Leistungserklärung für Geruchsverschluss

  • Hallo,


    für Duschwannen muss durch den Hersteller eine Leistungserklärung auf Grundlage der Bauproduktenverordnung erstellt werden.
    Weiß hier jemand, wie sich das mit Zubehör verhält?
    Im konkreten Fall:
    Unterliegen Geruchsverschlüsse für Duschwannen dem Geltungsbereich der Bauproduktenverordnung und muss hierfür auch eine Leistungserklärung erstellt werden.

  • Das ist eher eine juristische Frage und deshalb kann ich nur aus Technikersicht antworten.
    Natürlich ist ein Geruchsverschluss für eine Duschwanne ein Bauprodukt. Er ist auch keine Einzelanfertigung und wurde nicht auf der Baustelle produziert. Deshalb würde ich die Frage bejahen.
    Aber jetzt wirds kompliziert: Ein Geruchsverschluss funktioniert nie für sich alleine, sondern immer im Zusammenwirken mit der Duschwanne.
    Die Wannenhersteller prüfen zum Beispiel die Ablaufleistung einer Duschwanne mit einem ganz bestimmten Syphon. Wird ein anderer verwendet, zucken sie mit den Schultern und wissen von nichts.
    Ich hatte den Fall, dass eine bodenebene Wanne bereits nach wenigen Minuten Benutzung mit einer einfachen Handbrause überlief. Wir mussten teuer umrüsten lassen und konnten den Installateur nicht haftbar machen, weil der Sachverhalt in der Montageanleitung nicht vermerkt war.
    Hinzu kommt die völlig weltfremde Prüfnorm, die die Ablaufleistung erst bei einer Aufstauhöhe von (ich glaube es waren) 20 mm definiert. Eine Höhe, bei der viele Wannen bereits überlaufen.


    Bist Du Hersteller von Geruchsverschlüssen?




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Die Lage ist tatsächlich etwas kompliziert.


    Für einen Siphon an einem Waschbecken gibt es m.W. keine harmonisierte Norm, folglich auch keine [definition=24,0]CE[/definition] Kennzeichnung und keine Leistungseklärung. Ein Siphon ist auch kein eigenständiges (für sich funktionierendes) Produkt.


    Ein Siphon der in ein Produkt integriert ist, unterliegt der Kennzeichnung (und Leistungserklärung) für das Produkt in dem er eingesetzt wird.


    Bei Duschrinnen sieht die Situation anders aus. Hier gibt es eine EN1253, folglich eine [definition=24,0]CE[/definition] Kennzeichnung und auch eine Leistungserklärung.

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  • Erst einmal vielen Dank für die zügigen Antworten.


    Eine Leistungserklärung mit CE-Kennzeichnung darf m.M.n. nur ausgestellt werden, wenn harmonisierte Normen in Bezug zur Bauproduktenverordnung existieren.
    Die [definition=25,0]DIN[/definition] [definition=27,0]EN[/definition] 1253 ist nicht in der Liste der harmonisierten Normen enthalten. Demnach dürfte für Produkte auf Grundlage dieser Norm auch keine Leistungserklärung ausgestellt werden und kein [definition=24,0]CE[/definition] Kennzeichen angebracht werden.


    Ich stimme zu, dass die Hersteller von Duschwannen die Leistungserklärung auch auf die Geruchsverschlüsse beziehen können, wenn Sie diese dann mitliefern, bzw. mit diesen getestet werden.
    Für fremde Geruchsverschlüsse würde ich das auch nicht tun.


    Wir möchten Geruchsverschlüsse in Verkehr bringen, sind also Hersteller.
    Nach jetzigem Kenntnisstand würde ich keine Leistungserklärung ausstellen dürfen.

  • Sorry, musste jetzt erst einmal nachschauen. Du liegst richtig, die EN1253 wurde noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht, ist also nicht harmonisiert.


