Heizlastermittlung - notwendig oder Luxus?

  • 2. Eine TGA-Planung umfasst deutlich mehr als nur eine Anlagendimensionierung. Das beginnt bei Erschliessung, Variantenvergleich, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und setzt sich ueber Entwurfs-/Genehmigungsplanung, Ausfuehrungsplanung der Gesamtanlage bis zu einer Bauueberwachung mit Abnahme der erbrachten Leistung fort. Die angepriesene "Anlagendimensionierung" ist da nur ein winziges Broeckchen...

    Korrekt, wenn Bauherren das auch bezahlen wollen. Man kann sich dabei aber auch auf das unbedingt Notwendige beschränken. Bei den meisten EFH Neubauten existiert noch nicht einmal eine korrekte Heizlastberechnung.

  • auf das unbedingt Notwendige

    und was ist "unbedingt notwendig"?


    Genau betrachtet braucht es die Berechnungen zur EnEV, und das war´s. Für alles andere wird es schwer eine gesetzliche Grundlage zu finden, und somit sind diese ganzen Berechnungen auch nicht "unbedingt" notwendig.


    Bei einem Neubau mit 3 der 4kW Heizlast ist es völlig egal, ob die Berechnung nun 3.478,459Watt ergibt, oder Pi mal Daumen 4kW oder 5kW oder 6kW. Auf den "Verbrauch" hat das keinen nennenswerten Einfluss. Wir leben ja schon lange nicht mehr in einer Zeit, in der man automatisch einen 40kW Kessel aus dem Lager geholt hat. Ob eine Gastherme dann 12kW oder 15kW als max. Leistung hat, spielt keine große Rolle, schon gar nicht wenn diese leistungsgeregelt sind (was heute Standard ist). Selbst bei WP, die möglichst genau dimensioniert werden sollten, spielt es hinsichtlich "Jahresverbrauch" keine Rolle, ob man zu einer Nummer größer greift (ansonsten gleiche technische Daten vorausgesetzt).


    Auch bei der Rohrnetzberechnung kann man zwar Volumenströme auf Hundertstel berechnen, aber in der Praxis werden sich andere Werte einstellen, und diese lassen sich beim Abgleich mit den üblichen Mitteln sowieso nur grob justieren. Bereits die Einstellung auf Zehntel Liter/Min. ist praktisch kaum möglich.


    Um Missverständnisse vorzubeugen, ich wäre der Letzte der empfehlen würde auf solche Berechnungen zu verzichten, ich käme aber auch nie auf die Idee, diese als "unbedingt notwendig" zu bezeichnen. Gerade im EFH Bereich sind die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung stark begrenzt. Wärmeerzeuger, Rohrquerschnitte, usw. die Auswahl ist begrenzt. Mir bleibt also gar nichts anderes übrig, als mit hohen Toleranzen zu leben, vom Einfluss des Nutzerverhaltens ganz zu schweigen. Da stellt sich automatisch die Frage, ob es wirklich zwingend einer Berechnung bedarf, die dann sowieso auf einer Menge Annahmen beruht.


    Bei der Sanierung eines Altbaus sieht die Welt auch nicht viel anders aus. Die vorhandenen Rohrnetze kann ich bestenfalls grob abschätzen, den Einfluss aufgrund des Alters (Rohrrauhigkeit, Querschnittsminderung etc.) kann man nur erahnen. Selbst die Länge von Leitungsstücken lässt sich mit vertretbarem Aufwand nur in den seltensten Fällen ermitteln.


    Die Ermittlung der Heizlast basiert dann auf so vielen Annahmen, dass man später sowieso umfangreich justieren muss, um die wirklich (in der Praxis) benötigte Heizleistung in die Räume zu bringen. Wer da mit der Heizlastberechnung die tatsächliche Heizlast auf +- 20% genau trifft, hat schon extrem gut gezielt, oder verdammt viel Glück gehabt.


