sparsamer Bauherr

  • Heute morgen rief mich ein Bauherr an, dem ich eine Ausschreibung zur Kenntnisnahme zugeschickt hatte:


    "Herr Skeptiker, Sie schreiben da schon wieder lauter so Kleinzeig aus, Zulagen für dieses und jenes. Das muss doch nicht sein! Bitte lassen Sie das 'raus!"
    "Aber diese Arbeiten werden eindeutig absehbar benötigt und sind nach [definition=48,0]VOB[/definition] (Anwendung wurde vereinbart) keine Nebenleistungen."
    "Herr Skeptiker, da werfen Sie mein Geld aus dem Fenster, das muss sofort aufhören, ich will das nicht!"
    "???"
    "Sie wissen doch überhaupt nicht, ob die Firma von allein darauf kommt, dass man das abrechnen könnte! Vielleicht kommen wir ja auch ohne durch. Das ist mein Geld. Diese ganzen Kleinpositionen lassen Sie weg!"
    "Und wenn es dann später überhöhte Nachtragangebote gibt?"
    "Dann müssen Sie nachweisen, um wieviel die zu hoch sind, dafür bezahle ich Sie doch! Also 'raus aus dem [definition=41,0]LV[/definition] mit dem Kleinscheiß!"


    :wall:


    ;(

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • OMG! :eek:


    Frechheit. Ich habe den Eindruck, es gibt immer mehr so Sparbrötchen.


    ---------- 1. März 2018, 12:18 ----------


    PS: Und nu? Wie machst Du es? Den erhöhten Aufwand fürs Nachtragsnachrechnen draufschlagen? :P

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Herzliches Beileid zu solchem Kunden.

    Danke!


    Off-Topic:



    ---------- 1. März 2018, 12:23 ----------



    PS: Und nu? Wie machst Du es? Den erhöhten Aufwand fürs Nachtragsnachrechnen draufschlagen? :P

    Klar, wie sonst? Da hier absehbar eine Doppelbearbeitung auf ausdrücklichen Bauherrenwunsch ansteht habe ich schnell ein sachliches Protokoll geschrieben, in der Jour Fixe unter Zeugen mit Anhang übergeben und auch dies protokolliert. Ein auskömmlicher Stundensatz für Leistungen, die über die Grundleistungen hinausgehen und für die keine Honorarvereinbarung getroffen werden kann ist für Mitarbeitern und Büroinhaber vertraglich vereinbart. :D


    trotzdem: :wall:

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  • Beitrag von Anda ()

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  • Wie stellt der Bauherr sich denn den Nachweis genau vor? Glaubt er, sein Architekt hat eine Glaskugel die ihm sagt, zu welchem Preis die Firma die Zulage im Wettbewerb angeboten hätte? Ist ja absurd.

  • Wie stellt der Bauherr sich denn den Nachweis genau vor? Glaubt er, sein Architekt hat eine Glaskugel die ihm sagt, zu welchem Preis die Firma die Zulage im Wettbewerb angeboten hätte? Ist ja absurd.

    Naja, nicht ganz so, wie es zunächst scheint: Wenn wir freie Planer im Rahmen der voll beauftragten Grundleistungen der HOAI Ausschreibungen erstellen, so müssen diese in der LP6 verpreist sein. Wenn man diese Daten nicht selbst hat, kann man auf entsprechende Datenbanken wie diese Baupreisdatenbank oder diese Baupreisübersichten zurückgreifen. Das geht jederzeit. Bei der öffentlichen Ausschreibung nach [definition=48,0]VOB[/definition] müsste die Urkalkulatiomn (versiegelt) vorliegen. In Summe beider lässt sich jeder Preis leidlich bewerten. Beim privaten AG liegt natürlich keine Urkalkulation vor.


    Bei meinem Bauherrn wäre die Nachkalkulation aber wirklich gaga, da überflüssig.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Nur um das kurz zu verstehen, du hast ein [definition=41,0]LV[/definition] Verzeichnis erstellt für die Ausschreibung an die Firmen.
    Der Bauherr will jetzt das 'Kleinteile' dort nicht auftauchen, damit
    Variante A = die Firma die Teile nicht berechnet bzw vergisst (gut für den Bauherren)
    Variante B = die Firma evtl. die Kleinteile über Nachtragsangebote noch reinholt.


    Also 50/50 für jedes 'Kleinteil' das weggelassen wird, wo der Bauherr evtl. daran spart ?


    Nachtrag
    "Dann müssen Sie nachweisen, um wieviel die zu hoch sind, dafür bezahle ich Sie doch! Also 'raus aus dem [definition=41,0]LV[/definition] mit dem Kleinscheiß!"


