Das tägliche Grauen des Bauens?

  • Moin,


    mich würde mal Eure Meinung zu folgendem, zugegeben, ziemlich reißerischen Artikel, interessieren. Die Kommentare auf der Seite sprechen ja quasi Bände, wenn vermutlich auch keine guten. Gibt der Artikel Eure Erfahrungen wieder? Oder ist es eher der typisch für "ich haue mal pauschal auf alle ein und alle sind am Ende nur elendige Abzocker?"


    Hier der Artikel: Bauen: Vorsicht vor Handwerkern mit Porsche! | ZEIT Arbeit

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • nö, habe andere Erfahrungen gemacht. Zumeist. Bei ein paar musste man mal sehr klar werden, aber im Endeffekt lief es gut.
    Ich halte das für pauschale Haue. Klar gibts schwarze Schafe und zurzeit auch mehr davon, aber icv denke, dass es bei den meisten Baustellen gut läuft.
    Interessanterweise wird bei denen mit dem schiefen Boden nichts über das Vertragsverhältnis berichtet. Archi, [definition=33,0]GÜ[/definition], [definition=32,0]GU[/definition], BT, selbst vergeben...?

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Interessanterweise wird bei denen mit dem schiefen Boden nichts über das Vertragsverhältnis berichtet. Archi, [definition=33,0]GÜ[/definition], [definition=32,0]GU[/definition], BT, selbst vergeben...?

    Erwartet man heutzutage in den Medien wirklich noch qualitative redaktionelle Arbeit? Ich meine, der Artikel macht das was er soll, spalten und für Kopfschütteln sorgen. Schlimm ist das vielleicht stimmen mag was da steht, das will ich gar nicht bestreiten. Ich hege hingegen arge Zweifel am Kontext. Wie immer sind es die "dummen" Bauausführenden die schuldig sind. Das quasi jeder seinen Beitrag zur Misere beiträgt wird wie so oft unter den Tisch gekehrt. Eigene kritische Hinterfragung ist halt nicht so "in", es könnte ja zu Desillusion der eigenen Präferenz führen. Im übrigen sorgen solche Zeilen nicht dafür, dass ein Berufsstand, gar ein ganzer Branchenzweig gesellschaftlich besser da steht.

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  • Bei solchen Artikeln auf Leserbriefbasis kann man nie abschätzen ob die Mängel auch wirklich Mängel sind und wer für "falsch gelieferte/errichtete Gegenstände" wirklich verantwortlich ist.

  • Die beiden zitierten Verbände erscheinen als neutrale Fachleute, sind dies aber natürlich nicht. Sie wollen ihre Kontrollen verkaufen und dafür sind solche Artikel natürlich beste Werbung.


    Einige der genannten Fehler sind Alltag, aber auch bei rechtzeitiger Feststellung problem- und für den AG kostenlos zu beseitigen.


    Das Bauen mit immer ausgefeilteren Systeme wird immer komplizierter und die meisten Häuser sind anders als Autos oder Smartphones nun mal Prototypen. Damit ist die Fehlerwahrscheinlichkeit naturgemäß höher als bei ständig wiederholt ablaufenden Prozessen. Und wenn man dann noch an der Planung und Überwachung spart, von der ist im Artikeln nämlich nie die Rede, hat das halt Folgen.


    Die Vorgehensweise des zitierten Hausverwalters ist im Detail juristisch auch nicht ganz sauber.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Der Grundriss ist um vier Zentimeter verschoben, weil die Maurer unsauber arbeiteten – das Haus ist also nicht mehr rechtwinklig.

    Bei einem Haus von vielleicht 12m x 10m.....das hätte den Maurern aber mal jemand sagen sollen. :lach:


    ---------- 15. April 2018, 19:23 ----------


    Die Sprüche von den schlechten Handwerkern, und den pingeligen Kunden, gibt es wohl schon seit Urzeiten. Das ist kein Phänomen der Neuzeit. Man muss also sehr genau lesen, um die schwarzen Schafe im Handwerk zu entlarven (und die gibt es mit Sicherheit), und zu unterschieden, was zur Kategorie Sprüche gehört, und was nicht.