    Wir neigen dazu, von einem Extrem in´s Nächste zu verfallen. Früher hat man einfach nach dem Motto gelebt, "Big is beautiful", und heute sucht man sein Heil in möglichst vielen "Berechnungen". Niemand denkt anscheinend daran, dass sich eine Heizungsanlage in der Praxis niemals ideal bzw. "nach Norm" verhält, von den Bewohnern und Wetterbedingungen ganz zu schweigen.

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  • Moinsen,


    wahre Worte, dein Text. Rohre werden halt in gewissen Größen vorgehalten, diese muss ich verwenden.


    aber:

    Selbst bei WP, die möglichst genau dimensioniert werden sollten, spielt es hinsichtlich "Jahresverbrauch" keine Rolle, ob man zu einer Nummer größer greift (ansonsten gleiche technische Daten vorausgesetzt).


    Ich meine, WP lieber etwas knapp bemessen, dafür mehr Puffer, damit die nicht taktet und möglichst viele Volllaststunden bekommt, oder? Gilt meine ich auch für [definition=20,0]BHKW[/definition], aber Heizungstechnik bekomme ich immer nur am Rande mit.


    Gruß,


    Ocho

  • Ich meine, WP lieber etwas knapp bemessen, dafür mehr Puffer, damit die nicht taktet und möglichst viele Volllaststunden bekommt,

    Genau genommen ist das "Takten" bei WP kein Problem, mein Kühlschrank taktet auch. "Takten" wäre wieder ein Thema für sich, denn auch da gibt es viele Mythen, die einer genaueren Überprüfung nicht standhalten. Ursprünglich stammt das Thema noch aus den Zeiten, wo Ölkessel im Minutentakt an- und ausgeschaltet wurden. Ob eine WP 10 Mal pro Tag ein- und ausschaltet, oder 15 Mal, das macht sich hinsichtlich Effizienz der Anlage nicht bemerkbar. Verfügt die Anlage zudem noch über einen Sanftanlauf, was heutzutage an sich Standard sein sollte, dann wird auch der Kompressor nicht übermäßig belastet (was ansonsten die Lebensdauer einschränken könnte).


    Puffer sollte man wenn irgendwie möglich vermeiden, erst Recht bei Wärmepumpen. Leider funktioniert das nicht immer, vor allen Dingen dann nicht, wenn man auch die Betriebssicherheit im Auge behalten muss. Besonders kritisch sind hierbei die "älteren" Luft-WP mit quasi konstanter Leistung. Bei leistungsgeregelten LWP (Inverter) kann man normalerweise auf Puffer verzichten,bei SWP sowieso.


    Bei [definition=20,0]BHKW[/definition] verfolgt man wieder eine andere Strategie. Hier geht es ja darum, auch noch Strom zu erzeugen, der bei Überschuss verkauft wird, und Geld einspielt. Ein [definition=20,0]BHKW[/definition] verdient bei Stillstand kein Geld, also muss man versuchen, die Erzeugung von Heizenergie und Strom in Einklang zu bringen.

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  • Bei [definition=20,0]BHKW[/definition] verfolgt man wieder eine andere Strategie. Hier geht es ja darum, auch noch Strom zu erzeugen, der bei Überschuss verkauft wird, und Geld einspielt. Ein [definition=20,0]BHKW[/definition] verdient bei Stillstand kein Geld, also muss man versuchen, die Erzeugung von Heizenergie und Strom in Einklang zu bringen.

    Bei den wenigen mir bekannten [definition=20,0]BHKW[/definition] kommt noch hinzu, dass die Wartung durch den Hersteller eigentlich alles umfasst, außer den Kraftstoff. Sogar Verschlissene Motoren und den regelmäßigen Ölwechsel, eben alles außer Kraftstoff. Die Abrechnung erfolgt in den allermeisten Fällen nach Betriebsstunden, dass sollten dann schon Volllaststunden sein, damit sich das rechnet. Es gibt auch vereinzelt Anbieter, die die Wartung Ihrer BHWK nach erzeugtem Strom abrechnen, da kann die Anlage auch mal auf 50% laufen.


    Wir verlassen gerade das Thema, wo es um icom852 seine [definition=30,0]FBH[/definition] ging, oder?