    Da kann die Firma nicht einfach für was bestimmtes, was vorher nicht vertraglich im [definition=41,0]LV[/definition] stand , den doppelten Preis nehmen.
    Gilt es da nicht auch die "Friss oder Stirb" Sache ? Er hätte es ja im [definition=41,0]LV[/definition] drin haben können? Das wird doch so oft davon geredet, wenn kein ordetliches [definition=41,0]LV[/definition] erstellt.

  • Gilt es da nicht auch die "Friss oder Stirb" Sache

    nicht ganz.


    wenn das sparbrötchen ein richtig fieses sparbrötchen ist , muss der hw für jeden handgriff ein nachtragsangebot schreiben , vorlegen ,auf freigabe warten ,.... und dann kommt er garnicht zum arbeiten . und so wird der eine und andere einiges einfach um sonst erledigen , damit er fertig werden kann ....


    perfide , aber leider oft genug anzutreffen.


    und dann wundert man sich , dass mancher Hw nur 98%ige arbeit abzuliefern bereit ist....

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Oder er macht es gar nicht. Macht das wofür er laut Vertrag ([definition=41,0]LV[/definition]) bezahlt wird und geht. Und die Arbeit liegt halb fertig da und man darf dann den Handwerkern hinterher rennen. Der Kleinkrämer handelt wohl so wie er es von seinem Laden gewöhnt ist und streicht alles was er für Kleinkram hält, also Kleinscheiß in seinem Laden. Er kapiert aber nicht, dass das [definition=41,0]LV[/definition] die notwendigen Arbeitsschritte beschreibt mit allen Teilen die nötig sind. Soll er eben raus streichen was er meint nicht zu brauchen und dann hat er den schwarzen Peter in der Hand, wenn der Bau ewig nicht fertig wird. Dann fehlen viele Details da und dort und sieht einfach besch... aus, wie eine ewige Baustelle... :rolleyes:


    Man stelle sich vor, Installateur baut Zeug ein und es fehlen die Dichtungen, weil der BH gemeint hat das ist Kleinkram, das soll raus. Handwerker geht und schreibt aber, dass es so nicht sein darf, weil etwas wichtiges fehlt und wartet darauf, dass der Bauherr angetanzt kommt und den Folgeauftrag vergibt die fehlenden Teile, also die Dichtungen, einzubauen. Als Handwerker würde ich mir die Arbeit vergolden lassen, weil ich noch die Arbeitszeit brauche das Zeug wieder auseinander zu bauen, um die Dichtungen rein zu machen und wieder zusammen bauen. Das ist doch ziemlich dumm vom BH es besser wissen zu wollen.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Dann fehlen viele Details da und dort und sieht einfach besch...

    und dann kann er sich in internetforen über abzockende/schlampende handwerker auslassen....



    Und die Arbeit liegt halb fertig da

    nicht alle hw sind abgezockt genug , das durchzuziehen (handwerkerehre, sowas gibt es noch ) und die sind dann die gelackmeierten .

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Zum Stillstand muss es nicht kommen:



    Ergo:
    1. Der Anspruch muss der Sache nach angemeldet werde.
    2. Die Kosten sobald diese bezifferbar sind. Entweder vorher - oder zeitnah...
    .

    öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Maurer- und Betonbauerhandwerk

  • .... muss der hw für jeden handgriff ein nachtragsangebot schreiben , vorlegen ,auf freigabe warten ,

    oder er hat es schon beim Ausfüllen des [definition=41,0]LV[/definition]`s mitgemacht und braucht es nur noch aus der Schublade ziehen, der HW weiß meistens schon vorher, was nachher noch kommt, oder kommen muß, um die Arbeiten vernünftig auszuführen ( wenn man das Köpfchen ein bisschen anstrengt, beim [definition=41,0]LV[/definition] ausfüllen und nicht nur Zahlen schreibt). :thumbsup::D

  • Der Einzelhandel macht im Einkauf die Marge, war schon immer so. Das färbt ab.
    Allerdings ist es fraglich, ob der gute Herr in der heutigen Lage überhaupt jemanden findet, der auf so ein Spar-LV antwortet. Wer seinen Laden und seine Qualität einigermaßen im Griff hat, braucht sich heute nicht mehr mit so einem Mist abgeben.

    The avoidance of taxes is the only intellectual pursuit that still carries any reward.
    - John Maynard Keynes -

  • Der Einzelhandel macht im Einkauf die Marge, war schon immer so. Das färbt ab.
    Allerdings ist es fraglich, ob der gute Herr in der heutigen Lage überhaupt jemanden findet, der auf so ein Spar-LV antwortet. Wer seinen Laden und seine Qualität einigermaßen im Griff hat, braucht sich heute nicht mehr mit so einem Mist abgeben.