    Auch die Ausreden sind nicht neu, die wiederholen sich seit Jahrzehnten, vermutlich seit Jahrhunderten. Meine Meinung, ein Handwerker der für 100,- € eine Tür krumm einbaut, der baut diese auch für 200,- € krumm ein. Das hat weniger mit dem Geld zu tun, als vielmehr mit der Einstellung zur Arbeit, man könnte dazu auch Charakter sagen.


    Tja, und was die Bauherren betrifft, manchmal hat man den Eindruck, dass diese geradezu nach "Fehlern" suchen, schließlich kann es eine fehlerfreie Baustelle ja nicht geben, und dann kann man auch mitreden. So kommt es gar nicht so selten vor, dass sich "Mängel" bei genauerem Hinschauen schnell in Luft auflösen.


    Dieses Thema wird nicht nur unsere Kinder, sondern auch noch Enkel und Ur-enkel beschäftigen, und auch dann werden sich die Argumente mit Sicherheit wiederholen.

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  • Das hat weniger mit dem Geld zu tun, als vielmehr mit der Einstellung zur Arbeit,

    nur ist ein knappes budget gleichbedeutend mit zeitmangel .


    und knappe zeit kann nicht qualitätsfödernd sein .


    wenn du schon derart zeitübergreifend denkst : ganz alt ist der spruch gut ding will weile haben
    und der gilt auch in ferner zukunft

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • ...
    Interessanterweise wird bei denen mit dem schiefen Boden nichts über das Vertragsverhältnis berichtet. Archi, [definition=33,0]GÜ[/definition], [definition=32,0]GU[/definition], BT, selbst vergeben...?

    Also ich habe das letzte Mal vor 9 Jahren gebaut - da war der erwaehnte Bauboom sicher noch nicht so gross.


    Aber ich glaube, dass es wriklich wie Anda beschreibt, daran liegt, wer wen beauftragt. Alle Fehler welche bei uns im Haus gemacht wurden, wurden vom Architekten und oder der Bauleitung frueh genug gesehen und auch direkt korrigiert. Klar - das waren wirklich eine Menge und teiwleise habe ich mich in dem Artikel schon wieder gefunden. So wurden zB die Tuerrahmen vom Maler alle neu gestrichen und hatten Nasen bis nach Meppen. Das haette ich auch gekonnt. Daraufhin wurden alle Rahmen auch nochmals gestrichen, aber es wurde eben vergessen, beim Abschleifen der Tuerrahmen, die noch nicht eingelassenen Parkettboeden abzudecken. Das fuehrte dann dazu, dass saemtliche Parkettboeden auch nochmals abgeschliffen werden mussten... Kosten enstanden mir keine aber eben Aerger und Verzug.


    Ich habe auch gesehen, dass wenn ich als Kunde ohne Architekt beauftrage, schon eher beschissen wird. So hatte ich im Nachinein die Heizungsanlage aendern muessen und habe einen Termin gemacht, in dem sich der Handwerker alles angeschaut hat, vermessen hat und alles mit mir besprcohen hat. Als dann die eigentliche Arbeit ausgefuehrt wurde, hatte man die Haelfte des Materials vergessen und musste ins Zentrallager fahren. Diese Fahrtkosten hat man mir dann berechnet. Das waere mir mit externer Bauleitung nicht passiert.


    Die Wahrheit des Artikels liegt irgendwo in der Mitte....


    kandetvara

  • nur ist ein knappes budget gleichbedeutend mit zeitmangel .

    Das ist nicht zwangsläufig so, denn meist werden die Leistungen ausreichend bezahlt, aber damit ist nicht sichergestellt, dass man als Kunde auch die entsprechende Leistung bekommt. Ja, selbst wenn man freiwillig das Doppelte bezahlen würde, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass man dafür auch die doppelte bzw. bessere Leistung bekommt.

