Konzeptbewertung

  • Hallo in die Runde,


    ich hoffe ich habe unser Anliegen in das richtige Unterforum einsortiert und hoffe gleichzeitig auf einigen fachkundigen Input zu unseren Fragen.


    Objekt: Haus, Bj Ende 19. Jhd. bestehend aus dem ehemaligen Wohnhaus und der direkt anschließenden ehemaligen Scheune. Angrenzend an die ehem. Scheune gibt es noch ein Nachbarhaus.


    Erster größerer Umbau Mitte der 1930er Jahre: Einbau zweier Gauben im DG 1


    Umbau durch die Vorbesitzer Mitte der 1990er:

    • u.a. Einbau eines Kombiofens, der Wohn-/Essbereich (OG) heizt (Kachelofen und Warmluft) und die zwei darüberliegenden (Kinder-)zimmer (DG1) (nur Warmluft).
    • Ausbau der Scheune: OG: Schlafzimmer, Bad, Wintergarten, DG1: Galerie, einfaches Bad; Balken der Decken liegen jeweils frei
    • Dachdämmung: laut noch vorhandenen Unterlagen Aufsparrendämmung über dem ehem. Wohnhaus (Uniroll-Klemmfilz incl. PE-Folie als Dampfsperre WLG 035, 120 mm), durchgeführt von einem Dachdeckerbetrieb. Über der ehemaligen Scheune sieht die Lösung nach einer Zwischensparrendämmung Marke Eigenbau aus.
    • Dämmung Decke DG1/DG2: keine über im ehemaligen Wohnhaus, Styroporplatten im ehemaligen Scheunenteil

    Unsere aktuelle Zielsetzung: die zwei Kinderzimmer im ehemaligen Wohnteil sollen eine elektrische Zusatzheizung bekommen und generell die zugeführte Wärme besser halten.
    Das Bad (DG 1) im Bereich der ehemaligen Scheune soll neu gemacht werden. Belüftung über 2 [definition=7,0]DFF[/definition] (2x 55x98) Heizung: elektrisch -> vernünftige Dämmung muss her.
    Eine Fassadendämmung ist (momentan) nicht geplant.
    Der Spitzboden (DG 2) soll weiterhin nur als Lagerraum genutzt werden.


    Beauftragt für die Planung haben wir ein Unternehmen, das alle Gewerke und die Planung unter einem Dach hat und in der Denkmalpflege/Altbausanierung tätig ist.


    Die Planung/Maßnahmenbeschreibung liegt jetzt vor und wir hätten jetzt gerne an der ein oder anderen Stelle eine unabhängige fachkundige Meinung, weil uns das Wissen zu einer Bewertung einfach fehlt.


    Zunächst einmal zu den geplanten Dämmmaßnahmen (so wie wir sie verstehen): die bestehenden Sparren (12 cm) sollen dort wo sie offen liegen mit OSB-Platten (DG2) und Rigipsplatten (DG1) von innen versehen werden. Die Sparren selbst sollen aufgedoppelt werden (12/12cm). Gedämmt wird dann mit einer 24 cm Einblasdämmung (Holzfaser). Auf die Dachfläche außen kommt dann noch 20mm Holzfaser-Multitherm, Unterspannbahn und Eindeckung. Die Decke zwischen DG 1 / DG 2 blieb in der ersten Planung erstmal ohne Dämmung. Die Gauben sollen von außen mit 14 cm Holzfaserplatten gedämmt werden.


    Nachdem was ich mir jetzt im Internet so zusammengelesen habe, stellen sich uns v.a. folgende Fragen (die wir dem planenden Betrieb auch stellen):
    - Ist eine Dämmung des kompletten Daches wirklich sinnvoller als nur eine Dämmung der Dachschrägen und der obersten Geschossdecke? Gäbe es denn dafür eine sinnvolle Realisierung unter den genannten Randbedingungen?
    - Da ich davon ausgehe, dass die OSB- bzw. Rigipsplatten die Luftdichtigkeitsebene darstellen sollen, frage ich mich wie zuverlässig die Luftdichtigkeit hergestellt werden kann mit der Decke zwischendrin, der Mauer zwischen den beiden Gebäudeteilen, den beiden Gauben...
    - Muss das Bad aufgrund der höheren Feuchtebelastung nicht noch gesondert irgendwie behandelt werden?


    Die hoffentlich aussagekräftigen Pläne habe ich mal eingefügt.


    1. Dachgeschoss / 2. Dachgeschoss / Querschnitt


    Ich hoffe, dass ich erstmal nichts Wesentliches vergessen habe und bin gespannt auf die Rückmeldungen.


    Vielen Dank schonmal.

  • Zum Thema Dämmung kommen sicherlich noch Antworten, das wird aber etwas komplizierter.
    Ich wollte nur mal nachhaken, ob Du Dir das mit den el. Heizern gut überlegt hast. Das könnte evtl. noch funktionieren, wenn die Räume sehr gut gedämmt sind, die Heizlast also niedrig ist, und der Ofen den größten Teil der Heizlast abdeckt. Ansonsten musst Du bedenken, die [definition=38,0]kWh[/definition] Strom kostet min. 25Ct., das ist locker Faktor 4 im Vergleich zu Öl oder Gas. Die Betriebskosten der el. Heizer werden also schon ziemlich in´s Gewicht fallen.