    Ocho

  • Wir verlassen gerade das Thema, wo es um icom852 seine [definition=30,0]FBH[/definition] ging, oder?

    Jepp.


    Betrachten wir es als kleines Intermezzo....bis es mit der [definition=30,0]FBH[/definition] weitergeht. ;)
    Zum Rest können wir ja neue Themen eröffnen, falls Interesse besteht.

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  • Genau betrachtet braucht es die Berechnungen zur EnEV, und das war´s.


    Was hat die meist schöngerechnete EnEV mit tatsächlichen Verbrauchskosten zu tun?


    Absolut Nichts!





    Um Missverständnisse vorzubeugen, ich wäre der Letzte der empfehlen würde auf solche Berechnungen zu verzichten,...


    Korrekt!


    Gerade im EFH Bereich sind die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung stark begrenzt.


    Das sehe ich deutlich anders!
    Von mir begleitete AG müssen nicht nachträglich mühsam in I-Net Foren, insbesondere dem pinken, sich um nachträgliche Problemlösungen durch anonyme Ratgeber ohne jegliche Fachausbildung bemühen ;-)
    Wie kann man z.B. eine Solequelle wirtschaftlich dimensionieren, wenn nicht die tatsächlich benötigte Entzugsleistung und –energie für Heizung und WW bekannt sind?


    Da stellt sich automatisch die Frage, ob es wirklich zwingend einer Berechnung bedarf, die dann sowieso auf einer Menge Annahmen beruht.


    Korrekte Anlagendimensionierungen beruhen daher nicht auf imaginären Annahmen, Vermutungen, Spekulationen, sondern auf tatsächlichen Notwendigkeiten, die innerhalb einer notwendigen Grundlagenermittlung festgestellt werden.
    Mir ist absolut kein Fall bekannt, wo sich einer meiner AG in I-Net Foren jemals beschwert hätte, was ich als Qualitätsurteil für mich in Anspruch nehme!


    ---------- 23. März 2018, 12:04 ----------


    Bei den wenigen mir bekannten [definition=20,0]BHKW[/definition] kommt noch hinzu,

    BHK werden aus wirtschaftlichen Gründen meist thermisch geführt, selten eletrisch ;-)

    Einmal editiert, zuletzt von R.B. () aus folgendem Grund: Link entfernt. Unnötig.

  • Was hat die meist schöngerechnete EnEV mit tatsächlichen Verbrauchskosten zu tun?


    Absolut Nichts!

    Was haben die Verbrauchskosten mit "zwingend notwendig" zu tun?


    Nichts.


    Die Verbrauchskosten werden stärker durch das Nutzerverhalten beeinflusst als durch irgendwelche Berechnungen oder "Fehldimensionierungen".



    Von mir begleitete AG müssen nicht nachträglich mühsam in I-Net Foren, insbesondere dem pinken, sich um nachträgliche Problemlösungen durch anonyme Ratgeber ohne jegliche Fachausbildung bemühen
    Wie kann man z.B. eine Solequelle wirtschaftlich dimensionieren, wenn nicht die tatsächlich benötigte Entzugsleistung und –energie für Heizung und WW bekannt sind?

    Die Masse der Häuslebauer wird weder von Dir begleitet, noch sucht sie in Internetforen nach Rat. Die sind glücklich und zufrieden. Bei einem EFH mit jährlichen "Heizkosten" von vielleicht 500,- € ist es auch völlig egal, ob man da durch Optimierung noch 10,- € sparen kann. Das kann man als Hobby betreiben, aber zwingend notwendig ist das nicht.


    Bei einer Quelle für eine SWP gibt es eine Unmenge Unsicherheitsfaktoren, unter anderem die Bodenverhältnisse, die man durch Berechnung gar nicht alle erfassen kann. Auch bei der Bohrung selbst, wird man nicht alle 2 m eine Bodenprobe nehmen und analysieren. Viele Zahlen und bunte Bildchen sagen nichts darüber aus, wie die Anlage später wirklich funktionieren wird.