    Da es eine [definition=27,0]EN[/definition] gibt, diese aber noch nicht harmonisiert ist, ein passendes Europäisches Bewertungsdokument habe ich auch nicht gefunden, läuft es mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Verfahren gem. Anhang II der Bauprodukteverordnung hinaus (ETA durch einen TB)


    Ein Inverkehrbringen ganz ohne Kennzeichnung oder irgendwelche Verfahren, ist nicht denkbar, da es ja bereits eine [definition=27,0]EN[/definition] gibt die dieses Produkt berücksichtigt. Es ist somit nur eine Frage der Zeit, bis dieses Dokument harmonisiert wird. Man wird sich auch nicht darauf berufen können, dass diese Art von Produkt unabhängig von einer Kennzeichnung und/oder Bewertung vermarktet werden kann, da es keine wesentliche Merkmales eines Bauprodukts hat, denn ansonsten bräuchte es ja keine Norm die dem Baubereich zugeordnet werden kann. Das Produkt hat somit eindeutig wesentliche Merkmale eines Bauprodukts.


    Da bleibt dann wohl nur ein Anruf bei einer Prüfstelle bzw. TB. Vielleicht hat der eine Idee, wie man kostengünstig an eine Bewertung für dieses Produkt kommen kann, ansonsten würde ich mal schauen, wie groß der Geldbeutel ist, denn das wird alles nicht billig. Bis alles komplett ist, reden wir sicherlich über einen Betrag im satten fünfstelligen Bereich.

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  • Ich halte es mindestens für genauso wichtig, den Geruchsverschluss von allen Duschwannenherstellern prüfen zu lassen.
    Ich habe z.B. alle Firmen, die für uns arbeiten angewiesen, nur noch Abläufe einzubauen, die mit der jeweiligen Duschwanne zusammen geprüft wurden.
    Eine korrekt eingebaute ud trotzdem überlaufende Duschwanne reicht mir.




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    M.G.Wetrow

  • Ich halte es mindestens für genauso wichtig, den Geruchsverschluss von allen Duschwannenherstellern prüfen zu lassen.

    Das ist praktisch kaum machbar, dafür gibt es einfach zu viele Hersteller und Produkte. Wer soll das alles bezahlen?

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  • Soviele große Marken sind das gar nicht. Man kann sich ja auf die superflachen Wannen beschränken.
    Wie sieht denn die Alternative aus? Wer das Problem kennt, wird den Teufel tun und einen nichtgeprüften Ablauf einbauen.




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    M.G.Wetrow

  • Die Prüfung der Duschwannen erfolgt nach [definition=25,0]DIN[/definition] [definition=27,0]EN[/definition] 14527 ohne Geruchsverschluss.
    Einzig die Größe des Ablauchloches muss nach Norm sein, es sei denn, der Hersteller empfiehlt eine bestimmte Ablaufgarnitur.


    Ich habe mir noch einmal die Verordnung angeschaut. Dort heißt es:
    „Bauprodukt“ jedes Produkt oder jeder Bausatz, das beziehungsweise der hergestellt und in Verkehr gebracht wird, um dauerhaft in Bauwerke oder Teile davon eingebaut zu werden und dessen Leistung sich auf die Leistung des Bauwerks im Hinblick auf die Grundanforderungen an Bauwerken auswirkt.


    Wird ein Geruchsverschluss nach dieser Definition in ein Bauwerk eingebaut?

  • Wird ein Geruchsverschluss nach dieser Definition in ein Bauwerk eingebaut?

    Eine "Duschrinne" ja. Ein einfacher Siphon an einem Waschbecken, Nein. Jetzt ist die Frage, was Ihr genau in Verkehr bringen möchtet.


    Ich hatte nicht umsonst oben auf die "wesentlichen Merkmale" abgezielt, und wenn man in Anhang 1 der Bauprodukteverordnung schaut, wird das näher spezifiziert. Dort findet man unter anderem :


    3. Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz


    .........


    f) unsachgemäße Ableitung von Abwasser,


    Aber wie geschon geschrieben, es gibt nicht umsonst eine Norm die das Thema bearbeitet, auch wenn diese noch nicht harmonisiert ist.