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • erstmal die Bestandssituation klären:

    • Dachdämmung: laut noch vorhandenen Unterlagen Aufsparrendämmung über dem ehem. Wohnhaus (Uniroll-Klemmfilz incl. PE-Folie als Dampfsperre WLG 035, 120 mm), durchgeführt von einem Dachdeckerbetrieb.

    "Klemmfilz" als "Aufsparrendämmung" ist paradox. Entweder, oder, oder aber ganz großer Pfusch, den ich mir nicht vorstellen mag.

    • Dämmung Decke DG1/DG2: keine über im ehemaligen Wohnhaus, Styroporplatten im ehemaligen Scheunenteil

    Styropor hat bei einmaliger flächiger Verlegung auf einer Decke meist offene Stoßfugen, zwischen den Balken einer Holzbalkendecke ist es deshalb meiner Meinung nach völlig ungeeignet. Wie ist es hier verbaut?

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Ich wollte nur mal nachhaken, ob Du Dir das mit den el. Heizern gut überlegt hast. Das könnte evtl. noch funktionieren, wenn die Räume sehr gut gedämmt sind, die Heizlast also niedrig ist, und der Ofen den größten Teil der Heizlast abdeckt. Ansonsten musst Du bedenken, die [definition=38,0]kWh[/definition] Strom kostet min. 25Ct., das ist locker Faktor 4 im Vergleich zu Öl oder Gas. Die Betriebskosten der el. Heizer werden also schon ziemlich in´s Gewicht fallen.

    erstmal die Bestandssituation klären:

    "Klemmfilz" als "Aufsparrendämmung" ist paradox. Entweder, oder, oder aber ganz großer Pfusch, den ich mir nicht vorstellen mag.

    Styropor hat bei einmaliger flächiger Verlegung auf einer Decke meist offene Stoßfugen, zwischen den Balken einer Holzbalkendecke ist es deshalb meiner Meinung nach völlig ungeeignet. Wie ist es hier verbaut?

    Wo ist die Dampfbremse und die luftdichte Schicht zwischen den beheizten und den unbeheizten Räumen?

    Danke schonmal für die Antworten. Ich hatte einige Zeit keine Gelegenheit darauf einzugehen.


    Dass die Heizung mit Strom nicht zu den optimalen Heizmöglichkeiten gehört, ist uns bewusst. Der Ofen müsste den größten Teil der Heizlast in den Kinderzimmern abdecken können, wenn der größte Teil deren Außenflächen gedämmt ist. Das nur über Strom geheizte Bad hat 1. nur eine recht kleine Grundfläche und 2. soll über Zeitschaltuhr nur nach dem tatsächlichen Bedarf geheizt werden.


    Bestandssituation: die Aufsparrendämmung war eine Fehlinterpretation der noch vorhandenen Rechnung meinerseits. Vermutlich wurde der Klemmfilz zwischen die zum Inneren der Kinderzimmer aufgedoppelten Sparren eingebracht. Eine Nachfrage beim damals ausführenden Betrieb ergab leider keine genaueren Infos darüber.
    Bezüglich klären der Bestandssituation: wie detailliert sollte diese denn durch den beauftragten Betrieb erfolgen? Es wurde zwar eine vollständige Vermessung durchgeführt. Mehr aber für uns ersichtlich nicht.


    Verbauung des Styropors: im Bereich der ehemaligen Scheune sind die Balken von unten sichtbar. Auf den Balken liegen (Nut&Feder) Bretter und darauf liegt das Styropor.


    Dampfbremse/Sperre ist für mich aus der Leistungsbeschreibung nicht ersichtlich. Allerdings liest man ja auch in den unzähligen Informationen, dass sich unter gewissen Randbedingungen auch Aufbauten ohne Dampfbremse/-sperre realisieren lassen, ohne Bauschäden zu riskieren.


    Fällt denn jemand zu der Frage "Dämmung Geschossdecke+Dachschrägen" vs. "Dämmung komplettes Dach ohne Dämmung der Geschossdecke zur Bühne" etwas ein? Zweitere Variante scheint mir zumindest bzgl. Heizkosten die schlechtere Lösung zu sein, da der Dachboden ja nicht beheizt werden soll. Welche Variante bezüglich Anschlüssen/Übergängen die weniger kritische ist, kann ich beim besten Willen nicht einschätzen.

  • Dampfbremse/Sperre ist für mich aus der Leistungsbeschreibung nicht ersichtlich. Allerdings liest man ja auch in den unzähligen Informationen, dass sich unter gewissen Randbedingungen auch Aufbauten ohne Dampfbremse/-sperre realisieren lassen, ohne Bauschäden zu riskieren.