    Korrekte Anlagendimensionierungen beruhen daher nicht auf imaginären Annahmen, Vermutungen, Spekulationen, sondern auf tatsächlichen Notwendigkeiten, die innerhalb einer notwendigen Grundlagenermittlung festgestellt werden.

    Der Witz ist gut.
    Bei Deiner "Grundlagenermittlung" wirst Du sicher den U-Wert der Wand messen, Wärmebrücken analysieren, usw. :D
    .....oder Du greifst doch auf Tabellenwerte und Datenblätter zurück.


    Niemand kann Dir diese Grundlagen der Berechnung garantieren, ob die Wand wirklich 0,xW/m²K hat, nur weil das so in einer Tabelle steht, das steht in den Sternen. Also vermutest DU nur, dass die U-Werte auch korrekt sind, und auf diesen Vermutungen basiert die Berechnung, wobei auch das Rechenverfahren selbst mit Unsicherheiten behaftet ist.


    Ehrlicherweise müsste man beispielsweise bei einer Heizlastermittlung den Toleranzbereich der Ergebnisse angeben. Macht aber niemand, man vermutet, dass der errechnete Wert schon irgendwie passen wird.

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  • Mir ist absolut kein Fall bekannt, wo sich einer meiner AG in I-Net Foren jemals beschwert hätte, was ich als Qualitätsurteil für mich in Anspruch nehme!

    Warum das wohl wirklich so ist, habe ich weiter oben schon geschrieben.
    WENN aber die Qualität deiner Beiträge in Foren auch nur entfernt etwas mit der Qualität deiner Arbeit zu tun hat, dann kann man nur ganz klar sagen: Finger weg von GESBB! Da bekommt man viel heiße Luft, die aber gerichtsfest abgesichert.

  • Hierher habe ich Beiträge aus dem [definition=30,0]FBH[/definition] thread ausgelagert.


    Ursprungsthema: FBH Regelventile - Frage


    Was ist nun wirklich notwendig, was ist sinnvoll, und was ist Luxus?


    Ich möchte mal an die Historie der Heizlastermittlung erinnern, und mit jeder Ausgabe der Norm, war man der Meinung, dass man nun den heiligen Gral gefunden hätte. Würde man ein Gebäude heranziehen, das 1950 gebaut, und dessen Heizlast seitdem immer wieder nach "aktueller" Norm berechnet wurde, dann würde man feststellen, dass in diesen Jahrzehnten die Ergebnisse um 10, 20 oder gar 30% voneinander abweichen. Was ist nun richtig?


    Selbst bei der aktuellen EN12831 wird ja wieder überlegt, ob die Berechnungen nicht eine zu hohe Heizlast liefern. Wie kann man dann so eine Berechnung als zwingend notwendig bezeichnen, während die Abschätzung eines Heizungsbauers als unsinnige Vermutung abgetan wird?

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  • Was ist nun wirklich notwendig, was ist sinnvoll, und was ist Luxus?
    Wie kann man dann so eine Berechnung als zwingend notwendig bezeichnen, während die Abschätzung eines Heizungsbauers als unsinnige Vermutung abgetan wird?


    Grundsätzlich ist eine Heizlastermittlung schon notwendig, aus meiner sicht.
    Die Abschätzungen bzw Erfahrungswerte sind ja ok und treffen auch auf das Gesamte Objekt oft auch zu. Aber eine abschätzung über die Raumfläche je Raum führt zu erheblichen differenzen.


    Meine letzte Schätzung eines Bestandsgebäudes lang bei 100W/m2
    Die Berechnung (überschlägig nach Hüllfächen des Objekts) mit U-werten ect hat eine 5%ige Abweichung ergeben.
    Es wäre aber ein Fehler nun die jeweiligen Raumheizlasten nach diesen Werten auf die m² umzurechnen.
    Dadurch erzeugt man nur ungüstige Systemeigenschaften die sich dann rächen.

    You do what you have to do, man. :bier::yeah:

  • Mir ist absolut kein Fall bekannt, wo sich einer meiner AG in I-Net Foren jemals beschwert hätte, was ich als Qualitätsurteil für mich in Anspruch nehme!