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  • Einige nehmen zuviele Aufträge an.Und überschätzen sich damit.
    Hauptsache viele Aufträge an Land ziehen und dann festzustellen das sie das garnicht in der Zeit schaffen.


    Bei uns ist der Trockenbauer um 18 Uhr mit drei Mann aufgetaucht und haben kurz die Vollgipswände hingemauert.(Murks ohne Ende)
    Sie meinten,sie kommen gerade von einer anderen Baustelle.


    Auch habe ich sie Sonntags bei uns angetroffen.

  • Tja pincho ,auf der anderen seite des tisches stellt es sich ganz anders dar :


    Man schreibt angebote ,füllt [definition=41,0]LV[/definition] aus und wartet. Nichts passiert.kenerlei reaktion.
    Damit man beizeiten nicht däumchendrehend da sitzt ,schreibt und füllt weiter aus .


    Und dann kommen ein paar warme tage oder irgendwelche feiertage gehen vorbei und schwupps , alles was man geschrieben hat ist zeigleich zurück ,mit der vorgabe sofort oder spätestens in der folgewoche anzufangen und am liebsten vorgestern fertig zu sein .....

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Die tummeln sich nicht in dem Sektor.

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  • Es gibt, wie überall im Leben, auch hier kein Schwarz/Weiß. Ein paar Überlegungen zu dem Thema:


    1. Klar ist, dass sich ein Mangel an Fachkräften - gerade in den handwerklichen Berufen - auch auf die Qualität durchschlagen kann: wenn nur noch der Vorarbeiter einen Gesellenabschluss hat, kann der gar nicht alles kontrollieren, was seine Helferlein machen. Hier in Sachsen erfolgt die Fachkräftegewinnung fast nur noch durch Abwerben. Es wird immer geklagt, dass es zu wenige Lehrlinge gibt, aber wenig Anlass gesehen, sich selbst zu bewegen. So nach dem Motto: Staat/Gesellschaft nu backe mir doch mal meinen Wunschkandidaten. Qualität ist eben nicht nur ein von außen kontrollierter Standard, sondern muss eine verinnerlichte Arbeitsphilosophie sein: Auch eine solche Einstellung muss erlernt sein, wenn nicht ausgebildet wird, wird das auch nicht "vererbt".


    2. Klar ist auch, dass sich viele Bauherren an kleineren optischen Mängeln tierisch hochziehen, während die groben Klöpse irgendwo im Verborgenen schlummern. Insofern ist die Beurteilung der Qualität von Handwerkerleistungen durch Bauherren häufig von subjektivem Empfinden und seltener von objektiv messbaren Standards geleitet. Gleichzeitig sind vielen Handwerkern andere Dinge wichtig, als den Bauherren. Das bedeutet, es tut sich in der Kommunikation eine Erwartungslücke auf, die jede der beiden Parteien mit Ihrer eigenen Interpretation füllt.


    3. Hinzu kommt, dass die systematische Überwachung und Kontrolle von privaten Bauvorhaben durch unabhängige Dritte immer noch eher punktuell als flächendeckend ist. Zu erwarten, dass es bei komplexen Projekten, die eine Menge Geld kosten, viele verschiedene Akteure vereinen und häufig stark abweichende individuelle Rahmenbedingungen aufweisen (Budget, Planung, Zeit etc.) ohne professionelle Kontrolle und Koordination geht, ist ein Irrtum. Die Auftraggeber unterschätzen die Komplexität häufig, die Auftragnehmer selbst können nur im beschränktem Umfang alle Konsequenzen Ihres Tuns überschauen. Hinzu kommt, dass unter Zeit- und Kostendruck derjenige, der Fehler moniert, immer der A... ist, der alles aufhält aber nicht dafür bezahlt wird. D.h. wenn jemand fehlt, bei dem der Bauherr zumindest den subjektiven Eindruck hat, dass er seinen Job macht, in dem er da eingreift, dann sind die einzelnen monierenden Handwerker immer nur die Querulanten, die alles aufhalten. Auf Dauer sagt sich dann auch der gewissenhafte Betrieb "Sch... drauf".