    Dann braucht es aber A. ein passendes Difussionsgefälle von innen nach außen und B. eine definierte Luftdichtigkeit. Erst dann kann das theoretisch funktionieren. Dampfbremse beschreibt letztlich nur eine bremsende Eigenschaft der Dampfsperre. Grob vereinfachst kann man sagen: Dampfsperre Bauteilschicht, Dampfbremse beschreibt die bremsende Funktion der Bauteilschicht. Die Kenngröße ist der sd_Wert.



    Welche Variante bezüglich Anschlüssen/Übergängen die weniger kritische ist, kann ich beim besten Willen nicht einschätzen.

    Ersteres ist laut den Plänen die einfachere aber eben auch nicht trivial. Wenn der Spitzboden nicht genutzt werden soll, dann hört die thermische Hüllfläche ab der letzten Geschossdecke auf. Für den Spitzboden ist dann entsprechende Belüftung vorzusehen, damit es oben zu keinem Luftstau kommt und sich daraus evtl. Feuchteschäden ergeben. Das wird wohl, wenn möglich, durch einen Firstschnitt und Löchern in den Giebelwänden zu bewerkstelligen sein. Oder aber man sieht das konstruktiv und planerisch in der Ebene Konterlattung zu Holzweichfaserplatte vor.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Beauftragt für die Planung haben wir ein Unternehmen, das alle Gewerke und die Planung unter einem Dach hat und in der Denkmalpflege/Altbausanierung tätig ist

    das ist gut. Aber verfolgt es auch Ihre Interessen in allen Punkten?
    hier soll mit Elektroheizung beheizt werden und wir suchen nach einer hierauf aufbauenden vernünftigen Lösung?
    Müssten wir nicht zuerst die Elektroheizung hinterfragen?

  • das ist gut. Aber verfolgt es auch Ihre Interessen in allen Punkten?hier soll mit Elektroheizung beheizt werden und wir suchen nach einer hierauf aufbauenden vernünftigen Lösung?
    Müssten wir nicht zuerst die Elektroheizung hinterfragen?

    Nun ja, unabhängig von der Heizungsart, sollte ja so oder so zumindest die oberste Geschossdecke gedämmt werden. Und auch die Dachschrägen sind in der vorliegenden Form sicher optimierungsbedürftig.
    Und da eine neue Heizung + Dämmung liegt nicht ganz im Rahmen unseres Budgets liegt, kam die Elektroheizung zunächst einmal von uns.
    Und wie schon gesagt: die Elektroheizung in den Kinderzimmern soll nur als Rückfalllösung gedacht sein, wenn ein Kind mal vor einem der Erwachsenen zuhause sein sollte, was sehr selten passieren wird. Und das Bad hat mit 6 qm (inkl Dachschräge) nicht wirklich viel Volumen.


    Was wäre denn als ein generell anderes Konzept vorstellbar - unter der Randbedingungen, dass die Hauptheizung weiterhin der Kombiofen bleiben soll.


    ---------- 27. Februar 2018, 17:08 ----------


    Dann braucht es aber A. ein passendes Difussionsgefälle von innen nach außen und B. eine definierte Luftdichtigkeit. Erst dann kann das theoretisch funktionieren. Dampfbremse beschreibt letztlich nur eine bremsende Eigenschaft der Dampfsperre. Grob vereinfachst kann man sagen: Dampfsperre Bauteilschicht, Dampfbremse beschreibt die bremsende Funktion der Bauteilschicht. Die Kenngröße ist der sd_Wert.


    Ersteres ist laut den Plänen die einfachere aber eben auch nicht trivial. Wenn der Spitzboden nicht genutzt werden soll, dann hört die thermische Hüllfläche ab der letzten Geschossdecke auf. Für den Spitzboden ist dann entsprechende Belüftung vorzusehen, damit es oben zu keinem Luftstau kommt und sich daraus evtl. Feuchteschäden ergeben. Das wird wohl, wenn möglich, durch einen Firstschnitt und Löchern in den Giebelwänden zu bewerkstelligen sein. Oder aber man sieht das konstruktiv und planerisch in der Ebene Konterlattung zu Holzweichfaserplatte vor.

    A: das passende Diffusionsgefälle hieße dann vermutlich Schicht für Schicht von innen nach außen kleiner werdende sd-Werte?
    B: die definierte Luftdichtigkeit kann man wie in unserem Fall durch eine fehlerfrei angebrachte OSB-Platte gewährleisten?
    Wie lange ist denn eigentlich ungefähr die "Haltbarkeit" fehlerfrei ausgeführten Übergänge?
    Benötigt man eine luftdichte Ebene auch, wenn eine Dampfbremse/-sperre verwendet wird?


    >>Erst dann kann das theoretisch funktionieren.
    Funktioniert es denn auch praktisch? Bzw. wie oft wird denn dieses Vorgehen gewählt? Meinem Eindruck nach scheinbar eher selten.


    >>Ersteres ist laut den Plänen die einfachere aber eben auch nicht trivial.
    Ich vermute aber mal, dass es keine triviale Lösung gibt. Oder?


    Ist es eigentlich möglich, sich die bauphysikalischen Berechnungen vom beauftragten Unternehmen zeigen zu lassen?