    Es gibt sicherlich Produkte mit Interpretationsspielraum. Deswegen hatte ich ja geschrieben, TB fragen, vielleicht hat er ja einen guten Tag und segnet das ohne Aufwand ab. Damit wärst Du zumindest auf der sicheren Seite. Euer Produkt einfach so auf den Markt werfen, davon kann ich nur abraten. Ich behaupte, die meisten Überprüfungen im Rahmen der Marktüberwachung finden nach Hinweisen von Mitbewerbern statt. Als Hersteller tut man gut daran, wenn man sich entsprechend absichert. Ich empfehle meinen Kunden immer, besser eine schlechte Lösung als gar keine Lösung.

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  • Ich muss immer an den Bäckermeister Vetter mit seinem Brennwertofen denken.


    Off-Topic:


    Ich würde dem TE gerne empfehlen, produzieren einfach drauflos, aber meine Erfahrung sagt mir, dass so etwas böse enden kann. Ein großer Konzern steckt sechsstellige Strafen locker weg, Portokasse, aber einen kleineren Betrieb kann so eine Aktion das Genick brechen.


    Deswegen mein Rat, TB fragen, und nicht vergessen, wer schreibt der bleibt. Sollte der TB empfehlen das volle Programm zu fahren, dann wäre man gut beraten, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Das macht halt den Unterschied zwischen einem Hersteller in der EU bzw. in DE, und einem Hersteller in Asien. Letzterer verliert schlimmstenfalls ein paar Kartons an Waren, und exportiert schon nächste Woche unter neuem Namen und neuer Adresse weiter. Beim Hersteller in DE wird ein Apparat in Gang gesetzt, den man so einfach nicht aufhalten kann.

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  • Darf ich nochmal an die überlaufende Duschwanne erinnern?
    Es handelte sich um eine deutsche Markenwanne und einen deutschen Markenablauf mit dem richtigen Flanschdurchmesser und der richtigen Rohrnennweite. Trotzdem funktionierte beides zusammen nicht.
    Erst der vom Wannenhersteller benannte und geprüfte Ablauf verhinderte eine Überschwemmung des Bades.
    Wenn wir soweit sind, muss halt alles geprüft und attestiert werden.




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    M.G.Wetrow

  • Trotzdem funktionierte beides zusammen nicht.

    Wurde die Ursache gefunden?
    Ich würde vermuten, dass ein Siphon mit unzureichender Ablaufleistung auch mit anderen Duschwannen Probleme bereitet.

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  • Die Ursache waren ein paar Millimeter Aufstauhöhe die der Ablauf vom großen Hersteller mit "V" mehr brauchte, bevor er seine Nennablaufmenge erreichte.
    Die waren aber für die superflache Wanne zuviel.
    Bis wir das rausgefunden haben, vergingen ein paar Tage und etliche Telefonate, bis der technische Kundendienst des Wannenherstellers beiläufig sagte, dass sie immer mit einem bestimmten Ablauf von D...... prüfen.
    Nach Ausbau der Wanne und Einbau des anderen Ablaufs war alles ok, nur Wellen darf keiner machen.
    Neuerdings scheint der Wannenhesteller auf sich gelabelte Abläufe zu seinen Wannen anzubieten.




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    M.G.Wetrow

  • Die Ursache waren ein paar Millimeter Aufstauhöhe die der Ablauf vom großen Hersteller mit "V" mehr brauchte, bevor er seine Nennablaufmenge erreichte.
    Die waren aber für die superflache Wanne zuviel.

    Das ist das Problem mit den flachen bodentiefen Einbauten.
    Aber wie schon oben beschrieben wird die Prüfung des Ablaufs ohne Geruchsverschluss durchgeführt.

