Land erschließen und bebauen

  • Hallo zusammen,


    erstmal möchte ich mich vorstellen, da ich ganz neu hier bin. Ich bin Phillip, gerade 27 geworden und komme aus der Region Hannover.


    Ich habe das Glück, dass meine Familie im Besitz von Land ist, welches im Flächennutzungsplan wahrscheinlich als Wohngebiet deklariert ist. Dieses Land möchte ich gerne erschließen bzw. erschließen lassen und auf einige der Grundstücke Mehrfamilienhäuser bauen. Der Rest soll an Familien für Einfamilienhäuser verkauft werden. Zurzeit wird die Fläche noch als Ackerland genutzt.


    Da ich noch komplett neu in dieser Materie bin hoffe ich, dass Ihr mir einige Fragen beantworten könnt. Ich habe mich schon durch einige Foren gelesen und mir anhand dessen meine ersten Schritte abgeleitet. Diese sehen wie folgt aus:


    1. Bei der Stadt eine Einsicht des Flächennutzungsplans beantragen, damit sichergestellt ist, dass das Land wirklich als potentielles Wohngebiet deklariert ist.


    2. Einen Antrag auf Baugenehmigung bei der Stadt stellen.


    Sind dies wirklich die ersten Schritte oder muss noch etwas weiteres unternommen werden? Muss vor dem Antrag auf Baugenehmigung ein Bodengutachten erstellt werden? Sollte die Fläche als potentielles Wohngebiet im Flächennutzungsplan stehen, wie schnell ist mit einer Baugenehmigung zu rechnen (Zurzeit herrscht ein Engpass an Baugebieten bei uns in der Stadt)?
    Ich habe gelesen, dass die Stadt immer ein Vorkaufsrecht hat. Stimmt dies? Wenn ja, wie würde der Verkauf und die Erschließung der Grundstücke ablaufen? Ist bei einem solchen Vorhaben eine private Erschließung üblich oder ist dies i. d. R. Aufgabe der Stadt? Wer erstellt eigentlich einen Bebauungsplan? Ist dies immer Aufgabe der Stadt?


    Entschuldigt die vielen Fragen, aber zu diesem Thema habe ich bisher kaum etwas finden können.


    Ich bedanke mich schonmal für alle Antworten und hoffe ich habe im richtigen Bereich gepostet.


    Allen einen schönen Restsonntag.


    Liebe Grüße,
    Phillip

  • Der Flächennutzungsplan alleine gibt noch kein Baurecht. Hierzu muss erst durch die Stadt ein Bebauungsplan aufgestellt werden, der die Bebauung regelt. Erst dann kann man daran denken, Einzelbaugenehmigungen zu beantragen. Die Aufstellung eines Bebauungsplanes obliegt der Planungshoheit der Stadt und es gibt keinen Rechtsanspruch des Grundstückseigentümers darauf.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Off-Topic:

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Einen "Antrag auf Erstellung eines Bebauungsplanes" ähnlich einem Antrag auf einen Personalausweis gibt es nicht. Es ist eine politische Entscheidung einen B-Plan für ein bestimmtes Gebiet jetzt aufstellen zu wollen und diesen dann später auch tatsächlich zu beschließen. Die Aufstellung ist ein komplexer Prozess unter Beteiligung diverser Personen(gruppen) und Behörden ist meist in mehreren Jahren bis zur Erlangung der Rechtskraft zu bemessen, es können auch Jahrzehnte sein.


    Mit gutem Beziehungen zur Lokalpolitik oder mit entsprechendem Druck auf diese, kann ein solcher Prozeß beschleunigt werden. Die lokale Öffentlichkeit nimmt dies aber oft wahr, sieht das dahinterstehende wirtschaftliche Interesse und als Grundeigentümer bekommt man im Ort viele neue Freunde.

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Das das nicht so einfach wird wie erhofft dachte ich mir schon.
    Und das nicht alle Menschen im Ort für eine Aufstellung sind ist mir auch bewusst.
    An wen muss man sich denn wenden um ein solches Unterfangen überhaupt zu beginnen? Bzw. was sind dann die ersten Schritte?

  • Die erste Aussage war: dass wahrscheinlich als Bauland ausgewiesen.


    Also ist erst mal zu klären, ob es nun als Bauland auch ausgewiesen wird.
    Dann wann wird der Flächennutzungsplan rechtskräftig.


    Danach kann erst mal über einen Bebauungsplan nachgedacht werden.


    Erschließungsträger?!? Gibt das die Gemeinde aus der Hand? Hat die glückliche Familie auch soviel flüssige Mittel, um eine Erschließung vor zu finanzieren?

    Nachdenken kostet extra!

  • Alles klar! Habe mir die Personen bei der Stadt bzgl. des Flächennutzungsplans schon rausgesucht. Werde da morgen direkt mal anrufen und nachfragen.
    Dann melde ich mich hier wieder.