    Genau das ist der Punkt: Kein einziger an den letzten Ladenumbauten beteiligter Handwerker wollte für das Eigenheim tätig werden, trotz angeblich bestem Einvernehmen ... <X und es ist schwer für ihn überhaupt Angebote tau bekommen. Die sind dann bis zu 50 % über marktüblichen Preisen. Hallo, Herr Bauherr, haben Sie eine Idee, weshalb?


    "Herr Skeptiker: Sie schreiben viel zu kompliziert aus, deshalb ist das alles so teuer, habe ich Ihnen doch schon gesagt!"

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Entweder kennen DIch die Handwerker nicht, dann bist DU ein weiterer Klischee Architekt, der kenei Ahnung von Ausschreibungen hat oder die kennen Dich und Deine LVs, dann riechen die, woher der Wind weht.


    Ich hab auch mal so einen Kunden gehabt (Einkäufer eines internationalen Spielwarenkonzerns) Dem hab ich höflich aber deutlich mitgeteilt, dass er sich entscheiden müsse zwischen billig und Qualität, da die Regeln seiner Branche (mir doch egal, wie Du zu dem Preis meine Standards schaffst) auf dem Bau nicht gelten würden.
    Der hats gefressen, aber zähneknirschend, weil er in der Bredulie saß, in der sich selbst gebracht hatte.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Ich finde es grundsätzlich schwierig mit einer solchen Bauherren-Order umzugehen. Letztendlich will er dem Handwerker weniger zahlen, als diesem zustünde. Er hofft halt, dass der Hw es nicht bemerkt. Dazu allerdings will er den Architekten zum "Mitwisser", nein, zum "Mittäter" machen.


    Das kann bedeuten, dass die Hw das Verhalten des Architekten als unfair empfinden, was auch und besonders für den A. nachteilig sein kann (bei zukünftigen Projekten). Zudem drohen, je nachdem um welchen Umfang an "Kleinscheiß" wir hier reden, ggf. größere Nachträge. Diese können den Bauablauf behindern (Nachtrag, Freigabe, Ausführung), müssen aber natürlich auch geprüft werden (es kann ja tatsächliche Nachträge geben, die auch Wolfgang evtl. nicht auf dem Schirm hatte), der A. darf dem BH gegenüber erläutern, erklären, wieso und warum diese nun notwendig sind.


    Insgesamt mehr Arbeit, ein möglicherweise gestörter Bauablauf und dass alles mit Ansage.

  • Stimme Thomas zu. Und - im Sinne des Bauherren ist preisgünstig und in vorgegebener Zeit. Mit solchen Vorgaben nicht möglich.

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  • Das Problem bei diesem speziellen Schlag Mensch ist doch, das die nicht von vornherein auf billig daher kommen: erstmal spricht man über die Dinge die man möchte: Tolles Design, Qualität etc. erst später fängt man an am Preis zu feilen.

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  • Ich würde ihm die Pistole auf die Brust setzen, nachdem ich ihm den Unterschied zwischen seiner Arbeit und dem Bau erklärt hätte. Wenn er dann nicht kapiert, dann sich einvernehmlich trennen. Es ist schon absehbar, dass es zu weiteren Problemen kommen wird.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Mal ganz doof gefragt: Ist die Sorge des BH nicht zumindest teilweise begründet?


    Ich halte den Skeptiker z.B. für einen weit überdurchschnittlich guten Architekten, dem ich durchaus zutraue [definition=41,0]LV[/definition] anzulegen, die einem (oftmals) eher schlecht kalkulierendem Handwerker erst aufzeigen, was er all die Jahre zuvor zu wenig abgerechnet hat, oder schlicht überschlägig (aber nicht auskömmlich) anderswo eingepreist hatte.


    Die Chance etwas umsonst oder unter Preis zu erhalten steht also dem Risiko eines (überhöhten) Nachtragsangebotes gegenüber. Wenn ich mir nun überlege, dass die überwiegende Mehrheit der Architekten einige Ligen unterhalb des hier vertretenen Niveaus spielt, sollte man meinen, dass gemeinhin die angesprochene Chance größer ausfällt, andernfalls würde man doch deutlich öfter (im Sinne von "regelmäßig") von entsprechenden Kostenüberschreitungen aufgrund von Nachträgen hören, oder?

  • würde man doch deutlich öfter (im Sinne von "regelmäßig") von entsprechenden Kostenüberschreitungen aufgrund von Nachträgen hören, oder?

    hören eher nicht , aber wenn man so in den internetforen liest , geht doch jedes dritte-vierte thema in richtung ..........$$$$$

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

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