    Deswegen mein Rat, TB fragen, und nicht vergessen, wer schreibt der bleibt. Sollte der TB empfehlen das volle Programm zu fahren, dann wäre man gut beraten, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

    Sorry für die Frage, aber was ist ein TB?

  • Ich meinte mit Tb die "Technische Bewertungsstelle" gem. Verordnung.


    Je nach Land, Sprache, Verordnung, sind die Bezeichnungen leicht unterschiedlich. Markus hat oben das DiBt genannt. Man könnte auch nachschauen, welche Prüfstellen für den Bereich Haustechnik akkreditiert sind, und erst einm dort anfragen.

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  • Halte uns auf dem Laufenden.
    Ich könnte mir vorstellen, dass es auch eine einfache Lösung gibt. Das zu beurteilen ist anhand der bisherigen Infos aber nicht möglich.


    Du kannst Deine Anfrage auch schriftlich an die Bewertungsstelle richten. Hierzu wären ein paar "Daten" des Produkts hilfreich (Abmessungen, Anwendungsbereich zum Beispiel). Du musst zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu sehr in Details gehen, die Bewertungsstelle sollte aber schon wissen, ob es sich um eine Waschmaschine oder Intekrontinental-Rakete handelt. ;)


    Oder einfach mal telefonisch anfragen, und dann bei Bedarf Details nachreichen.


    Vielleicht möchtest Du auch etwas "Elektrisches" einbauen, Personenerkennung oder was weiß ich, dann fällt das eher in meinen Bereich. :)

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  • Wir möchten Geruchsverschlüsse in Verkehr bringen, sind also Hersteller.

    Gibt es das Bauteil schon länger oder handelt es sich um ein neues Produkt?


    "In Verkehr bringen" heißt nach EU-Verordnung "... erstmalige Bereitstellung auf dem Markt der EU ...".
    Länger existierende Produkte zu verkaufen ist nicht "in Verkehr bringen"


    Artikel 2 Nr. 17 EU-BauPV

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Vielleicht möchtest Du auch etwas "Elektrisches" einbauen, Personenerkennung oder was weiß ich, dann fällt das eher in meinen Bereich. :)

    Ein Geruchsverschluss mit Personenerkennung. Das wär doch mal was.


    Für Duschwannen wäre es doch denkbar. Die Wassermenge und Strahleinstellung personenbezogen zu steuern. :)


    ---------- 13. Februar 2018, 10:03 ----------


    Gibt es das Bauteil schon länger oder handelt es sich um ein neues Produkt?
    "In Verkehr bringen" heißt nach EU-Verordnung "... erstmalige Bereitstellung auf dem Markt der EU ...".
    Länger existierende Produkte zu verkaufen ist nicht "in Verkehr bringen"


    Artikel 2 Nr. 17 EU-BauPV

    Wir bringen es erstmalig in Verkehr.
    Hier besteht im übrigen auch eine Verpflichtung für Vertreiber von Handelsmarken.
    Dies gilt für Produkte, welche von einem Hersteller zugekauft werden und dann unter anderem Label durch z.B. den Großhandel vertrieben werden.
    Dieser wird nämlich dann zum Hersteller mit allen Verpflichten, welche sich hieraus ergeben.

  • Dies gilt für Produkte, welche von einem Hersteller zugekauft werden und dann unter anderem Label durch z.B. den Großhandel vertrieben werden.

    und es wird noch komplizierter, wenn die Produkte aus Ländern außerhalb der EU eingekauft werden, und evtl. noch ein Importeur zwischengeschaltet ist. Nicht umsonste wurden mit den neuen Verordnungen die Begriffe deutlicher definiert, denn zu Beginn gab es ein richtiges Chaos. Selbst die mit der Überwachung betrauten Stellen waren damit völlig überfordert.

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  • Hallo Zusammen,


    die Anfrage wird laufen, ich kann aber leider nicht mehr darüber berichten, da ich kurzfristig den Arbeitgeber wechseln werde.
    Ich möchte mich bei allen für die Diskussion bedanken.