Fragen zum Austrocknen des Rohbaus

  • Hallo zusammen,


    bei unserer aktuellen und der vorangegangenen Mietswohnung wurde jeweils im Frühjahr mit dem Bau begonnen und wir sind noch im selben Herbst eingezogen. Bei beiden Wohnungen hatten wir erhebliche Probleme mit Feuchtigkeit (Risse im Putz, Stockflecken). Dieses Frühjahr beginnen wir nun endlich mit dem Bau unseres Eigenheims, bei dem wir diese Probleme von vornherein so gut wie möglich vermeiden wollen.


    Zum Austrocknen des Rohbaus hätte ich deshalb folgende Fragen:
    - ist es sinnvoll den Rohbau überwintern zu lassen, oder macht das keinen nennenswerten Unterschied? Rein aus Kostensicht würden wir natürlich gerne schon im Herbst einziehen, um nicht unnötig weiter Miete zu bezahlen.
    - trocknet ein Rohbau eher über den Luftzug durch gekippte Fenster oder über die Diffusion durch das Außenmauerwerk - in unserem Fall gefüllte Wärmedämmziegel?
    - welchen Einfluss hat dabei der Zeitpunkt des Außenputzes und des Fassadenanstrichs (Silikon-Harzfarbe oder Silikatfarbe)? Was die Kosten angeht spricht alles für ein schnellstmögliches Verputzen, da wir dann nur einmal ein Fassadengerüst benötigen
    - wir haben eine Lüftungsanlage mit Enthalpie-Wärmetauscher geplant. Ist es sinnvoll zunächst einen konventionellen Plattenwärmetauscher einzubauen, um der Feuchtigkeit Herr zu werden?


    Schonmal vielen Dank vorab!


    Martin

  • Heutzutage , will man ja meist schnell einziehen , weil man meist noch eine Mietbelastung inne hat , da wird "überwintern " nicht mehr gemacht . früher gab es Trockenwohner , kannst ja mal bei Wikipedia danach suchen wenn´s Dich interressiert .
    Ich würde mal sehen das nicht unnötig viel Wasser ins Haus eingebracht wird , dann muss auch nicht soviel wieder raustrocknen!
    GAnz wichtiger Punkt : Mauerkronen abdecken bei Arbeitsende .
    Erdfeuchten Estrich anstatt Fließestrich . usw usf .
    Luftentfeuchter können auch eine Hilfe sein .
    Zu der KWL kann ich nix wissenswertes beitragen .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • die meißte Feuchtigkeit kommt in das Gebäude durch Innenputz und Estrich.
    nach meiner Einschätzung ist die Entfeuchtung durch Lüftung die effektivste Entfeuchtung, sofern das Außenklima einigermaßen passt.
    Ich habe dazu schon einige Versuche/Messungen gefahren und komme je nach Bauweise auf einen ca. 0,3-0,4-fachen Luftwechsel bei nur sehr mäßiger Beheizung (schnelles Hochheizen bringt zu schnell zu viel Feuchte in den Raum, die durch entsprechend hohen Luftwechsel abtransportiert werden muss...).
    Dabei habe ich immer einfache Ventilatoren gewählt, z.B. in eine Spanplatte montiert, provisorisch in eine Fensteröffnung eingebaut, kosten nur ein paar Euro. Idealerweise werden diese m.E. in den obersten Geschoßen, tendenziell eher an der Ostseite des Gebäudes, eingebaut.

  • Dabei habe ich immer einfache Ventilatoren gewählt, z.B. in eine Spanplatte montiert, provisorisch in eine Fensteröffnung eingebaut, kosten nur ein paar Euro.

    Die Idee ist ja genial , mit einer Zeitschaltuhr versehen wahrscheinlich dann unschlagbar .
    Man kann natürlich auch die Handwerker mal fragen , ob sie denn regelmäßig mal (Stoß) lüften können , wird aber nicht immer funktionieren .
    Das mit den Lüftern merke ich mir jedenfalls mal für später .


    Ich habe zumindest auch einen großen Luftentfeuchter , den biete ich meinen Kunden auch leihweise an , der eine will , der andere eben auch mal nicht nicht .
    Es ist schon unglaublich viel Wasser was in so ein Haus durchs bauen eingebracht wird .

    Wer aufhört besser zu werden, hört auf ,gut zu sein

  • die Zeitschaltuhr kannst Du machen. Aber auch weglassen. Wichtig wäre, dafür zu sorgen, dass auch immer Strom da ist ;)
    Vor allem nachts, am Wochenende, gerne auch an Weihnachten und solchen Feiertagen ist die ventilatorgestützte Baustellenlüftung einfach ideal.