    4. Die Baupreise steigen, weil jeder weiß, dass auch mal die fetten Jahre vorbei gehen und dann muss man mit dem Speck durch die mageren Jahre durch. Das ist klar. Aber natürlich zieht eine boomende Branche, in der große Summen bewegt und die Ausführung wenig kontrolliert wird, auch schwarze Schafe an. Das ist in Gegenden mit gewachsenen Strukturen, wo man einen Nachbarn und Bekannte mal fragen kann, auf wen man sich verlassen kann, weniger ein Problem. Aber in Ballungsgebieten, wo es Anbieter wie Sand am Meer gibt, wo man im Zweifel keinen kennt, weil alle im Neubaugebiet "neu" sind, wo die Bekanntschaftsstrukturen weit entfernt sind, da fällt eben auch die Qualitätskontrolle durch Mundpropaganda weg. Und das macht es den Pfuschern leichter.



    In Summe gibt der Artikel eigentlich nur ein verzerrtes Stimmungsbild. Es ist ja auch klar - wenn man erstmal eine Menge leiden musste, dann steigt das Mitteilungsbedürfnis (sieht man ja hier im Forum auch). Will sagen: bei der Fragestellung ist es wenig verwunderlich, wenn sich vorwiegend diejenigen melden, die ein Problem hatten/haben und nicht diejenigen, die still und zufrieden mit Ihrem Haus leben. Das ist so wie mit der Politik: die Unzufriedenen machen so viel Wind und Lärm, dass sie sich schon fürs ganze Volk halten, schaut man dann aber auf die Wahl, dann reicht es eben doch nur für eine Minderheitspartei unter mehreren.

    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -

  • Und, bist Du nun Gierschlund, oder hast Du's nicht mehr nötig?


    ---------- 16. April 2018, 19:17 ----------


    Einige nehmen zuviele Aufträge an.Und überschätzen sich damit. Hauptsache viele Aufträge an Land ziehen und dann festzustellen das sie das garnicht in der Zeit schaffen.

    Arbeitsabläufe auf Baustellen sind selten linear und nie wie geplant. Man kann es als Handwerker nur falsch machen: Entweder hat man zuviel oder nichts zu tun!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Meinem Arbeitspensum nach zu urteilen bekomme ich wohl den Hals nicht voll. Aber jeder selbstständige weiß wohl wie schmal dieser Grad ist...
    Diese Thema ist aber ein klassisches Thema für einen flüssigen Grillabend :bier:

  • Tja stimmt irgendwie. Negative Dinge verbreiten sich nun aber leider mal mehr, als Positive.
    Ich als Handwerker sehe aber auch immer wieder die Pfuschereien und denke mir. "Was haben andere in ihrer Ausbildung gelernt ? Oder kennen die Berufsehre ?


    GRILLABEND ??? Wann und wo ? :bier:

  • arbeitet man wenig hat man's nicht mehr nötig...

    Aber mal im Ernst: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein guter Handwerker sich zu einer *piep* macht, durch arbeiten für [definition=33,0]GÜ[/definition]/[definition=32,0]GU[/definition]/BT? Das was ja schon relativ lange bei der öffentlichen Hand der Fall ist - das man sich von denen abwendet - findet doch fast ähnlich im privaten Sektor statt.


    Das man mal unliebsames machen muss okay, das man hingegen Bedingungen hat wie es Pin Cho geschildert hat?

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  • die frage sollte heissen , wer wird gegrillt.

    Du glaubst nicht, wie oft es bei der kuscheligen Bauherrnrunde „Architekt, gegrillt“ gibt! Kriegt der gegrillte Handwerker natürlich nichts von mit!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Und dann kommen ein paar warme tage oder irgendwelche feiertage gehen vorbei und schwupps , alles was man geschrieben hat ist zeigleich zurück ,mit der vorgabe sofort oder spätestens in der folgewoche anzufangen und am liebsten vorgestern fertig zu sein .....