    Ich danke euch erstmal für eure Antworten! Hat mir schonmal etwas weiter geholfen :)

  • Allein wirst Du das wohl nicht stemmen können. Aber erst mal schauen ob das entsprechend ausgewiesen ist. Dann muss man sich Freunde in der Politik machen, also in Vereinen aktiv werden, wo die Stadträte unterwegs sind. Sich mit denen anbandeln, ihnen gute Geschäfte in Aussicht stellen usw. So kann man das ungefähr in die Wege leiten. Liest sich wie Bananenrepublik, aber genau das sind wir. Du könntest das Gelände aber auch der Stadt für gutes Geld verkaufen, wenn solche Not herrscht und ihnen das schmackhaft machen. "Siehe hier ist Land das ich gerne los werden will, ihr braucht Wohnungen, also machen wir nen Deal." Man kann das auch scheibchenweise machen um sie anzufüttern. Baulöwen können das selbst machen. Die haben die Manpower, das Wissen und die Beziehungen. Du allein wirst da wohl nicht weit kommen, zumindest nicht so schnell...

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • wenn die Flächen im Flächennutzungsplan als Wohngebiet deklariert sind, und kein Außenbereich sind (in Sehnde gibts da durchaus Flächen, bei denen das so zu vermuten wäre), dann besteht Baurecht per §34, auch ohne Bebauungsplan.
    Dafür muss aber die Erschließung gesichert sein.


    Sofern das Verhältnis zu Stadt nicht irgendwie zerrüttet ist, würde ich mal das Gespräch suchen...

  • Wie schafft man es, dass die Stadt einen Bebauungsplan erstellt? Bzw. was muss dafür getan werden?

    Ich kenne da einen , der war Bauunternehmer , hatte Ackerland , und saß mit im Gemeinderat und hat so sein Ackerland zu Bauland gemacht.
    Ein Schelm wer böses dabei denkt .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Was heißt denn Außenbereich? Flächen am Ortsrand?


    Das klingt wirklich nach bananenrepublik die Fläche liegt nicht direkt in Sehnde, sondern einem Ort der zu Sehnde gehört. Und da direkt am Ortsrand. Es gab wohl schonmal Pläne zur Erschließung. Daher rufe ich morgen direkt mal bei der Stadt an

  • Ich kenne da einen , der war Bauunternehmer , hatte Ackerland , und saß mit im Gemeinderat und hat so sein Ackerland zu Bauland gemacht.Ein Schelm wer böses dabei denkt .

    ...das nennt man dann verbotenes Insider-Geschäft. Kann auch Ärger geben. Ein Gemeinderat bei uns im Dorf musste dann beim Grundstückspreise an die Eigentümer kräftig nachzahlen, als das aufkam.

    Was heißt denn Außenbereich? Flächen am Ortsrand?


    Das klingt wirklich nach bananenrepublik die Fläche liegt nicht direkt in Sehnde, sondern einem Ort der zu Sehnde gehört. Und da direkt am Ortsrand. Es gab wohl schonmal Pläne zur Erschließung. Daher rufe ich morgen direkt mal bei der Stadt an

    Außenbereich bedeutet außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile. Es dürfen nicht mehr als zwei, max. drei Bauparzellen zwischen der Bebauung liegen, damit ein [definition=52,1]Grundstück[/definition] noch dem Innenbereich zugehörig ist. Es wäre also durchaus gut, erst einmal vorsichtig bei der Stadt vorzufühlen.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Kann auch Ärger geben

    Es kommt ja noch lustiger , der war ja auch noch der Bauträger dort , und hat sogar die Planung ( ich glaube 4-5 9EFH ) verkauft ( kopiert ) ohne die Flurstücksnummern zu ändern .
    Aber Rose , mach Dir keine Sorgen , der hat schon seine Strafe bekommen , ging in Insolvenz , hat alles verloren und ist noch in den Knast eingefahren für ein paar Jährchen .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • Flächennutzungsplans

    Der Flächennutzungsplan ist eher als "grober Übersichtsplan" zu verstehen. Welche Gebiete sind Zukünftig und aktuelle für was gedacht. Landwirtschaftliche Flächen, Naturschutz, Wohnflächen, Gewerbe usw. usf.


    Daraus lässt sich kein Baurecht ableiten.


    Um bauen zu können muss entweder ein Bebauungsplan vorliegen (ist hier wohl nicht der Fall) oder man muss sich über den §34 um eine Baugenehmigung mühen. Das kann im Einzelfall auch geschehen, größere Flächen, die bebaut werden sollen, laufen dann aber wieder über einen zu erstellenden B-Plan.


    Ich würde erst einmal klären, ob die Gemeinde überhaupt einen Bedarf an Wohnraum sieht. Ist der gegeben, so mag man mit dem Vorschlag, dass doch genau dieses [definition=52,1]Grundstück[/definition] ideal ist auf offene Ohren treffen.


    Andererseits wird es auch andere Grundstücksbesitzer geben können, die sich auf diese Art eine massive finanzielle Aufwertung ihrer Landwirtschaftsbrachen erhoffen.


    Bei einer solchen Erschließung eines neuen Wohngebietes würden ja auch öff. Gelder benötigt um die öff. Wege, den Kanal, die E- Versorgung usw. sicherzustellen.