    Tja - damit sind Sie nicht besser oder schlechter als alle anderen User in diesem Forum, denn MIR ist kein Fall bekannt, in dem sich irgenein AG eines hier im Forum aktiven Users jemals über dessen Leistung beschwert hätte.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Grundsätzlich ist eine Heizlastermittlung schon notwendig, aus meiner sicht.
    Die Abschätzungen bzw Erfahrungswerte sind ja ok und treffen auch auf das Gesamte Objekt oft auch zu. Aber eine abschätzung über die Raumfläche je Raum führt zu erheblichen differenzen.

    Ich habe die Heizlast als Überschrift auch stellvertretend für die ganzen anderen Berechnungen verwendet, sonst wäre der Thementitel so lang geworden. ;)


    Aber bleiben wir mal bei der Heizlast. Es ist sicherlich richtig, dass man diese ermitteln muss, denn irgendeine Grundlage braucht man ja für die Dimensionierung des Wärmeerzeugers und der Heizflächen. Die Frage ist eher, ob es zwingend eine Ermittlung nach EN12831 sein muss, denn die ist aktuell ja das Maß der Dinge.


    Warum nicht eine alte 4701 oder eine Abschätzung über die Hüllfläche vornehmen? Wer sagt, dass der Wert nach EN12831 für mein Haus wirklich passt?


    Nur mal als Beispiel. Heizlastermittlung nach EN12831 ergibt für einen Raum eine Heizlast von 700W. Was passiert, wenn ich durch Abschätzung einen Heizkörper mit 900W Nennleistung (bei 55/45/20) einbaue? Wie wirkt sich das auf die Effizienz der Anlage aus?


    Abgesehen davon, dass ich vielleicht ein paar wenige Euro für den Heizkörper zuviel bezahle, wird sich das auf den Jahresverbrauch der Heizung nicht auswirken. Bereits die Einstellung des Volumenstroms, ob 1,0Liter/Minute oder 1,2Liter/Minute ist ein reines Glücksspiel. Man wird dann sowieso so lange optimieren, bis es passt, und man kann auch den größeren Heizkörper mit etwas weniger Volumenstrom fahren.


    Bezogen auf den Wärmeerzeuger, nehmen wir auch die 30% "zuviel", dann wären es halt anstatt den berechneten 4kW Heizlast stolze 5,2kW. Wärmepumpen oder Gasthermen oder Pelletkessel oder...... kriegt man gar nicht in so feinen Abstufungen der Nennleistung (zumal die Nennleistung auch nur für bestimmte Rahmenbedingungen Gültigkeit hat).


    Man sollte eine Heizungsanlage natürlich nicht grundlos überdimensionieren, das ist unbestritten, es wäre aber falsch zu glauben, dass bei einer Überdimensionierung sofort die Welt untergeht.


    Noch ein Beispiel.
    Ich habe in den letzten 3 Jahren 2 Ölkessel leistungsmäßig angepasst. Einmal von 21kW auf 17kW, bei 12kW Heizlast, und einmal von 16kW auf 12kW, bei 8kW Heizlast (alle Zahlen gerundet). Nehme ich nun die Verbrauchszahlen dieser 3 Jahre, dann ergeben sich witterungsbereinigt kleinste Unterschiede, die aber im Rauschen untergehen. Ich kann seriös nicht behaupten, dass diese Unterschiede auf die Leistungsänderung zurückzuführen sind. Die Laufzeiten haben sich verlängert, wie erwartet, aber der Einfluss auf den Verbrauch ist nahezu vernachlässigbar.


    Leztendlich brauchten das Haus bzw. die Bewohner die Energie, und nicht die Heizungsanlage.

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  • Sehe das so wie R.B. würde die Frage aber so stellen: Heizlastermittlung - ab wann notwendig, ab wann Luxus.


    Ab welcher Objektgröße und Komplexität würdet ihr denn zu einem Planer raten?


