Anlasslose Korrektur der Kostenschätzung

  • Hallo,


    klingt sehr ähnlich wie der Titel von Isabell, aber ich wollte ihren Thread nicht kapern. Wie ich hier: KLICK berichtet habe, möchte unsere Architektin gern aus dem Vertrag. Nun scheint sie das für sich schon als beschlossen und abgemacht zu betrachten, jedenfalls hat sie uns heute die Schlussrechnung geschickt. Mal ganz abgesehen von diversen fehlenden Teilleistungen (Dokumentation, Kostenberechnung etc.) habe ich das zum Anlass genommen mir noch einmal die diversen Kostenschätzungen vorzunehmen.


    Dabei ist mir aufgefallen, dass einige Positionen ihrerseits mit der Zeit "korrigiert" wurden, obwohl dafür planungsbedingt kein Anlass bestand und/oder die neuen Zahlen nicht zu den alten passten.


    So wurde z.B. durch die Änderung von "Bestandsanbau sanieren" zu "Neuen Anbau erstellen" die Wohnfläche um 13m² vergrößert. Pro m² Bodenbelag waren 61€ angesetzt, womit sich die Position Bodenbelag folglich um 13x61=800 Euro erhöhen sollte. Tatsächlich weist die aktuelle Schätzung aber ein Plus von 3.500 Euro aus.
    Anderes Beispiel: Eine Treppe mit 6 Stufen und kl. Podest war ursprünglich mit 2.500 Euro kalkuliert. Mittlerweile stehen an der Stelle 4.500 Euro. Oder Abbruch von 3 Wänden (Stahlträger als Ersatz) und Verstärkung zweier Pfetten: Ursprünglich mit 17.000 angesetzt, mittlerweile sind es 19.000 obwohl eine Wand und die beiden Pfetten zwischenzeitlich entfallen sind.


    Darf die das?

  • hey, warum ist denn nicht mal was günstiger geworden? ;)
    nö, preise kennen meist nur eine richtung.


    auf welcher grundlage wurden die preise geändert? echt anlasslos?
    bspw treppe, alte kostenschätzung = 2500,- und neue kostenschätzung = 4500,-?
    einfach so? ohne zB stufenmaterial zu ändern?
    beim alten und neuen preis handelt es sich jeweils um den der kostenschätzung?
    oder will sie das jetzt als die fehlende kostenberechnung verkaufen?
    selbst wenn der neue preis aus einer kostenberechnung stammt, klingt ein
    upgrade von weit mehr als 30% erstmal erklärungsbedürftig.
    also - lass dir das von ihr erklären.


    die "schlussrechnung" und ihre folgen - das kann kompliziert werden.
    für mich zu kompliziert.

  • Ne, tatsächlich anlasslos. Die Treppe wurde z.B. teurer, als die Schätzung aufgrund der Änderungen beim Anbau aktualisiert wurde (das tangiert die Treppe gar nicht). So weit, dass wir übers Material hätten sprechen können, sind wir ja nicht gekommen. Bei der Statik und deren Kosten wurde sie immer leicht weinerlich, weil das ja alles so unvorhersehbar sei, ohne konkrete Berechnung. Wobei ich mir immer gedacht habe, dass es grundsätzlich natürlich im Altbau immer passieren könnte einen richtigen Schlag in den Nacken zu kassieren, aber im Regelfall doch einer erfahrenen Architektin die Kosten fürs Entfernen einer tragenden Wand in etwa bekannt sein sollten, oder? Was soll da groß kommen außer Träger + schlimmstenfalls 2 Stützen und die entsprechende Arbeit.


    Und ja, es handelt sich in allen Fällen (5) um "Grobe Kostenschätzungen", so zumindest der Titel. Ob sie das als Kostenberechnung verkaufen will, weiß ich noch gar nicht...wundern täte es mich nicht.


    Ich würde mich ja gar nicht beklagen, wenn sich bei der Kostenberechnung herausstellt, dass irgendwas teurer geworden ist (dafür lese ich hier auch zu lange mit), aber diese Änderungen wirken auf mich einfach nur wie "Huch, das könnte eng werden, lieber nochmal nach oben schrauben, merkt schon keiner, solange durch die nächste Streichung am Ende immer noch ne niedrigere Summe steht". Ärgert mich einfach, weil wir im Verlauf der Planung nach und nach auf immer mehr "Wünsche" verzichtet haben und jetzt unterm Strich nicht einmal 50% der "eigentlich" eingesparten Summe realisiert hätten. Das wirft natürlich auch kein gutes Licht auf die Gesamtplanung und deren Verlässlichkeit.

  • Ich würde mich zuerst auf die Frage konzentrieren, ob es festgelegte Regeln für die einseitige vorzeitige Beendigung eines Vertrages durch Architekten gibt. Ich kann nicht glauben, dass sich ein Architekt nach Gusto die Rosinen herauspicken und diese dann einfach nach Katalog abrechnen kann. Plausibler erscheint mir, dass der Bauherr grundsätzlich auf Erfüllung bestehen kann und die Modalitäten eines Aufhebungsvertrags letztlich reine Verhandlungssache sind (was auch andere schon suggeriert haben). Das sind aber Fragen für einen Anwalt. Am Ende können die Kostenschätzungen natürlich auch eine Rolle spielen, aber eine klar sekundäre.


    Eine Architektin, die Zeitnot als Argument für den Vertragsbruch vorgibt, hätte vermutlich auch keine besonders guten Karten, wenn sie danach mit erheblichem Aufwand (etwa vor Gericht) versucht, für Ihre Teilleistung den letzten Cent aus dem Bauherrn herauszuquetschen.


    PS: Sorry, hätte wohl besser in den anderen Thread gepasst. War mein letzter Beitrag zu dem Thema.