    Ich habe Anfang Februar eine Anfrage für Pflasterarbeiten rausgeschickt. Erste Antworten: Wetter, Arbeiter noch in Winterpause, Frost, ... . Jetzt wo das Wetter passt, kam: "... ab Juli 2018 möglich..."
    Verdammter Bauboom. Die waren wirklich gut. Wenn auch nicht perfekt.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Achja, was die Behauptung mit dem Porsche angeht. Ich kenne hier ein Handwerksbetrieb, das schon in der xten Generation geführt wird. Sie liefern tadellose Arbeit, ist auch gut gewachsen und die machen neben der klassischen Arbeit auch Fachplanung für ihr Gewerk. Sie haben sich in der Zeit ein schönes Vermögen zusammen gearbeitet und man gönnt sich deswegen auch einen Porsche. Warum auch nicht?


    Mich wundert der zunehmende Pfusch auch gar nicht, wenn man als Betrieb kaum noch Facharbeiter bekommt. Man will sich ja gar nicht mehr die Hände schmutzig machen. Man prügelt seine Kiddies durch das Gymnasium, damit aus ihnen was "gescheites" wird, egal wie blöd die Balgen sind. Man verhindert, dass Neueinwanderer arbeiten dürfen und macht alles, dass das Handwerk zu keinem Personal kommt und dann wundert man sich, dass man ewig auf Handwerker warten muss oder, dass gepfuscht wird, weil man jeden nehmen muss was kommt, weil es keine anderen gibt.


    Allerdings geht es auch mit Hilfskräften, je nach Gewerk. Ich z.B. habe eine Zeit lang in der Schweiz gearbeitet, als es dort geboomt hat wie bolle. Wegen der damaligen Regeln durfte aber nicht jeder in die Schweiz und dort arbeiten. Man war gezwungen mit Hilfsarbeitern zurecht zu kommen. So habe ich als alleinige Facharbeiterin zusammen mit einem Dutzend Hilfsarbeitern ganze Industriehallen installiert. Das geht, auch wenn es das Deutsche Handwerk nicht hören will. Allerdings geht es nur, wenn die Facharbeiter auch dahinter stehen und sich einbringen und nicht selbst ein fauler Haufen sind. Dort hat es wunderbar funktioniert. Die Hilfsarbeiter haben mir quasi zugearbeitet, ich habe deren Tun kontrolliert und beaufsichtigt und die kritischen Sachen habe ich selbst gemacht. Das Gute dabei war, dass die Hilfsarbeiter einiges sinnvolles dazu gelernt haben und so motiviert an die Arbeit gingen und dadurch den einen oder anderen dazu gebracht wurde, eine Lehre zu machen. Viele der Hilfsarbeiter waren Flüchtlinge aus Jugoslawien, die sich was aufbauen wollten und somit eh schon motiviert waren (damals fing es erst an im Balkan).


    Dieses System funktioniert nicht mehr, wenn man Service Arbeiten machen muss. Das können nur Facharbeiter bewältigen. Motiviert wurden wir FacharbeiterInnen durch viel Geld (damals das Drei bis Vierfache wie in D) und Firmenfahrzeug, was man auch privat nutzen durfte und durch das Steuersystem in der Schweiz (ich habe damals nur 11% abgegeben. Ich hatte damals Geld wie Heu, vor allem wenn Überstunden dazu kamen). Man bekam auch eine Prämie von 500 bis 1000 Franken, wenn man einen Facharbeiter in die Firma brachte.


    Das Handwerk ist heute in einer ähnlichen Lage und hat die Möglichkeit kräftig in die Tasche der Kunden zu greifen. Immerhin ist es das Grundprinzip des Kapitalismus, in dem wir leben und so schätzen. Ich gönne es ihnen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...