    Wenn ich sehe, wie häufig sogar im Nichtwohnungsbau nur die EnEV-Berechnung als Grundlage genommen wird, schüttel ich den Kopf.

  • ab wann notwendig, ab wann Luxus.

    Das ist ein interessanter Ansatz,........ Gerade bei großen Gebäuden sollte man sorgfältig rechnen, denn da macht sich jede Toleranz gleich deutlich im Geldbeutel bemerkbar. Neben großen Wohngebäuden gibt es auch noch Gewerbe-/Industriegebäude, mit zusätzlichen Anforderungen hinsichtlich Nutzung. Schichtdienst? Arbeit am Wochenende? Schnelles Aufheizen nötig? Klimatisierung erwünscht? Zusätzliche Bedingungen wie große Tore nach draußen die ständig geöffnet werden müssen.usw. usw.


    Das sind ganz andere Kaliber als die typ. EFH mit ihren 4-5kW Heizlast, und Kaminofen im Wohnzimmer.

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  • Mal noch ne andere Sichtweise:


    Man nehme mal den EnEV Nachweis und dröselt den in die groben Blöcke auf:


    - thermischer Verlust Hülle
    - Lüftungswärmeverluste
    - solare Gewinne
    - Warmwasserheizbedarf


    Und betrachtet den Wohnungsbau - 1-2 Fam. Hütten.
    Früher war klar, der thermische Hüllenverlust überwiegt, der Rest ist nachrangig.
    Heute ist der thermische Hüllverlust idR die nachrangige Größe.
    Aus dem fiktiven Bedarf erfolgt eine Heizlastermittlung, nach Raumgröße (Globalwert kann man auch aus dem EnEV-Nachweis rausrechnen).
    Das sind dann die Ausgangswerte, die aber eigentlich teilweise nicht funktionieren - können.
    Viel größeres Thema ist nämlich inzwischen das Nutzerverhalten.
    Ergo wird auch mehr oder weniger sinnvoll nach Nutzerverhalten ausgelegt, der genaue Bedarfstüftler wird sagen: nach Gefühl.


    Lüften: jeder passt sein Lüftungsverhalten an - auch mit KWL. ist es sehr kalt macht man freiwillig nicht das Fenster auf und der Heizwärmebedarf ist angepasst.
    Solar: die Einstrahlungswerte sind kurzfristig teils so hoch, dass sie jede Regelung aus dem Tritt bringen. z.B.: draußen -1°C strahalende Sonne alle Heizkörper, [definition=30,0]FBH[/definition] in dem Raum nach kurzer Zeit für Stunden aus.
    Wohlfühlklima: warmer Boden gefordert - ähm nicht der Sinn von [definition=30,0]FBH[/definition], mal dem weiblichen Volk plausibel machen ?!?, Bad - Heizlast eh nicht unterzubringen mit [definition=30,0]FBH[/definition], aber eigentlich höhere Heizleistung wegen höherem Lüftungswärmebedarf dringenst notwendig...
    WW: aus Komfortgründen wird ein zu großer Bottich vorgehalten, der schlägt nur alle 6-7 Tage um -> immer wieder hochheizen wegen Legionellen...
    Komfort: ich will schnell warm,
    Umkomfort: Dauerkälte im Schlafbereich, aber Raumverbundlüftungsheizen und über die angrenzenden Flächen
    usw.


    So mal Hand aufs Herz wonach wird denn nun der Heizbedarf im 1-2Fam.Bereich ausgelegt: nach den Wünschen der Bauherrn(in) und nach der Vermeidung der gröbsten Schäden. Da kann jede Berechnung noch so genormt und begründet sein.

    Nachdenken kostet extra!

  • So mal Hand aufs Herz wonach wird denn nun der Heizbedarf im 1-2Fam.Bereich ausgelegt: nach den Wünschen der Bauherrn(in) und nach der Vermeidung der gröbsten Schäden. Da kann jede Berechnung noch so genormt und begründet sein.

    und wer muss die Suppe nachher auslöffeln? Der Planer, der auf Kante genäht, und mit 20°C RT gerechnet hat, oder der Heizungsbauer der die Anlage eingebaut hat? Bei wem wird wohl Abends das Telefon klingeln, wenn es im Wohnzimmer mal etwas frisch ist?