    Und: Der völlig unerwartete Wertzuwachs von normalem Land zu Bauland dürfte auch beim Finanzamt Begehrlichkeiten wecken.


    Fazit: das ist ein echt langer Weg, der da vor Dir liegt. Mit offenem Ausgang.

  • Meine Gemeinde geht glücklicherweise bei den letzten beiden Baugebieten den Weg, dass es die landw. Flächen vorher aufkauft, dann einen B-Plan erstellt und erschließt und die Grundstücke verkauft. So werden fast alle Grundstücke verkauft und auch zügig bebaut. Einige wenige Grundstücke gehen teils auch ohne Bauzwang an die ehem. Eigentümer der landw. Flächen.


    Bei den alten Baugebieten bestehen riesige Baulücken. Mehrere Dutzend unbebaute Grundstücke. Aber verkauft wird da nichts - man braucht halt kein Geld und Grundstücke sind aktuell eine gute Wertanlage.
    Da wurde damals anders vorgegangen, und die Eigentümer der landw. Flächen haben teilweise nur verkauft, was zur Deckung der Erschließungskosten notwendig war..


    Ich als Gemeinde würde B-Pläne nur für Flächen aufstellen, die größtenteils im Besitz der öff. Hand sind...

  • Danke für eure Antworten und eure Hilfe :) das der Weg lang und steinig ist dachte ich mir schon. Aber ohne den Versuch hat man natürlich auch keine Chance. Morgen Vormittag habe ich frei, da werde ich direkt zur Stadt fahren, mir den Flächennutzungsplan ansehen und versuchen einen Termin beim Bauamt auszumachen :)
    Ich melde mich dann wieder :)


    ---------- 9. Januar 2018, 15:10 ----------


    Ich war heute bei der Stadt und habe mir den Flächennutzungsplan angesehen. Die Fläche ist als Wohngebiet deklariert :)
    Leider waren die beiden Personen die für solche Anliegen zuständig sind nicht da. Ich habe aber die Namen und versuche die Tage einen Termin zu bekommen.

  • Toll, das ist aber auch nur die langfristige Planung, bzw die Willensbekundung der Gemeinde. Damit kommst Du noch nicht wirklich weiter. Jetzt fehlt noch der Bebauungsplan. Und dann liegen sehr viele Gespräche mit den Stadträten und BürgermeisterIn vor dir.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Ich weis, aber ist ja schonmal etwas. Ansonsten hätte ich hier ja schon aufhören können. Was glaubt ihr ist die beste Art in ein erstes Gespräch beim Bauamt zu gehen? Unvorbereitet nur das Interesse zu bekundenden, dass das Land bebaut wird oder bedarf es da etwas an Vorarbeiten und Vorplanungen?

  • Mein Ziel ist es ein paar Grundstücke zu behalten und diese mit Miethäusern zu bebauen und eins für mich zu behalten. Der Rest soll verkauft werden und als Eigenkapital für die Miethäuser dienen.
    Es sind ca. 4 Hektar.

  • Die Planungshoheit liegt bei der Gemeinde. Du musst also erst einmal nicht mit Planungen bei denen auflaufen. Aber Du darfst sicher mal höflich vortragen, was Du Dir vorstellst und nach den Möglichkeiten einer Ausweisung fragen. Da ist in erster Linie Verhandlungsgeschick gefragt.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Wenn Du Miethäuser machen willst, dann wäre eine Idee u.U. zu einem Bauträger zu gehen und mit ihm als Partner die Sache durchzuziehen. Evtl. gibt es in eurer Gegend noch eine Wohnungsbaugesellschaft, evtl. eine gemeinnützige, oder eine, die mal eine war und verkauft wurde, aber immer noch dabei ist. Die haben oft nen Draht zu den Gemeinden und können solche Gebiete entwickeln. U.U. ist der Draht so gut, dass sie einen Bebauungsplan forcieren können, wenn sie mit entsprechenden Argumenten auftreten.


    Als erstes jedenfalls erst mal den Bebauungsplan anschauen und dann mit den Leuten reden ob dort irgend was in der Mache ist, ob die Gemeinde irgend was im Petto hat dort was machen zu wollen. Mit konkreten Ideen würde ich erst mal nicht aufschlagen, sondern nur erst mal hören was geplant ist, wenn überhaupt. Mehr kann das Bauamt eh nicht sagen, wenn z.B. kein Bebauungsplan für das Gebiet vorliegt.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

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    Als erstes jedenfalls erst mal den Bebauungsplan anschauen und dann mit den Leuten reden ob dort irgend was in der Mache ist, ob die Gemeinde irgend was im Petto hat dort was machen zu wollen. Mit konkreten Ideen würde ich erst mal nicht aufschlagen, sondern nur erst mal hören was geplant ist, wenn überhaupt. Mehr kann das Bauamt eh nicht sagen, wenn z.B. kein Bebauungsplan für das Gebiet vorliegt.

    Es gibt doch noch gar keinen Bebauungsplan - das war ja der Punkt! Das Bauamt ist hier die falsche Anlaufstelle. Für die Ausweisung von Bauland mittels B-Plan ist die Gemeinde bzw. Stadt zuständig.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!