  • Der gefährlichste Zeitabschnitt ist der kurz vorm Ende.
    Innenputz wird reingeklatscht, sobald der Putzer Innen fertig ist geht er nach draußen und Innen werden sofort die Dämmplatten ausgelegt und der Estrich eingebracht. Spachtelmasse, Farbe, Böden etc. folgt viel zu schnell darauf. Dann werden die Schränke vor die feuchte Wand gestellt und man fragt sich warum alles schimmelt/ modert.


    Bei mir privat habe ich die Bauzeit insgesamt auf zwei Jahre ausgedehnt und finde dies das Optimum. Das Bauwerk und dessen Materialien brauchen einfach Zeit abzubinden, sich zu setzen und zu trocknen.


    Das gehört natürlich zuvor ordentlich mit dem Bauträger/ Architekten/ Bauleiter... abgesprochen und ein Bauzeitenplan fixiert. Ansonsten wird dein Bau immer weiter nach hinten geschoben und du hast das selbe schlechte Ergebnis.



    Innen und außen habe ich Silikatfarben um die Diffusion "offen" zu halten.



    Bei der Lüftungsanlage würde ich zuerst das Gerät ohne Ethalpie- Wärmetauscher kaufen. Solltet ihr dann im Winter starke Probleme bekommen, könnt ihr den Ethalpie- Wärmetauscher immer noch nachrüsten. Im Sommer kann man so auch wieder auf den normalen Wärmetauscher zurück greifen.

  • sobald der Putzer Innen fertig ist geht er nach draußen und Innen werden sofort die Dämmplatten ausgelegt und der Estrich eingebracht. Spachtelmaße, Farbe, Böden etc. folgt viel zu schnell darauf. Dann werden die Schränke vor die feuchte Wand gestellt und man fragt sich warum alles schimmelt/ modert.

    Der Außenputz sollte aber nur eine vernachlässigbare Größe sein, denn der Innenputz trocknet ja nicht durch die "atmende" Außenwand ab, sondern gegen die Umgebungsluft (Innenraum) die eben entsprechend aufnahmefähig sein muss. Ist sie wasserdampfgesättigt, trocknet auch nichts mehr. Was hilft da? Richtig! Lüften. Estrich dto.


    Schränke vor noch nicht vollständig ausgetrocknete Wände zu stellen ist natürlich wirklich eine echte Schimmelgefahrenquelle. Am Besten etwas Abstand zur Wand lassen.

    Das Bauwerk und dessen Materialien brauchen einfach Zeit abzubinden, sich zu setzen und zu trocknen.

    Naja...setzen sollte sich da nichts, höchstens das gesamte Bauwerk ein wenig, aber nicht dessen Einzelteile unterschiedlich stark.


    Richtig ist aber, dass einige Bauteile etwas Zeit benötigen. Schönes Beispiel: Beton. Dieser schwindet und kriecht...wird (flächen- und volumenmäßig) weniger. Diese Bewegungen macht der Putz aber nicht mit und wird reißen. Gibt man dem Beton etwas mehr Zeit, werden diese Bewegungen zusehends weniger, hören aber nie gänzlich auf.

  • Der Außenputz ist deshalb ein Problem, da die Fenster mit Folie "zugeklebt" werden und somit das Lüften stark eingeschränkt wird.

    Außenputz haben wir mit deutlichem Abstand zum Estrich bekommen. Da wir ein Holzhaus gebaut haben und innen alles mit Trockenbauplatten verkleidet wurde, gab es keine Probleme mit dem Trocknen. Wir haben aber auch immer fleißig gelüftet und das Haus war vor Weihnachten weitgehend fertig.


    Würde ich massiv bauen, wäre Alfons Fischers Vorschlag mit den Ventilatoren meine erste Wahl - das finde ich fast schon genial.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Vielen Dank für die zahlreichen Antworten. Die Zeit in der die Fenster abgeklebt sind würde sich bei uns auf ca. 4 Wochen belaufen, da wir einen zweilagigen Außenputz bekommen und die erste Lage eine gewisse Standzeit hat, bevor der Oberputz drauf kommt.

  • wenn ihr diesbezüglich bereits "gebrannte kinder" seid, geht mMn kein weg an einer professionellen Bautrocknung vorbei.
    Nur damit ist man wirklcih auf der sicheren Seite bei kurzen Bauzeiten....bei Massivbauweisen (wie offensichtlich geplant) umso mehr.
    Die genannten Lösungen sind evtl für manche Randbedingungen noch ausreichend, fällt die kritische Phase in eine Zeit wie Juli/August 2015 wird man damit aus meiner Sicht eher nicht zu einem befriedigenden Ergebnis kommen...und das Wetter kann man nicht planen...

  • Die Zeit in der die Fenster abgeklebt sind würde sich bei uns auf ca. 4 Wochen belaufen, da wir einen zweilagigen Außenputz bekommen und die erste Lage eine gewisse Standzeit hat, bevor der Oberputz drauf kommt.

    eine ventilatorgestützte Lüftung funktioniert auch bei abgeklebten Fenstern.
    Ich habe den Ventilator schon am Klo in den Abwasserabfluss montieren lassen und dort die Abluft reingeblasen...

  • eine ventilatorgestützte Lüftung funktioniert auch bei abgeklebten Fenstern.Ich habe den Ventilator schon am Klo in den Abwasserabfluss montieren lassen und dort die Abluft reingeblasen...

    Na dann hoffen wir mal, dass derjenige den Ventilator dann auch richtig rum einbaut, sonst <X

  • @Alfons Fischer - von welcher Ventilatorstaerke redet ihr? Reichen 200 m3/h bei einem EFH?

    Alfons schrieb von einem 0,3 - 0,4-fachen Luftwechsel. Das wären bei der typischen Größe eines mittleren EFH von 150 - 200 m2 Wohn- + Nutzfläche 450 - 600 m3 Luftvolumen x 0,4-facher Luftwechsel = 180 - 240 m3 / h kommt das grob hin. (Wobei die Nennwerte immer für "frei blasend" angegeben werden.)

    mit Gruß aus Berlin vom Skeptiker


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  • Ich denke, gerade im Herbst kann das Lüften aufgrund der Temperaturen und Luftfeuchtigkeit der Außenluft schwierig werden. Ich würde für diese Zeit über einen kleinen Kondestrockner nachdenken. Der trocknet auch, wenn es draußen regnet, wenn die Fenster angeklebt sind oder anderweitig eine Luftzufuhr /Luftabfuhr erschwert ist oder wenn die Heizung (noch) nicht läuft.


    Rein theoretisch dürfte dabei auch weniger Energie verloren gehen, weil ggf. erwärmte Luft nicht nach draußen geblasen wird und die Kondensationsenergie im Raum bleibt. Strom braucht’s trotzdem und die Auffangbehälter müssen auch regelmäßig geleert werden.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • die Kondenstrockner sind halt eine der teuersten Möglichkeiten zur Bautrocknung. Gleich gefolgt von der Trocknung über eine Luftwärmepumpe.


    Bei einem EFH reichen oft 1 oder 2 Stück 100mm-Lüfter oder ein 125/150er


    Ob das Trocknen über Lüftung funktioniert, hängt natürlich von den Absolut-Luftfeuchten innen und außen ab

  • die meißte Feuchtigkeit kommt in das Gebäude durch Innenputz und Estrich.
    nach meiner Einschätzung ist die Entfeuchtung durch Lüftung die effektivste Entfeuchtung, sofern das Außenklima einigermaßen passt.
    Ich habe dazu schon einige Versuche/Messungen gefahren und komme je nach Bauweise auf einen ca. 0,3-0,4-fachen Luftwechsel bei nur sehr mäßiger Beheizung (schnelles Hochheizen bringt zu schnell zu viel Feuchte in den Raum, die durch entsprechend hohen Luftwechsel abtransportiert werden muss...).
    Dabei habe ich immer einfache Ventilatoren gewählt, z.B. in eine Spanplatte montiert, provisorisch in eine Fensteröffnung eingebaut, kosten nur ein paar Euro. Idealerweise werden diese m.E. in den obersten Geschoßen, tendenziell eher an der Ostseite des Gebäudes, eingebaut.