    Da kann der HB nur beten, dass es draußen nicht zu kalt ist, und die Anlage noch ein bisschen Reserve hat.


    Eine Heizlastermittlung ist wichtig, aber die EN12831 ist nicht der heilige Gral.


    Es wird immer wieder zu Recht darauf hingewiesen, dass viele Heizungsanlagen nicht optimal laufen. Aber was ist tatsächlich die Ursache? Liegt es an einer "falschen" Heizlastermittlung? Oder falschen Rohrnetzdimensionierung? Oder liegt es nicht eher daran, dass die Anlagen falsch betrieben werden?


    Es liegt sicherlich nicht daran, dass der Wärmeerzeuger eine Nummer zu groß gewählt wurde, weil die Heizlast nicht nach EN12831 gerechnet wurde.


    Wenn so eine Anlage nicht richtig funktioniert, dann wurden normalerweise grundsätzliche Fehler begangen (beispielsweise LWP mit Puffer auf einen Heizkörperkreis mit 55/45/20 usw.), wobei ich eine fehlende Optimierung nach Inbetriebnahme (die läuft auf Werkseinstellung, das passt schon) als grundlegenden Fehler betrachte.

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  • klar, es gibt eben heute nicht mehr so eine allgemeine Einstellung, die immer funktioniert. Insbesondere bei den "modernen" Heizgeräten.
    Der HLSler bzw. Planer muss auch den Überblick und das Standvermögen haben, Bauherren größeren Blödsinn auszureden. egal wie hip der sein mag.

    Nachdenken kostet extra!

  • Der HLSler bzw. Planer muss auch den Überblick und das Standvermögen haben, Bauherren größeren Blödsinn auszureden. egal wie hip der sein mag.

    Aber der hat doch so ein schönes buntes Prospekt, und garantiert mir bis zu 30% Einsparung. Das kann doch nur gut sein. ;)

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  • JA das ist ja so das Problem,


    heute wird zu sehr auf das Nutzerverhalten gerechnet. Das ändert sich doch in der Lebensphase immer wieder mal.
    Und so ein Haus wird ja nicht nur für eine Generation gebaut. Manche verkaufen nach 10 Jahren ihr Haus wieder oder früher.
    Wenn nur noch nach Nutzerverhalten gerechnet wird und nicht auf langfristige Sicht, dann kannste ja froh sein das Manche Geräte nur noch eine halbwertzeit von 10-15 Jahren haben.


    Neulich hatten wir auch eine Begehung mit Bauherren, zuerst Raumtemp. 20°C und mit jedem Stockwerk und Raum stieg die Anforderung an die gewünschte Raumtemperatur.
    24°C für normale Zimmer war dann das höchste (kein Bad). Da hab ich dann aber die Notbremse gezogen.


    Und ja, es ist absolut korrekt, dass das Haus die Energie verbraucht und nicht die Heizanlage.
    Die Berechnungen sind teils so wahnwizig tiefgreifend, das das bautechnisch garnicht aufzufangen ist. Wird die Mörtelfuge unter der ersten Ziegelreihe doppelt so dick, ist das ganze schon wieder übern Haufen geworfen.
    So wie die Praxistaugliche arbeiten ablaufen, so sollte auch eine Berechnung auf die Praxis bezogen sein. Toleranzen eben.
    DIe theoretischen Berechnungen mögen ihre Daseinsberechtigung haben, mag auch in der Indstrie gut funktionieren.
    Die Automobilindstrie rechnet auch gut in der Theorei ihre Verbauchswerte runter. Praktisch wissen wir ja das es mehr sein wird. Will man das damit auch bezwecken?. EIn zusätzliches Kaufargument für Fertighäuser?
    Mein Haus ist 3Liter Sparsamer als das von Kollegen XY. Aber nur in der Theorie....

    You do what you have to do, man. :bier::yeah: