitere Vorgehensweise wäre denn jetzt empfehlenswert?


    An der jetzigen Situation ist es schwer für mich etwas zu ändern. Weiterhin habe ich auch Bedenken, etwas zu ändern, da es ja so rund 40 Jahre funktioniert hat.


    Handelt es sich bei der Verlegung der "Dampfsperre" um Pfusch oder hat man das vor 40 Jahren mitunter so gemacht?


    Viele Grüsse und Danke für Ihre Hilfe. Bin leider etwas verzweifelt.

  • Handelt es sich bei der Verlegung der "Dampfsperre" um Pfusch oder hat man das vor 40 Jahren mitunter so gemacht?

    Vor 40 Jahren war Luftdichtigkeit noch nicht so ein Thema wie es heute ist. Warum das so ist, steht hier entsprechend im Thema.



    Welche weitere Vorgehensweise wäre denn jetzt empfehlenswert?

    Sofern sich keine Schäden zeigen, man mit dem Energieverbrauch zufrieden ist und die Eindeckung keine Schäden aufweisen = gar nichts. Was ich persönlich machen würde ist Rücklagen für eine irgendwann nötige Sanierung zu bilden.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Weitete Frage ist noch.

    Handelt es sich überhaupt um eine Dampfsperre bei mir. Material ist einseitig aus Papier/Pappe und Unterseite ist mit Alu beschichtet.

  • Handelt es sich überhaupt um eine Dampfsperre bei mir. Material ist einseitig aus Papier/Pappe und Unterseite ist mit Alu beschichtet.

    Ja, genau den Sinn hatte die Papp-Alukombination damals. Wie bereits geschrieben waren den Verarbeitern die bauphysikalischen Zusammenhänge damals oft nicht klar und sie hielten die Einhaltung der Verarbeitungsvorgaben für überflüssigen theoretischen Ballast.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.