    Habe meine Fragen zum Thema auch mal hier reingeschrieben, um nicht ein neues Thema eröffnen zu müssen, da bei mir das Keller verputzt werden soll:
    1.) Hast du dann mehrere Lüfter nach außen blasen lassen oder auch welche die Luft in den Bau reinblasen?
    2.) Gibt es dann nicht das Problem mit Zuluft oder sind die bewegten Luftmassen dazu zu gering?
    3.) Geht es bei gekippten Fenstern nur um das Auskühlen der Leibungen? Oder wie ist es, wenn nur der Keller verputzt wird, die anderen Stockwerke aber in Trockenbau ausgeführt sind? Macht es Sinn, im EG oder OG Fenster gekippt zu lassen, um den Keller zu trocknen oder kühlt somit alles zu sehr aus?
    Vielen Dank


    ---------- 10. Januar 2018, 11:06 ----------


    die Kondenstrockner sind halt eine der teuersten Möglichkeiten zur Bautrocknung. Gleich gefolgt von der Trocknung über eine Luftwärmepumpe.


    Bei einem EFH reichen oft 1 oder 2 Stück 100mm-Lüfter oder ein 125/150er


    Ob das Trocknen über Lüftung funktioniert, hängt natürlich von den Absolut-Luftfeuchten innen und außen ab

    Da es mich gerade interessiert, habe ich gesehen, dass du im alten Forum öfter von "Baustellenlüfter nach Fischer" erwähnt hast und dass du dazu Versuche mit Datenloggern etc machen wolltest. Wurden diese Tests gemacht und bist du zu einem Ergebnis gekommen? Konnte dazu leider nix konkretes finden. Wäre doch interessant zu lesen.
    Benötigen die Lüftungsvariante Zuluft?
    Vielen Dank

  • habe ich gesehen, dass du im alten Forum öfter von "Baustellenlüfter nach Fischer" erwähnt hast

    Also, der genannte "Fischer", das bin ich. Ist halt auf meinem Mist gewachsen und ich hab vorher noch nirgens was gelesen, dass sich jemand mit dieser Thematik etwas tiefer auseinandergesetzt hat, mal abgesehen vom üblichen "ab und zu mal ordentlich durchlüften"... Also hab ich das kurzerhand so benannt.
    Ich mach halt gern Raumklimamessungen in Gebäuden über längere Zeiträume, um diese einschätzen zu können. habe auch mal ne Kirche über ein dreiviertel Jahr gemessen (dann war die Batterie leer)...
    Die erste Messung in einer Kirche sogar noch mit einem Trommelschreiber...


    und dass du dazu Versuche mit Datenloggern etc machen wolltest. Wurden diese Tests gemacht und bist du zu einem Ergebnis gekommen? Konnte dazu leider nix konkretes finden.

    ja, diese Tests habe ich durchgeführt. Mehrere.


    zunächst mal auf einer Baustelle, bei der tatsächlich ein Lüfter in die Abwasserleitung geblasen hat mit nur subjektiven Eindruck des Maurers "das bringt aber viel!"


    dann mal am Neubau eines Kindergartens in Holzrahmenbauweise mit Nassestrich, bei dem ich nicht nur die Luftklimadaten, sondern parallel den Verlauf der Holzfeuchte an im Raum verbauten Hölzern (Deckenbalken etc.) dokumentiert habe.


    Und dann zum Beispiel nur mal grob bei der Sanierung eines Bestandsgebäudes eines der Forennutzer des Grünen, mit viel neuem Innenputz...


    Ergebnis bzw. eine grobe Handlungsempfehlung hatte ich hier schon reingeschrieben: ein 0,2-facher Luftwechsel reicht wohl nicht, um wirklich die Feuchte schnell genug raus zu bekommen. Auch wenn es rechnerisch reichen müsste... Aber die Durchlüftung ist wohl nicht an allen Stellen des Raums so gut, dass die Feuchte schnell genug (also ohne dass dabei andere Bauteile wieder auffeuchten) abtransportiert wird.
    Und daher hab ich mal (ohne weiteren Beleg) proklamiert, dass wir wohl bei ganz mäßiger Beheizung einen etwa 0,3- bis 0,4-fachen Luftwechsel anstreben sollten...

  • Muss leider nochmals nachhaken: gab es dann bei den Versuchen eine konkrete Zuluft oder wurde rein nach außen geblasen?

  • nein, keine konkrete Zuluft. Die Gebäude waren jeweils schon allein durch einfache Blech-Bautüren und noch nicht endgültig verschlossene Installationsdurchdringungen undicht genug.


    bei der Sanierung einer Schule mal hab ich bewusst Fenster kippen lassen, als "Zuluftelemente". Ausgewählt, welche Fenster das sein sollen, wurde dies von mir. Halt grob gegenüber der Ausblasventilatoren. Auch dieser Fall damals bezüglich des Raumklimas dokumentiert und mit Holzfeuchtemessungen hinterlegt.